Fragen & Antworten - künstliche und
natürliche Radioaktivität

Bestrahlt
oder nicht?
Blauer Topas |
Wie radioaktiv sind Schmucksteine?
Die Farbe von Edelsteinen und Halbedelsteinen kann durch ionisierende
Strahlung verändert oder intensiviert werden. Dies geschieht
in der Natur durch die in der Erde vorhandenen natürlich
vorkommenden Radionuklide. Der Effekt kann auch durch
künstliche Bestrahlung der Steine hervorgerufen werden.
In der Regel wird dazu Elektronen- oder Gammastrahlung eingesetzt. Dann
entsteht keinerlei Aktivität in den Steinen, das Tragen ist
unbedenklich. Schmucksteine können aber auch mit Neutronen
bestrahlt werden. Dies geschieht eher selten, weil aufwändiger
und komplizierter. Am Forschungsreaktor der Universität in
Delft, Holland, wurden z.B. auch Schmucksteine bestrahlt. Bei
Neutronenbestrahlung werden in den Steinen verschiedene Radionuklide
gebildet. Die Strahlenbelastung kann aufgrund langer Abklingzeiten bis
zu zwei Jahre anhalten. Beim Tragen eines solchen Schmucks wirkt die
Strahlung auf die Haut ein.
Am häufigsten werden Topase bestrahlt, die dadurch eine
intensive blaue Farbe erhalten. Aber auch bei Rubin, Saphir, Aquamarin,
Turmalin oder Diamanten und Perlen wird die Farbe durch Bestrahlung
verbessert. So werden z.B. gern die so genannten "Katzenaugen" mit
Neutronen bestrahlt, da sich dann die gelbe Farbe in dunkelbraun
wandelt und die Steine wertvoller sind.
Entsprechend dem Minimierungsgebot der Strahlenschutzverordnung sollte
jede unnötige, Strahlenexposition unbedingt vermieden werden.
Grundsätzlich raten wir davon ab, mit Neutronen bestrahlte und
aktivierte Edelsteine zu tragen. Deshalb sollte man sich bereits beim
Kauf der Steine davon überzeugen, dass sie nicht radioaktiv
sind. Der Händler kann darüber Auskunft geben. Wer
sicher gehen möchte, kann Edelsteine beim Umweltinstitut
München e.V. auf Radioaktivität untersuchen lassen.
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| Leuchtsterne -
heutzutage ohne Radioaktivität. |
Ist Spielzeug, das im Dunkeln leuchtet,
schädlich?
Früher wurden z.B. in Lichtschaltern und Leuchtziffern von
Uhren sowie Leuchtfarben stark strahlende radioaktive Stoffe
eingesetzt, die einen Dauerleuchteffekt unabhängig von der
vorherigen Lichteinstrahlung verursachten.
Der Einsatz dieser stark strahlenden Zusätze wie z.B. Radium
wurde ca. 1960 eingestellt und ist verboten. Schwach strahlende
Radionuklide werden demgegenüber häufig eingesetzt,
z.B. in Leuchtstofflampen und Gaslichtglühstrümpfen
für Campinggasleuchten. Verboten ist gemäß
Strahlenschutzverordnung der Zusatz von radioaktiven Stoffen in
Spielzeug, Kosmetika und Schmuck sowie in Lebens- und Futtermitteln.
Heutzutage gekauftes Spielzeug leuchtet in der Regel nur dann, wenn es
mit Licht bestrahlt wurde und daraufhin im Dunkeln für eine
begrenzte Zeit leuchtet. Es handelt sich dann um das Phänomen
der Lumineszenz (Fluoreszenz oder Phosphoreszenz).
Der Einsatz radioaktiver Stoffe in Spielzeug lässt sich leicht
überprüfen, denn in einem solchen Fall sollte das
Spielzeug auch ohne Bestrahlung stets, also Tag und Nacht, leuchten
können. Dagegen ist bei Lumineszenz nach einer gewissen Zeit,
d.h. vollständiger Abgabe der eingestrahlten Energie, die
Leuchtkraft schließlich erschöpft.
Sind Lebensmittel
durch den Tschernobyl-Fallout noch immer radioaktiv belastet?
Teilweise. In den meisten Lebensmitteln, wie z.B. Obst,
Gemüse oder Getreide, ist das so genannte Leitnuklid
Cäsium-137 heute nicht mehr nachweisbar. Bei sandigen Böden
wurde die Radioaktivität relativ schnell durch den Regen
ausgewaschen und in tiefere Schichten transportiert und kann deshalb
heute von den Pflanzen nicht mehr aufgenommen werden. In
bewirtschafteten Ackerböden wurde das deponierte Cäsium durch
intensive Bodenbearbeitung untergemischt und in tiefere Schichten
eingetragen. Dagegen blieb das Cäsium bei Weideland im
Wesentlichen in den oberen Bodenschichten von 0 bis 10 cm Tiefe.
