Rund 80 Prozent unseres Stroms wird von den vier großen Energiekonzernen
E.ON, EnBW, RWE und Vattenfall produziert, hauptsächlich durch Kohle- (circa 40 %) und Atomkraft (circa 23 %) (bis zum Atommoratorium im März 2011).
Dabei werden pro Kilowattstunde verbrauchten Stroms im Durchschnitt 600 Gramm
CO2 in die Luft geblasen. CO2 ist mengenmäßig der bedeutendste Verursacher
des Klimawandels.
Im Gegensatz dazu birgt Strom aus erneuerbaren Energien keine Gefahr für
Mensch, Umwelt und Klima und ist manchmal sogar billiger als konventioneller
Strom. Der Stromwechsel ist einfach und ein effektiver Protest gegen Atom- und
Kohlestrom. Machen Sie mit!
Welchen Ökostromanbieter soll ich wählen?
Vier "echte" Ökostromanbieter sind: Die Elektrizitätswerke
Schönau (EWS), Lichtblick, Naturstrom und Greenpeace Energy. Diese vier
Anbieter haben keine eigentumsrechtlichen Verflechtungen mit Kohle- und Atomstromkonzernen
und sind somit unabhängig. Sie beziehen ihren Strom aus erneuerbaren Energiequellen
und investieren in den Bau neuer regenerativer Anlagen.
Wie finde ich Anbieter / Preisvergleiche?
Ein neuer Rechner, der nur echte Ökostromanbieter aufnimmt, ist Naturvolt.
Eine bekannte Online-Datenbank, bei der Sie auch separat nach Öko-Strom-Anbietern
suchen können, ist verivox.de.
Worauf sollte ich bei Ökostrom-Anbietern achten?
Der Ökostrom sollte nicht zu 100 Prozent aus Wasserkraftwerken, sondern
aus verschiedenen regenerativen Energiequellen kommen. Ihr Ökostromanbieter
sollte also einen Teil seines Stroms in Solar- oder Windkraftanlagen erzeugen.
Zusätzlich kann ein Teil des Stroms auch in Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung
produziert werden.
Ökostrom, der ausschließlich aus Wasserkraftwerken kommt trägt
aus zwei Gründen nicht zum Klimaschutz und einem Umbau der Stromerzeugung
bei: Erstens: Wasserkraft kann in Deutschland kaum weiter ausgebaut werden.
Nur etwa vier Prozent des deutschen Stroms wird in Wasserkraftwerken erzeugt.
Der Wasserstrom wird also in Kraftwerken erzeugt, die schon seit Beginn
der Elektrifizierung zur deutschen Stromversorgung beitragen oder er wird
aus Österreich, Norwegen oder der Schweiz zugekauft. Die großen
Stromanbieter verkaufen nun den Wasserstrom, der schon immer Teil des deutschen
Strommix war, als Ökostrom. Die Mehreinnahmen werden aber in der Regel
nicht in erneuerbare Energien investiert. Zweitens: Insbesondere der Einkauf von Wasserstrom aus Norwegen erfolgt
lediglich durch den Erwerb von Zertifikaten, denn zwischen Deutschland und
Norwegen existiert keine reale Stromleitung. Deshalb wird konventioneller
Strom in Deutschland zu Strom aus Wasserkraft und die gleiche Menge in Norwegen
zu konventionellem Strom umdeklariert.
Der Ökostromanbieter muss in den Bau weiterer neuer Ökokraftwerke
investieren.Dadurch erhöht sich der Anteil regenerativ erzeugten Stroms
an der Gesamtstromproduktion, so dass Atom- und Kohlekraftwerke Stück
für Stück überflüssig werden. Achten Sie also darauf,
dass der Ökostromanbieter den Bau regenerativer Kraftwerke fördert.
Ökostrom sollte nicht von einem Anbieter bezogen werden, der auch
konventionellen Strom verkauft. Wer sein Geschäft auch mit Atom- und
Kohlestrom macht, hat nicht unbedingt ein Interesse am Ausbau der Erneuerbaren
Energien.
Achten Sie auf das Zertifikat "Grüner Strom Label".
Welche Gütesiegel gibt es, und was sagen sie aus?
Grüner Strom Label e. V. (GSL):
Bei Ökostromtarifen, die mit dem Grüner Strom Label (GSL) zertifiziert
sind, wird mindestens 1 Cent pro Kilowattstunde in den Bau neuer regenerativer
Energien investiert. Darüber hinaus muss nachgewiesen werden, in welchen
Anlagen der Strom erzeugt wird, so dass eine Doppelvermarktung ausgeschlossen
ist. Das GSL gibt es in der Kategorie Silber und Gold: GSL Silber enthält bis zu 50 Prozent Strom aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen.
