Fragen & Antworten - Lebensmittel, AgrarwendeWas ist "functional food"? Das sind die sogenannten funktionellen Lebensmittel. Darunter versteht man Produkte, die zusätzlich zu ihrem Nährwert noch einen besonderen gesundheitlichen Nutzen aufweisen sollen. Ob sie tatsächlich den Beitrag zur Gesundheit und Leistungsfähigkeit leisten, den sie versprechen, ist nicht bewiesen. Eine rechtsverbindliche Definition für "functional food" gibt es in Europa nicht. Die bekanntesten funktionellen Lebensmittel sind die probiotischen Milchprodukte. Sie enthalten spezielle Milchsäurebakterien, denen eine positive gesundheitliche Wirkung zugeschrieben wird. Neuerdings werden auch Omega-Brötchen angeboten. Ihnen wird Fischöl zugesetzt, um die Zufuhr der gesundheitsförderlichen Omega-3-Fettsäuren, die eigentlich nur in Meeresfischen vorkommen, ins Brötchen zu bringen. Die wirkliche gesundheitliche Wirkung ist schwer zu beurteilen. Unser Tipp: Greifen Sie zu natürlichen Lebensmitteln. Deren positive gesundheitliche Wirkungen sind ausreichend belegt. Das sind die wahren funktionellen Lebensmittel, die sie sich schmecken lassen sollten. Was versteht man unter "convenience food"?
 Nudelgericht der anderen Art. Bildquelle: www.gallery.hd.org |
Das sind industriell vorgefertigte Fertiggerichte, die sich auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit erfreuen. Sie sind "convenient", sprich zweckmäßig. Am populärsten sind Tiefkühl-Gerichte. "Convenience food" ist vergleichsweise teuer, aufwändig (chemisch, biologisch und physikalisch) behandelt und teilweise auch genmanipuliert. Zutaten, Zusammensetzung und Herkunft sind die Geheimnisse der Lebensmittelindustrie, und mit unseren ursprünglichen Lebens-Mitteln haben die Produkte meist nur noch wenig zu tun. Übrigens auch die Gastronomie greift immer mehr auf solche Produkte zurück. Hohe Anteile an raffiniertem Zucker, Salz, gesättigten Fetten, Geschmacksverstärkern und Konservierungsmittel machen diese Produkte zu Wundertüten der unangenehmen Art. Gerade Kinder, die immer mehr mit Fertigprodukten ernährt werden, kommen später schwer davon los. Unsere Tipp: Nehmen Sie sich die Zeit, ihre tägliche Nahrung so frisch wie möglich selbst zuzubereiten. Was sind Nahrungsergänzungsmittel? Nahrungsergänzungsmittel in Form von Kapseln, Pulvern, Trinkampullen etc. überschwemmen förmlich den Lebensmittelhandel. Meist handelt es sich um isolierte Bestandteile oder Extrakte von Lebensmitteln. Vitamine, Mineralstoffe, Algenextrakte, Blütenpollen und vieles mehr. Auch die Palette der in Aussicht gestellten gesundheitlichen Wirkungen ist groß. Aber was steckt wirklich dahinter? In Deutschland wird zwischen Lebensmitteln und Arzneimitteln unterschieden. Arzneimittel werden zur Therapie und Diagnose von Krankheiten eingesetzt, ihre Wirksamkeit muss nachgewiesen sein, bevor sie amtlich zugelassen werden. Lebensmittel hingegen unterliegen dieser Zulassungspflicht nicht. Sie dürften allerdings auch nicht mit krankheitsbezogenen Aussagen beworben werden. Nahrungsergänzungsmittel sind rechtlich nicht definiert. Sie gelten als Lebensmittel, dass heißt ihre Wirksamkeit muss nicht nachgewiesen werden. Die Produkte werden trotzdem mit unzähligen Gesundheitsversprechen angepriesen.  Unausgewogene Ernährung. Bildquelle: www.gallery.hd.org |
