Pressemitteilung20 Jahre Tschernobyl - und kein Ende in SichtUmweltinstitut München e.V. fordert den zügigen Ausbau erneuerbarer Energien München, 21. April - Vor 20 Jahren ist das passiert, was nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung einiger Wissenschaftler eigentlich erst in 1 Million Jahren hätte passieren sollen: Ein Atomkraftwerk ist explodiert, das so genannte Restrisiko hat zugeschlagen. Der Größt-Anzunehmende-Unfall (GAU) in Tschernobyl hat dafür gesorgt, dass die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland Atomkraft ablehnt.
Auf das anfängliche Schweigen hinter dem eisernen Vorhang folgte Rat- und Hilflosigkeit, nachdem der Unfall sich nicht mehr länger leugnen ließ und die radioaktive Wolke schließlich auch Bayern erreicht hatte. Die verantwortlichen Behörden waren überfordert, eine beispiellose Desinformationswelle überrollte die Bürgerinnen und Bürger. In diesem Chaos gründete sich das Umweltinstitut München e.V., begann unverzüglich Lebensmittel, Sand von Kinderspielplätzen, Bodenproben und anderes mehr auf seinen Radioaktivitätsgehalt zu untersuchen und gab die Ergebnisse an die Bevölkerung und die Medien. Christina Hacker, Vorstand im Umweltinstitut München e.V.: "Damit haben wir dazu beigetragen, dass eine zusätzli-che radioaktive Belastung zumindest minimiert werden konnte, während amtliche Stellen Vor-sichtsmaßnahmen nicht für erforderlich hielten." Heute, 20 Jahre nach dem GAU, arbeitet die Atomlobby an einem Comeback: Vor allem aus Unionskreisen werden "Laufzeitverlängerungen" der bestehenden Atomkraftwerke (AKW) ins Spiel gebracht, die inzwischen auch schon in die Jahre gekommenen sind. Manche Politiker gehen soweit, dass sie gar einen Neubau verlangen, obwohl dies im Atomgesetz ausdrücklich verboten ist. Doch eine Renaissance der Atomkraft gibt es bislang lediglich in der Propaganda-Kampagne der Atomwirtschaft. Die Realität zeigt sich anders: Der angebliche Boom der Atomkraft findet nur in Asien statt, vor allem Indien und China wollen die Atomenergienutzung ausbauen. Die Realisierung steht aber auf einem anderen Blatt. In Westeuropa ist nur ein einziges Atomkraftwerk in Bau: Finnland errichtet derzeit das erste AKW seit Tschernobyl. Es ist der Prototyp des Europäischen Druckwasser-Reaktors (EPR), den der französisch-deutsche Konzern Framatome-ANP mit Beteiligung von Siemens seit etwa 20 Jahren entwickelt. Der Neubau kann nur aufgrund hoher Subventionen realisiert werden - auch das Land Bayern gewährt einen günstigen Kredit. Schließlich, so die Hoffnung der Entwickler, soll der Reaktor eine Türöffnerfunktion für den Ausbau der Atomenergie in Westeuropa haben. Die Gefahren, die von Atomkraftwerken ausgehen, haben seit Tschernobyl nicht abgenommen. Sie sind vielmehr gestiegen. Große Unfälle werden umso wahrscheinlicher, je älter die Meiler werden. Die Endlagerung des hochradioaktiven, auf Jahrtausende strahlenden Atommülls ist weltweit bis heute nicht gelöst. Der Proliferationsmarkt - also der Handel und die Weiterverbreitung von waffenfähigem Material - floriert, dem Missbrauch zum Bau der Bombe ist Tür und Tor geöffnet. Christina Hacker befürchtet: "Der Iran hat sich gerade als neue ‚Atommacht' geoutet, es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann er auch den Besitz der Atombombe verkündet. Und schließlich besteht neuerdings die Gefahr terroristischer Angriffe. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass einmal ein solcher Angriff ein Atomkraftwerk gezielt zerstören wird." 2001 hat uns der letzte große Unfall im AKW Brunsbüttel aufgerüttelt. Karin Wurzbacher, Physikerin im Umweltinstitut München e.V.: "Eine angeblich ‚spontane Dichtungsleckage' entpuppte sich als Explosion einer Rohrleitung im Druckbehälter, die unmittelbar hinter der druckführenden Umschließung über eine Länge von zwei bis drei Metern zerfetzt wurde. Da haben wir noch einmal Glück gehabt!" Wie lange wollen wir das Schicksal noch herausfordern? Es ist allerhöchste Zeit, sich von der gefährlichen Atomkraftnutzung zu verabschieden. Die Energiewende muss beschleunigt werden. Sie basiert auf den drei "E": Energieeffizienz, Energieeinsparung und Ausbau der Erneuerbaren Energien. Wir müssen nur die Förderung, die wir jahrzehntelang in die Nuklearenergie gesteckt haben und noch immer stecken, dem Ausbau von erneuerbaren Energien zugute kommen lassen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss jeder seinen Beitrag leisten. Nicht nur die Bürgerinnen und Bürger, sondern vor allem die Politiker, die endlich die Signale eindeutig in Richtung Energiewende setzen müssen. Einen Ausstieg aus dem Atomausstieg darf es nicht geben. Bitte beachten Sie für den Serviceteil: Bürger gegen Atomreaktor Garching e.V., Münchner Friedensbündnis e.V., Mütter gegen Atomkraft e.V. und Umweltinstitut München e.V. laden ein: 20 Jahre Tschernobyl - Nie wieder! Matinee am So, 23.4.06 mit dem Schauspieler Jörg Hube und dem Trio Infernale. Eine Benefizveranstaltung für die "Kinder von Tschernobyl" im historischen Festsaal im Alten Rathaus am Marienplatz in München. Schirmherrschaft: Oberbürgermeister Christian Ude Beginn: 11 Uhr, Imbiss in der Pause Karten für 15 / 10 € im Zentralen Kartenvorverkauf (UG Marienplatz und Karlsplatz) und an der Tageskasse
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