Cäsium wird im Boden durch Tonminerale fixiert, so dass seine
Mobilität und Pflanzenverfügbarkeit in den landwirtschaftlich
genutzten Mineralböden in Bayern gering ist. Problematisch sind
allerdings humusreiche und/oder saure Böden, wie z.B. Moor- oder
Waldböden. Einerseits bleibt das Cäsium dort aufgrund der
chemischen Bodeneigenschaften mobil, zum anderen kommt mit Ästen,
Nadel- und Laubfall immer wieder eine Neuzufuhr von Cäsium in die
obere Bodenschicht, wo es für die Wurzeln wieder gut
verfügbar ist. Vor allem in Pilzen, Waldbeeren oder Wild,
insbesondere Schwarzwild, können teilweise noch erhebliche
Cäsium-Belastungen nachgewiesen werden.
Das für die heutige Belastung aus dem Tschernobyl-Fallout noch
relevante Nuklid ist das radioaktive Cäsium-137. Es entsteht bei
der Kernspaltung im Atomkraftwerk und zerfällt unter Aussendung
von Strahlung mit einer physikalischen Halbwertszeit von 30 Jahren.
Aufgrund dieser langen Halbwertszeit ist es nicht verwunderlich, dass
auch heute noch Radioaktivität aus Tschernobyl in unserer Umwelt
vorhanden ist und vor allem in Wald- und Moorböden noch lange Zeit
verfügbar bleiben wird. Die daraus resultierende radioaktive
Belastung von Nahrungsmitteln hängt einerseits von der Art des
Lebensmittels und andererseits von der Herkunft bzw. der regionalen
Bodenbelastung ab. Der radioaktive Eintrag in den Boden erfolgte durch
das Ausregnen der Tschernobyl-Wolke, dem radioaktiven Fallout, Anfang
Mai 1986. In Südbayern gibt es aufgrund des unglücklichen
Zusammentreffens der Tschernobyl-Wolke mit heftigen Gewittern Gebiete,
die aufgrund der ausgiebigen Regenfälle einen relativ hohen
radioaktiven Eintrag erhalten haben und so entsprechend hoch belastet
wurden. Die mittlere Kontamination der Böden in Bayern betrug
damals für Gesamtcäsium (Cs-134 und Cs-137) 20.300
Bq/m², und reichte von "kleiner Nachweisgrenze" bis über
173.000 Bq/m². Südbayern wurde dabei im Schnitt dreimal so
hoch belastet wie Nordbayern.

Stockschwämmchen.
Foto: Melzer |
Warum sind Pilze und Waldfrüchte zum
Teil noch hochbelastet?
Der Gehalt und die biologische Verfügbarkeit
von Cäsium nimmt in Wäldern nur sehr langsam ab. Der
gesamte Eintrag der radioaktiven Kontamination befindet sich im humosen
Mineralboden und insbesondere in der oberen Humusauflage des
Waldbodens. Diese ist nährstoffarm und sauer, was Schadstoffen
wie Cäsium eine hohe Mobilität verleiht. Es kann von
Pflanzen relativ schnell aufgenommen werden. Da Pilze ein
weitverzweigtes, oberflächennahes Wurzelgeflecht (Mycel)
haben, können sie in hohem Maß Cäsium
aufnehmen und speichern. Dies erklärt, warum in hochbelasteten
Gebieten auch heute noch Belastungswerte im 4-stelligen
Becquerel-Bereich liegen. Zu den Spitzenreitern gehören
Maronenröhrlinge. In der Pilzsaison 2001, 15 Jahre nach der
Tschernobyl-Katastrophe, konnten wir Werte von 5400 Bq/kg Frischmasse
bei Maronenröhrlingen aus Südbayern nachweisen.
Noch höher ist die Belastung bei Schwarzwild (Wildschweinen),
die nach amtlichen Messungen von 1998 noch Werte bis zu 65.000 Bq/kg
Fleisch aufwiesen. Da sich Wildschweine vorwiegend von
Waldfrüchten (vorzugsweise Pilze und Trüffel)
ernähren und sie damit Radioaktivität in hohem
Maße über die Jahre im Körper anreichern,
sind diese Werte durchaus nachvollziehbar.
Aufgrund des Minimierungsgebotes empfehlen wir insbesondere Kindern und
Schwangeren, Waldprodukte generell zu meiden.
Führt Lebensmittelbestrahlung zu radioaktiver Belastung?
Kaum. Bei Verwendung von Elektronenstrahlen werden zwar
radioaktive Substanzen erzeugt, deren Gesamtaktivität ist aber
extrem gering. Die Problematik dabei ist, dass eine Bestrahlung
chemische Veränderungen im Lebensmittel bewirkt. Neben den
gewünschten chemischen Veränderungen, wie z.B.
Abtötung von Keimen, können durch Bestrahlung
aktivierte sog. freie Radikale auch zahlreiche unerwünschte
Veränderungen im Lebensmittel erzeugen bis dahin, dass sogar
schädliche Verbindungen entstehen können. Derzeit ist
in Deutschland aufgrund einer EG-Richtlinie die Bestrahlung und
Vermarktung von getrockneten aromatischen Kräutern und
Gewürzen zugelassen. Die Gesamtproblematik der
Lebensmittelbestrahlung und die Gesetzeslage dazu finden Sie auf
unserer Homepage.
