Klappe zu – Asse tot
„Versuchsendlager“ Asse: Schlamperei
ungeahnten Ausmaßes
Die Frage, ob
Salzstöcke als Endlager für radioaktive
Abfälle taugen, hat Schacht Asse eindrucksvoll verneint.
Tragisch dabei ist nicht die Untauglichkeit des Salzstocks an sich,
sondern es sind die Lügen, Schlampereien und Vertuschungen,
die das „Versuchsendlager“ jahrzehntelang begleitet
haben. Mit der unsachgemäßen Einlagerung des
radioaktiven Mülls wurden Fakten geschaffen, die
möglicherweise nicht mehr rückholbar sind –
im wahrsten Sinne des Wortes. Aus dem Forschungslager ist ein Endlager
für radioaktive Abfälle geworden, das niemals und
nirgendwo genehmigungsfähig wäre.
 Die Aufregung war groß im
Frühsommer 2008. Katastrophale Zustände im
„Versuchsendlager für radioaktive
Abfälle“ kamen nach und nach ans Licht. Unentwegte
Laugenzuflüsse, und das schon seit Jahrzehnten, radioaktiv
kontaminierte Sümpfe mit erheblichen
Grenzwertüberschreitungen, verrostete Fässer,
chaotische Einlagerung, ungenaue und lückenhafte
Dokumentation. Der Betreiber, das heutige Helmholtz Zentrum
München (HMGU), musste ob der erdrückenden Faktenlage
kapitulieren und die Flucht nach vorne antreten. Vergleichsweise
schnell und unbürokratisch wurde dem Betreiber und dem
übergeordneten Bundesministerium für Forschung und
Technik einvernehmlich die Verantwortung entzogen und zum 1.1.2009 auf
das Bundesumweltministerium bzw. das Bundesamt für
Strahlenschutz (BfS) übertragen. Ebenso die finanzielle
Verantwortung, die politische dagegen weisen alle Beteiligten von sich.
Nunmehr ist das BfS bemüht, Schacht Asse zu
schließen, und zwar nicht mehr auf Grundlage des bis dahin
gültigen laxen Bergrechts, sondern des strengeren Atomrechts.
Wieviel Zeit dazu verbleibt, ist unklar. Nachdem die ehemaligen
Betreiber die Einsturzgefahr ab 2014 befürchteten, wird in
einem vom BfS vorgelegten Gutachten damit ca. 2020 gerechnet. Eine neu
eingerichtete Arbeitsgruppe „Optionenvergleich“
prüft derzeit neben der Möglichkeit der
Rückholung der Fässer auch eine
Vollverfüllung mit Beton oder eine Umlagerung der
Fässer im Lager selbst. Bis Ende 2009 soll die
„Verschluss-Strategie“ für Schacht Asse
feststehen.
Ein Buch mit sieben
Siegeln
Niemand weiß genau, was sich in den 126.000 Fässern
befindet. Die Dokumentation der Einlagerung war schlampig. Es gibt zwar
Protokolle, allerdings mit Lücken. Es gab
Übertragungsfehler bzw. Abweichungen zwischen den
Begleitlisten für die Abfälle und der Datenbank.
Wann, in welchem Umfang und in welcher Konzentration die strahlenden
Abfälle eingelagert wurden, lässt sich heute nicht
mehr verlässlich rekonstruieren. Neun Kilogramm Plutonium
sollen laut ehemaligem Betreiber dabei sein, in den Begleitlisten und
Kernbrennstoffmeldungen ist eine Summe von ca. 26 kg angegeben.
Vermutlich hätte die Öffentlichkeit nie etwas davon
erfahren, wenn nicht im Juni 2008 Informationen über
kontaminierte Laugen im Schacht Asse durchsickerten. Der Betreiber gab
daraufhin zu, dass in 750 m Tiefe eine mit Cäsium-137 (Cs-137)
belastete Flüssigkeit nachgewiesen worden sei.
Zunächst hieß es, es handele sich nur um eine
geringfügige Belastung mit Cs-137, die Ursache sei unklar.
Tage später räumte der Betreiber ein, dass die
Cäsium-Konzentration in der Salzlauge die Grenzwerte zum Teil
um das 8-fache überschreitet und dass die Lauge neben
Cäsium weitere radioaktive Stoffe enthält. So sei
auch Strontium, Radium und Plutonium gemessen worden, meldete damals
die Tagesschau. Eine Lawine kam ins Rollen.
