Klimabilanz Agrarenergie
Warum Agrarenergie nicht zum Klimaschutz beiträgt
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Was ist Agrarenergie?
Agrarenergie ist Energie, die aus Biomasse erzeugt wird. Die wichtigsten
Agrarenergieprodukte sind die "Bio"kraftstoffe"Bio"-Ethanol und
"Bio"-Diesel sowie "Bio"-Gas, das meist zur Stromerzeugung genutzt
wird. Da diese Energieträger nicht ökologisch produziert werden, verwenden
Umweltorganisationen lieber die Vorsilbe "Agrar" statt "Bio". Agrarethanol
wird vor allem aus Mais, Getreide und Zuckerrohr, Agrardiesel vor allem
aus Raps hergestellt. Agrargas wird vor allem aus Mais hergestellt.
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Energie aus Biomasse wird als klimafreundliche Alternative zu fossiler Energie
beworben und weltweit gefördert. Doch tatsächlich beruht die angeblich
positive Klimabilanz dieser Agrarenergie auf einer Reihe falscher Annahmen.
Fakt Nummer 1: Verbrennen von Biomasse ist nicht CO2-neutral
Beim Verbrennen von Biomasse entstehen etwa gleich viele Emissionen wie beim
Verbrennen von Öl oder Kohle. Dennoch werden diese CO2-Emissionen,
die beim Verbrennen im Automotor oder in der Agrargasanlage entstehen, nicht
in die Klimabilanz der Agrarenergie miteinbezogen. Denn bisher gingen alle Klimabilanzen
davon aus, Verbrennen von Biomasse sei CO2-neutral. Doch diese schwerwiegende
Verzerrung der Klimabilanz von Agrarenergie beruht auf einem Denkfehler, wie
eine
Studie des wissenschaftlichen Komitees der Europäischen Umweltagentur
kürzlich bestätigte.
Zwar wird beim Verbrennen
von Biomasse die gleiche Menge Kohlenstoff frei, die der Atmosphäre durch das
Wachstum der Pflanze entzogen wurde. Was in dieser Rechnung jedoch vergessen
wird:
Ein Acker entzieht der Atmosphäre deutlich weniger CO2 als Wald-
oder Moorflächen. Würden wir also statt des Energiepflanzenanbaus Moore und
Wälder renaturieren, könnten große Mengen an CO2 gespeichert werden. Auch eine
flächendeckende Umstellung auf Ökolandbau würde im Vergleich zur konventionellen
Landwirtschaft CO2 einsparen. Der Klimanutzen von Agrarenergie müsste
also an der maximal möglichen CO2-Reduktion pro Hektar gemessen werden.
Fakt Nummer 2: Industrielle Landwirtschaft ist Hauptverursacher von Klimagasen
Die Landwirtschaft verursacht weltweit 14 Prozent der Klimaemissionen. Der
Großteil davon (circa drei Viertel) entsteht durch Stickstoffdüngung und Humusverlust.
Rechnet man die agrarbedingte Entwaldung mit ein beträgt der Anteil der
Landwirtschaft sogar 25 Prozent der Gesamtemissioenen.
Stickstoffdüngung
Stickstoffdünger schadet dem Klima auf zwei Arten: Erstens ist die Herstellung
besonders energieintensiv und verursacht damit hohe CO2-Emissionen. Zweitens entweicht
auf dem Feld überschüssiger Stickstoff in Form von Lachgas als besonders klimaschädliches
Gas in die Atmosphäre.
Humusverlust
Zweites Klimaproblem der industriellen Landwirtschaft ist der Humusverlust.
Als Humus bezeichnet man die tote organische Substanz im Boden, von der sich
u.a. die Bodenlebewesen ernähren, die für einen gesunden Boden unverzichtbar
sind. Wird Humus
abgebaut, entweicht aus dem Boden Kohlenstoff, was den Klimawandel beschleunigt.
Durch industrielle Landwirtschaft nimmt der Humusanteil im Boden beständig ab.
