Mobilfunk-Info (3): Handys: Der SAR-Wert
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| Auch in den guten alten Telefonzellen kann man telefonieren, und das ohne Funkstrahlung. |
Bei einem Telefonat strahlt das Handy Funkwellen aus. Vieltelefonierer sollten deshalb über Möglichkeiten nachdenken, ihre Strahlenbelastung zu verringern. Je näher die Antenne am Kopf und je größer die Sendeleistung ist, desto größer ist auch die Belastung für den Körper. Beim Abstand zählt jeder Zentimeter.
Kenngröße für die Strahlenbelastung im Kopf des Handy-Nutzers ist der SAR-Wert. SAR bedeutet: Spezifische Absorptions-Rate. Sie gibt an, in welcher Dosis das Körpergewebe elektromagnetische Felder während des Telefonierens bei voller Sendeleistung aufnimmt. Angegeben wird dies in Watt pro Kilogramm (W/kg). Erlaubt sind in Deutschland 2 W/kg Strahlenbelastung für den Kopf.
In den USA dürfen Mobiltelefone nur etwa halb so stark strahlen wie bei uns: Ein anderes Berechnungsverfahren für Strahlenbelastung im Kopf berücksichtigt so genannte "hot spots", also kleine Bereiche, die beim Telefonat bestrahlt werden.
In Großbritannien und Frankreich empfehlen die Umweltbehörden seit 2005, dass Kinder möglichst keine Handys nutzen sollten. Laut der französischen Behörde gibt es noch immer "ernsthafte Zweifel", ob die mit den Mobiltelefonen zusammenhängenden Strahlungen nicht Gesundheitsgefahren mit sich bringen. UMTS-Handys nutzen beide Mobilfunkstandards. Während der Gesprächsverbindung ist die Strahlenbelastung des UMTS-Nutzers ähnlich der von GSM.
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Bei gutem Empfang wird die Sendeleistung des Handys auf wenige Prozent gedrosselt. In einem "schwachen" Netz dagegen ist die Strahlenbelastung mit voller Sendeleistung ungebremst hoch – in vielen Innenräumen ist dies der Fall. Nutzen Sie deswegen in Innenräumen besser Festnetztelefone, und halten Sie das Mobilfunk-Gespräch kurz. Die Nutzung von Headsets (auch schnurlos) kann die Belastung reduzieren. |
Strahlungsarme Handys
Aufgrund des starken Verbraucherdrucks haben sich die USA im Herbst 2001 entschlossen, alle neu auf den Markt kommenden Mobiltelefone mit dem SAR-Wert zu kennzeichnen. In Europa ist man noch nicht so weit. Freiwillig sind die Hersteller lediglich dazu bereit, SAR-Werte in der Bedienungsanleitung und auf ihrer Homepage zu veröffentlichen.
Labels
Zwei Kennzeichnungen gibt es in Deutschland: Das von den Computermonitoren her bekannte TCO-Label soll nun auch strahlungsarme Handys kennzeichnen. Es erlaubt einen SAR-Wert bis zu 0,8 W/ kg, wobei wegen der gleichzeitig vorgeschriebenen Effizienz – dem Anteil der Strahlung, der für die Kommunikation genutzt wird – eine geringere Strahlenbelastung für den Kopf entsteht.
Seit Juni 2002 gibt es in Deutschland den "Blauen Engel" für strahlungsarme Handys (SAR max. 0,6 W/kg).
Beide Labels werden von Herstellerseite noch boykottiert (Stand Oktober 2006), mit dem Hinweis, dass stärker strahlende Geräte dann den Makel des Gesundheitsrisikos tragen würden. Nach Angaben von TCO Development erinnert dies an die ablehnende Haltung der Hersteller von Computermonitoren vor über einem Jahrzehnt. Das Label konnte sich erst durchsetzen, nachdem ein auf den Markt drängender Hersteller seine Bildschirme mit durchschlagendem Erfolg als "strahlungsarm" anpries. Heute trägt die Hälfte der weltweit hergestellten Computermonitore das Kennzeichen.
