Fragen und Antworten – Bekleidung –
Baumwollbekleidung
Die Herstellung von
Textilien ist
immer mit Umweltbelastungen verbunden. Deshalb sollte man beim
Einkaufen in erster Linie an den Werbespruch über den
Einkaufsregalen einer Schweizer Textilfirma denken: „Brauchst
du
das wirklich?“
Was ist Baumwolle?
Baumwolle ist ein Malvengewächs. Sie wird in über 80
Ländern auf allen Kontinenten angebaut. Hauptproduzenten sind
die
USA, China und Indien. Aufgrund der guten Saug- und
Widerstandsfähigkeit von Baumwollfasern wird seit 5000 Jahren
ein
Großteil der menschlichen Kleidung aus Baumwolle gefertigt.
Die
jährliche Baumwollernte von rund 25 Millionen Tonnen macht
knapp
die Hälfte der gesamten Textilfaserproduktion aus und
entspricht
ungefähr der Menge von 60 Milliarden T-Shirts.
Wie wird konventionelle
Baumwolle angebaut?
Baumwolle wird meistens als einjährige Kultur angebaut.
Aufgrund
ihrer langen Wachstums- und Reifeperiode ist die Pflanze besonders
anfällig für Schädlinge. So können
sich
während einer Saison beispielsweise Generationen von
Weißen
Fliegen, Kapselraupen und Blattläusen entwickeln. Obwohl
Baumwolle
nur auf 2,4 Prozent der weltweit verfügbaren
landwirtschaftlichen
Nutzfläche angepflanzt wird, werden 11 Prozent aller Pestizide
und
24 Prozent der Insektizide auf Baumwolläckern verspritzt. Pro
Saison wird Baumwolle durchschnittlich 20-25-mal mit Pestiziden aller
Art besprüht. Für jedes Baumwoll-T-Shirt landen rund
150 g
Gift auf dem Acker. Im konventionellen Baumwollanbau werden in
Westafrika zusätzlich rund 200 kg und in den USA bis zu 600 kg
Mineraldünger pro Hektar verwendet.
Geerntet wird meistens maschinell. Um Pflückmaschinen effektiv
einsetzen zu können, werden die Pflanzen zuerst chemisch
entlaubt
(zum Beispiel mit dem Totalherbizid Roundup von Monsanto). Damit die
Baumwolle beim Transport und bei der Lagerung vor Schimmel,
Stockflecken und Schädlingen geschützt ist, wird sie
mit
Konservierungsstoffen, wie etwa Formaldehyd, behandelt.
Baumwollpflanze. Die jährliche
Produktion von 25 Millionen Tonnen verbraucht 300 Billionen Liter
Wasser.
Foto: SXC.hu
Wie wirkt sich der
konventionelle Anbau von Baumwolle auf Böden, Bauern und
Wasserhaushalt aus?
Der massive Einsatz von Chemie auf den Baumwollfeldern vernichtet nicht
nur Schädlinge, sondern auch zahlreiche Nützlinge und
für die Bodenfruchtbarkeit wichtige Bodenlebewesen.
Konventioneller Baumwollanbau führt daher zur Auslaugung der
Böden, einer Verringerung des Humusanteils und in der Folge zu
einer Abnahme der Wasserhaltefähigkeit und damit zu
erhöhter
Erosionsanfälligkeit.
Nach Schätzungen der World Health Organisation (WHO) vergiften
sich zudem bei Unfällen mit Spritzmitteln jedes Jahr weltweit
500.000 bis zwei Millionen Menschen, bis zu 40.000 davon
tödlich.
Ein Viertel davon, rund 10.000 Menschen, sterben jedes Jahr allein
durch Pestizide im Baumwollanbau.
60 Prozent aller Baumwollanbauflächen werden
künstlich
bewässert, das ist rund die Hälfte aller
bewässerten
Flächen auf der Welt. Der Anbau der Pflanze ist damit
für
etwa sechs Prozent des globalen Süßwasserverbrauchs
verantwortlich. Bodenversalzung und sinkende Grundwasserspiegel sind
daher in den Hauptanbaugebieten für Baumwolle ein gravierendes
Problem. Effiziente Bewässerungsanlagen benötigen
7.000 Liter
Wasser für die Erzeugung von einem Kilogramm Baumwolle,
schlechte
Anlagen bis zu 30.000 Liter. Teile des Wassers gelangen durch
Verdunstung und Absickern ins Grundwasser oder durch Abfluss ins
Oberflächenwasser wieder in den Wasserkreislauf. Das Wasser
ist
jedoch oftmals durch die Pestizide kontaminiert, die sich im
Trinkwasser sowie in Lebens- und Futtermitteln anreichern. Insgesamt
werden damit bei einer jährlichen Produktionsmenge von 25 Mio.
