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Fragen & Antworten - Agrarwende

Lagerhalle für Tiermehl
Infiziertes Tiermehl für Pflanzenfresser gilt als Hauptursache für BSE

Was hat es mit der Agrarwende auf sich?
Bis zum Bekanntwerden des ersten heimischen BSE-Falls am 24. November 2000 war die Agrarwende in Deutschland kein Thema, das auf großes öffentliches Interesse gestoßen wäre. Aber die durch BSE entstandene Verunsicherung der Verbraucher und der damit verbundene Vertrauensverlust in die Landwirtschaft machten die Agrarpolitik zum Thema Nummer Eins. Bei der Agrarwende geht es vor allem darum, agrarpolitisch die Weichen so zu stellen, dass die Landwirtschaft wieder zu dem wird, was sie eigentlich sein sollte: eine nachhaltige, zukunftsfähige Produktion von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln. "Klasse statt Masse" wurde dabei zum geflügeltem Wort.

Wie kam es zu der Fehlentwicklung in der Landwirtschaft?
Der Wandel in der Landwirtschaft wurde in den sechziger und siebziger Jahren mit der Devise immer mehr, immer schneller, auf immer geringer werdenden Flächen zu produzieren, eingeleitet und festgezurrt. Der ganze Irrsinn wurde mit Subventionen finanziert. Die Folgekosten der industrialisierten Landwirtschaft, wie Umweltschäden, Bauernsterben, Gesundheitsbelastung der Verbraucher und sinkende Lebensmittelqualität wurden aber außer Acht gelassen. Vieles davon hätte sich nicht gerechnet, wenn der Raubbau an der Natur und die Gesundheitsbelastung der Menschen in die Kosten für Futtermittel, Tiermedikamente, Wachstumsförderer, Kunstdünger und Pestizide eingerechnet worden wären. Das kurzfristige Gewinnmaximierungsprinzip setzte sich gegen das Nachhaltigkeitsprinzip durch.

Ist die Agrarwende vollzogen?
Nein, bei weitem noch nicht. Einige Reformen sind eingeleitet worden, aber stecken noch in den Ansätzen. Jede auch noch so kleine Veränderung muss gegen den erbitterten Widerstand der alten Agrarlobby durchgesetzt werden. So ist Deutschland noch weit davon entfernt, den agrarpolitischen Spielraum, den die EU im Sinne einer sozial und umweltverträglicheren Gestaltung der Agrarpolitik bietet, auszuschöpfen.

Wer ist das eigentlich, die Agrarlobby?
Unter der alten Agrarlobby versteht man diejenigen Kräfte, die an der alten Landwirtschaftspolitik gut verdient haben und immer noch verdienen. Das sind nicht nur Großbetriebe (20 % der Betriebe kassieren 80% der Agrarsubventionen) sondern auch die der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Bereiche, wie chemische Industrie, Futtermittelhersteller, Molkerei und Fleischgenossenschaften. Aufschlussreich ist die (Linkname=Datenbank) http://www.nabu.de/landwirtschaft/datenbank.htm des Naturschutzbundes (NABU) über die Verflechtungen zwischen Bauernverbandsfunktionären und der Industrie.

Was hat die Agrarwende mit mir als Verbraucher zu tun?
Die Agrarwende hat in zweierlei Hinsicht mit den Verbrauchern zu tun. Zum einen, weil der vorsorgende Verbraucherschutz eine zentrale Rolle in der Agrarwende einnimmt und zum anderen weil die Verbraucher selbst Motor und Rückenwind der Agrarwende sind. Nur wenn sich die Mehrheit der Verbraucher mit einem bewussten Konsumverhalten auch im Einkaufskorb für Klasse statt Masse entscheidet, kann sich die Agrarwende durchsetzen.

Wie kann ich die Agrarwende unterstützen?
Machen Sie nicht nur alle vier Jahre mit Ihrem Stimmzettel Politik, sondern gestalten Sie täglich Politik mit dem Einkaufskorb. Achten Sie beim Einkauf auf das deutsche Bio-Siegel oder die Siegel der bekannten Anbauverbände und des Einzelhandels. Bevorzugen Sie ökologische Produkte aus der Region. Richten Sie ihren Speiseplan auch nach saisonalen Gegebenheiten aus. Entscheiden Sie sich bewusst für fair gehandelte Produkte. Qualität bedeutet auch, dass bei Anbau, Verarbeitung und Handel soziale Standards eingehalten wurden. Kaufen Sie keine Produkte, die als Gen-Food gekennzeichnet sind.

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