Biopiraterie
Die Privatisierung der Natur
Mais wird in Deutschland nicht in
erster Linie von Menschen gegessen,
sondern dient als Futtermittel.
Anders in Mexiko. Dort ist Mais vor
allem für die ärmere Bevölkerung ein
Grundnahrungsmittel. Daneben hat Mais,
der in Mexiko in einer Vielzahl von Sorten
existiert, insbesondere für die indigene Bevölkerung
eine hohe kulturelle Bedeutung.
Doch Mais ist auch ein „Produkt“, mit dem
sich viel Geld auf dem internationalen
Agrarmarkt verdienen lässt. Das hat
beispielsweise DuPont erkannt, einer der
größten internationalen Saatgut-Konzerne.
DuPont beantragte und erhielt im Jahr
2000 vom Europäischen Patentamt ein Patent
auf Maispflanzen, deren Körner einen
besonders hohen Ölgehalt aufwiesen. Die
patentierten Pflanzen hatte der Konzern
durch Kreuzungen gezüchtet. Das Problem:
In Mexiko gibt es Maissorten mit einem
derart hohen Ölgehalt schon seit langem.
Das Patent hätte deshalb zur Folge haben
können, dass DuPont Eigentumsrechte
auch an solchen Sorten hätte geltend machen
können – und damit Lizenzgebühren.
Die mexikanische Regierung und deutsche
Nichtregierungsorganisationen gingen juristisch
gegen dieses Patent vor. Mit Erfolg:
Die Beschwerdekammer des Europäischen
Patentamts erklärte es für ungültig.
Geistige Gegenstände
Für Fälle wie den des Ölmais gibt es einen
Begriff: Biopiraterie. Biopiraterie bezeichnet
die Aneignung genetischer Ressourcen
durch geistige Eigentumsrechte. Solche
Rechte erlauben dem Inhaber bestimmte
Ideen, Erfindungen, Pflanzensorten oder
Namen ausschließlich zu nutzen. Andere
müssen für die Nutzung Gebühren bezahlen.
Geistige Eigentumsrechte verleihen
dem Inhaber also eine Art Monopol. Sie
sollen sicherstellen, dass auch geistige
„Gegenstände“ jemandem gehören. In den
Rechtsordnungen aller Industrieländer sind
diese Rechte schon seit längerem verankert.
Viele Entwicklungsländer sind unter
dem Druck internationaler Vereinbarungen
wie etwa dem TRIPS-Abkommen der Welthandelsorganisation
WTO dabei, ihre Gesetze
entsprechend zu ändern.
Was ist „neu“?
Patente beispielsweise werden für Erfindungen
erteilt. Voraussetzung ist unter anderem,
dass die Erfindung neu ist. Als neu
gilt dabei in manchen Patentgesetzen alles,
was nicht schriftlich dokumentiert ist.
Aus diesem Grund hat beispielsweise die
indische Regierung eine öffentlich zugängliche
Datenbank mit traditionellen Ayurveda-
Rezepten angelegt, damit nicht ein
Pharmakonzern auf die Idee kommt, ein in
Indien traditionell verwendetes Medikament
als eigene Erfindung patentieren zu
lassen. Aber nicht nur Medikamente sind
patentierbar. Vom Europäischen Patentamt
in München wurden beispielsweise schon
Patente auf gentechnisch veränderte Tiere,
Weizen mit einem bestimmten Stärkegehalt
oder menschliche Gene erteilt.
Geistige Eigentumsrechte sind auf dem
Vormarsch. Waren noch vor wenigen Jahrzehnten
Patente auf Pflanzen undenkbar,
sind sie heute schon fast Alltag. Hatten
Bauern früher selbstverständlich das
Recht, Teile ihrer Ernte wieder auszusäen,
müssen sie heute dafür Gebühren bezahlen.
Wer von dieser Entwicklung profitiert,
sind die Inhaber geistiger Eigentumsrechte
– häufig große Konzerne aus dem Agrarund
Pharmabereich, aus der Software- und
Unterhaltungsbranche. Sie machen Politik
für die Ausweitung geistiger Eigentumsrechte
und werden dabei insbesondere von
den G8-Staaten tatkräftig unterstützt.
Erfolgreicher Widerstand
Viele Menschen, vor allem aus den Ländern
des Südens, wehren sich gegen Biopiraterie.
Sie wollen selbst bestimmen, was
mit ihrem Wissen und den von ihnen traditionell
genutzten Heil- und Nahrungspflanzen
geschieht und kritisieren die Privatisierung
genetischer Ressourcen durch geistige
Eigentumsrechte. Ein Beispiel ist die
Frucht Cupuaçu. Aus der kakaoähnlichen
Pflanze werden in Brasilien Süßigkeiten
hergestellt. Die Pflanze und ihre Verwertungsmöglichkeiten
weckten den Appetit
eines japanischen Konzerns. Er ließ
schlicht den Namen der Frucht beim Europäischen
Markenamt als geschützte Marke
eintragen und beantragte ein Patent auf
ein Verfahren zur Gewinnung von Öl aus
den Samen der Pflanze. Gruppen in Brasilien
starteten mit Unterstützung aus Europa
und der brasilianischen Regierung eine
Kampagne. Letztlich mit Erfolg: Cupuaçu
wurde als Marke gelöscht, der Patentantrag
von dem japanischen Unternehmen
nicht weiter verfolgt. Das Beispiel zeigt:
Biopiraterie kann gestoppt werden – wenn
Menschen in Nord und Süd gemeinsam aktiv
werden.
Christiane Gerstetter
BUKO
Kampagne gegen Biopiraterie
Juni 2007
Foto: www.pixelquelle.de
Internet
www.biopiraterie.de
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