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Pressemitteilung

Spitzenwerte bei bayerischen Pilzen auch heuer zu erwarten

Bayerischer Umweltminister spielt radioaktive Belastung in Schwammerln herunter

München, 5. August 2004

In seiner Presseerklärung zur Pilzsaison gibt der bayerische Umweltminister Schnappauf wiederholt fälschlich Entwarnung bei der radioaktiven Belastung von Pilzen aus dem Freistaat. Durch Mittelung der Messwerte wird hier vertuscht, dass einzelne Proben noch immer hohe radioaktive Werte erreichen.
Wie im letzten Jahr wird auch heuer wieder behauptet, dass bei Steinpilzen und Pfifferlingen die Cäsium-Belastung "seit Jahren unter 100 Becquerel pro Kilogramm Frischmasse" und damit "weit unter dem von der EU festgesetzten Grenzwert für Lebensmittel-Importe von 600 Becquerel" liege. Lediglich der Maronenröhrling könne noch Cäsium-Werte über dem EU-Einfuhrgrenzwert haben. Die letztjährigen Messergebnisse - offenbar Grundlage von Herrn Schnappaufs Aussage - weisen aber Spitzenwerte über 100 Bq/kg Frischmasse an Cäsium-137 auf:
Pfifferlinge 139 Bq/kg, Steinpilze 256 Bq/kg und Maronen gar 2300 Bq/kg, was in etwa dem Vierfachen des EU-Einfuhrgrenzwerts entspricht.

Damit widerspricht die Meldung des bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, dass Pilze "nach den jüngsten Radioaktivitätsmessungen grundsätzlich unbedenklich genießbar" sind, den eigenen Ergebnissen. Auf der angegebenen Internetadresse zu Messwerten finden sich allerdings keine aktuellen Messergebnisse, es liegen nur Werte bis November 2003 vor.

"Minister Schnappauf möchte einmal mehr den Anschein erwecken, dass die radioaktive Belastung bei Pilzen insgesamt auf ein relativ niedriges Niveau zurückgegangen sei. Dabei bedient er sich offenbar wieder des gleichen Tricks: Er nennt nicht die tatsächlichen Werte, sondern Mittelwerte, die über einzelne z.T. sehr hohe Belastungen überhaupt nichts aussagen", kritisiert Christina Hacker vom Vorstand des Umweltinstitut München e. V. "Damit werden die Bürgerinnen und Bürger einmal mehr in die Irre geführt. Denn nicht der Mittelwert ist relevant für eine Pilzmahlzeit, sondern der tatsächliche Wert. Und der kann insbesondere im Münchner Umland noch durchaus im drei- bis vierstelligen Bereich sein."

Nach wie vor rät das Umweltinstitut München e.V. zur Vorsorge: Ein häufiger und üppiger Verzehr von stark belasteten Pilz- und/oder Wildmahlzeiten kann zur Anreicherung von Radioaktivität im Körper und damit zu einer zusätzlichen Strahlendosis führen. "Besonders so genannte Risikogruppen wie Kinder und Schwangere sollten Waldpilze und andere Waldfrüchte aus ihrem Speiseplan streichen und stattdessen auf unbelastete Zuchtpilze zurückgreifen", empfiehlt Hacker.

Das Umweltinstitut München e. V. bietet auch dieses Jahr für Privatpersonen den kostenlosen Service an, Pilze und andere Waldprodukte auf Radioaktivität gammaspektrometrisch untersuchen lassen. Benötigt wird dazu eine Mindestmenge von etwa 250 Gramm pro Pilz-, Beeren- oder Wildfleischsorte mit möglichst genauer Probenbezeichnung, Herkunfts- und Datumsangabe der Probe; das Ergebnis kann telefonisch abgefragt werden. Die Proben können entweder während der Öffnungszeiten persönlich vorbei gebracht oder per Post geschickt werden. Sie müssen feuchtigkeitsdicht verpackt sein, am besten in einem Gefrierbeutel eingeschweißt.


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