Agro-Kraftstoffe
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Platz da! Um Energiepflanzen anbauen zu können, wird der Regenwald großflächig niedergemacht © The Borneo Orangutan Survival Foundation |
Der Klimawandel ist eine Chance für
Wachstum und Wirtschaftswunder.
Die Bauern sollen verdienen, die Anlagenbauer
verkaufen, und ganz nebenbei
soll das Klima gerettet werden.
Da macht es auch nichts aus, dass
manchen Orts fast genauso viel Energie
in die Produktion des beliebten
"Bio"-Sprits gesteckt wird, wie hinterher
bei der Verbrennung frei wird. Ein
Prozess, der sich selbst erhält und Naturräume
dabei nachhaltig zerstört.
Die Ackerflächen auf der Erde sind schlicht zu gering, um zugleich Welternährung und den Mobilitätswahn moderner Industriestaaten zu sichern. 800 Millionen Menschen, die ein Auto besitzen und meist satt sind, stehen in direkter Konkurrenz zu den über 850 Millionen Hungernden weltweit. Zudem ist für den Anbau von Sprit-Pflanzen schon jetzt eine Umweltvernichtung von unfassbarem Ausmaß im Gange. Denn um fossile Brennstoffe zu ersetzen, müssen Sprit-Pflanzen auf vielen Millionen Hektar wachsen. Die Rodung von Regenwäldern für Monokulturen von Soja, Zuckerrohr und Ölpalmen, die zur Treibstoffgewinnung genutzt werden, ist schon jetzt weitverbreitete Realität. Artensterben, massiver Pestizideinsatz, Wasserverknappung, Bodenerosion und Wüstenbildung sind nur ein Teil des durch Agro-Sprit verursachten Umwelt-GAUs. Auch sozial ist die Bilanz in vielen Ländern verheerend. In Südamerika vertreiben Todesschwadronen systematisch Kleinbauern von ihren Äckern, damit noch mehr Palmöl-Monokulturen entstehen können.
Deutschland, ein kleines Industrieland,
dessen Äcker für die Produktion seiner
Lebensmittel zu über einem Viertel außerhalb
des Landes liegen, baut plötzlich
auf 13 Prozent der landwirtschaftlichen
Anbauflächen etwa 5 Prozent
seines Treibstoffs als "Bio"-Sprit an
und will diesen Anteil bis 2020 auf 20
Prozent erhöhen. Woher kommt bloß
der Anstieg der Lebensmittelpreise
und der zunehmende Hunger in den
armen Ländern?
Der Treibhauseffekt wird durch die Agro-Kraftstoffe zudem keineswegs gestoppt. Brandrodung, Trockenlegung von Sümpfen und industrieller Anbau sorgen im Gegenteil dafür, dass Emissionen in wichtigen Erzeugerländern rasant steigen.
Der globale großflächige Anbau von Energiepflanzen ist dabei, sich zum massivsten Eingriff in die Natur seit Menschengedenken zu entwickeln.
Längst hat der Traum vom Bauern als
Ölscheich die Hoffnung auf eine steigende
Zahl von Biobauern zerstört.
Bioanbau wird wieder etwas für Idealisten
und "Bio"-Sprit etwas zum Geldverdienen.
Biolebensmittel importieren
wir dann aus China oder Neuseeland,
womit auch sichergestellt ist,
dass der ökologische Vorteil des Ökolandbaus
im wahrsten Sinne des Wortes
auf der Strecke bleibt.
Bio und "Bio"-Sprit – nein, das hat
nichts miteinander zu tun. Bio ist ökologisch,
nachhaltig und gesund, "Bio"-
Sprit ist Gentechnik und Agrarindustrie:
ein echtes Paradies für die ewig
Gestrigen aus der Welt des chemischindustriellen
Landbaus.
Mit unseren Informationen möchten wir Ihnen einen Überblick über Probleme geben, die der großflächige Anbau von Energiepflanzen mit sich bringt.
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Tel. (089) 30 77 49-14
Kerstin Knuth
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