Umweltinstitut München e.V.
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Mobilfunk-Info (2): Was ist eigentlich Elektrosmog?

Jede Leitung, die unter Spannung steht, hat ein elektrisches Feld um sich herum. Fließt Strom, baut sich zusätzlich ein Magnetfeld auf. Jeder Radio- und Fernsehsender, jede Mobilfunkanlage, jede Richtfunkstrecke und Radaranlage erzeugt daher ein hochfrequentes elektromagnetisches Feld: Elektrosmog. Viele Menschen schreiben dem Elektrosmog gesundheitliche Störungen zu, einige behaupten gar, er sei "die Pest des 21. Jahrhunderts". Was ist dran?

Elektrosmog breitet sich nicht, wie vielfach angenommen, gleichmäßig über die Häuser wie eine Dunstglocke aus. Vielmehr ist die Feldstärke aufgrund der starken Richtwirkung der Sendeantennen und der Abschattungen lokal sehr ungleichmäßig verteilt. 

Simulation Feldstärke 3D-Computersimulation der Feldstärke in der Nachbarschaft von Mobilfunk-Sendeanlagen aus der Vogelperspektive.
Die Dachstandorte in der Bildmitte sind gelb eingefärbt.
Blaue Einfärbung: Unterschreitung des Salzburger Resolutionswerts (1 mW/m²).
Rot: Überschreitung des Schweizer Vorsorgewerts (100 mW/m²).
Richtwerte siehe Grenzwerte im In- und Ausland

In der Simulation ist deutlich zu erkennen, dass die oberen Stockwerke der benachbarten Häuser wesentlich stärker bestrahlt werden als die unteren. Es ist also ungünstig, wenn benachbarte Wohnungen einen freien Blick auf die Basisstation haben und in etwa auf der gleichen Höhe liegen.

Hochfrequenzstrahlung

2005 gab es in Deutschland 76 Millionen Handys, die über 64.000 GSM und 22.000 UMTS-Standorte versorgt wurden. Die bestehenden GSM-Netze werden von den Ballungsgebieten ausgehend durch UMTS ergänzt. Kombi-Antennen ermöglichen den Ausbau von GSM-Standorten ohne zusätzliche Sendemasten. Die Strahlenbelastung durch UMTS-Sendeanlagen ist vergleichbar hoch wie die von GSM, der Netzausbau führt damit zu entsprechend höherer Strahlenbelastung. Da in Deutschland vier GSM und vier UMTS-Netze mit jeweils eigener Systemtechnik parallel betrieben werden, wird die Belastung weit über das Maß erhöht, welches wir mit lediglich einem flächendeckenden Netz hätten. Über Online- Datenbanken können Sie sehen, wo die in Betrieb befindlichen Masten stehen.

Simulation Feld Mobilfunkantenne

Computersimulation des Feldes einer Mobilfunkantenne.

Rot: oberhalb, gelb und keine Einfärbung: unterhalb des Salzburger Resolutionswerts.

Ist die Funkantenne auf einem Hochhaus, werden niedrige Nachbarhäuser vom Hauptstrahl verschont.

Die digitale Übertragung, mit der Mobiltelefonieren funktioniert, basiert auf hochfrequenten elektromagnetischen Feldern im Frequenzbereich 900 bis 2200 MHz. Die meisten Antennen strahlen einen gebündelten Hauptstrahl mit leichter Abwärtsneigung in ihre Umgebung ab. Damit sind die oberen Stockwerke von Nachbargebäuden oft am stärksten betroffen.

Hinweise auf Erkrankungen

Erkrankungen
Schwindel, Unwohlsein und Nervosität wurden als Folge von Mobilfunkstrahlung beobachtet.
Auch ein erhöhtes Krebsrisiko und andere schwere Erkrankungen können nicht ausgeschlossen werden.

Die Ergebnisse der wenigen bereits abgeschlossenen epidemiologischen Untersuchungen im Hochfrequenzbereich liefern ernst zu nehmende Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko als Folge gepulster oder ungepulster elektromagnetischer Bestrahlung – ein Risiko vor allem von Leukämie und Hirntumoren. Eine verlässliche Aussage lässt sich derzeit allerdings nicht machen, denn die konkreten gesundheitlichen Auswirkungen sind in der Wissenschaft noch umstritten. Auf der experimentellen Seite gibt es etliche Untersuchungen, bei denen nicht-thermische Effekte festgestellt wurden. Viele dieser Effekte wurden bereits deutlich unter den derzeit gültigen Grenzwerten beobachtet. Sie reichen von veränderten Hirnströmen über die erhöhte Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke, der Ausschüttung von Stresshormonen und Einflüssen auf die Zellkommunikation, der Schwächung des Immunsystems bis zur Abnahme der Fruchtbarkeit. Im Rahmen einer EU-geförderten Studie wurde 2004 festgestellt, dass Hochfrequenzstrahlung selbst unterhalb des für die Handynutzung gültigen Grenzwerts Doppelstrangbrüche an der DNA verursacht – ein wesentlicher Faktor der Krebsentstehung. Eine von drei niederländischen Ministerien beauftragte und im September 2003 abgeschlossene Studie zeigt besonders bei UMTS-Feldern deutliche Auswirkungen auf das gesundheitliche Wohlbefinden. Getestet wurde bei rund einem Tausendstel des deutschen Grenzwerts – einer Strahlenbelastung, wie sie in Wohnungen mit nahe gelegenen Sendeanlagen durchaus auftritt. Ergebnis: Elektrosensible litten statistisch signifikant unter Schwindel, Unwohlsein, Nervosität sowie Brustschmerzen und Atemnot. Sie hatten ein Kribbel- oder lokales Taubheitsgefühl und Konzentrationsstörungen. Das niederländische Wirtschaftsministerium beurteilte die Ergebnisse als "alarmierend". Das Bundesamt für Strahlenschutz bewertet die Studie des "renommierten Forschungslabors" in einer vom Umweltinstitut München e.V. angeforderten Stellungnahme vom 11. November 2003 als "sorgfältig durchgeführt".

Im Juni 2006 fand eine von allen Seiten erwartete Studie aus der Schweiz lediglich schwache Befunde. Da diese Studie methodisch aber erheblich von der holländischen abweicht, kann von der angekündigten "Wiederholungsstudie" jedoch keine Rede sein. Die beiden Studien stehen entsprechend einer Veröffentlichung des Ecolog-Instituts vom August 2006 nebeneinander und können nicht verglichen werden. Bleibt zu hoffen, dass die anderen derzeit in Dänemark, Großbritannien und Japan laufenden Studien zur Überprüfung der holländischen Studie einen wirklichen Fortschritt in der Risikobewertung bringen. Wir wissen noch viel zu wenig darüber, was die Strahlung tatsächlich bewirken kann. Im Sinne der Vorsorge müssen die derzeit geltenden Grenzwerte deshalb deutlich verringert werden.



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