Sind Nahrungsergänzungsmittel für eine gesunde Ernährung unabdingbar? Nein, überhaupt nicht. Wenn Sie sich gesund und ausgewogen ernähren, brauchen sie ihre tägliche Nahrung nicht mit Vitaminen, Mineralstoffen oder anderen Präparaten ergänzen. In speziellen Lebenssituationen (z.B. Krankheit, Schwangerschaft) mögen solche Ergänzungen in Einzelfällen medizinisch notwendig sein. Dann sollte aber die Einnahme von ärztlicher Seite empfohlen und kontrolliert werden. Was versteht man unter Novel Food? Neue Technologien in der Lebensmittelverarbeitung (z.B. Gentechnik, Biotechnik) bringen immer mehr Produkte auf den Markt, die "neuartig" sind. Aber auch bisher in Europa nicht gebräuchliche Produkte zählen zu Novel Food und fallen unter die europäische Novel Food Verordnung. Aber nicht alle Novel Foods müssen vor ihrem in Verkehr bringen genehmigt werden, bei manchen genügt eine einfache Anmeldung (wenn es sich von einem vergleichbaren herkömmlichen Produkt nicht wesentlich unterscheidet). Solche sind auch schon in größerer Zahl auf dem Markt. Zum Beispiel Speiseöle aus gentechnisch veränderten Raps oder Produkte aus gentechnisch verändertem Mais. Mehr Informationen zu Novel Food finden Sie auf unserer Homepage. Sind naturidentische Aromastoffe überhaupt natürlich? Nein. Naturidentische Aromastoffe werden synthetisch hergestellt. Sie gleichen den natürlichen Aromastoffen nur im Aufbau. Lebensmittel mit natürlichen Aromastoffen sind zu bevorzugen, denn sie werden aus natürlichen Ausgangstoffen gewonnen. Zum Beispiel Vanilleextrakt aus Vanille. Vanillin hingegen wird synthetisch hergestellt. Außerdem gibt es auch noch künstliche Aromastoffe. Das sind Stoffe aus dem Labor, die in der Natur noch nicht gefunden wurden. Unter http://www.zusatzstoffe-online.de finden Sie Listen von Lebensmittel-Zusatzstoffen mit besonderer Berücksichtigung für überempfindliche Personen. Sind unsere Lebensmittel nicht zu teuer? Nein. Denn hochwertige Lebensmittel haben ihren Preis, der die Kosten einer nachhaltigen Produktion deckt. Dazu gehören der schonende Umgang mit den natürlichen Ressourcen und eine artgerechte Tierhaltung genauso wie der Erhalt der bäuerlichen Existenz. Deswegen müssen insbesondere hoch veredelte Produkte wie Fleisch und Wurst ihren Preis haben. Aber die Deutschen sparen beim Einkauf von Lebensmitteln. Jeder will zwar höchste Qualität aber bitte zu Niedrigstpreisen. Wir konsumieren die billigsten Lebensmittel in ganz Europa. Unsere Großeltern gaben noch 30% ihres Konsumetats für Lebensmittel aus, heute sind es nur noch rund 15%. Lassen Sie sich nichts vormachen. Bei Lebensmitteln zu Diskounterpreisen bleibt die Qualität auf der Strecke. Was versteht man unter Vollwert-Ernährung? Vollwerternährung ist die Kost, die einen Durchschnittsmensch mit der Menge an Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen versorgt, die er braucht, um gesund und leistungsfähig zu bleiben. Grundsätzlich ist Vollwerternährung für die allermeisten Menschen geeignet. Vollwert-Ernährung ist keine der unzähligen Mode-Diäten, sondern eine Ernährungsform, die aufbauend auf altbewährte Erfahrungen und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, eine wichtige Grundlage für ein gesundes Leben darstellt. Vollwert-Ernährung schützt vor ernährungsbedingten Krankheiten wie Übergewicht, Karies und Herz-Kreislauf-Problemen. Ich will mich vollwertig ernähren. Was muss ich beachten? Geben Sie pflanzlichen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Kartoffeln, Hülsenfrüchte und