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Fragen und Antworten – Bekleidung – Biobaumwollbekleidung


Was ist Bio-Baumwolle?
Bio-Baumwolle wird nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus produziert. Im Gegensatz zum konventionellen Baumwollanbau ist der Einsatz von chemischen Pestiziden und Düngemitteln verboten. Bio-Baumwolle wird abwechselnd mit anderen Pflanzenarten angebaut. Diese vielfältigen Fruchtfolgen tragen dazu bei, die natürliche Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. Damit wird gleichzeitig die Anfälligkeit für Pflanzenkrankheiten und -schädlinge reduziert. Auch die gleichzeitige Aussaat anderer Pflanzen vermeidet unnötigen Spritzmitteleinsatz. So werden in Ostafrika Sonnenblumen um die Baumwollfelder herum gepflanzt, die einen Hauptschädling der Bauwolle anlocken. Statt Kunstdünger verwenden die Bauern Mist und Kompost. Dadurch erhöht sich der Humusanteil des Bodens, der so mehr Wasser und CO2 speichern kann. Zusätzlich verringert sich die Erosionsanfälligkeit. Bio-Baumwolle wird von Hand geerntet. Chemische Entlaubungsmittel (wie das Pflanzengift Roundup des US-Agrarkonzerns Monsanto) zur Erleichterung einer maschinellen Beerntung werden nicht eingesetzt. Untersagt ist auch die Verwendung gentechnisch veränderter Pflanzen. Mit dem Kauf eines einzigen Baumwoll-T-Shirts aus biologischer Baumwolle bewahrt man rund sieben Quadratmeter Anbaufläche vor Pestiziden und Kunstdünger. Obwohl sie inzwischen in über 20 Ländern angebaut wird, hat Bio-Baumwolle mit 0,1 Prozent nur einen verschwindend geringen Anteil am Weltmarkt.

Wie wird Bio-Baumwolle zertifiziert?
Das Prädikat „aus kontrolliert biologischem Anbau“ (aus kbA) kann nach einer dreijährigen Umstellungsphase auf Bio-Baumwollanbau verliehen werden. Um die biologische Qualität der Baumwolle zu garantieren, kontrolliert eine unabhängige Zertifizierungsorganisation die Betriebe jährlich. In Kleinbauerngruppen sorgt zudem ein internes Kontrollsystem dafür, dass die Richtlinien konsequent eingehalten werden. Zertifizierte Betriebe werden regelmäßig inspiziert und müssen ihre Produktionsmethoden umfassend aufzeichnen. Die Internationale Vereinigung der Ökologischen Landbaubewegungen (IFOAM) hat Standards erarbeitet, die ökologische Landbewirtschaftung und auch die Verarbeitung von Textilien definieren. Der Internationale Ökologische Akkreditierungsservice (IOAS) genehmigt Zertifizierungssysteme.

Wird Bio-Baumwolle fair produziert?
Durch den Verzicht auf Spritzmittel beim Anbau sind die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung eines Biobaumwoll-T-Shirts zwar grundsätzlich weniger belastend, soziale Standards werden aber allein durch das Bio-Zertifikat nicht automatisch erfüllt. Hier ist es wichtig, auf die Richtlinien der verschiedenen Labels zu achten.

Bäuerinnen eines Bio-Baumwoll-Projekts in Burkina Faso, Foto: hessnatur

Welche Vorteile hat Bio-Baumwolle für Bauern und Umwelt?
Durch den Verzicht auf Pestizide verbessert sich die Gesundheit der Bauern, und auch die Belastung der Umwelt sinkt dramatisch. Da die reifen Baumwollkapseln per Hand und ohne den Einsatz von Entlaubungsmitteln gepflückt werden, wird das Grundwasser vor einer Verunreinigung mit Pestiziden geschützt. Durch den biologischen Anbau bleibt die Bodenfruchtbarkeit erhalten, die Erträge bleiben stabil. Die vorgeschriebene Fruchtfolge bietet Kleinbauern die Chance, auch weitere Bio-Produkte zu vermarkten und sich damit unabhängiger von der Baumwolle zu machen. Durch Einsparungen bei Dünger und Spritzmitteln, einen höheren Preis für die Baumwolle, den Erlös der Zwischenfrüchte und eine Bio-Prämie sind auch Kleinbauern in der Lage, ohne Kredite zu leben. Und das, obwohl der Ertrag von Bio-Baumwolle geringer ist. Schweizer Studien zu Baumwoll-Projekten zeigen, dass beim biologischen Anbau ein um 30 bis 43 Prozent höheres Einkommen erwirtschaftet werden kann als mit konventionellen Methoden. Überraschend zeigte sich, dass Bio-Bauern nicht wesentlich mehr arbeiten müssen. Sie jäten zwar mehr, dafür ist die biologische Schädlingsbekämpfung aber weniger zeitaufwändig als agroindustrielle Methoden.

