Hintergrund Roundup
Das meistverkaufte Pflanzengift der Welt
Glyphosat ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Herbizid.
Der US-Agromulti Monsanto brachte es 1974 unter dem Namen Roundup auf
den Markt. Heute wird Glyphosat in verschiedenen Varianten und von
zahlreichen Unternehmen produziert und vertrieben. Die Produkte
enthalten unterschiedliche Mengen an Glyphosat und Hilfsstoffe. Art und
Zusammensetzung der Zusatzstoffe sind das Geschäftsgeheimnis von
Monsanto und anderen Herstellern und werden nicht veröffentlicht.
Glyphosat wirkt über die Blätter und hemmt einen
lebenswichtigen Stoffwechselprozess in den Pflanzen. Die Wirkung tritt
innerhalb einer Woche ein, die Pflanzen sterben ab. Der Einsatz von
Glyphosat auf landwirtschaftlichen Nutzflächen war vor 1996 kaum
möglich. Denn es tötet alle Pflanzen - Unkräuter wie
Nutzpflanzen.
So ist Roundup die Ursache für die Entwicklung der Gensoja und
für den Anbau genmanipulierter Pflanzen. 1996 gelang es Monsanto,
ein bakterielles Gen in Sojabohnen einzubauen, mit Hilfe dessen die
Pflanzen ein bestimmtes Enzym, das EPSPS
(5-Enolpyruvylshikimat-3-phosphat- Synthase) produzieren. Dieses Enzym
lässt die Sojapflanzen die Giftregen überleben. Seither
werden so genannte Roundup-Ready-(RR)-Soja, -Mais, -Raps,
-Zuckerrüben, -Baumwolle und -Alfalfa, vor allem in den USA,
Argentinien, Brasilien und Kanada kommerziell angebaut. 2010 wuchsen
auf 148 Millionen Hektar genmanipulierte Pflanzen, über 95 Prozent
des Gen-Soja und knapp 80 Prozent der sonstigen Gen-Pflanzen sind
herbizidresistent, überwiegend gegen Glyphosat. Monsanto ist der
führende Hersteller von Glyphosat sowie von Gen-Saatgut.
Doch auch ohne den Anbau von Gen-Pflanzen gibt es zahlreiche
Einsatzmöglichkeiten, etwa im Obstbau, im Heimgarten, beim Anbau
von Weihnachtsbäumen, auf industriell genutzten Flächen usw.
Und auch in vielen Landwirtschaftsbetrieben wird der Acker kurz vor der
Aussaat mit Glyphosat unkrautfrei gespritzt. Oftmals wird das Gift auch
kurz vor der Ernte ausgebracht, um die Abreifung von zum Beispiel
Weizen oder Raps zu beschleunigen. Dieses Verfahren nennt man
Sikkation. In Deutschland sind 70 Glyphosat-haltige Mittel zugelassen,
beispielsweise im Acker-, Obst-, und Weinbau, 41 davon auch für
den Haus- und Kleingarten.
In der EU sind glyphosatresistente Pflanzen bisher noch nicht für
den Anbau zugelassen. Doch wird sich dies bald ändern. Denn die
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)
hat sich bereits positiv zu den eingereichten Anträgen von
glyphosatresistenten Mais- und Zuckerrübensorten
geäußert.
Krebsauslöser - Embryonenkiller
Seit 1996 wird glyphosatresistente Gensoja in Europa als
Futtermittel eingesetzt. In der EU werden jährlich etwa 36
Millionen Tonnen überwiegend Gen-Sojabohnen und -schrot
eingeführt. Allein Deutschland importiert etwa Dreiviertel der
Eiweißfuttermittel, überwiegend Gen-Soja. Über Eier,
Milch und Fleisch gelangt Glyphosat auf unsere Teller, ebenso wie der
in Glyphosat-Mischungen enthaltene Zusatzstoff POEA und das
Abbauprodukt AMPA.
Dem Pflanzengift Roundup werden bis zu 15 Prozent POE-Tallowamine
(polyethoxylierte Alkylamine, POEA) zugesetzt. Diese sind wesentlich
giftiger als Glyphosat selbst und verstärken zudem die Giftigkeit
von Glyphosat. POEA allein und in Kombination mit Glyphosat können
Krebs auslösen.