Tonnen Baumwolle 300 Billionen Liter Wasser verbraucht –
viermal
so viel wie für die Befriedigung des Wasser-Grundbedarfs aller
Menschen nötig ist.
Flugzeuge mit Pflanzengift über einem
Baumwollfeld. Pro T-Shirt landen 150 Gramm Pestizide auf dem Feld.
Foto: SXC.hu
Wie wird Baumwollsaatgut
produziert?
Baumwollsaatgut wird vorwiegend in Indien produziert. Laut einer Studie
der GRCS (Global Research and Consultancy Services) arbeiten rund
450.000 Kinder bei der Kreuzung der Pflanzen sowie bei Ernte und
Aussaat. Eine im Juni 2007 erschienene Studie brachte ans Licht, dass
in Indien immer noch Kinder für die Bayer-Tochterfirma Pro
Agro
tätig sind, obwohl Bayer seit 2002 von der Kinderarbeit in der
Zulieferkette weiß. Die Kinder leben den Untersuchungen
zufolge
in Schuldknechtschaft und sind auf den Feldern ständig
Pestiziden
ausgesetzt.
Gibt es auch
genmanipulierte Baumwolle?
Ja. Rund 43 Prozent der weltweit erzeugten Baumwolle stammen derzeit
schon von genmanipulierten Baumwollpflanzen. Erstmals wurde
Gen-Baumwolle 1996 in den USA zugelassen, im Jahr 2007 wurde sie laut
Industrieangaben auf einer Fläche von rund 15 Mio. Hektar
angebaut.
Hauptanbauländer für Gen-Baumwolle waren 2007 Indien
(6,2
Mio. Hektar), die USA (4 Mio.) und China (3,8 Mio.). In den USA betrug
der Gentechnik-Anteil in der Baumwollproduktion im Jahr 2007 bereits
rund 90 Prozent, in China und in Indien je 66 Prozent. Daneben ist der
Anbau auch in Argentinien, Australien, Mexiko, Kolumbien und
Südafrika zugelassen. In der EU ist die Aussaat von
Gen-Baumwolle
nicht gestattet, es liegt jedoch ein entsprechender Antrag des
US-Gentechnikkonzerns Monsanto vor.
Welche Eigenschaften hat
Gen-Baumwolle?
Die derzeit auf dem Markt befindlichen transgenen Baumwoll-Linien
besitzen lediglich zwei verschiedene Eigenschaften. Zum einen gibt es
Gen-Baumwolle, die durch den Einbau von Genmaterial aus dem
Bodenbakterium Bacillus thuringiensis (Bt) toxisch für
Insekten
wie den Baumwollkapselbohrer ist. Andere Linien sind
widerstandsfähig gegen Totalherbizide von Agrochemiekonzernen
wie
Monsanto oder Bayer. Ein zunehmender Anteil der Gen-Baumwolle vereinigt
beide genannten Eigenschaften in einer Pflanze, man spricht von so
genannten gestapelten Genen. In den USA belief sich der Anteil dieser
Pflanzen im Jahr 2007 schon auf rund 42 Prozent der
Gentechnik-Baumwolle.
Baumwollernte. Zuvor werden die Pflanzen chemisch entlaubt.
Foto: SXC.hu
Welche Erfahrungen machen
Landwirte mit der Gen-Baumwolle?
In verschiedenen Anbauländern haben sich mittlerweile
unterschiedliche Probleme beim Anbau von Gen-Baumwolle eingestellt. Vor
allem in Indien
ist der
Einsatz der Gentechnik-Baumwolle höchst umstritten. Das
UN-Hochkommissariat für Menschenrechte zeigte sich in einem
Bericht zur Lage Indiens vom April 2008 sehr besorgt über die
seit
Einführung der Gen-Baumwolle im Jahr 2002 auftretende
Selbstmordwelle unter Bauern. Der Grund: Durch die Einführung
der
Gen-Baumwolle und die zunehmende Macht der Agrokonzerne werden immer
mehr indische Bauern in die Verschuldung getrieben.
In den USA
wurde 2008 erstmals
wissenschaftlich nachgewiesen, dass Schadinsekten wie der
Baumwollkapselbohrer gegen das in der Baumwolle eingebaute Bt-Gift
resistent geworden sind. Forscher der Universität Tucson
(Arizona)
fanden resistente Insekten in Baumwollfeldern im Südosten der
USA.