Wie wird aus der Bio-Baumwollfaser ein Bio-Bekleidungsstück?
Formaldehydhaltige Kunstharze, antimikrobielle Wirkstoffe und chlorhaltige Chemikalien, die in der konventionellen Produktion z.B. zum Bleichen verwendet werden, sind bei einem ökologischen Verarbeitungsprozess verboten. Die Textilien werden nur mit Sauerstoff gebleicht und mit biologisch vollständig abbaubaren Waschmitteln gewaschen. Als Ersatz für eine Kunstharzbehandlung mit Formaldehyd bewirkt die mechanische Sanforisierung von Baumwolle (Vorschrumpfen des Stoffes), dass diese beim Waschen nur maximal fünf Prozent einläuft. Es werden keine chemischen Hilfsmittel, nur biologisch vollständig abbaubare Produkte wie Kartoffelstärke oder Wachse eingesetzt – wie etwa Bienenwachs zur Imprägnierung. Es gibt eine Vielzahl an Pflanzen- und Naturfarben sowie synthetische Farbstoffe, die keine Allergien auslösen, gut auf der Faser haften bleiben und schwermetallfrei sind. Haut und Wasser werden nicht belastet. Umweltbelastende Reste der Verarbeitung werden solange geklärt, bis das Abwasser sauber ist. Erst dann wird es in die Kanalisation geleitet und der Klärschlamm auf der Deponie entsorgt.

Nepalesische Strickerin, Foto: hessnatur

Wird biologisch angebaute Baumwolle automatisch auch biologisch weiterverarbeitet?
Es hängt grundsätzlich vom Hersteller ab, inwiefern er auf die Umsetzung ökologischer Standards bei den Verarbeitungsprozessen achtet. Das Zertifikat „aus kbA“ allein hat hinsichtlich der Weiterverarbeitung keine Aussagekraft. Was hinter dem Begriff „bio“ steckt, ist nicht umfassend gesetzlich festgeschrieben.

Bio-Baumwolle kann mit konventionellen Methoden verarbeitet werden. Dann ist ihre Ökobilanz natürlich schlechter, als wenn beispielsweise auf Chemikalien zur Behandlung oder auf chrom- oder nickelhaltige Reißverschlüsse verzichtet wird.

Wie setzt sich der Preis eines T-Shirts aus biologischem Anbau zusammen?
Der Weltmarktpreis für Bio-Baumwolle ist höher als für konventionelle Baumwolle, da sie nur in geringen Mengen angebaut wird und Kontrollen und Schulungen der Bauern zu Buche schlagen. Wirklich teurer macht die Bio-Textilien aber die Weiterverarbeitung. Das Färben mit Naturfarbe kostet beispielsweise rund 2 Euro pro Kilogramm Textil – chemisches Färben nur 60 Cent. Umwelt- und Sozialstandards bei der Verarbeitung, die meist zeitaufwändigeren Verfahren und die kostspieligere Vermarktung führen dazu, dass ein Kleidungsstück aus Bio-Baumwolle letztendlich meist teurer ist als ein konventionelles.