Maximal 50 Prozent der Investitionen werden für Kraft-Wärme-Kopplung
ausgegeben, ansonsten wird in regenerative Anlagen investiert. GSL Gold wird verliehen, wenn ausschließlich in erneuerbare Energien
investiert wird.
Das GSL wird von Umwelt- und Verbraucherorganisationen herausgegeben, wie
dem Deutschen Naturschutzring (DNR), dem Bund für Umwelt- und Naturschutz
(BUND), den Internationalen Ärzten für die Verhütung des Atomkrieges
(IPPNW), dem Bund der Energieverbraucher und der Verbraucherinitiative. Das Grüne Strom Label ist das Zertifikat mit den strengsten Umweltkriterien
und besonders zu empfehlen.
Ok-Power: Das von Umwelt- und Verbraucherorganisationen getragene Label ok-Power
ist weniger streng als das Grüner Strom Label, aber als Alternative
zu konventionellem Strom dennoch zu empfehlen.
Das Gütesiegel "ok-Power" fördert den Ausbau erneuerbarer
Energien und setzt Anreize zum Bau neuer Ökostrom-Anlagen. Es wird von
WWF, Verbraucherzentrale NRW und dem Ökoinstitut Freiburg verwaltet.
Das OK-Power Label zertifiziert allerdings auch Ökostromangebote von
Atom- und Kohlekonzernen.
Technischer Überwachungs-Verein ( TÜV ) und Landesgewerbeanstalt
Bayern (LGA): Die Siegel der Landesgewerbeanstalt Bayern und des TÜVs sind nur bedingt
empfehlenswert. Der Verbraucher kann zwar sicher sein, dass er "grünen"
Strom bezieht, da tatsächlich Ökostrom angeboten wird. Dieser kommt
jedoch auch aus bestehenden Altanlagen. Für Investitionen in neue Anlagen
gibt es keine genauen Vorschriften.
Die Technischen Überwachungs-Vereine haben eine gemeinsame "Basisrichtlinie
Ökostromprodukte 1304" erarbeitet, in der die Grundsätze zur
Zertifizierung von Ökostromtarifen festgelegt werden.
· TÜV Nord: die Förderung erneuerbarer Energien muss nur
"eine wesentliche Zielsetzung des Stromangebots und des anbietenden Unternehmens"
sein - konkrete Vorgaben hierfür gibt es nicht.
· TÜV Süd: keine KWK - Einbindung; verschiedene Labels: EE
01 (100% erneuerbare Energien) und EE 02 (100% Wasserkraft)
Beide TÜV-Siegel haben keine konkrete Vorschrift, wann genau in neue
Anlagen investiert werden.
Die LGA vergibt ihr Label ebenfalls in zwei Kategorien.Der Strom kommt
entweder zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen oder aber er kommt aus regenerativen
Quellen und zu maximal 75 Prozent aus Kraft-Wärme-Kopplung. Weiterhin
müssen die zertifizierten Betriebe erkennen lassen, dass entsprechend
der Nachfrage ein Ausbau der Versorgung mit Ökostrom vorgesehen ist.
Was sind RECS-Zertifikate?
RECS steht für Renewable Energy Certificate System. Dies wurde von verschiedenen
Organisationen ins Leben gerufen, unter anderem auch EON, RWE und Vattenfall.
Der Handel mit RECS-Zertifikaten funktioniert so: Ein Stromversorger will Ökostrom
einkaufen. Diesen kauft er nicht real sondern er kauft RECS-Zertifikate. Diese
Zertifikate bestätigen lediglich, dass eine bestimmte Menge Ökostrom
tatsächlich produziert und in das europäische Netz eingespeist wurde.
Ein Stromerzeuger, der RECS-Zertifikate kauft, hat das Recht eine entsprechende
Menge Strom als Ökostrom zu verkaufen - selbst wenn er selbst nur Kohle-
und Atomstrom produziert. Im Ausgleich dazu muss der Verkäufer der Zertifikate
die entsprechende Menge seines Ökostroms in konventionellen Strom umetikettieren.
Durch RECS-Zertifikate kann also ein Anbieter seinen konventionellen Strom zum
Beispiel mit dem Öko-Zertifikat eines Wasserkraftwerks in Skandinavien
veredeln. Dies ist problematisch, da der Ökostrom weder in neuen Anlagen
produziert wird, noch der Ausbau von neuen Anlagen zur Produktion von Ökostrom
gefördert wird. Es entsteht kein Nutzen für die Umwelt.
Kommt aus meiner Steckdose nach dem Wechsel Öko-Strom?
