Umweltinstitut München e.V.
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Fragen & Antworten - Elektrosmog

Niederfrequent (Netzstrom)

Unter Spannung
Unter Spannung.
Bildquelle: www.bigfoto.com

Netzstrom hat die Wechselstromfrequenz von 50 Hz, Bahnstrom 16 2/3 Hz. Die Frequenz hat mit der Leistung nichts zu tun, dh. auch die Hochspannungsleitung, die den Strom für eine ganze Stadt transportiert, hat 50 Hz. Außerhalb des Stromleiters wirkt das elektrische Feld (Spannung) und das magnetische Feld (Kraft). Das elektrische Feld besteht bereits, wenn eine Spannung anliegt, das magnetische Feld entsteht nur, wenn Strom fließt, also "verbraucht" wird. Im Gegensatz zum elektrischen Feld lässt sich das magnetische Feld schlecht abschirmen.

Gehen von Solarstromanlagen nennenswerte Elektrosmog-Belastungen aus?
Nur in seltenen Fällen.
Tagsüber dauerhaft genutzte Räume, in denen man sich nah an Modulflächen oder Installationen (Leitungen, Wechselrichter) aufhält, erfordern eine genauere Betrachtung, da hier die Belastung in ungünstigen Fällen nennenswert sein kann.
Wesentlich für den höherfrequenten Anteil der Belastung ist der Wechselrichter der Anlage. Bestimmte trafolose Modelle können deutliche Feldbelastungen verursachen, wobei auch trafolose Wechselrichter mit geringer Belastung am Markt verfügbar sind.
Von der Solarzelle kann ein durch den Wechselrichter verursachtes elektrisches Wechselfeld ausgehen, welches durch einseitige Erdung der Solarzelle verhindert werden sollte.
Generell ist empfehlenswert, die Installationen (Kabel, Wechselrichter) nicht in unmittelbarer Nähe zu Daueraufenthaltsbereichen anzubringen und das Verbindungskabel zwischen Solarzelle und Wechselrichter zur Vermeidung stärkerer Magnetfelder zu verdrillen.
Solaranlagen erzeugen ihren Strom und damit Feldbelastung tagsüber, zu Zeiten, wo z.B. Schlafräume mit Schlafplätzen direkt unter Modulflächen kaum genutzt werden.

Ist es schädlich, Steckdosen rund ums Bett zu haben?
Man hält sich etwa 1/3 seines Lebens im Bett auf. Während der Ruhephase ist der Körper gegenüber vielen Belastungen am empfindlichsten. Der Kopfbereich des Bettes sollte daher mindestens 1 Meter von Steckdosen und Kabeln entfernt sein. Bei kürzeren Abständen kann ein Netzfreischalter Belastungen reduzieren.

Was bewirkt ein Netzfreischalter?
Der Netzfreischalter wird im Sicherungskasten eingebaut und bewirkt, dass in der Leitung nur noch ein sehr niedriger Impulsstrom fließt, welcher keine relevante Strahlung aussendet. Er gibt die Netzspannung erst bei Inbetriebnahme eines elektrischen Gerätes frei.

Welche Grenz- bzw. Vorsorgewerte gibt es?

Institution/Land

Elektrische Feldstärke*)
(V/m)

Magnetische Flussdichte*)
(Mikrotesla µT)

Grenzwert, Deutschland

5000

100

Anlagewert, Schweiz 1
TCO Wert für strahlenarme Bildschirmarbeitsplätze 0,2

Vorsorgewert, ECOLOG-Institut

60

0,1

Baubiologischer Richtwert für Schlaf- und Regenerationsbereiche:
keine Anomalie
schwache Anomalie
starke Anomalie




1

5
50




0,02
0,1
0,5

*) Effektivwerte

Das Umweltinstitut München e.V. empfiehlt, unnötige Strahlenbelastungen zu vermeiden und die ECOLOG-Werte zur Beurteilung heranzuziehen.

Sind zur Reduzierung elektrischer und magnetischer Felder Netzfreischalter erforderlich?
Bei Hausinstallationen treten kaum elektrische noch magnetische Felder auf, die den Grenzwerten nahe kommen. Da jedoch eine Auswirkung weit unterhalb der Grenzwerte umstritten ist, sind Netzfreischalter für Schlafräume aus Sicht der Vorsorge sinnvoll.

Sind netzbetriebene Radiowecker im Schlafzimmer schädlich?
Radiowecker sollten mindestens 1 m, besser 2 m vom Kopfende des Bettes entfernt aufgestellt sein. Am geeignetsten für das Schlafzimmer sind batteriebetriebene Wecker.