Gibt es in der Umgebung von Atomkraftwerken erhöhte Krebsraten?
Ja. Im 5-km Nahbereich der 15 deutschen Standorte von in
Betrieb befindlichen Atomkraftwerken ist die Krebsrate bei Kindern
unter 15 Jahren signifikant um 22 % erhöht. Bei Kleinkindern
beträgt die Erhöhung 53 %. Die Leukämierate
ist sogar um 36 % bei Kindern und 76% bei Kleinkindern erhöht.
Das hat eine Neuauswertung der Zahlen aus der Michaelisstudie von 1997
durch das Umweltinstitut München ergeben.
Ausführliches hierzu siehe auf unserer Homepage.
Gab es in Deutschland nach Tschernobyl nachweisbare
Gesundheitsschäden?
Ja. Die Sterblichkeit von Neugeborenen
(Perinatalsterblichkeit) war 1987, im Jahr nach Tschernobyl,
signifikant um 5% erhöht. Insgesamt sind in diesem Jahr 316
Neugeborene mehr gestorben als statistisch erwartet. Der zeitliche
Verlauf der Perinatalsterblichkeit zeigt Maxima am Anfang und am Ende
1987, die sich der Belastung der Schwangeren mit radioaktivem
Cäsium aus dem Tschernobyl-Fallout, das über
Nahrungsmittel aufgenommen wurde, zuordnen lassen.
Was hat "Atomkonsens" mit "Atomausstieg" zu tun?
Die deutsche Bundesregierung rühmt sich, als erstes Land den
Atomausstieg gesetzlich verankert zu haben. Nach langwierigen so
genannten Konsensgesprächen zwischen der Bundesregierung und
den Energieversorgungsunternehmen wurde im Juni 2000 eine Vereinbarung,
der sog. Atomkonsens, getroffen. Darin wurden die Rahmenbedingungen
für ein geordnetes Auslaufen der Atomenergienutzung in
Deutschland festgelegt. Ende 2001 wurde der Konsens in das neue
Atomgesetz gegossen, damit wurde der Atomausstieg gesetzlich
verbindlich.
Ergebnis ist, dass der "Atomausstieg" einen geordneten Rückzug
aus der Atomstromproduktion darstellt. Die Restlaufzeiten der einzelnen
Reaktoren wurden nicht in Jahren bestimmt, sondern wurden über
Reststrommengen der einzelnen Atomkraftwerke definiert. Dabei haben die
Energiekonzerne die Möglichkeit, Strommengen von nicht mehr
wirtschaftlichen Alt-Anlagen auf modernere zu übertragen. Das
letzte Atomkraftwerk wird so wahrscheinlich erst in etwa 25 Jahren vom
Netz genommen werden. Über die festgelegten Reststrommengen
lässt sich errechnen, dass in etwa noch einmal die gleiche
Strommenge produziert werden darf wie seit Beginn der deutschen
Atomstromproduktion bereits erzeugt worden ist. Daraus ergibt sich,
dass sich auch die bisher angefallene Atommüllmenge verdoppeln
wird.
Ausführlich können Sie sich zum deutschen
Atomausstieg auf unserer Homepage informieren.
Was hat die sog. friedliche Nutzung der Atomtechnik mit der Atombombe
zu tun?
Die historischen Wurzeln der Atomstromproduktion liegen
im militärischen Bereich. Anfang der 40er Jahre schickte man
sich in den USA an, eine "neuartige Zerstörungswaffe", die
Atombombe zu entwickeln. Dies führte zum Atombombenabwurf auf
Hiroshima und Nagasaki. Anfang der 50er Jahre bot dann der
amerikanische Präsident Eisenhower westlichen Ländern
die Übernahme von nukleartechnischem Know-How, ersten
Reaktoren und Uran-Brennstoff an. Unter dem Motto "Atoms for Peace" war
das Zeitalter der sog. zivilen Atomtechnik eingeläutet.
Allerdings verfolgten die meisten Länder, die das Angebot
Eisenhowers nutzten, nicht nur friedliche Absichten. Unter dem
Deckmantel der zivilen Atomstromerzeugung waren doch
militärische Ziele im Vordergrund. Viele Länder
verfolgten die sog. Dual-Use-Atomtechnologiepolitik, also den zivilen
und militärischen Pfad, was der Öffentlichkeit
verborgen blieb. In einer Reihe von Fällen lässt sich
heute nachvollziehen, dass geheime militärische Zielsetzungen
die zivile Entwicklung der Atomtechnik maßgeblich beeinflusst
haben.