Statusbericht deckt
Mängel auf
Die „Vermutung“ des Betreibers, wonach die
kontaminierte Salzlauge aus nicht ordnungsgemäß
entsorgter Fahrbahndecke stammt, die beim Transportbetrieb
während der Einlagerung in den 1970er Jahren kontaminiert
wurde, kommt als alleinige Erklärung nicht in Betracht.
Zu
diesem Ergebnis kommt der „Status-Bericht“, der
nach Bekanntwerden der katastrophalen Zustände im
Versuchsendlager Asse vom Bundesumweltminister in Auftrag gegeben
wurde. Das Ergebnis ist vernichtend: Der Bericht belegt schwerwiegende
Defizite beim Betreiber HMGU, bei der Genehmigungsbehörde und
bei der Strahlenschutzaufsicht. Der Betreiber ist seit Jahren
unsachgemäß und ohne Genehmigung mit radioaktiven
Abfällen umgegangen, heißt es dort. Von kaputten und
verrosteten Fässern ist die Rede. Von fehlenden Dokumenten und
nachträglichen Inventarschätzungen. Von
Überschreitungen der maximal zulässigen Strahlung an
der Außenseite der
„Abschirmbehälter“.
Außerdem wird festgestellt, dass in der Asse viele Jahre mit
radioaktiver Lauge ohne die erforderliche strahlenschutzrechtliche
Genehmigung umgegangen wurde. Die vom Betreiber praktizierte
Behandlung, Umlagerung und Verbringung der Salzlauge in andere Gruben
in der Umgebung sei völlig unsachgemäß
gewesen. Die Undichtigkeiten des Bergwerks seien nicht erst 1988
bekannt geworden, wie der Betreiber behauptet, sondern bereits vor
1967. Die Einlagerungen seien damals in feuchten Kammern erfolgt. Und
schließlich lagerten, entgegen bisherigen Behauptungen, auch
Kernbrennstoffe in der Asse. Es sei nicht auszuschließen,
dass weitere Abfälle auftauchen, die bisher nicht bekannt
sind.
Gestörte
Wahrnehmung
Dennoch interpretiert das Helmholtz Zentrum München den
Status-Bericht zu seinen Gunsten: Es seien weder materielle
Verstöße gegen den Strahlenschutz auf der
Schachtanlage noch die Gefährdung von Menschen festgestellt
worden. Es werde bestätigt, dass die Einlagerung
ordnungsgemäß dokumentiert und das radioaktive
Inventar in der Asse richtig berechnet wurde. Es seien keine
gravierenden Mängel festgestellt worden.
Dass die Öffentlichkeit über das Auftreten
kontaminierter Laugen nie informiert wurde, erklärte der
Pressesprecher des Helmholtz-Zentrums, Heinz-Jörg Haury, laut
Süddeutscher Zeitung vom 25. Juni 2008 so: „Unsere
Strahlenschützer wussten nicht, dass das mitteilenswert ist.
Sie hatten kein Gefühl dafür, dass es die
Öffentlichkeit interessiert, was mit der radioaktiv
verseuchten Lauge in Asse passiert.“ Schmunzeln
lässt dagegen ein vermutlich falsch gesetztes Komma in einer
Presseerklärung des Helmholtz-Zentrums vom 2. September 2008:
„Wenn andere,(Komma!) kompetente Organisationen bereit sind,
sich an dieser Aufgabe (die Schließung der Asse, Anm.d.Red.)
zu beteiligen oder gar die Aufgaben zu übernehmen, so
begrüßen wir auch dies“.
Mitarbeiterbefragung
Um Aufschluss über Arbeitsweise und Inventar zu bekommen,
wurde im Rahmen des Status-Berichts eine Mitarbeiter-Befragung
durchgeführt. Ergebnis: Es wurden Fakten genannt, die
zumindest der Betriebsleitung nicht bekannt waren, wie z.B. die
Einlagerung von flüssigen radioaktiven Abfällen sowie
der Zustand der Fässer zu Beginn der Einlagerungszeit.
Besonders in den ersten Jahren wurden auch beschädigte
Fässer angeliefert, die auf dem Transportweg in den
Schächten Flüssigkeit verloren. Die Wege wurden
später abgehobelt. Einige Fässer wurden beim Abladen
demoliert, ein „Vorkommnis“ im September 1980
berichtet von einem geplatzten Fass. Auch geht aus der Befragung
hervor, dass die Fässer zum Teil sehr schnell korrodiert sind.
