Umweltinstitut München e.V.
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Details zur Kennzeichnung der unterschiedlichen Papierarten

 A) Unabhängige Recyclingpapierlabels 

Blauer Engel, RAL-UZ 14 (Recyclingpapier)
Die Grundlage für die Vergabe des Umweltzeichens wird von der Jury Umweltzeichen in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, dem Umweltbundesamt und unter Einbeziehung der Ergebnisse der vom Deutschem Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V. (RAL) einberufenen Anhörungsbesprechungen beschlossen. Mit der Vergabe des Umweltzeichens wurde der RAL e.V. beauftragt.
Das Umweltzeichen "Blauer Engel" ist das am weitesten verbreitete Label, das Recyclingpapier kennzeichnet. Mit blauem Engel gekennzeichnetes Papier muss folgende Anforderungen erfüllen:
· Die Papierfasern müssen zu 100% aus Altpapier hergestellt sein; dabei müssen mindestens 65% des Altpapiers aus unteren, mittleren oder krafthaltigen Altpapiersorten (Haushaltssammelware) bestehen.
· Bestimmte Fabrikationshilfsstoffe dürfen entweder garnicht verwendet werden oder Höchstwerte wie z.B. bei Formaldehyd (0,5 mg/dm²) und Pentachlorphenol (0,15 mg/kg) müssen eingehalten werden.
· Es dürfen keine krebserzeugenden, erbgutverändernden oder fortpflanzungsgefährdenden Färbemittel und Beschichtungsstoffe eingesetzt werden.
· Keine Verwendung von Chlor, halogenierten Bleichmitteln, biologisch schwer abbaubaren Komplexbildnern sowie optischen Aufhellern.
· Recycling-Kopierpapiere dürfen bestimmte Werte an flüchtigen organischen Stoffen (TVOC 60 µg/g, SVOC 80 µg/g und DIPN 6 µg/g) nicht über schreiten.
· Technische Anforderungen, z.B. der Einsatz in modernen Bürogeräten (DIN EN 12281:2003) und die gute Archivierbarkeit (DIN 6738 12-80 -"einige hundert Jahre") an Papiersorten sind entsprechend der DIN-Normen einzuhalten.

 B) Unabhängige Frischfaser- und Recyclingpapierlabels 


FSC
Der FSC (Forest Stewardship Council) ist eine internationale gemeinnützige Organisation und wird von Umweltorganisationen (WWF, Greenpeace, NABU, Robin Wood, u.a.), Sozialverbänden (IG BAU, IG Metall, u.a.), sowie zahlreichen Unternehmen (Waldbesitzerverbände, öffentliche Forstverwaltungen, Forst- und Holzwirtschaftsunternehmen sowie Zertifizierungsorganisationen) unterstützt. Er wurde mit dem Ziel gegründet, die 1992 in Rio Janeiro beschlossene "nachhaltige Entwicklung" der Wälder umzusetzen. So sollen soziale, ökologische und wirtschaftliche Aspekte sollen bei der Nutzung von Naturgütern berücksichtigt werden.
Das FSC-Label "100%" kennzeichnet Produkte die vollständig aus Primärfasern hergestellt werden, also Holz, das zu 100% aus nachhaltiger Bewirtschaftung (externe Zertifizierung) stammt
Das FSC-Label "Mixed Sources" kennzeichnet Produkte, bei deren Herstellung FSC-Holz, Holz aus kontrollierten Quellen oder Recyclingmaterial verwendet wurde. Holz aus illegalen Quellen, Raubbau oder nicht nachweisbaren Quellen ist bei dieser Mischung ausgeschlossen. Die Hersteller haben die Möglichkeit zwischen zwei Labels zu wählen. Das linke weist jedoch noch explizierter daraufhin, daß Altpapier im Produkt enthalten ist.
Das FSC-Label "Recycled" kennzeichnet Produkte, die vollständig aus Altpapier hergestellt wurden. Allerdings werden keine Angaben über die Zusammensetzung des Altpapiers gemacht.
Bei diesen Labels steht die forstliche Bewirtschaftung im Fokus, deshalb gibt es derzeit noch keine Vorgaben zum Einsatz von Chemikalien in der Holzverarbeitung.

Nordic Environment Label
Das Nordic Environment Label oder auch als Nordischer Schwan bekannt, wird vom Institut für Normung SIS vergeben und durch eine unabhängige Organisation kontrolliert.
Bei der Vergabe wird der gesamte Lebenszyklus des Papiers unter ökologischen Aspekten bewertet:
· Der Hersteller muß sämtliche technische Daten des Produkts und seiner Fertigung offenbaren. Dies wird kontinuierlich durch eine unabhängige Organisation kontrolliert.
· Die wesentlichen überprüften Parameter sind der AOX- (organische Chlorerbindungen) und CSB-Wert (chemischer Sauerstoffbedarf) des Abwassers sowie die Schwefel- und Stickstoffoxid-Emissionen während der Produktion.
Folgende Kriterien müssen erfüllt werden:
· Begrenzung der Verwendung von umweltschädlichen Chemikalien,
· Produzierung niedriger Luft- und Wasseremissionen,
· Reduzierung des Energieverbrauchs, jeweils gemessen an den Europäischen Durchschnittswerten.
Der Nordische Schwan verlangt keinen Einsatz von Altpapier, gibt allerdings Vorgaben für die Erzeugung der Faserrohstoffe:
· Mindestens 15 % des zur Erzeugung genutzten Holzes müssen aus zertifizierter Waldwirtschaft stammen. Für den Nachweis lässt der Nordische Schwan unterschiedliche Zertifizierungssysteme wie FSC oder PEFC zu, wobei eine Einzelfallprüfung erfolgt.
oder:
· Mindestens 50 % des Fasermaterials müssen aus Altpapier bestehen oder aus Sägemehl / Holzchips und Sägerestholz.
oder:
· Eine Kombination von 1) und 2), wobei eine Formel angegeben ist, nach welcher der Mindestanteil zertifizierten Holzes zu kalkulieren ist, wenn weniger als 50 % des Fasermaterials aus Altpapier und / oder Sägemehl / Holzchips und Sägerestholz bestehen.