Wer Atomwaffen produzieren will, braucht geeignete Waffenstoffe. Die
wichtigsten sind Plutonium und hoch angereichertes Uran, HEU (highly
enriched uranium), die beide nicht als solches in der Natur vorkommen
und technisch erzeugt werden müssen. Dazu benötigt
man neben Atomreaktoren auch weitergehende Nukleartechnologien:
für Plutonium eine Anlage zur Wiederaufarbeitung von
abgebrannten Brennelementen und für HEU eine
Uran-Anreicherungsanlage. Diese beiden Technologien sind quasi die
Schnittstellen zwischen ziviler und militärischer Atomtechnik.
In politisch labilen Staaten sind diese Bomben-Ausgangsstoffe sehr
begehrt. Am bekanntesten ist der Fall Irak: In den 80er Jahren wurde
dort ein zivil-militärisch angelegter Doppelpfad verfolgt und
aufgedeckt: Mithilfe der zivilen Nukleartechnik waren Atomwaffen in
Entwicklung.
Warum ist der Garchinger Forschungsreaktor FRM-II international
umstritten?
Der Garchinger Forschungsreaktor FRM-II soll nach dem
Willen des künftigen Betreibers, der TU-München, und
der Bayerischen Staatsregierung, mit waffenfähigem, hoch
angereichertem Uran (HEU, highly enriched uranium) betrieben werden.
Dieser waffenfähige Brennstoff wird im zivilen Bereich heute
nur noch in wenigen Forschungsreaktoren eingesetzt. HEU kann mit
verhältnismäßig einfachen Prozessen bei
entsprechendem nukleartechnischem Know-How für den Bombenbau
aufbereitet werden.
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| Vordergründige
Sicherheit |
Aufgrund der zunehmenden Proliferation, dem Handel und der
Weiterverbreitung von atomwaffenfähigem Material, wurde Ende
der 70er Jahre weltweit ein Programm zur Eindämmung des
Handels aufgelegt, das RERTR-Programm (Reduced Enrichment for Research
and Test Reactors). Es sah vor, dass die bis dahin mit HEU als
Brennstoff betriebenen Forschungsreaktoren auf den Betrieb mit
nichtwaffenfähigem, niedrig angereichertem Uran (LEU, low
enriched uranium, Anreicherung kleiner als 20 %) umgestellt werden
sollen. Um dies zu ermöglichen, wurde ein neuer hochdichter
LEU-Brennstoff entwickelt. Ab den 80er Jahren wurden weltweit nur noch
LEU-Reaktoren neu gebaut (Ausnahmen: China, Libyen, Russland).
Zahlreiche bestehende Reaktoren sind inzwischen auf den Betrieb mit LEU
umgestellt oder sind die Verpflichtung zur Umstellung eingegangen. Auch
in Deutschland wurden bestehende Forschungsreaktoren auf LEU
umgerüstet. Beim FRM-II soll als einziger neu zu errichtender
Forschungsreaktor in der westlichen Welt wieder waffenfähiger
Brennstoff eingesetzt werden. Gemäß einer
Vereinbarung zwischen Bayern und dem Bund kann Garching für
die ersten 10 Jahre mit HEU (93 % Anreicherung) betrieben werden und
soll dann auf HEU mit 50 prozentiger Anreicherung umgestellt werden.
Damit wird er zu einem Präzedenzfall, andere Staaten, auch
politisch instabile und damit unberechenbare, könnten mit
Verweis auf Deutschland die gleichen Rechte für sich in
Anspruch nehmen.
Gibt es in Deutschland Lager für Atommüll?
In Deutschland gibt es verschiedene Lager/Sammelstellen
für schwach- und mittelradioaktive Abfälle, es gibt
allerdings - weltweit! - noch kein sicheres Endlager für
hochradioaktive Abfälle. Zentrale Zwischenlager für
den hochaktiven Atommüll aus den Atomkraftwerken stehen in
Ahaus und Gorleben zur Verfügung. Quasi als Zwischenlager
fungieren auch noch die Wiederaufarbeitungsanlagen La Hague in
Frankreich und Sellafield in Großbritannien. Diese
Möglichkeit, dem per Gesetz geforderten Entsorgungsnachweis
nachzukommen, ist nur mehr befristet gültig: Mit dem neuen
Atomgesetz ist die Verbringung von abgebrannten Brennstäben
zur Wiederaufarbeitung ab Mitte 2005 untersagt. Deshalb und um die
umstrittenen und aufwändigen Atomtransporte zu reduzieren,
werden nun dezentrale standortnahe Zwischenlager gebaut, d.h.
für jeden Atomkraftwerk-Standort muss ein eigenes
Zwischenlager für Atomabfälle errichtet werden. Die
Erörterungstermine in den dazu laufenden Genehmigungsverfahren
wurden im April 2002 abgeschlossen.
Ein sicheres deutsches Endlager für hochaktive
Abfälle wird derzeit noch gesucht. Ende der 70er Jahre wurden
bereits Erkundungen aufgenommen und der Salzstock Gorleben im Wendland
als möglicherweise tauglich befunden. Im Salzstock Asse wurde
ein Versuchsendlager eingerichtet, in das zu Versuchszwecken auch
hochaktiver Abfall eingebracht wurde. Das Endlager der ehemaligen DDR
in Morsleben, ebenfalls in einem Salzstock, hat sich als unsicher und
einsturzgefährdet erwiesen, so dass keine Einlagerungen mehr
stattfinden. Für schwach- und mittelaktive Abfälle
wurde Schacht Konrad in Salzgitter erkundet.
