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Er ist
noch nicht fertig: Georg Schlickenrieder in einer Lodenjacke aus der
Wolle seiner braunen Bergschafe mit einem Murnau-Werdenfelser Rind
– beides gefährdete Haustierrassen. |
Die Arche rechnet sich
In Otterfing werden gefährdete Haustierrassen
gehalten
Es stinkt nicht, und es gibt keine Fliegen.
Dazu ein Bauer, der in Ruhe erst
einmal einen Cappuccino trinkt. Irgend
etwas stimmt hier nicht. „20 Jahre
lang haben mich die anderen Landwirte
belächelt und ausgelacht, und jetzt sind sie
mir neidig“, sagt Georg Schlickenrieder.
Der Hof am Ortsrand von Otterfing, knapp
30 Kilometer südlich von München, ist ein
Naturland-Betrieb – und einer der so genannten
Archehöfe. Georg und Anja Schlickenrieder
züchten und halten hier unter
anderem alte, gefährdete Haustierrassen.
Begonnen hat das alles vor gut 20 Jahren
mit ein paar braunen Bergschafen. Georg
Schlickenrieder war jung, wollte möglichst
wenig arbeiten und auf keinen Fall jeden
Morgen und jeden Abend zum Melken in
den Stall. „Wenn du das machst, bist du
eigentlich schon fertig und hast den Kopf
nicht mehr frei für was Anderes“, sagt er.
„In der Stallarbeit hast du immer eine Sorge
und ein Problem.“ Also wurden im Winter
alle Kühe an einen Bauern verkauft, der
Tiere brauchte, um Schlempe zu verfüttern,
ein Nebenprodukt bei der Herstellung von
Schnaps aus Kartoffeln. Ein paar Monate
später wurden die Kühe kurz vor dem Kalben
dann wieder zurückgekauft. Irgendwann
wurde es ihm in einem solchen Winter
langweilig, und Georg Schlickenrieder
überlegte, wie mit Schafen Geld zu verdienen
sei. Als er dann las, dass es für braune
Bergschafe eine Prämie gab, dauerte es
nicht mehr lange, bis er sie züchtete. Der
Beginn des Archehofes, denn das braune
Bergschaf steht auf der roten Liste. Rund
1000 Exemplare gibt es laut Gesellschaft
zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen
(GEH) noch. Begehrt ist vor allem
die Wolle der Tiere für die Herstellung
von Loden, erzählt der Landwirt und deutet
auf seine Jacke. Weil die braunen Bergschafe
eine nicht so gekräuselte Wolle haben,
läuft der Regen besser ab. Wichtig,
wenn man im niederschlagsreichen Alpenvorland
viel draußen unterwegs ist.
Der Bauer bestimmt die
Preise
Kaufen kann man die Loden aus der Wolle
der braunen Bergschafe im Hofladen der
Schlickenrieders. Mit Ausnahme der Milch
wird alles ausschließlich direkt vermarktet,
was der Hof hergibt. Dazu gehört auch das
Fleisch der Murnau-Werdenfelser Rinder.
Auch das eine gefährdete Haustierrasse.
Von den etwa 500 Tieren, die es noch gibt,
leben 25 auf dem Archehof-Schlickenrieder.
Die Kühe geben zwar weniger Milch
als andere und wachsen auch langsamer,
bringen aber deshalb ausgesprochen gutes
Fleisch, sind robuster, leben länger und haben
keine Probleme bei Geburten. Das
rechnet sich. „Ich muss mich nicht hinstellen
und sagen, bitte kauft mir mein Fleisch
ab“, erzählt Georg Schlickenrieder mit Blick
auf die „neidigen“ Landwirte, „ich mache
meine Preise selber“. Und die 40 Cent pro
Liter Milch, für die andere demonstrieren,
kriege er schon lange. Trotzdem habe erst
einer der Berufskollegen aus der Gegend
auf Bio umgestellt, denn es sei schwierig
aus der bäuerlichen Gesellschaft auszubrechen.
Die Kunden der Schlickenrieders kommen
immer wieder auf den Hof, auch wenn das
Fleisch natürlich mehr kostet als im Supermarkt.
Dafür ist die Qualität eine andere,
was man beim Schwein noch deutlicher
sehen könne als beim Rind. Die Schweine
gibt es noch nicht sehr lange auf dem Archehof.
Vor sechs, sieben Jahren hätten
die Leute mehr Schweinefleisch verlangt,
weshalb heute auch „Bunte Bentheimer“
in Otterfing gemästet werden. Auch das
eine Rasse, die auf der Roten Liste steht,
und als extrem gefährdet gilt, weil ihr
Fleisch lange Zeit als zu fett galt.
Location Biobauernhof
All das erzählt der Landwirt während einer
Hofführung, und man merkt, dass er das
nicht zum ersten Mal macht. Es hat sich
rumgesprochen, dass der Archehof Schlickenrieder
ein außergewöhnlicher Bauernhof
ist – nicht nur, weil’s nicht stinkt und
die Fliegen fehlen. Der Hof ist außer Archehof
der GEH auch Demonstrationsbetrieb
des Ökologischen Landbaus. Viele
Schulklassen besichtigen ihn, der Blindenbund
ist regelmäßig zu Besuch, und
mittlerweile kommen die Leute sogar, um
Geburtstag oder Hochzeit zu feiern. Dafür
hat Georg Schlickenrieder extra einen alten
Schuppen woanders ab- und auf seinem
Hof wieder aufgebaut. Dafür dass er
früher mal möglichst wenig arbeiten wollte,
sei es inzwischen zu viel geworden.
Aber immerhin sei alles so organisiert,
dass seine Frau und er jedes Jahr im Frühling
nach Italien fahren könnten. „Das
passt schon so“, meint er und sagt das wie
einer, der seine Arbeit mag.
Text und Foto: Thomas
Rath
Juni 2007
Ökolandbau erleben
Wie arbeitet ein Bio-Bauer? Sind Bio-Schweine
glücklicher? Wie entstehen Bio-Lebensmittel, und
warum kosten sie mehr? Das Umweltinstitut München
organisiert mit Unterstützung des Referats für
Gesundheit und Umwelt der Stadt München für
Schulklassen und Kitas Ausflüge zu ökologisch
bewirtschafteten Bauernhöfen – auch zu den
Schlickenrieders (www.archehof-schlickenrieder.de).
Für Münchner Einrichtungen ist dieses Angebot
kostenlos.
Kontakt: Umweltinstitut München, Andreas Bauer,
Tel. (089) 30 77 49-14,
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