Wie erkenne ich, nach welchen Richtlinien mein T-Shirt hergestellt wurde?
Es gibt eine Vielzahl an Textillabels, die auf freiwilligen Zertifizierungen durch die Hersteller basieren. Die Unterscheidung zwischen unabhängig kontrollierten Labels und unternehmenseigenen Marken ist für den Normalverbraucher nicht leicht. Meistens ist es nicht einmal ersichtlich, welches Label welche Kriterien beinhaltet. Für den Bereich der Verarbeitung gibt es verschiedene unabhängige Zertifikate, beispielsweise von Control Union, IVN oder der Soil Association. Sie alle richten sich nach dem „Global Organic Textile Standard“ (GOTS), der weltweit für Textilfasern aus kontrolliert biologischem Anbau bzw. biologischer Tierhaltung und für umweltschonende und soziale Standards während der ganzen Textilkette steht.

Welche empfehlenswerten Labels gibt es?
Die folgende Auflistung enthält keine herstellereigenen Gütezeichen, da diese oft nur durch betriebsinterne Kontrollen und nach eigenen Standards geprüft werden und daher nicht transparent sind. Es werden auch keine Labels aufgelistet, die nur minimale Schadstoffrückstände verlangen, jedoch keinen ökologischen Anbau bzw. keine ökologische Verarbeitung. Siegel, die nur faire Arbeitsbedingungen und fairen Handel auszeichnen, ökologische Aspekte aber nicht berücksichtigen, sind ebenfalls ausgenommen.

Kleiderlabel Biokleidung

Global Organic Textile Standard (GOTS)
Dieses Label garantiert vom Anbau der Rohmaterialien an den ökologischen Status der Textilien. Ebenso ist eine umweltschonende und sozial verantwortliche Herstellung und Verarbeitung der Bekleidung vorgeschrieben. Basis sind die Kriterien der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der Internationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen (IFOAM). Kritische chemische Substanzen wie Formaldehyd sind ebenso verboten wie gentechnisch veränderte Organismen und Schwermetalle. Bei den Accessoires darf kein PVC, Nickel oder Chrom verwendet werden.
Es gibt zwei Varianten des Siegels, bei denen mindestens 95 Prozent bzw. 70 bis 95 Prozent der Fasern aus kontrolliert biologischem Anbau oder von einem Umstellungsbetrieb stammen müssen.
Ein eigenes Label darf zusätzlich verwendet werden, solange es strengere Standards hat als das GOTS-Siegel.

Kleiderlabel Biokleidung

NATURTEXTIL IVN zertifiziert
Herausgeber des „IVN zertifiziert NATURTEXTIL“ ist der Internationale Verband der Naturtextilindustrie (IVN), ein Zusammenschluss von Naturtextilherstellern, der unter Einbeziehung des IMO (Institut für Marktökologie) und des eco-Umweltinstituts auch für die Richtlinienentwicklung und die Zeichenvergabe zuständig ist. Das „IVN zertifiziert NATURTEXTIL“ schreibt vor, dass mindestens 70 Prozent der Fasern aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft oder aus einer Umstellungsphase auf kontrolliert biologische Landwirtschaft stammen müssen. Umweltschädliche Verarbeitungsmethoden sowie bestimmte Substanzen (z.B. Formaldehyd) sind verboten. Bei Accessoires muss darauf geachtet werden, dass nur naturbelassene und nachwachsende Rohstoffe, nicht jedoch bedrohte Hölzer eingesetzt werden. Weiter muss die Chrom- und Nickelfreiheit von Metallen für Schnallen etc. und der Einsatz von natürlichen Lacken und Ölen garantiert sein. Auch die Sozialstandards der ILO müssen eingehalten werden: z.B. geregelte Arbeitszeiten und das Verbot von Zwangsarbeit, Diskriminierung und Kinderarbeit. Im Umlauf sind nur noch Restbestände an Textilien mit diesem Siegel, denn es gibt nur noch das strengere „NATURTEXTIL IVN zertifiziert BEST“-Siegel.

Kleiderlabel Biokleidung

NATURTEXTIL IVN zertifiziert BEST
Hier müssen mindestens 95 Prozent der verwendeten Fasern aus kontrolliert biologischem Anbau bzw. kontrolliert biologischer Tierhaltung oder aus einer Umstellungsphase auf kontrolliert biologische Landwirtschaft stammen. Bei den Verarbeitungsprozessen gelten noch strengere Richtlinien als beim „IVN zertifiziert NATURTEXTIL“. Kontrolliert werden die Betriebe durch unabhängige Umweltlabore – auch während der Dauer der einjährigen Auszeichnung. Dies sind derzeit die strengsten ökologischen und sozialen Standards in der Textilbranche.