Sind Induktionskochfelder bezüglich Strahlenbelastung besser oder schlechter als herkömmliche Herde?
Das eigentliche Magnetfeld ist bei Induktionsherden nicht höher als bei herkömmlichen Herden. Während Haushaltskochherde mit einem Wechselstrom von 50 Hz betrieben werden, beträgt die Frequenz bei Induktionsherden 20 bis 50 kHz. Es entstehen Streufelder. Diese höherfrequenten Felder sind aufgrund steigender im Menschen induzierter Stromdichten biologisch wesentlich wirksamer als die Netzfrequenz. Im Sinne der Minimierung unnötiger Strahlenbelastungen und aufgrund des unsicheren wissenschaftlichen Kenntnisstandes empfehlen wir den Einsatz konventioneller Kochherde bzw. Herde mit konventionellen Kochfeldern.

Strahlen Nachtspeicheröfen? Stellen sie eine Gefahr im Kinderzimmer dar? Wie weit sollten sie vom Bett entfernt aufgestellt werden?
Nachtspeicheröfen geben wegen der Versorgung mit Nachtstrom in der Heizperiode zur Schlafenszeit vor allem Magnetfelder ab. In der Ruhe- und Erholungsphase ist der Körper gegenüber Belastungen am empfindlichsten.
Da der Abstand eine entscheidende Rolle spielt, gilt als Empfehlung für den Abstand von Gerät und Stromversorgung 3 m zum Kopfende des Kinderbetts bzw. 2 m für Erwachsene.

Was kann man konkret gegen Elektrosmog in der Wohnung tun?
Auf Geräte verzichten, die nicht unbedingt notwendig sind. Dazu zählen zum Beispiel schnurlose Telefone, beheizte Wasserbetten oder netzbetriebene Radiowecker am Bett. Ein Netzfreischalter kann die Leitungen im Schlafbereich während Nichtnutzung vom Stromnetz trennen und so Abhilfe schaffen.

Kann ich selbst Abschirmungen vor Elektrosmog vornehmen? Welche Möglichkeiten gibt es und sind sie empfehlenswert?
Davon ist abzuraten. Durch falsches Anbringen kann die Feldstärke in Einzelfällen sogar erhöht werden.
Abschirmtüll, Tapeten, Abschirmfarbe, Abschirmmatten, sollten nur unter Anleitung eines Fachmannes angebracht werden. Die Wirksamkeit der Maßnahme(n) sollte durch unabhängige Erfolgskontrollmessung überprüft werden.
Abschirmung ist das letzte Glied in der Kette von Erfassung und Reduzierung der Belastung. Zunächst müssen die Feldstärken gemessen und Quellen gefunden werden. Abgeschirmt werden sollte nur, wenn andere Maßnahmen (z.B. Netzfreischaltung, Entfernung netzbetriebener Geräte vom Schlafbereich) nicht sinnvoll sind.

Strahlen Hochspannungsleitungen Elektrosmog ab?
Die meisten niederfrequenten Felder (Strom) erzeugen wir selbst. Im Sinne der Vorsorge bei Hochspannungsleitungen ist es bezogen auf die Ecolog-Werte sinnvoll, zum Wohnbereich folgende Abstände einzuhalten: Bei 110 kV von 100 Meter, bei 220 kV von 120 Meter und bei 380 kV von 180 Meter.

Sind die Leitungen von S-Bahnen sowie Zügen schädlich?
Beim Fahrbetrieb treten in den Fahrleitungen und Zuführungen kurzzeitige Strom-Spitzenwerte auf. Dadurch können sich bei Stromstärken von 1 kA Magnetflussdichten um 75 Mikrotesla ergeben. Dieser Wert stellt jedoch keine Dauerbelastung dar. Aufgrund des zumeist reduzierten Fahrbetriebs in der Nacht sind die Belastungen in der sensibleren Ruhephase in der Regel geringer.
Der Vorsorgeabstand beträgt für Bahnstromanlagen (S-Bahn und Züge) im Sinne des ECOLOG-Vorsorgewerts pauschal 50 m.

Geht von den Stromleitungen der Straßenbahn ein Risiko aus?
Trambahn-Oberleitungen sind aufgrund der geringeren Leistungsaufnahme von Trambahnen - und der damit schwächeren Magnetfelder als bei Zügen - weit genug von den Wohnbereichen entfernt. Anders kann es sich bei Trambahn-Speiseleitungen verhalten, die direkt auf der Hausmauer verlegt sind. In diesen Fällen empfiehlt sich in angrenzenden Wohnräumen eine Messung. Speiseleitungen, welche über Mast nach oben geführt werden, sind unproblematisch.

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