Das Bundesumweltministerium hat nun im Jahr 1999 den "Arbeitskreis
Auswahlverfahren Endlagerstandorte" (AkEnd) eingerichtet mit dem
Auftrag, ein Verfahren und Kriterien für die Auswahl von
Endlagerstandorten für radioaktive Abfälle zu
entwickeln. Angedacht ist ein einziges nationales Endlager für
alle Arten von radioaktiven Abfällen. Mit dem Atomkonsens
wurde für die Weitererkundung von Gorleben ein Moratorium
verhängt. Dagegen ist für Schacht Konrad mittlerweile
die Genehmigung ausgesprochen, diese kann aber noch beklagt werden.
Ziel des AkEnd ist es, unter Beteiligung von Fachleuten und der
Öffentlichkeit in transparenter Weise mögliche
Endlagerstandorte unter Einbeziehung der bisherigen Endlagerprojekte
Gorleben und Schacht Konrad zu finden. Dabei soll sich die Suche
ausschließlich auf nationale Lösungen
beschränken. Zeithorizont für die Inbetriebnahme
eines deutschen Endlagers ist das Jahr 2030. Ausführliches auf
unserer Homepage.
Wie sicher ist das tschechische Atomkraftwerk Temelín?
Das tschechische Atomkraftwerk Temelín, das
nur ca. 60 km von der deutschen Grenze entfernt liegt, ist
international umstritten. Es ist in mehrfacher Hinsicht ein Sonderfall:
Baubeginn war im Jahr 1987, im Oktober 2000 wurde der Probebetrieb
gestartet, heute, eineinhalb Jahre später läuft das
AKW noch immer im Probebetrieb, begleitet von zahlreichen
Störungen durch aufgetretene Sicherheitsmängel. Auch
die Bauart ist einzigartig: Die nach russischer Art begonnene Bauweise
wurde mit amerikanischer Sicherheitstechnik kombiniert. Die Anlage
wäre in Deutschland nach Expertenaussagen nicht
genehmigungsfähig. Auch das Bundesumweltministerium hat sich
gegen die Inbetriebnahme des Reaktors ausgesprochen und entsprechende
Auseinandersetzungen mit den Betreibern und der tschechischen Regierung
geführt.
Ob und wann das Atomkraftwerk den kommerziellen Dauerbetrieb aufnehmen
wird, ist noch offen. Die tschechische Regierung ist zwar
überzeugt, dass Temelín zu den sichersten
Atomkraftwerken der Welt gehört, westliche Experten teilen
diese Ansicht aber nicht. Ausführliches auf unserer Homepage.
Gibt es einen Unterschied zwischen
natürlicher und künstlicher Radioaktivität?
 |
Der Unterschied von natürlicher und
künstlicher Radioaktivität liegt allein im Ursprung.
Die schädigende Wirkung von Radioaktivität
hängt nur von der Dosis ab. Dabei spielen die Art der
Strahlung, die verschiedenen Belastungspfade, die Expositionsdauer und
die biologische Wirksamkeit eine Rolle. Der natürlichen
Radioaktivität kann sich der Mensch schwerlich entziehen.
Deshalb gilt für die zusätzliche künstliche
Radioaktivität das Minimierungsgebot.
Der größte Beitrag zur mittleren effektiven
Äquivalentdosis pro Kopf der Bevölkerung wird durch
natürliche Strahlenquellen verursacht. Die Hälfte
davon entfällt auf Radon in der Raumluft unserer
Häuser. Die Belastung durch künstliche
Strahlenquellen erfolgt zum größten Teil durch
medizinische Strahlenanwendungen. Die durch den Unfall von Tschernobyl
verursachte Dosis hatte in Deutschland vor allem die ersten drei Jahre
nach dem Unfall Bedeutung und nimmt stetig ab. Für die
Bevölkerung in Süddeutschland mit dem
stärksten radioaktiven Fallout liegt die Dosis im Mittel um
einen Faktor 3 höher. Ähnlich verhält es
sich mit den Atomwaffentests, die in den 60er Jahren für eine
relativ hohe radioaktive Belastung der Bevölkerung gesorgt
haben, heute aber keinen nennenswerten Beitrag zur Dosis mehr liefern.
Die Strahlenexposition des einzelnen setzt sich aus einem externen und
internen Anteil zusammen. Dies gilt sowohl für
natürliche als auch für künstliche
Radioaktivität. Die natürliche externe
Strahlenexposition umfasst die kosmische und terrestrische Strahlung.
Die natürliche interne Strahlenexposition umfasst die
Lungendosis durch Inhalation sowie eine interne Dosis durch Aufnahme
mit der Nahrung. Typische Radionuklide, die dabei eine Rolle spielen,
sind Radionuklide der Uran- und Thorium-Zerfallsreihe, Kalium-40, und
kosmogene Radionuklide, wie z.B. Tritium und Kohlenstoff-14.