Daraus lässt sich schließen, dass inzwischen
zahlreiche weitere Fässer, in denen sich
Flüssigkeiten befanden, durchgerostet sind.
 Der Umgang mit der
strahlenden Fracht war demnach zuweilen recht leichtfertig. Ab 1974
wurden die Fässer nicht mehr in den Kammern gestapelt. Man
ging zur so genannten Versturztechnik über: Mit einem
Schaufelradlader wurden die Fässer über eine
Böschung in die darunter liegenden Kavernen abgekippt und mit
Salz zugeschüttet. Die Böschung wurde weiter nach
oben verlegt und die nächste Ladung wurde
„verstürzt“: Abkippen und Salz drauf. In
Kammer 12 habe man die Fässer mit dem Bagger
hineingedrückt und bis unter die Firste geschoben.
Der Befragung zufolge war seit den 1960er Jahren bekannt, dass die
Grube nicht trocken ist. Schon damals drangen auf der 750-m-Sohle etwa
700 Liter Laugenzuflüsse pro Tag ein. Dennoch wurde die Asse
für die Einrichtung eines Atommüll-Lagers empfohlen.
Seit 1988 treten aus dem Deckgebirge täglich 12.000 Liter
Salzlauge in die Stollen. Das eintretende Wasser wurde teilweise
abgefangen und ohne viel Aufhebens in Gruben der Umgebung verbracht, so
z.B. ins Salzbergwerk Mariaglück in Höfer,
südlich von Celle. Durch den Wassereintritt bestand und
besteht die Gefahr eines unkontrollierten Absaufens oder
Einstürzens der Grube.
Vor Kammer 12 standen schließlich etwa 80.000 Liter Lauge,
die das 8-fache des Grenzwerts enthielt. Die kontaminierten
Lösungen wurden nicht erst seit 2005 – wie es bisher
geheißen hat – sondern gemäß
Recherchen des BfS bereits seit 1988 abgepumpt und in andere,
höher gelegene Kammern gebracht – ohne Genehmigung.
Um welche Mengen es sich dabei gehandelt hat und wo die radioaktiv
kontaminierten Laugen verblieben sind, ist nicht bekannt.
Wer zahlt die Zeche?
Inzwischen ist klar, dass mehr als 70 Prozent des radioaktiven
Inventars der Asse aus der Wiederaufarbeitung des Forschungszentrums
Karlsruhe (FZK) stammt und damit indirekt aus den Atomkraftwerken der
vier großen Energiekonzerne RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW,
der überwiegende Teil aus Obrigheim. Die Asse hat der
Energiewirtschaft tatsächlich bis in die 1980er Jahre hinein
als Entsorgungsnachweis für radioaktiven Müll
gedient.
 Dabei wurden zwischen 1967
bis 1975 keine Gebühren für die Einlagerung der
Abfälle erhoben. In dieser Zeit wurde etwa die Hälfte
aller Gebinde eingelagert. Ab Dezember 1975 galt dann die
„Gebührenregelung für die Lagerung von
schwach- und mittelradioaktiven Abfällen im Salzbergwerk
Asse“. Bis zum Ende der Einlagerung wurden dadurch Einnahmen
in Höhe von rund 900.000 Euro erzielt, angesichts der immensen
Kosten, die heute jenseits von zwei Milliarden Euro geschätzt
werden, ein Tropfen auf den heißen Stein.
Trotzdem scheut sich die Bundesregierung, die Kosten den Verursachern
zuzuweisen. Anfang des Jahres wurde auf Drängen des Bundesrats
beschlossen: „Die Kosten für den Weiterbetrieb und
die Stilllegung trägt der Bund“. Die
Begründung: Mehr als 30 Jahre nach dem Ende der Einlagerung
könnten aus verfassungsrechtlichen Gründen die
Energieversorger nicht im Nachhinein für eine
Kostenbeteiligung herangezogen werden.
Also zahlt die Zeche mal wieder der Steuerzahler? Bundesumweltminister
Gabriel sieht nur einen Weg, die Energiekonzerne zur Kasse zu bitten,
nämlich in der Einführung der Brennstoffsteuer. Eine
lobenswerte, längst überfällige
Maßnahme. Ob ihm dies in dieser Legislaturperiode noch
gelingt, darf aber bezweifelt werden.
Überraschungen
ohne Ende
Derweil kommen immer neue Überraschungsmeldungen aus der Asse.