 Kleiderlabel Biokleidung

Naturleder IVN zertifiziert
Es werden nur Häute von Tieren verwendet, die in erster Linie zur Fleischgewinnung gehalten werden. Chemische Konservierungsmittel sind verboten. Als Konservierungsmethoden sind Kühlen und Salzen zugelassen, zum Gerben nur nichtmineralische und vegetabile Verfahren.



Wie vertrauenswürdig ist Bio-Mode von großen Handelsketten?
Der Verbraucher kann darauf vertrauen, dass auch bei Bio-Mode von großen Anbietern Bio-Baumwolle verwendet wird, wenn die Kleidungsstücke so beworben werden. Das Problem: Im Gegensatz zu den strikten Standards der Naturtextilbranche (siehe oben) ist es schwer nachvollziehbar, auf welche ökologischen und sozialen Standards über die Wahl der Ausgangsmaterialien hinaus geachtet wird, wenn die Bekleidungshersteller von keiner unabhängigen Organisation zertifiziert werden. Herstellereigene Kriterien sind für den Verbraucher oft wenig transparent. So bewirbt Otto unter seinem Bio-Hauslabel PURE WEAR Textilien, die nur zu 50 Prozent aus kontrolliert biologisch angebauter Baumwolle sein müssen. Die restlichen 50 Prozent können Modal, Lycocell, Elastan, Leinen, Seide, Schurwolle oder Viskose enthalten. Außerdem hält man sich etwa bei Formaldehyd, Pestiziden, Chlor und Metallen lediglich an Grenzwerte. Die Bio-Bekleidung von C&A ist zwar aus 100 Prozent Bio-Baumwolle, zertifiziert durch die internationale Organisation „Organic Exchange“. Dieses Zertifikat garantiert allerdings keine Sozialstandards. H&M verpflichtet zwar die Zulieferbetriebe mit einem Verhaltenskodex, der u.a. die Beendung von Kinderarbeit vorsieht, jedoch werden die Kontrollen von eigenen Mitarbeitern durchgeführt.

Bio-Leinen, Anbauprojekt in Hessen, Foto: hessnatur

Gibt es außer Baumwollkleidung auch andere Textilien aus biologischem Anbau?
Alternativen zur Bio-Baumwolle sind Seide aus kontrolliert biologischem Maulbeerbaumanbau, Schafschurwolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung, Leinen aus ökologischem Flachsanbau, Ramie, Hanf, Sisal, Nessel, Kapok, Alpaka, Kaschmir oder Mohair.
Da z.B. die robusten und anspruchslosen Pflanzen Flachs und Hanf kaum von Schädlingen befallen werden, sind sie als Ausgangsstoff für die Herstellung von Naturtextilien ideal und können auch in Deutschland angebaut werden. Einzelne Hersteller verwenden zum Beispiel kbA-Leinen aus hessischem Flachsanbau.
Bio-Leder ist auf pflanzlicher Basis gegerbt und daher chromfrei. Allergie auslösende Chromsalze, die während des Tragens auf die Haut gelangen, sowie die mit nicht abbaubaren Chromrückständen belasteten Gerbereiabwässer, die auf einer Deponie entsorgt werden müssen, werden vermieden. Auf den Einsatz von synthetischen Konservierungsmitteln beim Transport wird verzichtet. Um die Atmungsaktivität nicht einzuschränken, wird das Leder nicht mit Kunststoff beschichtet.
Eine weitere Alternative stellen Schuhe und Textilien aus recycelten Materialien dar. Die Firma Patagonia produziert z.B. aus elf recycelten 2-Liter-Plastikflaschen einen Polyester-Fleecepullover. Fasern wie Viskose und Modal werden nicht als Naturfasern angesehen. Sie sind zwar natürlichen Ursprungs, werden aber nur durch chemische Aufbereitung und enormen Energieaufwand spinnbar.

Wo kann ich Bio-Mode kaufen?
Hier finden Sie eine Sammlung von Herstellern und Vertrieben von Öko-Mode