Im Auto telefonieren
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| Im Auto telefonieren ist gefährlich – nicht nur wegen der Strahlung. |
Beim Telefonieren im Auto müssen Handys oft mit voller Sendeleistung "powern", um Funkkontakt zu halten. Das Auto wirkt ähnlich einem Faradayschen Käfig: Reflexionen im Inneren führen dazu, dass nur ein geringer Teil der Strahlungsenergie das Auto verlässt. Die verbleibende Energie wird im Wagen vielfach hin und hergespiegelt. Dadurch entstehen an einzelnen Stellen starke Felder.
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Zwei Labels kennzeichnen in Deutschland Handys mit vergleichsweise niedriger Strahlenbelastung. Ganz auf Nummer sicher gehen Sie, wenn Sie den SAR-Wert genau kennen. Unsere Empfehlung: Ein SAR-Wert von max. 0,2 W/kg. Unter www.handywerte.de finden Sie SAR-Werte gängiger Mobiltelefone.
Wer nicht auf das Telefonieren im Auto verzichten kann, sollte mit einer Außenantenne auf dem Dach und einer Freisprecheinrichtung unnötige Strahlenbelastungen vermeiden. |
Schnurlostelefone
DECT-Schnurlostelefone nutzen hochfrequente Strahlung, die dem Mobilfunk ähnelt. Ihr Signal ist in dem Raum, in dem die Basisstation steht, fast immer stärker als das der Mobilfunkantenne aus der Nachbarschaft.
Und: Die meisten DECT-Basisstationen senden 24 Stunden am Tag.
W-LAN
Die viel propagierte schnurlose Anbindung des Computers an das Internet oder andere Netzwerke führt zu ähnlichen Strahlenbelastungen wie DECT-Schnurlostelefone. Über die biologische Wirkung dieser unregelmäßig gepulsten Signale gibt es nahezu keine Studien. Für Wohnungen und Arbeitsplätze empfehlen wir, kabelgebundene Anbindungen zu verwenden. Bei Laptops und vielen DSL-Routern kann W-LAN ausgeschaltet werden. D-LAN über das Stromnetz ist eine deutlich strahlenreduzierte Alternative für die Fälle, in denen keine Kabel verlegt werden können.
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Wenn Sie ein Schnurlos-Telefon in Ihrer Wohnung unbedingt brauchen, bevorzugen Sie strahlenarme Geräte, wie es auch das Bundesamt für Strahlenschutz fordert: Die Telefone sollen mit einer bedarfsgerechten Regelung der Sendeleistung ausgestattet und die Basisstation im Stand-by- Betrieb automatisch abgeschaltet sein. Generell empfehlen wir, längere Gespräche mit dem Schnurlostelefon zu vermeiden. |
Wertminderung bei Gebäuden
Mobilfunkmast in Sicht – mindert dies den Wert des Gebäudes, ähnlich wie eine vierspurige Ausfallstraße unter dem Schlafzimmerfenster? Rudolf Stürzer, Rechtsanwalt und Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins München, hat die Erfahrung gemacht, dass "die Nachfrage nach Objekten ohne Mobilfunkantennen oder in ausreichender Entfernung dazu größer" ist. Besonders bei selbst genutzten Immobilien seien die Vorbehalte groß, aber auch bei vermieteten Objekten gehe der Vermieter durch die Antennen ein zusätzliches Risiko ein. "Da halten sich Käufer eher zurück." Stürzer rät Gebäudeeigentümern, die trotzdem Mobilfunkantennen errichten lassen wollen, wegen möglicher Wertminderung "möglichst kurzfristige Verträge abzuschließen und sich von der Haftung freistellen zu lassen." Auch sollte jede Änderung am System zustimmungspflichtig sein.
[zur vollständigen Fassung des Interviews]
Der Münchner Stadtrat stellte am 1. Oktober 2002 fest, dass die Anlagen je nach Entfernung, Größe und Erscheinungsbild "zumindest für einen Teil von Kaufinteressenten oder Mietern eine abschreckende Wirkung" haben. Eine Mobilfunkantenne in nur wenigen Metern Entfernung vom Objekt könne "zu erheblichen Wertminderungen führen".
