Niederfrequente Felder (Netzstrom) Foto: Ulrike Michl | Die stärksten niederfrequenten Felder erzeugen wir oft selbst in unseren eigenen vier Wänden. Wenn Hochspannungsleitungen (empfohlener Abstand bei 110 kV: 50-100 Meter, bei 220 kV: 80-120 m, bei 380 kV: 110-160 m), Bahnstromanlagen (empfohlener Abstand mindestens 50 m) und Transformatorenanlagen (hier genügen meist 5 m) weit genug entfernt sind und nicht unmittelbar vor der Haustür ein starker Sender bzw. auf dem Dach ein Mobilfunksender steht, sind wir selbst durch unsere Hausinstallationen und unsere Haushaltsgeräte die Hauptemittenten. Minimieren kann man hier Felder durch die Anschaffung sparsamer Geräte, durch möglichst kurze Stromleitungen und durch angemessene Abstände zu Stromverbrauchern, Trafos und Installationen. Hier genügen meist Abstände von ca. 50 cm, nur in seltenen Fällen sind Abstände von deutlich mehr als 1 m nötig. Besonders abgeschirmte bzw. auf Feldverringerung konstruierte Kabel sind in der Regel nicht notwendig, schaden aber auch nichts. Bei Netzfreischaltern ist zu beachten: Selbst bei den geringsten Verbrauchern (z.B. Radiowecker, Stand-By Verbrauchern) erfolgt keine Spannungsreduzierung. Schlafraum Möglichst nicht benutzen: Elektrische Nachtspeicheröfen, (eingeschaltete) elektrische Heizdecken und -kissen, Halogenlampen mit Trafo am Kopfende vom Bett, Basisstationen von Schnurlostelefonen, Radiowecker näher als 1 m vom Kopf, Fernsehgeräte und Stereoanlagen näher als 1 bis 2 m. Unter dem Bett darf kein Verlängerungskabel-Wirrwarr Platz finden und die Stromhauptleitung des Hauses (vor allem in größeren Mietshäusern) sollte nicht in der Wand im Bereich des Bettes verlaufen. Insbesondere bei "Kabelsalat" unter Federkernmatratzen kann es zu relativ hohen Feldstärken kommen. Ansonsten steht einer Nutzung von Federkernmatratzen nach unseren Erfahrungen bzgl. "Elektrosmog" nichts entgegen. Abschirmdecken sind teilweise problematisch, da sie in Bezug auf das im Raum vorhandene Feld abhängig von den gegebenen Verhältnissen - sowohl eine feldabschirmende wie auch eine feldverstärkende Wirkung haben können. Wohn- und Ruheräume Fernsehgerät mit zwei Meter Abstand zum Kopf, möglichst keine Elektroinstallationen näher als 50 cm am Kopf. Stand-By-Funktion möglichst nicht benutzen: Wenn Stand-By-Funktion nicht ausgeschaltet werden kann, Gerät bei Nichtgebrauch ausstecken. Leuchtstoffröhren und Energiespar- und Halogenlampen sollen einen Abstand von mindestens 50 cm haben. Grenz- und Empfehlungswerte Die Festlegung von Grenz-, Richt- bzw. Empfehlungswerten bei niederfrequenten elektrischen und magnetischen Feldern ist international sehr umstritten. Die meisten Länder haben sich bei ihren Empfehlungen und Richtlinien an den Vorschlägen der Internationalen Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP) orientiert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützt die Werte der ICNIRP. So setzt die ICNIRP die Werte im nichtberuflichen Bereich (Netzfrequenz 50 Hz) für das magnetische Feld auf B = 100 µT und für das elektrische Feld auf E = 5kV/m fest. Schon 1988 wurden vom Bundesgesundheitsamt so genannte "Eingreifrichtwerte" in die Diskussion gebracht, welche als Körperstromdichte einen Wert von 1 mA/m² festlegen. Aus diesem Basis-"Grenzwert" ergeben sich dann für das elektrische und magnetische Feld, bei 50Hz, Werte von E = 2,5 kV/m und B = 20 µT. In einer Tierversuchs-Studie von Prof. Löscher, Tierärztliche Hochschule Hannover, wurde Krebspromotion bei Ratten aber ab einer Feldstärke von 0,2 µT festgestellt. Aufgrund von epidemiologischen und Laborbefunden wurden vom Institut für sozialökologische Forschung und Bildung (ECOLOG) in Hannover für 50-Hz-Felder im öffentlichen bzw. privaten Bereich Werte von E=60V/m und B=0,2 µT vorgeschlagen. Auf diesen Werten basieren die Abstandsempfehlungen im vorliegenden Beitrag. "Mittelchen" gegen Elektrosmog Es gibt kaum einen Bereich, in dem so viel gelogen und betrogen wird wie beim Thema "Elektrosmog". Wirksame Geräte oder auch Steine, die man im Raum oder vor der Steckdose aufstellt und die die "bösen Strahlen" fressen oder positiv verändern, gibt es nicht. Dennoch werden mit solchen Geräten Millionenumsätze gemacht. Auch Decken oder ganze Betten gegen Strahlen wirken nicht oder nicht in der gewünschten Weise. Mit gesundem Menschenverstand und den oben angeführten Tipps können Sie in der Regel ein feldarmes Wohn- und vor allem Schlafumfeld schaffen. In extremen Fällen können leitende Anstriche oder µ-Metall-Ummantelungen (sehr teuer!) um elektrische lnstallationen Felder verringern.
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aus unserer Mitgliederzeitschrift Umweltnachrichten Ausgabe: 89/2000 (aktualisiert)
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