Umweltinstitut München e.V.
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Pressemitteilung

Fraunhofer-Institut will Medikamente auf dem Acker herstellen

Pharmapflanzen mit menschlichen Genen unverantwortlich

München, 16. Juli 2004

In genmanipulierten Pflanzen wollen europäische Wissenschaftler Medikamente auf freiem Feld "züchten". Vom Steuerzahler mit zwölf Millionen Euro subventioniert, sollen in dem auf fünf Jahre angelegte Projekt durch den Einbau menschlicher Gene in Pflanzen Impfstoffe und Medizin gegen Aids, Tollwut, Diabetes, Tuberkulose u.a. hergestellt werden. Als "Wirtspflanze" für die Genmedizin ist Mais, eines der Hauptnahrungsmittel, im Gespräch. Eine Verunreinigung von Nahrungsmitteln durch die genmanipulierten Pharma-Pflanzen ist unvermeidbar.

Käme diese nicht verordnete Medizin in die Nahrungskette, könnte dies lebensbedrohliche Folgen für die Konsumenten haben. "Neuartige Lebensmittelskandale wie ungewollte Tollwutimpfungen durch in die Nahrungskette gelangten Pharma-Mais drohen", befürchtet Andreas Bauer, Gentechnikexperte beim Umweltinstitut München e.V. Schon bei Freisetzungsversuchen in den USA wurde klar, dass selbst in einem streng überwachten Rahmen keinerlei Sicherheit gewährleistet werden kann. Transgene Maiskörner, die einen Impfstoff gegen eine Viruskrankheit bei Schweinen produzieren, wurden in einem Silo in Nebraska zwischen Sojabohnen gefunden.

Einziger Grund für die Entwicklung dieser so genannten Pharmapflanzen ist laut Presseerklärung des federführenden Fraunhofer-Instituts die Einsparung von Produktionskosten. "Die EU-Kommission macht sich hier wieder einmal zum Erfüllungsgehilfen eines Projekts, das ausschließlich den Profitinteressen der Industrie dient", kritisiert Bauer. "Die Folgen des Anbaus genmanipulierter Nahrungspflanzen auf die Umwelt sind schon katastrophal genug, Medikamente mit menschlichen Genen, die sich selbstständig auf Feldern und in der Nahrungskette verbreiten, sind ein Alptraum". Sogar nach Ansicht des britischen Gentechnikbefürworters Dr. Jeremy Sweet vom britischen National Institute of Agricultural Botany in Cambridge ist ihr Anbau daher "schlichter Wahnsinn".

Heute bestreitet niemand mehr, dass sich transgene Pflanzen in der Natur unkontrollierbar verbreiten und nicht wieder rückholbar sind. Durch Wind, Wildinsekten oder Bienen kann Pollen über große Entfernungen verfrachtet werden, auch bei Ernte und Verarbeitung kommt es zu Gen-Verschmutzungen. Die Geister, die die Gentechnikindustrie gerufen hat, wird sie schon jetzt nicht mehr los: Monokulturen, Superunkräuter und resistente Schädlinge sind die Konsequenz des völlig verfehlten Ansatzes der Gentechniker. Was mit Vögeln oder Insekten geschieht, die mit Pharma-Pflanzen in Kontakt kommen, ist vollkommen ungeklärt, scheint aber angesichts der erwarteten Gewinne uninteressant.

Das Forscherkonsortium hat als Erprobungsstandort Südafrika im Sinn. "Europäische Verbraucher haben sich klar gegen Agro-Gentechnik ausgesprochen. Offensichtlich weichen die Forscher wegen der öffentlichen Ablehnung in der EU und niedriger Umweltstandards in anderen Ländern auf Südafrika aus. Das ist der Gipfel von Zynismus und Verantwortungslosigkeit in der Wissenschaft", konstatiert Bauer. Das Umweltinstitut München e.V. fordert ein weltweites Verbot der Freisetzung dieser vermehrungsfähigen Gen-Medikamente und aller übrigen genmanipulierten Pflanzen.


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