Ein Vorläufer der heutigen BayWa bat die Betreiber um Aufnahme
ihres Giftmülls, dem gerne nachgekommen wurde. Im Herbst 1967
kamen erstmals anstelle radioaktiven Mülls Fässer mit
Pestiziden in die Asse. Dies geht aus dem „Bericht zum
chemischen und chemotoxischen Inventar“ aus dem Jahr 2004
hervor, der jetzt erst publik wurde. Demnach lagern in der Asse auch
497 kg Arsen und ein gutes Dutzend Fässer mit einzementierten
radioaktiv kontaminierten Tierkadavern aus dem Kernforschungszentrum
Jülich. Ob sie aus Tierversuchen stammen, ist noch nicht
geklärt. Wenige Tage später kam gleich die
nächste Hiobsbotschaft, nämlich dass auch die
Bundeswehr missliebige Abfälle in der Asse versenkt hat. Laut
BfS sind in 236 Fässern u.a. Armaturen und Kompasse mit
radiumhaltigen Leuchtziffern, kontaminiertes Papier oder
Mikrowellenröhren. eingelagert worden. Wir dürfen
gespannt sein, wie viel und welcher Giftmüll noch zutage
kommt.
Im Mai 2009 tauchte eine Liste auf, die Störfälle
beim Einlagern der Fässer beschreibt. Die Liste wurde offenbar
eiligst kurz vor Abgabe der Verantwortlichkeit vom alten Betreiber, dem
Helmholtz Zentrum, im Dezember 2008 erstellt. Rund 200
Störfälle aus den Jahren 1968 bis 1980 werden dort
aufgelistet, überwiegend Kontaminationen aufgrund auslaufender
Flüssigkeiten. Dabei hieß es immer, dass es nie
Störfälle gegeben hätte.
Klappe zu –
Asse tot
Der Betreiber wollte die Asse möglichst schnell
schließen. Aus heutiger Sicht verständlich, sollte
doch das tatsächlich eingelagerte Inventar niemals an die
Öffentlichkeit kommen. Es war vorgesehen, die Schachtanlage
per Flutung mit einer Magnesiumchlorid-Lösung ein für
allemal zu schließen. Dies ist eine im Bergbau durchaus
gängige Methode, nicht aber in Atommüll-Endlagern.
Die salzige Flüssigkeit würde die Fässer mit
der Zeit auflösen und Radioaktivität ins Grundwasser
gelangen. Außerdem wäre eine Rückholbarkeit
der radioaktiven Abfälle damit ausgeschlossen gewesen. Diese
Pläne sind mit dem Übergang der Verantwortlichkeit
auf das BMU vom Tisch. Eine Rückholung des eingelagerten
Mülls hat oberste Priorität.
Auch die Staatsanwaltschaft ist mittlerweile aktiv geworden:
Geprüft werden Fälle von drei an Krebs erkrankten
ehemaligen Mitarbeitern des Atommülllagers Asse. Das BfS
kündigte nach Bekanntwerden der Krebserkrankungen ein
„Gesundheitsmonitoring Asse“ für
sämtliche Mitarbeiter an, auch für ehemalige.
 Endlager – wo bist
du?
Asse hat eindrucksvoll bewiesen, dass ein Endlager für die
sichere Verwahrung von radioaktivem Müll in weite Ferne
gerückt ist. Das muss nun auch das endgültige AUS
für Gorleben sein, da es – wie die Asse –
ebenfalls ein Salzstock ist. Selbst wenn Gorleben noch ein intakter
Salzstock ist, er hat Kontakt zum Grundwasser und hat kein
geschlossenes Deckgebirge. Das sollte Hinweis genug sein, dass Gorleben
als Endlagerstandort, wo hochradioaktiver Müll für
eine Million Jahre sicher verwahrt werden soll, ungeeignet ist. Die
Suche nach einem geeigneten Endlager muss neu beginnen.
Christina Hacker
Mai 2009
Historie der Asse
Vom Kaliabbau zum
Atommülllager
1899 wird bei Wolfenbüttel in Niedersachsen der Schacht Asse
zum Zweck des Kaliabbaus abgeteuft. Ab 1916 wird auch Steinsalz
gewonnen, bis im März 1964 der Salzabbau aus wirtschaftlichen
Gründen eingestellt wird. 1965 übernimmt die
Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF, das heutige Helmholtz
Zentrum München) das ehemalige Salzbergwerk, um im Auftrag der
Bundesregierung die Einlagerung von radioaktivem Müll zu
untersuchen.
