Photovoltaikanlage Foto: Umweltinstitut München e.V.
Zum 1. Juli 2010 kürzte die Bundesregierung die Einspeisevergütung für Solarstrom. Wie in der folgenden Beispielrechnung gezeigt wird, sind trotz geänderter Förderkonditionen auch kleine
Photovoltaik (PV)-Anlagen immer noch rentabel.
Die erzielbare Rendite einer Solarstromanlage wird maßgeblich von vier Faktoren bestimmt:
dem Preis der Photovoltaik-Anlage
der Inanspruchnahme zinsgünstiger Kredite
dem Eigenverbrauch (je mehr Eigenverbrauch umso rentabler)
dem spezifischen Stromertrag (abhängig von der geographischen Lage sowie der Ausrichtung und Beschattung der Solarmodule)
Beispielrechnung:
Einheiten:
kWp (Kilowattpeak): Spitzenleistung eines Solargenerators bei maximaler
Sonneneinstrahlung unter Standard-Testbedingungen
kWh/kWpa (Kilowattstunde pro Kilowattpeak und Jahr): jährlicher Stromertrag pro installiertem kWp
Grundannahmen: Die folgende Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
wird für eine kleine, privat betriebene 5-kWp Anlage durchgeführt.
Der Einfachheit halber wird der Restwert der Anlage nach 20 Betriebsjahren vernachlässigt.
Andererseits werden auch keine Kosten für Rückbau und Entsorgung der Anlage angesetzt.
Der Eigentümer einer Solarstromanlage erhält die feste Einspeisevergütung für
20 Jahre. Zusätzlich erhält er die Vergütung im Jahr der Inbetriebnahme ab dem Zeitpunkt
der ersten Stromeinspeisung.
Wird die Anlage also im Juli 2010
installiert,
wird der feste Vergütungssatz bis 31. Dezember 2031 gezahlt.
Für diesen Zeitraum berechnet sich die Wirtschaftlichkeit der PV-Anlage in der Modellrechnung.
Besteuerung: Da auch die private Solarstromerzeugung eine gewerbliche Tätigkeit ist,
wird die Mehrwertsteuer rückerstattet.
Zusätzlich kann die Anlage über 20 Jahre steuerlich abgeschrieben werden.
Die Erträge sind bei der Einkommensteuer als Einnahmen aus Gewerbebetrieb zu versteuern. Der Wirtschaftlichkeitsrechnung wurde ein konstanter Einkommenssteuersatz von 30 Prozent
zu Grunde gelegt.
Die Verluste, die in den Anfangsjahren durch die Rückzahlung des Darlehens entstehen,
wirken sich steuermindernd aus.
Zinskosten:
Die Wirtschaftlichkeit hängt natürlich von den Darlehenskonditionen ab.
In der Modellrechnung ist die Anlage zu hundert Prozent fremdfinanziert.
In Anspruch genommen wird das Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
zur Förderung der Photovoltaik (KfW-Programm
Erneuerbare Energien - Programmteil "Standard"
10/2/10, KP-Nr. 270). Die Laufzeit des Kredits beträgt 10 Jahre, von denen die ersten 2 Jahre tilgungsfrei sind.
Den aktuellen Zinssatz der KfW-Darlehen finden Sie unter
Konditionenanzeiger.
Berechnung: Die Wirtschaftlichkeitsrechnung wurde mit dem Programm solarstrom.xls durchgeführt, das kostenlos von
der Homepage des Umweltinstituts München heruntergeladen werden kann
(http://www.umweltinstitut.org/download/solarstrom.xls).
Es liefert als Ergebnis den sogenannten internen Zinsfuß und den Kapitalwert. Der Kapitalwert ist die
Summe der abgezinsten, jährlich Erträge. Ist der Kapitalwert positiv, ist die Anlage bei
einer vorgegebenen Verzinsung (= Diskonsatz, in der Modellrechnung 4 %) rentabel.
Tabelle 1 enthält die Eckdaten der betrachteten Anlage.
Tabelle 1: Eckdaten für die Wirtschaftlichkeitsrechnung
PV-Leistung
5 kWp
Kosten der Anlage
16.500 Euro
Spezifischer Stromertrag
900 kWh pro kWpa
Leistungsminderung
0,3 % pro Jahr
laufende Kosten p.a.
1 % der Anlagenkosten
Monat der Inbetriebnahme
Juli 2010
Eigenverbrauch
900 kWh/a
Zinssatz KfW-Darlehen (nominal)
3,6 %
Abbildung 1 zeigt den Verlauf der Jahreserträge über die Laufzeit von 20 Jahren und 6 Monaten.
In den ersten 24 tilgungsfreien Monaten fallen positive Erträge an (Juli 2010 bis Juni 2012).
In den darauf folgenden 8 Jahren,
in denen das Darlehen zurückbezahlt wird, werden negative Ergebnisse erwirtschaftet.
Danach sind die Jahresergebnisse wieder positiv.
Abb.1: Jahresergebnisse einer PV-Anlage über den Zeitraum von 20 Jahren und 5 Monaten
Tabelle 2 zeigt, wie sich der interne Zinsfuß ändert, wenn unterschiedliche Annahmen zum
jährlichen Stromertrag (kWh/kWpa) und den spezifischen Kosten (€/kWp) der Anlage gemacht werden.
In Abbildung 2 sind die Ergebnisse graphisch dargestellt.
Tabelle 2: Rendite einer PV-Anlage in Abhängigkeit
vom spezifischen Ertrag und den spezifischen Kosten
800 kWh/kWpa
900 kWh/kWpa
1000 kWh/kWpa
2800 €/kWp
6,1 %
11,2 %
24,0 %
3000 €/kWp
4,2 %
8,1 %
14,1 %
3300 €/kWp
2,0 %
5,1 %
8,9 %
3800 €/kWp
-0,8 %
1,7 %
4,4 %
Aus Abbildung 2 ist ersichtlich: Unter den in Tabelle 1 genannten Konditionen können PV-Anlagen
bei Kosten von 3000 €/kWp wirtschaftlich betrieben werden.
Bei Kosten von 3500 €/kWp liegt die Wirtschaftlichkeitsgrenze bei einem Solarertrag von 850 kWh/kWpa. Kostet die
Anlage gar 3800 Euro/kWp rentiert sie sich erst bei einem Solarertrag von 970 kWh/kWpa.
Die mögliche Stromproduktion an Ihrem Standort können Sie mit dem
Solarpotentialrechner der Europäischen Kommission
ermitteln.
Abb.2: Interner Zinsfuß in Abhängigkeit von den spezifischen Kosten und dem spezifischen Ertrag einer PV-Anlage.
Als Wirtschaftlichkeitsgrenze wurde ein Diskontsatz von 4 % festgelegt.
Interessant ist auch der Kapitalwert der Anlage (Tabelle 3), der dem Gesamtgewinn entspricht
(Diskontsatz 4%).
800 kWh/kWpa
900 kWh/kWpa
1000 kWh/kWpa
2800 €/kWp
850 €
2416 €
3982 €
3000 €/kWp
94 €
1660 €
3225 €
3300 €/kWp
-1000 €
525 €
2091 €
3800 €/kWp
-2900 €
-1360 €
200 €
Tabelle 3: Kapitalwert einer PV-Anlage in Abhängigkeit vom spezifischen
Solarertrag und den spezifischen Kosten der Anlage.
Für eine kleine PV-Anlage errechnet sich
also bei einem mittleren deutschen Standort
und mittleren Kosten der Anlage ein positiver Kapitalwert.