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Fragen & Antworten - Gentechnik

Praktisch: Fisch mit Eigenschaften der Tomate
Praktisch:
Fisch mit Eigenschaften der Tomate.
Montage: Thomas Mauer

Ist die Gentechnologie nicht einfach eine moderne Form der Züchtung?
Nein. Bei der klassischen Züchtung können nur Arten miteinander gekreuzt werden, die mehr oder weniger miteinander verwandt sind. Die Artengrenze setzt dem Züchter eine natürliche Barriere. Die Gentechnologie hebt die Artengrenzen auf. Durch sie ist es möglich, Gene vom Menschen auf den Fisch oder von Bakterien auf die Pflanze etc. zu übertragen. Dabei wird auch im Gegensatz zur klassischen Züchtung die Reihenfolge der Gene verändert. Das fremde Stück Erbgut wird irgendwo in das neue Erbgut eingefügt. Der Gentechniker kann noch nicht steuern, an welchem Ort und in welcher Anzahl das neue Stück integriert wird.

Was ist Grüne Gentechnik?
Die Grüne Gentechnik bezieht sich nicht auf die Politik der Grünen Partei, sondern erhielt ihre Bezeichnung durch die Anwendung bei Pflanzen, der Landwirtschaft und im Lebensmittelsektor. Ein geschickter Schachzug: Auch über die Einführung des Begriffs "Kernenergie" wurde der Atomenergie in den 80er Jahren das Bombenimage genommen.
Es werden drei große Anwendungsbereiche unterschieden:

  1. Landwirtschaft und im Lebensmittelsektor (Grün)
  2. Medizin (Rot)
  3. Umweltsektor (Grau)

Diese drei Bereiche werden in der Öffentlichkeit gerne auch als Rote, Grüne und Graue Gentechnik bezeichnet. Diese Bezeichnungen sind keine fest definierten Begriffe.

Was ist ein gentechnisch veränderter Organismus (GVO)?
Unter "Organismen" versteht der Gesetzgeber alle biologischen Einheiten, die sich vermehren und ihr Erbgut übertragen können (§ 3 GenTG). Also Viren, Bakterien, Pilze, Pflanzen und Tiere. Einen gentechnisch veränderten Organismus definiert der Gesetzgeber als: "ein Organismus, dessen genetisches Material in einer Weise verändert worden ist, wie sie unter natürlichen Bedingungen durch Kreuzen oder natürliche Rekombination nicht vorkommt."

Was ist der Unterschied zwischen Biotechnologie und Gentechnologie?
Technologien, die sich natürliche Lebensprozesse zu Nutze machen, werden als Biotechnologie bezeichnet. Schon die alten Ägypter haben Biotechnologie betrieben, indem sie Brot gebacken oder Bier gebraut haben.
Als Teildisziplin der Biotechnologie ist die Gentechnologie zu verstehen. Sie beschäftigt sich ausschließlich mit dem Erbgut - mit den Genen - von Lebewesen. Es werden neue Kombinationen von Genen hergestellt. Das Erbgut von Pflanzen und Tieren sowie anderen lebenden Organismen wird verändert. In der Öffentlichkeit wird meist verharmlosend von biotechnologischen Verfahren gesprochen, obwohl häufig gentechnologische Methoden gemeint sind.
Das Klonen, die in-vitro-Fertilisation (künstliche Befruchtung) und die Herstellung von Mensch/Tier-Mischwesen sind eigentlich keine Methoden der Gentechnologie. Allerdings werden diese Techniken häufig mit Gentechnik kombiniert.

Warum ist die Gentechnologie eine Risikotechnologie?
Bei der Gentechnologie handelt es sich um eine sehr junge Wissenschaft, die noch in den Kinderschuhen steckt. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue Erkenntnisse bekannt werden. Häufig werden einstige Dogmen widerlegt. Viele Prozesse sind noch nicht verstanden. Das Einbringen von Genstücken in fremdes Erbgut ist bisher nicht steuerbar und vieles ist dem Zufall überlassen. Bei der Manipulation am Erbgut werden aber fundamentale Steuerprozesse des Lebens verändert. Die Wahrscheinlichkeit, dass hier Fehler gemacht werden, ist sehr hoch. Die Folgen sind unabsehbar, nicht zu kontrollieren und unumkehrbar.
Die Auswirkungen solcher Veränderung sind weder räumlich noch zeitlich zu ermessen. Zu wenig verstehen die Wissenschaftler noch von ökologischen und evolutionären Prozessen. Aber einmal in die Umwelt freigesetzt, entziehen sich lebende Organismen der Kontrolle. Im Gegensatz zu Chemikalien vermehren und bewegen sie sich. Im Fall einer Gefährdung kann nicht garantiert werden, dass eine Ausbreitung und Vermehrung verhindert werden kann. Es wird erwartet, dass Schädigungen selten direkt erkennbar sind. Erst nach Jahren der Freisetzung von GVO werden Schädigungen feststellbar sein. Eine Umkehrung ist dann nicht mehr möglich.

Ist es gefährlich, wenn GVO in die Umwelt entkommen?
Das Ökosystem ist ein komplexes Netzwerk verschiedener Organismen, die sich in Millionen Jahren miteinander entwickelt haben. So entstehen relativ stabile Gleichgewichte. Werden nun fremde Lebewesen in das System eingebracht, so kann das gravierende Störungen zur Folge haben. Das ökologische Gleichgewicht kann bis zum Zusammenbruch destabilisiert werden. Ein bekanntes Beispiel sind die Kaninchen in Australien. Eingeschleppt vom Menschen und ohne natürliche Feinde, haben sie sich schnell zu einer unbeherrschbaren Plage entwickelt.
Auch GVO müssen in einem Ökosystem als Fremdlinge betrachtet werden. Sie wurden im Labor ohne Bezug zur Umwelt entwickelt. Mit neuen Eigenschaften wie Resistenzen gegen Fressfeinde oder veränderter Nahrungsverwertung können sie einheimische Arten verdrängen. In einem Computermodell haben Wissenschaftler errechnet, dass nur 60 transgene Fische mit künstlichem Wachstumshormon in der Lage sind, eine Population von 60.000 Fische innerhalb von 40 Generationen zu vernichten.

Überleben GVO überhaupt in der freien Natur?
Als man die ersten GVO im Labor hergestellt hatte, gingen die Wissenschaftler davon aus, dass solche Organismen in natürlicher Umgebung nicht lebensfähig sind. Seit Jahren ist das Gegenteil bewiesen. Es haben sogar schon Mikroorganismen in der Natur überlebt, die die Wissenschaftler eigens so genetisch manipuliert hatten, dass sie nicht überleben sollten.
Da die derzeitigen transgenen Pflanzen von hochgezüchteten Kulturpflanzen stammen, die ihrerseits kaum in freier Wildbahn überleben können, behaupten die Gen-Befürworter, dass auch transgene Kulturpflanzen nicht ohne menschliche Hilfe existieren könnten.
Auch hier zeigt die Anzahl an Kulturpflanzen, die sich trotzdem außerhalb der menschlichen Obhut etablieren konnten, das Gegenteil. Außerdem sollen in Zukunft Pflanzen und Tiere entwickelt werden, die besonders stressresistent sind. Sie sollen also Trockenheit, Kälte oder hohen Salzgehalt aushalten können. Die Wissenschaftler wollen gezielt GVO entwickeln, die besonders gut überleben können.

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