Umweltinstitut München e.V.
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Pressemitteilung

Ergebnisse des bayerischen "Erprobungsanbaus" 2005
Gen-Mais scheitert in der Vorrunde

Bisherige Angaben zur Koexistenz von genmanipulierten und gentechnikfreien Pflanzen widerlegt

München, 29. Juni - Genmanipulierter Mais kontaminiert gentechnikfreie Pflanzen weitaus stärker und über wesentlich größere Distanzen als bislang propagiert. Das geht aus dem letztjährigen so genannten "Erprobungsanbau" mit genmanipuliertem Bt-Mais in Bayern hervor. Während die CSU langsam zurückrudert, fordert das Umweltinstitut München das endgültige Aus für transgene Pflanzen.

Bis zu neun Prozent Gen-Kontamination in 20 Metern Entfernung und eine Unterschreitung der Kennzeichnungsschwelle von 0,9 Prozent teils erst bei 75 Metern: Das sind einige der wichtigsten Ergebnisse des "Erprobungsanbaus". Der bayerische Landwirtschaftminister Miller hat diese Ergebnisse am gestrigen Mittwoch in Freising bekannt gegeben. Der Bericht sollte bereits im Frühjahr veröffentlicht werden, war aber auf Grund der brisanten Ergebnisse monatelang zurückgehalten worden. Die bayerische Staatsregierung muss nun einräumen, dass Kontamination über Pollenflug in einem viel weiteren Radius stattfindet, als Gentechnik-Befürworter in Industrie und Politik bislang zugeben wollten. Erste Ergebnisse des Anbaujahres 2004 hatten laut Angaben der beteiligten Wissenschaftler ergeben, dass die Kennzeichnungsschwelle von 0,9 Prozent Verunreinigung bereits ab einem Abstand von 20 Metern unterschritten wird. Diese Ergebnisse sind durch die neuen Zahlen widerlegt. Die bisher propagierten Mindestabstände zur Einhaltung des Schwellenwertes reichen bei weitem nicht aus. Selbst Minister Miller setzt sich nun für einen Mindestabstand von 150 Metern zu gentechnikfreien Kulturen ein. Die derzeitigen Gentechnik-Pflanzen bieten laut Miller auch keine ökonomischen oder pflanzenbaulichen Vorteile für die bayerischen Bauern. Zusammenfassend rät die Staatsregierung derzeit allen Landwirten vom Anbau von Gen-Mais ab.

Andreas Bauer, Gentechnikreferent beim Umweltinstitut München, kritisiert: "Zu der Erkenntnis, dass Pollen weiter fliegen als gedacht, hätte man auch kommen können, ohne die Umwelt mit transgenem Material zu verschmutzen. Aber wenigstens gibt es jetzt einen Beweis dafür, dass die angestrebte Koexistenz insbesondere für unsere bäuerliche Landwirtschaft nicht möglich ist." Es gehe nicht darum, ob der Sicherheitsabstand 20, 200 oder 2000 Meter betrage, so Bauer weiter. "Die CSU muss ihren Eiertanz jetzt beenden und für alle Zeiten aus der Genmanipulation aussteigen."

Ergebnisse des "Erprobungsanbaus" haben auch gezeigt, dass Honig und Pollen in weit höherem Maß Maispollen enthalten als bisher vermutet. In 35 von 36 Proben konnten Maispollen nachgewiesen werden. Zwei Pollenproben überschritten sogar die Kennzeichnungsschwelle und waren zu 5 Prozent mit genverändertem Material belastet. Welche Auswirkungen Bt-Mais auf Bienen hat, ist entgegen der Aussagen des Ministers dagegen weitgehend unklar. Bisherige Untersuchungen weisen auf gesundheitliche Risiken für Bienenvölker hin. Walter Haefeker, Berufsimker und Vorstandsmitglied des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes, meint dazu: "Die wenigen Studien über die Gefährlichkeit von Gen-Pflanzen für Bienen zeigen, dass die Tiere geschädigt werden und die Zukunft der Imkerei somit bedroht ist. Die Aussagen der bayerischen Staatsregierung, eine Schädigung von Bienen sei wissenschaftlich widerlegt, sind eine Farce. Politik und Industrie haben die Ergebnisse einfach uminterpretiert."

Der so genannte "Erprobungsanbau" war im vergangenen Jahr auf den bayerischen Staatsgütern Baumannshof, Neuhof, Grub und Schwarzenau durchgeführt worden. Bt-Mais enthält ein Giftgen aus dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis. Dieses Gift soll die Maispflanze vor dem Maiszünsler schützen, einem Schadinsekt, das in industriellen Maismonokulturen auftritt.

Weitere Informationen:
Andreas Bauer, Dipl.-Ing. agr. (FH)
Tel. (089) 30 77 49-14
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