 Das Versuchsendlager Asse II
wird 1967 als weltweit erstes
unterirdisches Atomlager eröffnet. Es ist als
Forschungsprojekt konzipiert und untersteht deshalb dem
Bundesforschungsministerium (BMBF). Von 1967 bis Ende 1978 werden im
Schacht Asse knapp 126.000 Fässer mit radioaktivem
Müll eingelagert, zu Versuchszwecken wie es heißt.
Dies entspricht etwa 89.000 Tonnen Atommüll. Der
überwiegende Teil der Fässer (124.494 Gebinde) soll
schwach radioaktiven Müll und nur etwas mehr als ein Prozent
(1293 Gebinde) mittelradioaktiven Müll enthalten.
Hochradioaktiver Müll ist laut Angaben der Betreiber nicht
eingelagert worden.
Pläne
für hochradioaktiven Müll
Tatsächlich gab es Pläne für die Einlagerung
hochradioaktiver Abfälle aus Jülich. Im März
1976 erhielt die GSF als Betreiberin der Asse von der
Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) sogar die Genehmigung zur
Einlagerung von insgesamt 100.000 kugelförmigen Brennelementen
aus dem Versuchsreaktor AVR Jülich. Zur Einlagerung kam es
aber nicht mehr. Auf Druck der Bevölkerung lehnte
Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) im Mai 1978 das
behördeninterne Genehmigungsverfahren ebenso wie die geplante
Einlagerung hochaktiver Abfälle in die Asse ab und bestand auf
einem ordentlichen Planfeststellungsverfahren. Was sich
schließlich erübrigte, da nach Auslaufen der
Einlagerungsgenehmigung Ende 1978 Asse nur noch für Versuche
genutzt werden sollte, die Erkenntnisse für den Betrieb in
Gorleben lieferten.
Ende der 1980er Jahre wurden Planungen von Einlagerungsversuchen
hochradioaktiver Abfälle aus den USA bekannt. Im März
1991 stellte die Betreiberin GSF einen Antrag nach §9
Atomgesetz für die Genehmigung eines HAW-Versuchs (Highly
Active Waste). Hochradioaktive Gebinde aus der Atomanlage Hanford (USA)
sollten versuchsweise in Asse gelagert werden. Aber auch daraus wurde
nichts: Im Februar 1992 zog die GSF ihren Antrag für den
HAW-Versuch wieder zurück.
Rechtliche Grundlagen
Die in Asse lagernden schwach- und mittelradioaktiven Abfälle
sind aufgrund von Umgangsgenehmigungen zunächst des Bergamtes
Wolfenbüttel und später des Bergamtes Goslar
gemäß der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) von
1965 eingelagert worden. Da ein Teil der Abfälle in geringen
Mengen Kernbrennstoffe enthielt, erfolgten die Einlagerungen
zusätzlich auf der Grundlage von Aufbewahrungsgenehmigungen
der damals zuständigen Physikalisch-Technischen Bundesanstalt.

Alle Einlagerungsgenehmigungen waren zeitlich befristet, die letzte
endete am 31.12.1978. Die Befristungen bezogen sich stets auf die
jeweils zum Einsatz kommenden Einlagerungstechniken, nicht auf den
Verbleib der Abfälle. Zwischen allen Beteiligten bestand
Einvernehmen, dass der eingelagerte Müll auf Dauer in der Asse
verbleiben sollte. Dies war rechtlich möglich, weil
Umgangsgenehmigungen nach der alten StrlSchV auch die Beseitigung der
Abfälle einschlossen.
Im rechtlichen Sinn ist Asse bis heute kein Endlager, sondern ein
Forschungsobjekt, in dem die Tauglichkeit von Salzstöcken
für die Endlagerung hochradioaktiven Mülls erprobt
werden sollte. Faktisch handelt es sich aber um ein Endlager, da eine
Rückholbarkeit des radioaktiven Mülls nie vorgesehen
war und praktisch auch – wenn überhaupt –
nur schwer durchzuführen ist.
Fotos (von oben nach unten): GFDLWusel007/de.wikipedia.org, by.nc.sa tuttidog/Flickr, Helmholtzzentrum München,
Helmholtzzentrum München, by-nc-sa stadtkatze/Flickr, by-nc-sa stadtkatze/Flickr, by-sa Jokerine (formely...)/Flickr
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