Umweltinstitut München e.V.
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Pressemitteilung

2000 Einwendungen gegen Cholera-Kartoffeln

Umweltinstitut München fordert Stopp für Pharma-Pflanzen


München, 28. April - Das Umweltinstitut München hat dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Berlin rund 2000 Einwendungen gegen einen geplanten Freisetzungsversuch mit genmanipulierten Kartoffeln zugestellt. Die von der Universität Rostock entwickelten Pflanzen enthalten pharmazeutische Stoffe und sollen ab Mai im Freiland angebaut werden und bis 2008 in Großlüsewitz in der Nähe von Rostock wachsen.

Als Pharma-Pflanzen werden Pflanzen bezeichnet, die aufgrund einer Manipulation ihres Erbgutes pharmazeutisch wirksame Proteine, Antikörper, Impfstoffe oder Hormone produzieren. Die transgenen Kartoffeln der Universität sollen der Produktion von Impfstoffen gegen Cholera und das hämorraghische Kaninchenfieber, auch China-Seuche genannt, dienen. Zu diesem Zweck wurden den Kartoffeln Teile aus dem Cholera-Bakterium und dem Virus, das die tödliche "China-Seuche" bei Kaninchen hervorruft, eingebaut. Der Versuch wäre ein Präzedenzfall: Nie zuvor wurden Pharma-Pflanzen in Deutschland auf freiem Feld angebaut. Bislang sind Pharma-Pflanzen in keinem Land der Welt zum kommerziellen Anbau zugelassen.

Das Umweltinstitut München lehnt einen Anbau genmanipulierter Pharma-Pflanzen ab. Nach Ansicht von Andreas Bauer, Agrarwissenschaftler und Gentechnikreferent beim Umweltinstitut München, ist es ausgeschlossen, im Freiland die vollständige Kontrolle über genmanipulierte Pflanzen zu behalten: "Die bisherigen Erfahrungen mit Gen-Pflanzen sind eindeutig. Sie können im Freiland nicht kontrolliert werden. Angesichts dieser Erkenntnisse ist der Anbau von Pharma-Pflanzen unverantwortlich." Zudem seien mögliche Umweltfolgen völlig unerforscht und die gesetzlich vorgeschrieben Sicherheitsmaßnahmen für Freisetzungsversuche mit Pharma-Pflanzen ungenügend: "Selbst in den USA, wo Gentechnik-Pflanzen weitgehend im rechtsfreien Raum und ohne Prüfung angebaut werden, gibt es strengere Regeln für solche Versuche als in der EU."

Erst in diesem Jahr erschien eine englische Studie über die weltweite Kontamination durch genmanipulierte Pflanzen. Sie kommt zu dem Schluss, dass Verunreinigung über Pollen, Saatgut, Transport und falsche Deklaration inzwischen weltweit in großem Maßstab auftritt - selbst in Ländern, in denen genmanipulierte Pflanzen gar nicht angebaut werden dürfen.

Bei fast allen weltweit durchgeführten Freilandversuchen mit Pharma-Pflanzen wurden die wichtigs-ten Nahrungspflanzen der Menschheit verwendet: Mais, Reis, Soja, Kartoffeln oder Gerste. Eine Kontamination der Nahrungskette mit Pharma-Konstrukten ist dadurch vorprogrammiert. So konnte 2003 in den USA erst in letzter Sekunde die Verunreinigung der Nahrungskette mit einem Schweineimpfstoff, den die Firma ProdiGene in Gen-Mais angebaut hatte, verhindert werden.

Das Umweltinstitut München fordert daher von der Genehmigungsbehörde, dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, den Anbau der Pharma-Kartoffeln zu stoppen. Zudem verlangt es vom Bundesforschungsministerium, das den Versuch finanziell unterstützt, keine weiteren Steuergelder für die Entwicklung dieser oder anderer Pharma-Pflanzen bereitzustellen.

Die im Text erwähnte Studie über weltweite Kontaminationsfälle finden Sie auf: www.gmcontaminationregister.org

Weitere Informationen:
Andreas Bauer, Dipl.-Ing. agr. (FH)
Tel. (089) 30 77 49-14
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