Umweltinstitut München e.V.
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Pressemitteilung

Keine Qualität aus Bayern

Fleckenteppich mit 42 Gen-Maisfeldern geplant

Bauern werden die ersten Opfer sein

München, 11. Februar 2005

50 Hektar Gen-Mais, verteilt auf 42 Felder sollen im Anbaujahr 2005 in Bayern angebaut werden. Diese Zahlen sind dem Anbauregister für gentechnisch veränderte Pflanzen zu entnehmen, das seit wenigen Tagen im Internet zu finden ist. Das Register ist eine der zentralen Neuheiten des im November 2004 verabschiedeten Gentechnikgesetzes. Es beendet den Geheimanbau von Gen-Mais in Bayern und anderswo. Auf allen bisher gemeldeten Flächen soll Mon 810-Mais des Agrar-Multis Monsanto zum Einsatz kommen, der in Ungarn wegen seiner Nebenwirkungen kürzlich verboten wurde.

Die Felder liegen in den Gemeinden Fürstenfeldbruck, Frontenhausen, Forstwiesen-Manching, Frauenberg, Finsing, Poing, Burgheim, Kaisheim, Leinheim, Rettenbach, Adelsdorf, Rotthalmünster, Neuhaus am Inn, Giebelstadt, Tauberrettersheim, Biebelsried, Dettelbach, Nenzenheim und Schwarzach am Main. An manchen Orten gibt es mehrere Felder.

Federführend in der aggressiven Einführung der Gentechnik-Landwirtschaft ist wieder einmal die Bayerische Staatsregierung: die meisten Flächen, auf denen in Bayern Gen-Mais angebaut wird, liegen auf staatlichen Gütern.

Zu diesem sogenannten "Erprobungsanbau" kommen noch über 30 Freisetzungsversuche mit verschiedenen Pflanzen, z.B. Gen-Kartoffeln in Möttingen (Donau-Ries) und Freising, überwiegend im vereinfachten Verfahren nachgemeldete Standorte.
Mit dem über das ganze Land verteilten Anbau von Genpflanzen soll eine schleichende Verunreinigung der bayerischen Fluren erreicht werden, um der Gentechnik auf den Äckern zum Durchbruch zu verhelfen. Die Produktion von gentechnikfreien Lebensmitteln, vor allem Honig, wird dadurch erschwert und langfristig unmöglich.

Harald Nestler, Vorstand des Umweltinstitut München e.V. fordert die Bauern und Versuchsleiter deshalb auf, den Willen der Verbraucher endlich zu respektieren und auf den Anbau von genmanipulierten Pflanzen zu verzichten. "Der Bt-Mais schädigt Schmetterlinge, verunreinigt gentechnikfreie Lebensmittel und macht ökonomisch keinen Sinn, insbesondere dann nicht, wenn der Schädling, der von dem Mais durch ein ständig produziertes Gift vernichtet werden soll, am Standort gar nicht vorkommt. Dabei zeigen die Erfahrungen aus den USA, dass die Bauern vom Gentechnikanbau keinerlei finanziellen Vorteil haben. Darüber hinaus nutzen nach kurzer Zeit neue Schädlinge die zurück gelassene Lücke. Niemand kann hoffen, derartig brisante Pflanzen ohne Proteste auf die Felder bringen zu können."

Der Monsanto-Mais Mon 810 wird seit Jahren aufgrund seiner negativen Auswirkungen auf das Ökosystem kritisiert. Das Umweltinstitut München e.V. hatte bereits im vergangenen Jahr auf die Giftigkeit des Bt-Maispollens für Schmetterlinge, unter anderem für das Tagpfauenauge, hingewiesen. Eine unlängst veröffentlichte Studie erhärtet nun diesen Tatbestand. In Ungarn wurde genau dieser Mais am 19. Januar 2005 wegen Schädigung von "Nichtzielorganismen" verboten.

Während sich 20 europäische Regionen, darunter vier österreichische Bundesländer, die Toskana, Sardinien, Südtirol, und Schleswig Holstein zu einem "Netzwerk europäischer Regionen zum Schutz der Landwirtschaft vor GVO-Kontamination" zusammenschließen, nimmt die Staatsregierung die Verbraucher weiterhin nicht ernst und versucht die Gentechnik durchzupeitschen.
Gentechnikfreie Regionen sichern Ihren Bauern dagegen das Überleben durch faire Preise für vom Verbraucher gewünschte gentechnikfreie Qualitätslebensmittel. Bereits 50 Prozent der Produktion der Toskana werden als gentechnikfrei gekennzeichnet, Griechenland will gänzlich gentechnikfrei bleiben.

In der Gentechnik-Landwirtschaft dagegen sinken die Preise für die Bauern immer weiter, denn Genpflanzen können praktisch nur an Tiere verfüttert werden, weil die Produkte von so gefütterten Tieren in der EU noch nicht gekennzeichnet werden müssen. Denn als genmanipuliert gekennzeichnet Produkte sind in den Geschäften unverkäuflich. Qualitätsbewusste Verbraucher verlangen allerdings bereits jetzt gentechnikfreie Milch, Fleisch und Eier.

Das Anbauregister mit Angabe der Flächengröße, den Namen der Orte, der Gemarkung, der Flur und Flurnummer sowie des Schlags finden Sie unter http://194.95.226.234/GENTEC/FREISETZUNGEN/FREISETZ.HTM. Die Seite ist derzeit leider nicht durchgehend erreichbar. Daten, die in das Anbauregister noch nicht aufgenommen wurden, finden Sie dort in der Freisetzungsliste und in der Standortliste. Es ist möglich, dass für dieses Jahr noch weitere Felder gemeldet werden.

Weitere Informationen:
Harald Nestler, Tel. (089) 30 77 49-13
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