Umweltinstitut München e.V.
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Pressemitteilung

18 Jahre nach Tschernobyl:

Radioaktivitäts-Überwachung von Wild, Waldbeeren und Pilzen unzulänglich

München, 22. April 2004

Auch 18 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe vom 26. April 1986 sind vor allem in den osteuropäischen Ländern viele Regionen noch hoch mit Cäsium belastet. Die EU hat anlässlich des Beitritts der zehn neuen Länder endlich eine Empfehlung für Radioaktivitätshöchstwerte von Lebensmitteln ausgesprochen, die sowohl innerhalb der EU gilt. Höchst problematisch sieht das Umweltinstitut München e.V. die Möglichkeiten zur Kontrolle der Grenzwerte. Die Lebensmittelüberwachung kann bei wild wachsenden Lebensmitteln leichter unterlaufen werden, da hier die Schadstoffkontrollen naturgemäß weniger systematisch durchgeführt werden können als in der agroindustriellen Lebensmittelproduktion.

Obgleich die hohen Kontaminationen wild vorkommender Lebensmittel durch Cäsium aus dem Reaktorunfall von Tschernobyl lange bekannt sind, hat die EU es erst 2003 geschafft, eine Empfehlung auszusprechen, die auch bei heimischen Erzeugnissen die Einhaltung der festgelegten Höchstwerte einfordert. Und das auch nur, weil aufgrund des Beitritts einer Reihe "verdächtiger" osteuropäischer Länder hoch belastete Lebensmittel EU-weit ungehindert verkauft werden könnten. "Hoch belastete Pilze oder belastetes Wild, wie es in Süddeutschland jährlich gesammelt, geschossen und verzehrt wird, hätten Drittländer nicht in die EU einführen können, da die EU-Grenzwerte nur für den Import in die Gemeinschaft galten", erklärt Karin Wurzbacher, Physikerin des Umweltinstitut München e.V. "Aber die Empfehlung, so überfällig sie war, löst jedoch noch nicht das Problem der unzulänglichen Überwachungsmöglichkeiten."

Zur Vermeidung unnötiger Belastungen des Verbrauchers existieren in Deutschland zumindest Vereinbarungen mit Jagdverbänden in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die Jäger sind gehalten, erlegte Tiere auf Radioaktivität messen zu lassen. Bei Überschreitung des Grenzwerts müssen die Tiere entsorgt werden, die Jäger erhalten eine Entschädigung. Für die kleineren Privatjagden und die unzähligen halbprofessionellen und privaten Schwammerlsucher gibt es keine entsprechenden Regelungen. Messstellen, wie sie das Umweltinstitut München e.V. unterhält, an die sich der Verbraucher unbürokratisch und ohne hohe Kosten wenden kann, sind äußerst rar.

Die Folgen von Tschernobyl sind auch nach 18 Jahren noch nicht überwunden. Für die radioaktive Cäsium-Belastung in Wald- und Forstgebieten ist auch in den nächsten Jahren keine merkliche Änderung zu erwarten. Durch die EU-Osterweiterung werden Reaktoren vom Typ Greifswald, die hier aus sicherheitstechnischen Gründen abgeschaltet wurden, und auch Reaktoren der Tschernobyl-Bauart, in die Europäische Union Eingang finden. "Es ist unerlässlich alle unsicheren Reaktoren sofort abzuschalten", fordert Wurzbacher: "Das betrifft sowohl die ältesten, nicht gegen Flugzeugabstürze gesicherten Reaktoren in Deutschland, als auch die unsicheren Reaktoren in den zehn Beitrittsländern. Reaktoren der Tschernobyl-Bauart dürfen keinesfalls mit dem Segen der EU weiterlaufen. Einmal Tschernobyl reicht."


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