Extrem hohe Emissionen verursacht die Landwirtschaft auf Moorböden. Werden
diese entwässert, baut sich die teils meterhohe Torfschicht ab und setzt
dabei Kohlendioxid und Lachgas frei. Fast ein Zehntel der heute landwirtschaftlich
genutzten Flächen Deutschlands befinden sich auf ehemaligen Moorböden.
Die Renaturierung dieser Moore würde der Atmosphäre CO2 entziehen
und es in Form von Humus im Boden speichern.
Fakt Nummer 3: Landnutzungsänderungen werden nicht berücksichtigt
Für den Anbau
von Energiepflanzen werden zusätzliche Agrarflächen benötigt. In der Praxis
bedeutet dies, dass Naturflächen oder Grünland in Ackerland umgewandelt werden.
Direkte Landnutzungsänderungen werden in der Klimabilanz der Agrarenergie berücksichtigt.
Vor allem aber in den Ländern des Südens sind indirekte Landnutzungsänderungen
zu beobachten: Da auf den vorhandenen Ackerflächen Energiepflanzen angebaut
werden, müssen neue Flächen für den Anbau von Lebensmitteln erschlossen werden.
Wälder, Savannen oder Weiden werden in Äcker umgewandelt. Die dabei entstehenden
Emissionen werden in der Bilanz der "Bio"energie nicht berücksichtigt.
Abbildung 2 zeigt anhand der Ergebnisse verschiedener Studien, wie die CO2-Bilanz
verschiedener Agrokraftstoffe ausfällt, wenn die Emissionen durch indirekte
Landnutzungsänderungen berücksichtigt werden. Nur die grünen Balken erreichen
die in der Erneuerbare Energien Richtlinie der EU vorgeschriebene Treibhausgasreduktion
von 35 Prozent.
Das Ergebnis: Nur Pflanzenöl aus Reststoffen hat eine eindeutig positive Klimabilanz.
Agrodiesel aus Palmöl, Sonnenblumen, Soja und Raps sowie Ethanol aus Mais und
Zuckerrüben schneiden deutlich schlechter ab als fossile Kraftstoffe. Von allen
Feldfrüchten erreicht nur Zuckerrohr teilweise die in der Erneuerbare
Energien Richtlinie der EU vorgeschriebenen Treibhausgasreduktion von 35 Prozent
(gelbe Linie). Denn Zuckerrohr hat einen sehr hohen Ethanolertrag pro Hektar.
Allerdings wird auch hier davon ausgegangen, dass Zuckerrohrethanol CO2-neutral
verbrennt. Es wird also nicht berücksichtigt, dass statt Zuckerrohr auf
derselben Fläche auch Tropenwald wachsen könnte (siehe Fakt 1). Auch
das großflächige Abbrennen der Zuckerrrohrfelder ist in der Bilanz
vermutlich nicht berücksichtigt. Zudem verbraucht Zuckerrohr große Mengen an
Wasser und Stickstoffdünger, es wird unter massivem Einsatz von Pestiziden in
Monokultur angebaut, die Arbeitsbedingungen sind meist katastrophal. Immer mehr
Zuckerrohr für den Ethanol-Export wird in Ländern angebaut, die Probleme haben,
ihre Bevölkerung zu ernähren.
Fazit: Ökolandbau statt Agrarenergie
Der großflächige Umstieg auf ökologischen Landbau würde
im Gegensatz zur Agrarenergie wirklich zu Klimaschutz beitragen. Denn Ökolandbau
verzichtet auf mineralische Stickstoffdünger und Pestizide, erhält
die Humusschicht des Bodens und verzichtet auf Massentierhaltung, die auf dem
Import von Futtermitteln aus Ländern des Südens basiert. Verschiedene
Studien belegen, dass Ökolandbau 20 bis 30 Prozent weniger Treibhausgase
freisetzt als die konventionelle Landwirtschaft.
Weitere Informationen:
Stand: Januar 2012
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