Schon seit geraumer Zeit gibt es zudem US-Berichte, dass zwar der
Kapselbohrer mit der Bt-Baumwolle ausgeschaltet werden kann, der
entstehende Freiraum im Ökosystem aber von anderen
Schädlingen eingenommen wird, gegen die die giftige
Gen-Baumwolle
unwirksam ist. Forscher der Universität Georgia haben in einer
2008 veröffentlichten Studie folgerichtig festgestellt, dass
die
Gentechnik-Baumwolle den Bauern keinerlei ökonomische Vorteile
brachte.
Auch in China
wird wenige Jahre
nach dem Beginn des Bt-Baumwollanbaus von einer Zunahme
sekundärer
Krankheiten und Schädlingen berichtet. Nach sieben Jahren
Gen-Baumwolle kann zwar der Hauptschädling, die Rosarote
Baumwollkapselraupe, in Schach gehalten werden. Laut einer Studie von
Wissenschaftlern der New Yorker Cornell Universität sind an
seine
Stelle allerdings zahlreiche andere Schädlinge getreten. Die
Bauern müssen nun mindestens genauso viele Insektizide
ausbringen
wie zuvor.
Kann man Textilien aus
Gen-Baumwolle erkennen?
Nein. Da die Verwendung von gentechnisch veränderten
Organismen
(GVO) in Textilien nicht kennzeichnungspflichtig ist, kann man nicht
erkennen, ob das T-Shirt oder die Jeans aus genmanipulierter Baumwolle
hergestellt wurde.
Aufgrund des hohen Anteils von Gen-Baumwolle an der weltweiten
Baumwollproduktion und der Vermischung während der
Verarbeitung
ist allerdings davon auszugehen, dass der
allergrößte Teil
der konventionellen Baumwoll-Textilien schon heute gentechnische
Bestandteile enthält.
Wie wird aus der
Baumwollfaser ein Bekleidungsstück?
Bis aus einer konventionellen Baumwollpflanze ein
Kleidungsstück
wird, durchlaufen die Fasern verschiedene Verarbeitungsschritte:
Durch das Schlichten
entsteht auf den Fäden ein synthetischer Schutzfilm gegen die
Belastungen durch das Weben.
Beim Entschlichten
wird dieser Schutzfilm mit Lösungsmitteln wieder ausgewaschen.
Das Bleichen
der
Textilien mit Chlorverbindungen, um u.a. eine
gleichmäßige
Saugfähigkeit zu erreichen, führt zu giftigen
Nebenprodukten
wie Dioxin.
Das Färben
mit Azo-
und Benzidinfarbstoffen gilt als krebsgefährdend, ist aber
billig
und wird deshalb in Niedriglohnländern noch praktiziert. Als
Farbfixierer kommen oft allergieauslösende Nitro- oder
Nitroseverbindungen auf den Stoff sowie optische Aufheller für
leuchtendere Farben.
Durch die Veredelung
(Appretur) wird z.B. das Einlaufen und die Knitteranfälligkeit
des Baumwollstoffes vermindert.
Formaldehyd, Schwermetalle, Weichmacher.
Konventionelle Textilien müssen Einiges wegstecken. Auch wenn
man’s nicht sieht.
Foto: aboutpixel.de/bruno
Wie viel Chemie steckt in
meiner Jeans?
In der Textilproduktion und -veredelung werden bis zu 8000 verschiedene
Chemikalien, wie z.B. Formaldehyd, organische Halogenverbindungen und
giftige Schwermetalle, sowie rund 4000 Farbstoffe eingesetzt. Rund 90
Prozent aller Baumwolltextilien werden z.B. für den Einlauf-
und
Knitterschutz mit Kunstharzen (formaldehydhaltig) und Weichmachern
behandelt. Für mehr Glanz und Reißfestigkeit wird
der Stoff
mit Natronlauge mercerisiert, die Verhärtung des Stoffes durch
die
Hochveredelung wird mit Weichmachern wieder reduziert. Noch mehr Chemie
kommt ins Textil, wenn die Stoffe imprägniert werden oder
einen
Knautsch- oder Bleach-Look bekommen.
Bedeutet „100
Prozent Baumwolle“ auf dem Etikett wirklich 100 Prozent
Baumwolle?
Nein. Durch die Hochveredelung, d.h. die Ausrüstung der Gewebe
mit
Kunstharzen wird aus der Naturfaser Baumwolle quasi eine Kunstfaser.