Verursacht auch die natürliche
Hintergrundstrahlung Gesundheitsschäden?
Ja. Die allgemeine Krebsrate (Mortalität)
korreliert in Bayern hochsignifikant mit der Hintergrundstrahlung. Aus
den Zahlen geht hervor, dass etwa 10 % der spontan auftretenden
Krebsfälle durch die Hintergrundstrahlung bedingt sind.
Aber auch die Säuglingssterblichkeit ist in Gebieten Bayerns
mit erhöhter Hintergrundstrahlung signifikant
gegenüber der im restlichen Bayern erhöht.
Welche Gefahren gehen von dem radioaktiven Edelgas Radon aus und wo
kann es vorkommen?
Radon ist ein radioaktives, natürlich
vorkommendes Edelgas, das durch die menschlichen Sinnesorgane nicht
wahrgenommen werden kann. Es ist ein Produkt der natürlichen
Uran- und Thorium-Zerfallsreihen. Radon entsteht dabei direkt aus dem
Radium und wird laufend nachgeliefert. Für Radon-Belastungen
ist in erster Linie Radon-222 verantwortlich, das eine Halbwertszeit
von 3,8 Tagen hat.

Typische Radon-Aktivitäten
bei Eindringen aus belasteten Schichten des Untergrunds.
(Bq/m³) |
Erdboden
Der Radon-Pegel in der Außenluft
hängt vom lokalen Radonaustritt aus dem Erdboden ab. Relativ
hohe Radon-Konzentrationen werden in vulkanischen Landstrichen und
alten Erstarrungsgesteinen angetroffen. Eine erhöhte
Radon-Belastung in Innenräumen ist hauptsächlich auf
radiumhaltige Bodenschichten zurückzuführen. Ein Teil
des im Boden vorhandenen Radon-Gases dringt über winzige Risse
und Spalten in die Kellerräume ein und verteilt sich mit nach
oben abnehmender Konzentration im Gebäude. Radon ist sieben
mal schwerer als Luft.
Baumaterialien
Der Einfluss der Baumaterialien ist von geringerer Bedeutung. Die
Strahlenbelastung durch Baustoffe ist zu 90 % dem Radon, der Rest der
direkten Strahlung zuzurechnen. Radon-Quellen können
radiumhaltige Baustoffe (z.B. Granit, Bims, Gips, Schlackestein und
-schüttungen) sein. Die Radon-Ausgasung hängt ab von:
Radiumgehalt des Baumaterials, Wandstärke,
Durchlässigkeit, Herstellung, Verputz, Glasur, Anstrich.
Radon-Sonderquellen im Wohnbereich sind Wecker/Uhren mit radiumhaltigen
Leuchtziffern, Urankeramik und anderes.
Die Radon-Konzentration unterliegt starken Schwankungen. Sie
hängt ab von Wetterlagen, Jahreszeiten, Abstand vom Boden,
Porosität und Dichte bei Boden und Baumaterial,
Luftwechselrate.
Etwa 50 % der jährlichen natürlichen
Strahlenbelastung in Deutschland werden durch Inhalation von Radon und
dessen Tochternukliden verursacht. Schädigend wirken vor allem
die relativ kurzlebigen Folgeprodukte des Radons, die in
kaskadenartiger Abfolge entstehen und energiereiche Alpha- und
Betastrahlung aussenden. Angelagert an Aerosole (Staubteilchen in der
Luft) werden sie mit jedem Atemzug in der Lunge ausgefiltert. Die
erhaltene Lungendosis ist abhängig von Atemrate und
Konzentration der radioaktiven Zerfallsprodukte.
Gemäß Schätzungen sind 4 - 12 % aller
Lungenkrebstoten auf Radonexposition zurückzuführen.
Gleichzeitige Einwirkung von Tabakrauch oder Asbest/Mineralfasern
erhöht das Risiko, durch Radon an Lungenkrebs zu erkranken.
Welche Radon-Konzentrationen sind bedenklich?
Die Radon-Konzentrationen in Deutschland liegen im
Mittel bei 50 Bq/m³ (Bq = Becquerel) in Wohnräumen,
bei 60 Bq/m³ in Kellerräumen. An Orten mit
Uranerzabbau treten Spitzenwerte von 2.000 - 3.000 Bq/m³,
vereinzelt alarmierende Werte von 100.000 Bq/m³ auf.
