Umweltinstitut München e.V.
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Pressemitteilung

Später Sieg der Vernunft:

Gen-Kartoffeln der TU München vor dem Aus

Bundesforschungsministerium stellt Finanzierung ein

Der umstrittene Freisetzungsversuch mit gentechnisch veränderten Kartoffeln der Technischen Universität (TU) München steht vor dem finanziellen Aus. Dies berichtete das Wissenschaftsmagazin Science am 13. Januar.

Prof. Helmar Schubert vom Institut für Lebensmittelverfahrenstechnik der Universität Karlsruhe, einer der Projektbeteiligten, erklärte gegenüber Science, das Bundesforschungsministerium werde keine weitere Zahlungen leisten. Zur Zeit sei kein Geld vorhanden, das Projekt zu Ende zu führen. Der Leiter des Freisetzungsversuchs an der TU München, Prof. Gerhard Wenzel, hatte sich bereits im Dezember über die mangelnde Unterstützung seitens der Politik beklagt und das neue Gentechnikgesetz für die Schwierigkeiten verantwortlich gemacht. Die Entwicklung der Genkartoffel war ein Verbundprojekt verschiedener Universitäten und Industrieunternehmen. Mehrere Lebensmittelproduzenten haben sich mittlerweile von dem Projekt distanziert.

Die bei dem Freisetzungsversuch verwendeten gentechnisch veränderten Kartoffeln enthalten einen hohen Anteil des Carotinoids Zeaxanthin. Dieses soll vor Altersblindheit schützen. Bei der Entwicklung wurde die so genannte "Antisense"-Technik eingesetzt, mit der spezielle Stoffwechselvorgänge in der Pflanze blockiert werden können. Grundidee des Projekts, laut Wenzel, war, dass die Kartoffeln in Form von Chips vor dem Fernseher verzehrt werden könnten. Zeaxanthin kommt jedoch in ausreichender Menge in zahlreichen Gemüsesorten, besonders in Bohnen, Salat und Mais vor.

Nach Ansicht des Umweltinstitut München e.V. ist die Entwicklung einer "Carotinoid-Kartoffel" zudem bereits im Ansatz verfehlt. "Es ist nicht sinnvoll, Fehlernährung mit einer Technologie zu bekämpfen, die Ökosystem und Verbraucher unakzeptablen Risiken aussetzt", erklärt Gentechnikexperte Andreas Bauer: "Das Umweltinstitut München e.V. begrüßt das zu erwartende Ende des Freisetzungsversuchs auf Gut Roggenstein. Zeaxanthin-Kartoffeln sind vollkommen überflüssig und in Europa aufgrund der Ablehnung der Verbraucher unverkäuflich. Industrie und Politik haben offenbar eingesehen, dass es für Genkartoffeln weder einen Markt noch gesellschaftliche Akzeptanz gibt. Mangelerscheinungen entstehen hierzulande nicht durch Unter-, sondern durch Fehlernährung. Die Gen-Kartoffel der TU ist daher mehr als eine "Antisense"-Kartoffel: sie ist eine "Nonsens"-Kartoffel. Die TU sollte das Projekt "Zeaxanthin-Kartoffel" begraben und den Versuch freiwillig einstellen."

Das Projekt "Verbesserung der gesundheitlichen Qualität von Lebensmitteln durch Erhöhung und Modifikation des Carotinoid-Gehalts" wurde vom Bundesforschungsministerium bislang mit zehn Millionen Euro gefördert. Das Umweltinstitut München e.V. hatte bereits 2003 beim Robert-Koch-Institut Einspruch gegen den Freisetzungsversuch der TU München eingelegt. Die Einwendung war von 3.500 Bürgerinnen und Bürger aus der Region unterstützt worden. Seit 2003 werden die Genkartoffeln auf dem Versuchsgut Roggenstein (Landkreis FFB) der TU München angebaut. Der Versuch war 2003 von Unbekannten zerstört worden.

München, 31. Januar 2005 (aktualisierte Fassung vom 2. Februar 2005)

Weitere Informationen zu dieser Freisetzung


Weitere Informationen:
Andreas Bauer , Tel. (089) 30 77 49-14
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