Getreide und Getreideprodukte aus dem vollen Korn, den Vorzug. Ergänzen Sie Ihren Speiseplan mit Milch- und Milchprodukten und hochwertige Pflanzenöle und –fette, letztere in Maßen Fleisch, Fisch und Eier sollten auf Ihrem Speiseplan eine Nebenrolle spielen Kaufen Sie Ihre Lebensmittel so gering verarbeitetet wie möglich und verzehren Sie reichlich unerhitzte Frischkost (etwa die Hälfte der Nahrungsmittel) Bereiten Sie Speisen schonend zu, vermeiden Sie Nahrungsmittel mit Zusatzstoffen und solche die mit bestimmten Technologien wie Gentechnik und Lebensmittelbestrahlung aufbereitet sind und essen Sie mit Genuss Verwenden Sie möglichst ausschließlich Erzeugnisse aus anerkannt ökologischer Landwirtschaft Geben Sie regionalen und saisonalen Erzeugnissen den Vorzug Neben den reinen gesundheitliche Aspekten gehört zur Vollwert-Ernährung auch eine umwelt- und sozialverträgliche Ernährungsweise. Das heißt, möglichst unverpackte oder umweltschonend verpackte Lebensmittel einkaufen, auf die Verwendung umweltverträglicher Produkte und Technologien achten, den Verzehr tierischer Lebensmittel einschränken und Erzeugnisse bevorzugen, die unter sozialverträglichen Bedingungen erzeugt, verarbeitet und vermarktet werden.
Ich habe wenig Geld, kann ich mich trotzdem vollwertig ernähren? Ja. Vollwertige Ernährung muss nicht teurer sein. Sie müssen zwar bei Bio-Lebensmitteln tiefer ins Portmonee greifen, sparen aber andererseits durch die Umstellung auf vollwertige Ernährung, wenn Sie weniger Fleisch und Wurst verzehren, verstärkt auf regionale und saisonale Lebensmittel zurückgreifen und Ihre Haushaltskasse nicht mit teuren Fertigprodukten belasten. Was hat Ernährung mit Umweltschutz zu tun? Viel, denn je nachdem was wir essen, belasten wir unsere Umwelt mehr oder weniger stark. Der Ernährungsbereich beansprucht etwa 20% der in Deutschland genutzten Primärenergie (v.a. fossile Brennstoffe wie Erdöl, Erdgas, Steinkohle). Etwa vier Fünftel davon wird für die Nahrungsmittelerzeugung, -verarbeitung und -vermarktung, etwa ein Fünftel für die Nahrungszubereitung in den Haushalten verwendet. Die Ernährung ist somit erheblich am Ausstoß klimabelastender Treibhausgase beteiligt. Wer Lebensmitteln aus ökologischem Anbau den Vorzug gibt, leistet einen großen Beitrag für die Erhaltung der natürlichen Ressourcen, denn die ökologische Landwirtschaft ist insbesondere aus Umwelt- und Klimaschutzgründen das Leitbild der zukunftsfähigen Landwirtschaft. Wenn Sie auch noch den Konsum tierischer Produkte einschränken, leisten sie einen weiteren sinnvollen Beitrag für die Umwelt und ihre eigene Gesundheit. Denn alleine für eine Kalorie im Fleisch bedarf es im Durchschnitt sieben pflanzlicher Kalorien, die erst einmal produziert werden müssen. So schneidet bei der Gegenüberstellung die fleischhaltige Frikadelle mit einem Kohlendioxid-Äquivalent von 796 g im Vergleich zum Getreidebratling mit 62,7 g Kohlendioxid sehr schelcht ab. Ein weiteres Berührungsfeld zwischen Ernährung und Ökologie ist die Verpackung von Lebensmitteln und die damit verbundene Entstehung von Müll. Greifen Sie bewusst zu umweltschonend verpackten Produkten. Auch wenn Sie regionalen und saisonalen Lebensmitteln den Vorzug geben, verhalten Sie sich umweltbewusst, da deren Energieverbrauch für Produktion und Transport günstiger ausfällt. Noch Fragen? - Wenden Sie sich an
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