Zum Teil sind letztlich oft nur rund drei Viertel des Stoffes in
konventionellen Baumwolltextilien Baumwollfasern. Die restlichen
Anteile sind Farbstoffe, Polyacryl, Harnstoff-Formaldehydharz,
Weichmacher und optische Aufheller, die als so genannte
Ausrüstungsstoffe nicht angegeben werden müssen.
Welche gesundheitlichen
Folgen kann Chemie in Baumwolltextilien haben?
Zwischen zwei und zehn Prozent der Textilhilfsmittel und Farbstoffe
verbleiben auch nach mehrmaligem Waschen in den Textilien. So wird bei
der antimikrobiellen Ausrüstung die Chlorchemikalie Triclosan
eingesetzt, die durch Schweiß direkt auf die Haut gelangt,
sich
im Körper anreichert und die Leber schädigen kann.
Auch
krebserregende Azofarbstoffe tauchen bei Stichproben immer wieder auf.
Sie sind zwar europaweit verboten, werden aber in einigen
Ländern
noch zum Färben verwendet. Für das ebenfalls
krebserregende
Formaldehyd gilt ab einer Konzentration von 1500 mg/kg die
Kennzeichnungspflicht „enthält
Formaldehyd“. Erste
gesundheitliche Belastungen können aber schon ab 300 mg/kg
auftreten. Mottenschutzmittel, Formaldehyd, Azofarbstoffe,
antimikrobielle Ausrüstungen, Farbstoffe und
Rückstände
aus der Textilpflege, wie z.B. optische Aufheller, Duftstoffe und
Enzyme können gerade bei Kindern und empfindlichen Personen
Hautreizungen, Allergien, Augen- und Schleimhautreizungen oder andere
Gesundheitsschäden hervorrufen. Insbesondere feuchte Textilien
geben durch das Quellen der Baumwollfasern diese Schadstoffe direkt an
die Haut ab.
Welche Auswirkungen hat
die Textilverarbeitung auf die Umwelt?
Aufgrund der Vielzahl und der Menge der verwendeten Chemikalien sind
die Umwelteffekte der Textilverarbeitung massiv. So gelangen im Schnitt
70 Prozent der Textilchemikalien und 20 Prozent der Farbstoffe
während oder nach der Verarbeitung in die Luft oder ins
Abwasser.
Besonders problematisch sind Farbstoffe, die sich in der
Kläranlage so gut wie nicht abbauen.
Pro Kilogramm veredelter Ware müssen etwa 70 g
Klärschlamm
entsorgt werden. Allerdings landen bestenfalls 50 bis 80 Prozent der
Chemikalien, die bei der Verarbeitung angewendet werden, im
Klärschlamm. Der Rest gelangt in die Flüsse und
belastet das
Trinkwasser. Die CO2-Bilanz eines T-Shirts ist zudem wegen der meist
per Flugzeug durchgeführten Transporte quer über den
ganzen
Globus verheerend.
Wie lässt sich
die Ökobilanz von Baumwolle im Vergleich zu anderen
Textilstoffen einschätzen?
Auch Anbau und Verarbeitung anderer Stoffe können für
die
Umwelt problematisch sein. Mit einem Anteil von 59 Prozent an der
Weltfaserproduktion sind z.B. Chemiefasern aus der derzeitigen
Textilproduktion nicht mehr wegzudenken. Der Wasserverbrauch
für
die Herstellung von z.B. einem Kilogramm Polyacryl beträgt
zwar
„nur“ 210 Liter, der Energieaufwand ist hier aber
zwei- bis
dreimal so hoch wie beim Anbau von Baumwolle. Die
Chemiefaserherstellung ist zudem durch den Verbrauch von Rohöl
und
schwermetallhaltiger Hilfsmittel gleichermaßen für
Abwasserbelastung und Emissionen verantwortlich.
Fasermischungen und besonders Mischungen mit Elastan können
außerdem nicht recycelt werden. Schurwolle aus
konventioneller
Tierhaltung ist oft belastet, da die Schafe durch
Pestizidbäder
geführt werden, um Parasitenbefall vorzubeugen. Seide von
Maulbeerbäumen kann Rückstände von
Spritzmitteln
aufweisen, da die Bäume zum Schutz vor
Fraßkonkurrenten der
Raupen mit Insektiziden gespritzt werden. Auch zellulosehaltige
Ausgangsmaterialen für Textilien stellen eine große
Belastung für die Umwelt dar. Bei der Verarbeitung von
Zellulose
(Holz und Kurzfasern der Baumwolle) zu Viskose, Modal, Lyocell/Tencel,
Cupro oder Acetat werden enorme Mengen von Wasser, Chemie und Energie
verbraucht.
