Mit diesem Schreiben
antwortete die KWS auf unsere Online-Protestaktion (Februar 2008)
Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für Ihr E-Mailschreiben zu den geplanten
Freilandversuchen der KWS SAAT AG, das uns in Kopie erreicht hat. Wir
respektieren Ihre Entscheidung, sich gegen die geplanten
Freilandversuche auszusprechen, und möchten auf die in Ihrer
E-Mail ausgedrückten Befürchtungen und Forderungen
eingehen.
Gestatten Sie uns deshalb einige Anmerkungen zum Hintergrund unserer
Feldversuche als auch zu Ihren Bedenken im Einzelnen.
Das Kerngeschäft der KWS ist es, mit modernen Methoden
Pflanzen
für zukünftige Aufgaben zu züchten. In der
Forschung und
Entwicklung geht es dabei nicht um die Kunden und Märkte von
heute, sondern um die im Jahre 2015 und danach. Die KWS SAAT AG greift
also frühzeitig wichtige Zukunftsfragen auf.
Das beinhaltet zum Beispiel die Frage nach weniger und unbedenklicheren
Pflanzenschutzmitteln im landwirtschaftlichen Anbau oder die Frage, wie
über die Nutzung geeigneter Pflanzen der Anteil erneuerbarer
Energien als Alternative zu den begrenzten, teuren und klimabelastenden
fossilen Energien (Erdöl, Erdgas) sinnvoll erhöht
werden
kann. Die Verknappung verfügbarer Ressourcen bei
Agrarflächen
und Wasservorräten erfordern es, nach neuen Ansätzen
und
Lösungen zu suchen.
Die Grüne Gentechnik ist in diesem Zusammenhang nur ein sehr
kleiner Bausstein im Forschungs- und Geschäftsbereich der KWS.
Diese Technologie nutzt das Unternehmen in seiner Forschung und
Entwicklung nur dort, wo herkömmliche
Züchtungsmethoden an
ihre Grenzen stossen. Der Einsatz gentechnisch veränderter
Pflanzen kann auf zwanzig Jahre Forschung und mehr als zehn Jahre
Erfahrung im praktischen Anbau zurückblicken. Seit es
die Grüne Gentechnik gibt, gelten in der
Pflanzenzüchtung
umfangreiche und strenge gesetzliche Vorschriften. Die KWS steht
für einen behutsamen und verantwortungsvollen Umgang mit
dieser
Technologie und bewertet vor dem Antrag auf Zulassung jeden Einzelfall
kritisch hinsichtlich Nutzen und Risiko.
Zu unseren Freilandversuchen:
Bei den Freilandversuchen mit gentechnisch veränderten
Zuckerrüben handelt es sich um ein reines Forschungsvorhaben
auf
kleiner Fläche. Die Versuche dienen ausschliesslich der
Gewinnung
von Daten zum Anbau unter europäischen Boden- und
Klimaverhältnissen. Dem voraus ging eine lange umfassende
Labor-
und Gewächshausphase sowie bereits gesammelte, umfangreiche
Erfahrungen vor allem aus dem Anbau in Nordamerika. Anders als von
Ihnen befürchtet stellen die Versuche keine Gefahr
für
Mensch, Natur und Umwelt dar. Lassen Sie uns dies im Einzelnen
aufzeigen:
1. Auskreuzen: Die Zuckerrübe hat eine zweijährige
Vegetationsperiode. Erst nach dem Winter bildet sie Blüten und
Samen. Beim Zuckerrübenanbau wird die Frucht jedoch noch vor
dem
Winter und damit vor der Blüte geerntet. Dadurch ist ein
Auskreuzen der Zuckerrübe auf verwandte Pflanzen praktisch
nicht
möglich. Im vorgesehenen Freilandversuch werden eventuell
auftretende Schosser sofort entfernt.
2. Resistenzbildung: Der Wirkstoff Glyphosat als Bestandteil des
Unkrautbekämpfungsmittels Roundup ist seit 1976 in Deutschland
zugelassen. Er ist seitdem weit verbreitet und unschädlich im
Einsatz. Gerade die von Ihnen genannte britische Farm Scale
Evaluations, ein Vier-Jahres-Forschungsprogramm unabhängiger
Wissenschaftler, konnte die Sicherheit vieler umfangreicher
Freilandversuche mit herbizidtoleranten Kulturpflanzen für
Mensch,
Natur und Umwelt belegen. Vor allem die
gentechnisch veränderte Zuckerrübe zeigte sich hier
in der
Unkrautbekämpfung sehr effizient. Trotz seiner Anwendung seit
über 25 Jahren in der Landwirtschaft treten beim Einsatz von
Glyphosat sehr viel weniger Resistenzen auf als beim Einsatz anderer
Herbizide. Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.weedscience.org/Summary/UspeciesMOA.asp?lstMOAID=12)
Resistenzbildung von Unkräutern bei Anwendung von Herbiziden
ist
davon abgesehen ein normaler und bekannter Vorgang und geschieht
unabhängig davon, ob die Pflanzen mit Gentechnik oder
klassischer
Züchtung entstanden sind.
3. Gefahr für Mensch und Umwelt: Das BVL sowie die jeweiligen
Behörden der Länder überwachen den Einsatz
von
Roundup/Glyphosat und dessen Wirkung auf Mensch und Umwelt. Ergebnis
aus 25 Jahren Begleitforschung: Unter Einhaltung der gesetzlichen
Anwendungsbestimmungen birgt der Einsatz von Roundup/Glyphosat keine
schädlichen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit oder
auf
den Naturhaushalt in sich. Glyphosat ist umweltverträglich, da
es
leicht und schnell biologisch abbaubar ist, vollständig
metabolisiert wird und zudem eine geringe Mobilität besitzt.
Es
ist nicht giftig und schädigt weder Organe, Stoffwechsel oder
Nachkommen von Säugetieren und Amphibien. Auch die einzelne
Studie
zu Wirkungen auf menschliche DNA und Gebärmutterzellen ist
eine
reine Laborstudie und hat keine Praxisrelevanz für Lebewesen.
Die
Schlussfolgerungen dieses Einzelexperiments widersprechen den
umfassenden Daten von Lebewesen und Feldstudien, die unter realen
Bedingungen erfasst wurden. Auch das Bundesamt für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sah hierin keinen
Anlass, um die Zulassung von Roundup/Glyphosat in Frage zu stellen.
Wir möchten unsere Freilandversuche sowie unsere gentechnische
Arbeit so transparent wie möglich gestalten. Neben
Informationsveranstaltungen für interessierte Bürger
finden
Sie deshalb weitere Informationen hierzu im Internet unter: www.kws.de/freilandversuche.
Ihre offenen Fragen nimmt die KWS gern per
E-Mail oder am Telefon entgegen. (E-Mail:
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; Tel.-Nr.:
05561/311-874).
Mit freundlichen Grüssen aus Einbeck,
Dr. Henning von der Ohe
KWS SAAT AG - Unternehmensentwicklung & Kommunikation
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