|
Richtwerte für
Radon in Innenräumen
|
|
|
Konzentration Bq/m³
|
Bemerkung
|
|
Internationale Strahlenschutzkommission (ICRP), 1984
|
250
|
Für die Planung neuer Häuser
|
|
Deutsche Strahlenschutzkommission (SSK), 1988
|
250
|
Langzeitiger Mittelwert,
Sanierungsmaßnahmen in Betracht ziehen
|
|
Deutsche Strahlenschutzkommission (SSK), 1988
|
400
200
|
Für bestehende Gebäude
Für Neubauten
|
|
Deutsche Strahlenschutzkommission (SSK), 1994
|
< 250
250 - 1000
> 1000
|
Normalbereich, kein Handlungsbedarf
Ermessensbereich für einfache Maßnahmen
Sanierungsbereich
|
| Großbritannien |
100 |
Für
Neubauten |
| USA |
150 |
Action
level |
| Schweiz,
1994 |
400
1000
3000 |
Richtwert
für Sanierung von Wohnräumen
Grenzwert für Sanierung von Wohnräumen
gemittelter Grenzwert im Arbeitsbereich |
| Weltgesundheitsorganisation
(WHO) |
70
300 |
"Anlass
zu Besorgnis"
Richtwert (an anderer Stelle angegeben) |
Zur Bewertung der Strahlenbelastung durch Baustoffe kann die
Leningrader Summenformel (LES < 1) herangezogen werden. Sie
berechnet sich aus der Summe der gewichteten Aktivitäten von
Kalium-40, Radium-226 und Thorium-232. Die Wichtung
berücksichtigt die relative Schädlichkeit
für den Menschen. Baustoffe mit einem Wert der Leningrader
Summenformel von über 1 sollten nicht in
größeren Mengen verbaut werden.
Generell gilt, dass es keine Grenze gibt, unterhalb der
Radioaktivität noch ungefährlich wäre.
Deshalb sollten Sie auf eine Minimierung der Strahlenbelastung in
Wohnräumen achten.
Empfehlungen im Sinne
der Vorsorge
Bei Neubauten
sollten nach Leningrader Summenformel (LES < 1) strahlenarme
mineralische Baustoffe eingesetzt werden, in Gebieten mit
radiumhaltigen Bodenschichten empfiehlt sich das radondichte Bauen.
Bei Altbauten
gibt es bei belasteten Baustoffen nur beschränkte
Möglichkeiten, z.B. der Austausch von Füllmaterial,
Beschichtung mit gasdichten Tapeten, Fliesen oder Vorsetzen einer
zweiten Wand. Bei Radon aus dem Untergrund empfehlen wir zwischen 100
und 250 Bq/m³ organisatorische Maßnahmen wie
Veränderungen beim Lüften und bei der Raumnutzung, ab
250 Bq/m³ Sanierungsmaßnahmen wie Abdichten,
mechanische Lüftung, das Einziehen einer Bodenplatte oder
Drainage. Die Werte gelten als 3-Tages-Mittelwerte bei normaler Nutzung
und tendenziell reduziertem Luftwechsel. Vor Entscheidungen zu
kostenträchtigen Maßnahmen sollte die Messung zur
Absicherung wiederholt werden.

Wasser - Quell des Lebens.
Bildquelle: gallery.hd.org |
Wie radioaktiv ist unser Trinkwasser?
Natürliche radioaktive Stoffe im Trinkwasser
tragen im allgemeinen nur in geringem Maß zur
natürlichen Strahlenexposition bei. Es handelt sich im
wesentlichen um folgende:
• Das radioaktive Wasserstoff-Isotop Tritium wird durch die
kosmische Strahlung ständig im Wasser erzeugt. In
oberflächennahen Wässern kann die Konzentration mit
etwa 6 Bq/l angegeben werden. Wegen des geringen Dosisbeitrags hat
Tritium im Trinkwasser keine große Bedeutung.
• Das natürliche Kaliumisotop Kalium-40 wird mit
einem konstanten Anteil von 0,012 % in Böden und
Wässern angetroffen. Der Mensch hat einen ausgewogenen
Kaliumhaushalt, so dass es zu keiner Besorgnis erregenden Anreicherung
kommt.
• Das radioaktive Edelgas Radon kann aus Gesteinen austreten
oder in das umgebende Grundwasser eindringen und aufgrund der guten
Wasserlöslichkeit erhebliche Strecken zurücklegen. Im
Wasserwerk oder bei der Nutzung im Haushalt wird das Radon zum Teil
wieder freigesetzt. Radonwerte unter 100 Bq/l gelten bei Ingestion
(Aufnahme über Nahrung) als unbedenklich.
• Radium kann ausgewaschen werden, wenn das Grundwasser in
direktem Kontakt zu radioaktiven Lagerstätten bzw. Uran- oder
Thorium-haltigem Gestein steht. Radium-226 ist ein Alpha-Strahler und
wird in die Knochensubstanz eingebaut. Die Konzentration von Radium-226
in Trinkwasser sollte deshalb 0,04 Bq/l nicht überschreiten.
Eine vom Bundesamt für Strahlenschutz in den vergangenen
Jahren veranlasste Untersuchung von 2100 Trinkwasserproben auf den
Gehalt von Radon-222 führte zu folgendem Ergebnis:
Im Durchschnitt liegt die Belastung mit dem natürlich
vorkommenden radioaktiven Edelgas bei 6 Bq/l. Rund 7 % des deutschen
Trinkwassers weist eine Radon-Belastung von mehr als 100 Bq/l auf. Eine
Probe aus einem Brunnen im Fichtelgebirge lag über 1000 Bq/l.