Abschirmung
Bei einer Bestrahlung oberhalb des Wertes der Salzburger Resolution empfehlen wir Abschirmmaßnahmen. Dies betrifft nur wenige Prozent der Wohnungen. Aber Vorsicht: Die Abschirmung wirkt wie ein Spiegel, falsch angebracht oder bei Nutzung von Mobil- oder Schnurlostelefonen kann sie die Belastung wegen Reflexionen sogar erhöhen.
Durch Abschirmgardinen mit eingewebten Metallfäden, Untertapeten mit Metallgewebe, transparente Fensterfolien, metallische Fliegengitter oder mit Abschirm-Baldachinen und -Netzen können Sie die Auswirkung einer benachbarten Mobilfunkantenne reduzieren. Für Neubauten gibt es Metallgewebe, die unter den Putz gelegt werden, oder Ziegelsteine mit Metalleinlagen. Dennoch bekommen Sie im Nahbereich von Basisstationen auch bei sorgfältiger Abschirmung in Ihrer Wohnung kein "Funkloch". Da es bei Feldstärken immer um Größenordnungen geht, zeigen viele Handys trotz Abschirmgraden von "99 Prozent", also einem Hundertstel der ursprünglichen Belastung noch "volles Netz" an.
Bevor Sie viel Geld ausgeben: Klären Sie die konkrete Belastungssituation durch eine Messung. Auch den Erfolg der Abschirmmaßnahmen sollten Sie über eine Messung kontrollieren, am besten von unabhängiger Hand.
Mitreden bei der Standortsuche
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Kleine Antenne zur Versorgung des Nahbereichs. Foto: Ulrich-Raithel |
Solange die Grenzwerte nicht gesenkt werden, bleibt es Bürgern und Kommunen nicht erspart, sich mit der Planung von strahlenminimierten Standorten zu beschäftigen. Bei freiwilligen Bürgerbeteiligungen, so genannten Runden Tischen, können Sie über Standorte von Mobilfunkantennen mitreden. Auch kann die Gemeinde über Flächennutzungs- und Bebauungspläne sowie Ortsgestaltungssatzungen Einfluss nehmen. Wichtig ist allemal, nicht erst aktiv zu werden, wenn der Bautrupp anrückt. Neben den "Verbotszonen" müssen alternativ funktechnisch geeignete Vorrangzonen ausgewiesen werden. Bürgerinitiativen können hier durchaus einiges erreichen – und zukunftsorientierte Politiker, denn es geht ja auch um die Attraktivität der Gemeinde als Wohn- oder Urlaubsort. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Bürgern und Gemeindeverwaltungen erhöht die Erfolgsaussichten. Wenn Netzbetreiber neue Sendeanlagen brauchen, nehmen sie auch Standort- Vorschläge von Kommunen entgegen. Strahlenminimierte Standorte lassen sich über vergleichende Immissionsprognosen finden. Anhand spezieller Computerberechnungen aus unabhängiger Hand erhält die Kommune Informationen, die die Unterschiede verschiedener Varianten der auf die Nachbarn einwirkenden Strahlenbelastung auf einen Blick erkennen lassen. Dies ermöglicht auch eine sachliche Auseinandersetzung mit Standort-Alternativen.
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So viel kann man erreichen: Computersimulation der Feldstärke in der Umgebung eines Funkmastens. Grau: Gebäude, grün und gelb: Unterschreitung, rot und violett: Überschreitung des Salzburger Resolutionswerts (siehe Seite 13). Links eine fiktive Ausgangssituation (Dachstandort) und rechts ein optimierter Standort. |
Das Umweltinstitut München e.V. unterstützt Kommunen und Bürgerinitiativen bei der Suche nach strahlenminimierten Standorten, führt vergleichende Computersimulationen durch, hält Vorträge und gibt fachlichen Rat bei Verhandlungen mit den Netzbetreibern.
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Grob geschätzt empfehlen wir, dass der Abstand zu Einzelsendeanlagen mit Blickkontakt zum Sender in Hauptstrahlrichtung mindestens 300 bis 500 Meter betragen sollte. Sind die Antennen sehr hoch montiert und trifft der Hauptstrahl erst in größerer Entfernung auf die Gebäude, kann der Abstand deutlich reduziert werden. Mobilfunkantennen auf Dächern inmitten gleichmäßig hoch bebauter Wohngebiete sind in der Regel problematisch. |
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