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Agro-Kraftstoffe

 

Was ist Agro-Sprit?

Derzeit gibt es vor allem zwei Typen von Agro-Kraftstoffen: "Bio"-Ethanol und "Bio"-Diesel. Ethanol macht über 80 Prozent der weltweiten Biokraftstoffproduktion aus. Hauptproduzenten sind die USA, Brasilien, China und die EU. Ethanol wird meist aus Zuckerrohr oder Getreide hergestellt und dem Benzin beigemischt.

Agro-Diesel wird aus ölhaltigen Pflanzen wie Raps oder Ölpalmen gewonnen. Die Rohstoffe kommen aus der EU, den USA, Brasilien, Argentinien, Malaysia und Indonesien.

 

Höher, schneller, weiter

Der Anbau von Agrospritpflanzen weitet sich massiv aus. Seit dem Jahr 2000 stieg die Produktion von Agrodiesel von fünf auf 25 Milliarden Liter, die von "Bio"-Ethanol von 50 auf 105 Milliarden Liter.

Profiteure und Treiber dieser Entwicklung sind die Auto- und Agrarkonzerne: Autohersteller dürfen weiterhin PKW mit hohem CO2-Ausstoß verkaufen. Zudem verhindert Agrosprit die Entwicklung nachhaltiger Mobilitätskonzepte. Die Agroindustrie freut sich derweil über florierende Geschäfte mit Dünger, Pestiziden und Gentech-Saatgut.

Bis 2020 soll Agrosprit zehn Prozent des europäischen PKW-Kraftstoffverbrauchs decken. Dafür bräuchte man 70 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen der EU.

 

Klimakiller Agrosprit

Die Auswirkungen pflanzlicher Treibstoffe auf das Klima sind verheerend. Agrosprit bedeutet energieintensive industrielle Landwirtschaft. Stickstoffdüngung, Bodenbearbeitung, Schädlingsbekämpfung, Transport und die Raffination verbrauchen so viel Energie, dass zum Teil schon bei der Herstellung von Agrosprit mehr Klimagase produziert werden, als durch fossile Kraftstoffe.

Zudem werden in Asien und Südamerika riesige Waldflächen für Soja- und Palmölplantagen gerodet. In Europa werden Grünland und Weideflächen umgepflügt. Große Mengen an CO2, die in den Wäldern und Böden gespeichert sind, entweichen dadurch in die Atmosphäre.

Auch europäischer Agrosprit trägt durch die so genannten indirekten Landnutzungsänderungen (ILUC) zur Regenwaldzerstörung bei. Je mehr Agrosprit angebaut wird, desto mehr Flächen fehlen für den Anbau von Nahrungs- und Futtermitteln. Um neue Äcker und Weiden zu schaffen, werden Wälder, Steppen und Savannen in Agrarflächen umgewandelt. Bis 2020 könnten auf diese Weise sieben Millionen Hektar Naturfläche vernichtet werden. Seltene Tierarten wie Orang Utans und Tiger sind dadurch massiv vom Aussterben bedroht.

Die Herstellung von einem Liter Agrosprit aus Palmöl setzt 800 Prozent mehr Treibhausgase frei als ein Liter Diesel aus fossilen Rohstoffen.

 

Land - Heimat oder Handelsgut?

Durch Agrosprit wird Land zum Spekulationsobjekt. Fondsgesellschaften, Staaten und Konzerne kaufen oder pachten riesige Flächen in Ländern des Südens. Einheimische werden von dem Land vertrieben, das sie zum Teil seit Jahrtausenden nutzen. Jagd, Subsistenzwirtschaft oder Viehhaltung werden unterbunden. Für einen Arbeitsplatz in der brasilianischen Sojaindustrie gehen elf Arbeitsplätze in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft verloren. Hunger und Elend sind die Folge.

 

Kein Platz für Nahrung

Der wachsenden Weltbevölkerung steht immer weniger Ackerfläche zur Verfügung. Der Klimawandel reduziert die Nahrungsmittelproduktion durch Dürren und Überschwemmungen zusätzlich. Trotzdem werden 60 Prozent der EU-Rapsernte und 30 Prozent der US-Maisernte zu Agrosprit verarbeitet. Die Lebensmittelpreise explodieren, Armut, Hunger und Unruhen sind die Folge. UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler nannte Agrosprit daher "ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit".

Eine Milliarde Hungernde konkurrieren mit einer Milliarde Aufofahrern um die Anbauflächen der Erde. Das Getreide, das für die Tankfüllung eines Oberklassewagens nötig ist, könnte einen Menschen ein Jahr ernähren: Ein wenig sparsames Auto verschlingt alle zwei Kilometer ein Brot.

 

Zertifizierung

In der EU soll eine Zertifizierung die Nachhaltigkeit von Agrosprit garantieren. Doch Agrosprit ist grundsätzlich die falsche Lösung. Er ist daher sowohl mit als auch ohne Zertifizierung unsinnig. Statt mehr Agrosprit sind weniger Verkehr und Treibstoffverbrauch notwendig. Die Zertifizierung ist eine reine Marketingmaßnahme der Agrosprit-Lobby.

  • Agrarkonzerne wie BASF und Bayer definieren die Zertifizierungskriterien.

  • Gentechnik, Kunstdünger und Pflanzengifte sind auch bei zertifiziertem "Bio"-Sprit erlaubt.

  • Wesentliche ökologische und soziale Effekte werden nicht berücksichtigt.

 

Wunderpflanzen

Angeblich besonders genügsame "Wunderpflanzen", wie Jatropha oder Silphie, sind ebenfalls keine Lösung. Auch sie bringen nur auf guten Böden hohe Erträge. Genauso wie Mais oder Raps konkurrieren sie mit Naturflächen und dem Nahrungsmittelanbau.

Seit Jahren wird an "Bio"-Kraftstoffen geforscht, die aus Holz oder Algen extrahiert werden. Doch auch Algenreaktoren und Holzplantagen brauchen große Flächen. Zudem ist ihre Herstellung extrem energieaufwändig und der Ertrag daher nicht unbedingt höher als bei anderen Agro-Treibstoffen.

Das Umweltinstitut München e.V. fordert:

  • Stopp aller Agrosprit-Projekte

  • Ende des Beimischungszwangs in der EU

  • Reduktion des Verkehrsaufkommens und Entwicklung nachhaltiger Mobilitätskonzepte



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Fotos: Fotolia, Pixelio/@MAgnus Manske, Borneo Orangutan Survival Foundation
Stand: September 2011