Umweltinstitut München e.V.
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Pressemitteilung

Nicht zugelassenes Saatgut auch in Europa?

Syngenta verbreitet illegalen Gen-Mais

München, 23. März - Einige hundert Tonnen einer genetisch manipulierten und nicht zugelassenen Maissorte sind in den vergangenen vier Jahren von der Firma Syngenta versehentlich in Verkehr gebracht worden. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bereits im Dezember vergangenen Jahres zufällig von der Verwechslung erfahren. Ob der Gen-Mais auch nach Europa gelangt ist, ist nicht bekannt: Die Firma weigert sich, die Namen der Länder bekannt zu geben, in die exportiert wurde.

Das Wissenschaftsmagazin "Nature" berichtete am Dienstag, dass Syngenta, einer der weltgrößten Gentechnikkonzerne, anstelle des genetisch veränderten Mais-Saatguts Bt11 die nicht zugelassene Linie Bt10 an US-Bauern verkauft habe. Dies teilte die amerikanische Umweltbehörde der Zeitschrift mit. Die Maislinie Bt10 ist in keinem Land der Welt für den menschlichen Verzehr zugelassen. Er war in den Jahren 2001 bis 2004 auf einer Fläche von 150 km2 angebaut worden. Nach US-Angaben könnte der Mais durch Exporte auch in die EU und in die Nahrungskette von zwölf weiteren Ländern gelangt sein.

Andreas Bauer, Gentechnikexperte des Umweltinstitut München e.V. fordert, Konsequenzen aus dem Vorfall zu ziehen und einen Anbau- und Vermarktungsstopp für Genpflanzen in der EU zu erlassen: "Die Konzerne sind anscheinend nicht in der Lage, ihre Laborpflanzen zu kontrollieren. Die US-Behörden und Syngenta wussten seit Monaten von der Kontamination, ohne die Öffentlichkeit zu informieren. Dies ist ein Vertuschungsskandal ersten Ranges. Alle Maisimporte aus den USA müssen umgehend gestoppt und alle Produkte, in denen der Mais gefunden wird, aus dem Verkehr gezogen werden."

Bei dem illegalen Genmais handelt es sich um eine mit Bt11 verwandte Linie. Dieser Mais war im letzten Jahr trotz heftiger Protesten und nie ausgeräumter gesundheitlicher Bedenken in der EU für den menschlichen Verzehr zugelassen worden. Wichtige Sicherheitsdaten und eingehende Untersuchungen zu Umwelt- und Gesundheitsrisiken der Pflanze fehlen. Mit seiner Entscheidung hatte die EU-Kommission das seit 1998 bestehende Moratorium für die Zulassung von Genpflanzen aufgehoben. Durch ein Gen aus dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis wirkt dieser Mais giftig auf den Maiszünsler, einen Schädling, aber auch auf andere Schmetterlinge wie das Tagpfauenauge. Zusätzlich ist Bt11 resistent gegen Herbizide mit dem Wirkstoff Glufosinat. Aufgrund der breiten Ablehnung der Gentechnik in der europäischen Bevölkerung hatte der Konzern versichert, dass er Bt11 in der EU nicht vermarkten würde.
Quelle:
http://www.nature.com/news/2005/050321/full/nature03570.html

Weitere Informationen:
Andreas Bauer, Tel. (089) 30 77 49-14
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