Welche Grenzwerte gibt es für Radioaktivität in
unserem Trinkwasser?
Die EU-Kommission empfiehlt den Mitgliedstaaten bei
Radonbelastungen von 100 Bq/l zu prüfen, ob
Gegenmaßnahmen zum Schutz der menschlichen Gesundheit
erforderlich sind. Bei Konzentrationen von 1000 Bq/l und mehr empfiehlt
sie, Strahlenschutzmaßnahmen zu ergreifen.
Laut Bundesamt für Strahlenschutz soll nun bei Wasserwerken
mit erhöhten Radonkonzentrationen über 100 Bq/l
geprüft werden, ob und wie der Gehalt verringert werden kann.
Überwacht werden sollen auch die Radon-Folgeprodukte Blei-210
und Polonium-210. Für diese Stoffe rät die
EU-Kommission schon bei Konzentrationen von 0,2 und 0,1 Bq/l dazu,
Gegenmaßnahmen zu prüfen.
Darüber hinaus gibt die EU-Trinkwasserrichtlinie für
Radioaktivität in Trinkwasser folgende Parameter vor:
• Tritium: 100 Bq/l
• Gesamtrichtdosis: 0,1 mSv/Jahr (mit Ausnahme von Tritium,
Kalium-40, Radon und Radonzerfallsprodukten)
Da Tritium nur in geringen Konzentrationen von etwa 6 Bq/l im
Grundwasser vorkommt, ist mit dem Parameterwert von 100 Bq/l reichlich
Spielraum für zusätzlichen zivilisationsbedingten
Eintrag durch Atomkraftwerke, Wiederaufbereitungsanlagen, industrielle
und medizinische Anwendungen geschaffen worden.
Eine Belastung des Trinkwassers von 0,9 Bq/l an Radium-226
führt dazu, dass bei einem Erwachsenen die Gesamtdosis von 0,1
mSv/Jahr erreicht wird. Bei einem Kleinkind ist diese bereits bei einer
Belastung von 0,1 Bq/l erreicht. Aus diesem Grunde schlägt die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) maximal 0,1 Bq/l für
Radium-226 vor.
Die mittlere Konzentration von Radium-226 im Trinkwasser liegt in
Deutschland bei 0,004 Bq/l. Handelsübliche
Mineralwässer sind in der Regel sechs mal höher
belastet als Leitungswasser. Rund die Hälfte der
Mineralwassersorten enthält 0,025 Bq/l Radium-226 oder
weniger. Konzentrationswerte von 0,07 Bq/l sind nicht
unüblich, die höchsten Konzentrationen liegen bei 0,6
Bq/l. Mineralwässer mit so hohen Radium-Konzentrationen sind
somit für die Ernährung von Kleinkindern ungeeignet.
Da die Aufnahme von Radioaktivität mit dem Trink- oder
Mineralwasser nicht durch feste Grenzwerte eingeschränkt wird,
ist der Verbraucher darauf angewiesen, Messwerte von
unabhängigen Instituten zu erhalten oder die radioaktive
Belastung selbst kontrollieren zu lassen.
Wie radioaktiv sind Baustoffe oder Fliesen?
Jedes Baumaterial enthält so wie das
Untergrundgestein oder der Erdboden Spuren natürlicher
radioaktiver Stoffe, insbesondere Uran-238, Thorium-232 und deren
Zerfallsprodukte sowie Kalium-40. Das künstliche Radionuklid
Cäsium-137 aus den oberirdischen Atomversuchen und dem Unfall
von Tschernobyl ist mitunter in organischen Baumaterialien, wie z.B.
Holz zu finden.
Die Konzentration der Radionuklide variiert sowohl nach Art des
Baustoffs wie auch innerhalb gleichartigen Materials.
Maßgebend dafür sind die Zusammensetzung, die
Herkunft und das Herstellungsverfahren. Erstarrungs- und Ergussgesteine
wie Granit, Tuff und Bims sind typisch für eventuelle hohe
Radioaktivitätsgehalte. Dagegen enthalten Sand, Kies,
Kalkstein und Naturgips nur geringe Mengen an Radioaktivität.
Ein Problem ist die Glasur bei Fliesen, die mitunter radioaktive Stoffe
enthalten kann. Zur Farbgebung (rot, gelb, braun) werden uranhaltige
Pigmente verwendet, wobei 2 mg Uran pro cm² erlaubt sind.
Durch die Verwendung belasteter Baustoffe tritt eine Erhöhung
der Strahlenexposition in Wohnräumen auf, je nach dem wie viel
davon verbaut wurde und wie lange die durchschnittliche
Aufenthaltsdauer ist. Dabei liefert sowohl die
äußere Belastung durch Gammastrahlung als auch die
Belastung durch die Konzentration des exhalierten Radon und seiner
kurzlebigen Folgeprodukte in der Raumluft einen Beitrag. Das
Gefährdungspotenzial ist zu 90 % dem Radongas und zu 10 % der
direkten Strahlung anzulasten.
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