Europäisches Umweltzeichen
Das europäische Umweltzeichen ist wie der "Blaue Engel" unabhängig, jedoch nicht so weitgehend in seinen Anforderungen. Es kennzeichnet in erster Linie Zellstoffpapiere aber auch Recyclingpapiere, die unter den Aspekten der Nachhaltigkeit hergestellt wurden. Das Zeichen ist relativ neu und noch in vielen Produktbereichen in der Entwicklungsphase. Deshalb gilt das Zeichen momentan nur für Kopierpapier, Druckpapier und Hygienepapier. Folgende Kriterien muss der Papierhersteller beachten:
· Reduzierung der Luftverschmutzung durch Schwefel und Treibhausgase bei der Produktion
· Verminderung der Wasserverschmutzung durch chlorhaltige Verbindungen und organischen Abfällen während der Produktion
· Begrenzung des Energieverbrauchs während der Produktion
· Reduzierung des Energieverbrauchs während der Produktion
· Reduzierung der Risiken für die menschliche Gesundheit, für den ökologischen Schaden oder Risiken, die sich auf den Gebrauch von gefährlichen Chemikalien beziehen
· Verarbeitung von Zellstoff aus Altpapier oder Holz, das aus nachhaltig (davon 10% zertifiziert) bewirtschafteten Wäldern stammt

 C) Private Recyclingpapierlabels 

ÖKOPAplus
Das ÖKOPAplus-Zeichen ist ein Warenzeichen der Firma VENCEREMOS GmbH, das von Greenpeace unterstützt wird. Die Produkte entsprechen auch den Vergabekriterien des "Blauen Engels" und werden deshalb mit ihm gekennzeichnet. Das Besondere an diesen Produkten ist, daß sie nicht gebleicht werden, sondern mit einem weißem Leim bestrichen werden, der das Papier weiß erscheinen läßt und das Schreiben mit Tinte ermöglicht.
Folgende Vorteile nennt die Venceremos GmbH:
· Hergestellt aus 100% Altpapier
· Weiße Papierfarbe durch Naturstoffe (Kaolin, Latex, Kreide und Stärke)
· Erhebliche Wasser- und Energieeinsparung
· Glatte Oberfläche und Tintenfest
· Keine eingeschränkten Tintenkillereigenschaften

VUP-Zeichen (Verbund selbstverwalteter Betriebe für Umweltschutzpapier e.V.)
Dieses Zeichen wird von der WUP-GmbH (Werkstatt umweltfreundlicher Produkte) vergeben und kennzeichnet Umweltschutzpapiere, die sich aber nach eigenen Angaben nicht mehr von den Recyclingpapieren, die mit dem Blauen Engel gekennzeichnet sind unterscheiden. Dieses Zeichen ist eins der ältesten Papierzeichen und spielte eine Rolle, als die Kriterien des "Blauen Engels" den Herstellern noch zu viele Freiräume ließen, bzw. der "Blaue Engel" noch gar nicht existierte.

 D) Private Labels mit geringer Umweltrelevanz 

Aqua pro Natura-"Weltpark Tropenwald"
Das Aqua pro natura-"Weltpark Tropenwald" Zeichen wurde von der Vereinigung deutscher Hersteller für umweltschonende Lernmittel e.V. geschaffen. Das Zeichen darf nur an Mitglieder, das sind Lernmittelhersteller, vergeben werden. Diese haben sich freiwillig verpflichtet folgende Kriterien einzuhalten:
· Der zur Papierherstellung verwendete Zellstoff ist chlorfrei gebleicht
(1. Kreis: Aqua pro natura).
· Das zur Papierherstellung verwendete Holz stammt nicht aus Tropenholz
(2. Kreis: Weltpark Tropenwald).
Die Lernmittelhersteller kontrollieren ihre Produkte selbst; unabhängige Kontrollen durch externe Prüfer finden nicht statt.
Hinweis: Holz wird für die Papierproduktion fast nur in nicht-tropischen Wäldern (z.B. Regen- und Urwälder in Kanada oder Sibirien) geschlagen. Tropenholz ist für die Papierproduktion ungeeignet, weil es ist viel zu teuer und sein Fasergefüge zu hart ist.
Chlor wird in Deutschland aufgrund der verschärften Abwasserrichtlinien der 70er und 80er nicht mehr als Bleichmittel eingesetzt.

 E)  Weitere Papierkennzeichnungen 
Auf Primärfaserpapieren findet sich häufig das TCF-Label bzw. das ECF-Label welches die Art der Bleichung kennzeichnet. In Deutschland wird ausschließlich chlorfrei gebleicht. Im weniger stark entwickeltem Ausland wird jedoch noch nach ECF- Methoden gebleicht. Dieser meist günstigere Zellstoff wird Importiert und in Deutschland weiterverarbeitet. Wer Frischfaserpapier einsetzten muss, sollte beim Kauf zumindest auf das TCF-Label achten.