Unter welchen Bedingungen
werden Textilien hergestellt?
90 Prozent der in Deutschland verkauften Kleidungsstücke
werden in
Billiglohnregionen wie Südostasien oder Mittelamerika
produziert.
Ein Arbeitstag beträgt hier oft bis zu 17 Stunden, freie Tage
gibt
es nur ein- bis zweimal pro Monat. Atemwegserkrankungen aufgrund der
schlechten Belüftung, Mangel an Schutzkleidung und
Sicherheitsvorkehrungen sowie Lärmbelastungen sind ebenfalls
gang
und gäbe. Auch unsichere Arbeitsverhältnisse,
Kinderarbeit,
Gewerkschaftsverbot, verunreinigtes Wasser, Misshandlungen und sexuelle
Belästigungen, unbezahlte Überstunden sowie die
Unterschreitung von Mindestlöhnen gehören zu den
Arbeitsbedingungen in vielen der so genannten Sweatshops.
Schöne globalisierte Welt. Bis zu
50.000 km ist ein konventionelles T-Shirt unterwegs, bevor es in
unseren Läden hängt. Foto: aboutpixel.de/N-Loader
Welchen Weg hat mein
T-Shirt hinter sich?
Aufgrund des Preisdrucks auf dem Textilmarkt werden Baumwollfasern
hauptsächlich in Niedriglohnländern verarbeitet.
Dabei
können die unterschiedlichen Verarbeitungsschritte in
völlig
verschiedenen Regionen der Erde stattfinden. Baumwolle wird z.B. in
Kasachstan, den USA, China, Indien, Pakistan oder Usbekistan angebaut,
gesponnen wird das Garn in China, gefärbt auf den Philippinen,
gewebt wird der Stoff in Polen. Vernäht wird in Bangladesch,
auf
den Philippinen, in China oder Thailand, wo auch die Label und
Futterstoffe aus Frankreich eingenäht werden.
Zusammengenäht
wird in der Regel in den „Sweatshops“, die in extra
dafür ausgewiesenen
„Sonderwirtschaftszonen“ liegen.
Die fertig genähte Jeans wird jetzt nach Griechenland
transportiert. Hier wird sie noch für den „Washed
Out“-Effekt mit Bimsstein bearbeitet, bevor sie in die
Läden
reist. Ein konventionell hergestelltes Kleidungsstück reist
auf
diese Weise bis zu 50.000 km durch die Welt, bevor es im Kleiderschrank
landet.
Wer profitiert von dem
konventionell hergestellten T-Shirt?
Vom Textilverkauf profitieren mit einem Anteil von rund 50 Prozent des
Preises hauptsächlich Handel und Hersteller. Material,
Verwaltungskosten, Transport und Importsteuer machen rund 25 Prozent
des Verkaufspreises aus. Den gleichen Anteil verschlingen Marketing und
Werbung der Unternehmen. Die Lohnkosten betragen dagegen lediglich 0,5
bis 1 Prozent des Verkaufspreises. So kostet das Material für
einen 100 Euro teuren Turnschuh lediglich acht Euro, nur 40 Cent
erhalten die Arbeiterinnen. Dagegen investiert z.B. die Firma Nike
jährlich rund 560 Millionen US-Dollar in die Werbung.
Die Reise ist hier oft noch nicht zu Ende.
Viele unserer Altkleider werden in Afrika überteuert
weiterverkauft.
Foto: pixelio.de/geralt
Was passiert bei der
Entsorgung meiner Kleidung?
Mehr als 600.000 Tonnen Alttextilien, umgerechnet rund 500 Millionen
Textilien landen in Deutschland jährlich auf dem
Müll. Bei
der Verbrennung entstehen zum Teil hochgiftige Substanzen.
Wer seine Kleidung in die Altkleidersammlung gibt, sollte bedenken,
dass rund 30 Prozent der Textilien in afrikanischen Ländern zu
Preisen verkauft werden, die immer noch zu teuer sind, als dass die
wirklich Armen sie sich leisten könnten. Hier hilft als
Orientierung das Zeichen „FairWertung“, das durch
den
Dachverband FairWertung e.V. an sammelnde gemeinnützige
Organisationen, Händler und Sortierbetriebe mit transparenten,
sozial- und umweltverträglichen Standards vergeben wird.