Nein. Nach dem Wechsel zu einem Ökostromanbieter kommt dennoch derselbe
Strom aus der Steckdose. Aber es wird sicher gestellt, dass Öko-Strom in
der Höhe Ihres Verbrauchs in das Verbundnetz eingespeist wird. Unter dem
Verbundnetz kann man sich einen großen See vorstellen, dessen Wasserstand
immer konstant gehalten wird. Wenn Sie als Ökostromkunde Strom aus dem
See entnehmen, dann speist ihr Stromanbieter die gleiche Menge an Ökostrom
in den See ein. Sie tragen so dazu bei, dass der See insgesamt "grüner"
und "sauberer" wird.
Wie funktioniert der Wechsel?
Wechseln kann jeder Endkunde. Sobald der neue Stromanbieter den unterschriebenen
Vertrag erhalten hat, kümmert er sich um alle Formalitäten, d.h. auch
um die Kündigung des bisherigen Stromanbieters. Nach Ablauf der Kündigung
( ca. 5 Wochen) wird man Kunde des neuen Anbieters. Laut Stiftung Warentest
funktioniert der Wechsel inzwischen weitgehend reibungslos.
Gibt es beim Wechsel eine Unterbrechung der Stromversorgung?
Nein. Beim Stromwechsel werden keine Leitungen getrennt, keine Zähler umgeschraubt.
Der Strom kommt nach wie vor aus dem Netz des regionalen Stromnetz-Betreibers.
Physisch werden Sie also vom Wechsel nichts merken.
Ist die Stromversorgung so zuverlässig wie bisher?
Ja. Der Strom kommt immer aus dem nächstgelegenen Kraftwerk über das
Netz des regionalen Netzbetreibers. Das lokale Energieversorgungsunternehmen
ist zur Daseinsvorsorge verpflichtet, daher ist die Stromversorgung gesichert.
Wer ist zuständig bei Störungen?
Wie bisher: Ihr regionaler Stromnetzbetreiber. Ihr neuer Anbieter bezahlt an
diesen je übertragene Kilowattstunde für die Instandhaltung des Netzes
einige Cent Netznutzungsgebühr.
Ist Ökostrom teurer?
Der Preis für Ökostrom ist zum Teil nicht höher als der für
konventionellen Strom, so eine Studie von Stiftung Warentest, die 16 Strompreise
im Jahr 2009 verglichen hat. Der Preis hängt davon ab, wie strengdie ökologischen
Kriterien sind und wie viel in die Förderung neuer regenerativer Anlagen
investiert wird. Auch wird der Preis durch die Netznutzungsentgelte bestimmt,
die ein Energieversorger für die Durchleitung des Stroms zahlen muss.
Bei Vertragskonditionen und Kundenservice schneiden die grünen Anbieter
sogar größtenteils besser ab als die konventionellen. Sie bieten
in der Regel kürzere Vertragslaufzeiten und flexiblere Kündigungsfristen
an.
Gehört mein Stromanbieter zu einem Atomkonzern?
Achten Sie auf die rechtlich vorgeschriebene Stromkennzeichnung des Unternehmens
auf der Stromrechnung.
Wenn Ihr Anbieter nicht nur Ökostrom, sondern auch konventionellen Strom
anbietet, sollten Sie zu einem unabhängigen Ökostromversorger wechseln
(EWS Schönau, Greenpeace Energy, Lichtblick und Naturstrom). Auch wenn
Ihr Anbieter keinen Tarif mit Atomstrom-Anteil ausweist, kann es sein, dass
er Kohle-, Gas- oder Ökostrom bei einem Atomkonzern kauft. Dies ist meistens
der Fall, wenn der Strom nicht selbst produziert oder im Ausland gekauft wird.
Hilfreich ist die Internetseite des jeweiligen Unternehmens, auf der man erfahren
kann, wer Anteilseigner des Unternehmens ist. Auch bei Stadtwerken sollte man
aufpassen, sie gehören oft größtenteils einem der vier Atomkonzerne.
Ist Ökostrom von Stadtwerken empfehlenswert?
Auch "Ökostrom" von Stadtwerken ist oft nicht "öko".
Die meisten Stadtwerke haben ihre Stromnetze ganz oder teilweise an einen der
vier großen Energiekonzerne verkauft. Nur wenn das stadteigene Versorgungswerk
selbst Ökostrom produziert, ist der Ökostrom der Stadtwerke empfehlenswert.
Fördert der Staat Ökostrom?
Ja, aber indirekt. Der Staat hat durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG)
die Stromanbieter gesetzlich dazu verpflichtet, Ökostrom vorrangig und
zu einem garantierten Mindestpreis abzunehmen. Der Strompreis wird dadurch nur
unwesentlich erhöht: Durch die EEG-Umlage muss jeder Stromverbraucher seit
2011 zusätzlich 3,5 ct/kWh zahlen.