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
(BVL) hat im Juni 2010 veranlasst den Einsatz des Gifts zu
beschränken: Pflanzen, die mit POEA-haltigen Herbiziden gespritzt
wurden, dürfen nicht sofort als Lebens- und Futtermittel verwendet
werden. Man befürchtet, dass POEA über Futtermittel auf
tierische Produkte übergehen und so zu einer Gefährdung der
Gesundheit von Menschen führt.
Glyphosat konnte jedoch bereits in menschlichem Blut und Urin
nachgewiesen werden. So wurden im Urin eines an Botulismus erkrankten
deutschen Bauern Glyphosat-Konzentrationen gemessen, die um das
1000-fache gegenüber den Vergleichspersonen belastet waren. Auch
in Stallluft, Rinderkot und Futter wurden
Glyphosat-Rückstände festgestellt. Zahlreiche Tiere sind
bereits an Botulismus verendet. Insgesamt kann man in deutschen
Ställen eine deutliche Zunahme an Tierkrankheiten beim Einsatz von
genmanipulierten Futtermitteln feststellen. Allerdings wollen die
Behörden keinen Zusammenhang zwischen dem Wirkstoff Glyphosat und
Tierkrankheiten sehen.
Aktuelle Studien belegen gravierende gesundheitliche Risiken von
Glyphosat, POEA und AMPA schon bei geringsten Konzentrationen.
Besonders besorgniserregend sind Hinweise auf eine hormonelle Wirkung.
Auch Krebs, Zelltod, Fruchtbarkeitsstörungen, Schädigung des
Erbguts, der Embryonalentwicklung, des Immunsystems, der Leber und des
Nervensystems zählen zu den Folgen.
Um Gesundheitsgefahren möglichst auszuschließen, müsste
ein Anwender nicht nur Schutzanzug und Maske tragen, sondern sicher
stellen, dass sich im Umkreis von 500 m kein Lebewesen aufhält. In
ländlichen Regionen Lateinamerikas, in denen glyphosatresistente
Pflanzen angebaut werden, wird Roundup nahezu flächendeckend per
Flugzeug versprüht. Die Anwohner sind schutzlos ausgeliefert. Dort
hat sich von 2000 bis 2009 die Krebsrate bei Kindern verdreifacht. Die
Rate der Fehlgeburten und Fehlbildungen stieg nahezu um das Vierfache
an.
Ob und in welchem Umfang Rückstände von Glyphosat und dem
seit Juni 2010 verbotenen POEA in Nahrungsmitteln auftreten, wird nur
sporadisch kontrolliert. Überprüft werden vor allem
Gemüse und Obst, bei deren Anbau Glyphosat kaum zur Anwendung
kommt.
Glyphosat reichert sich vor allem in Samen (Getreide, Mais, Soja etc.)
an. Bei wiederholter und später Anwendung werden besonders hohe
Rückstandswerte erreicht. In der EU gilt für Glyphosat in
Sojabohnen ein extrem hoher Grenzwert für Rückstände von
20 mg/kg. Für das Hauptabbauprodukt AMPA existiert kein
zulässiger Rückstandswert, obwohl AMPA-Gehalte bis zu 25
mg/kg gefunden wurden. Noch sind die Grenzwerte für andere
Lebensmittel, die überwiegend für den menschlichen Verzehr
vorgesehen sind, deutlich niedriger. Geht es nach Monsanto, sollen in
der EU die Grenzwerte angehoben werden. Denn zur Zeit können zum
Beispiel Linsen aus den USA auf Grund der Grenzwertüberschreitung
nicht in die EU importiert werden.
Für das weltweit am häufigsten eingesetzte Pflanzengift und
seine gesundheitsschädlichen Begleitstoffe sind geeignete,
einfache und zugleich kostengünstige Nachweisverfahren noch nicht
einmal verfügbar.
Mogelpackung Zulassungsverfahren
Die Zulassung der Pestizide beruht auf Daten und Studien, die
Monsanto und Co selbst zur Verfügung stellen. Sie sollen die
Unschädlichkeit der eigenen Produkte beweisen. Überprüft
werden sie meist von Experten, deren Unabhängigkeit als umstritten
gilt.
Industrie und Zulassungsbehörden sollen schon seit den 1980er
Jahren ernstzunehmende Erkenntnisse über die
Gesundheitsgefährdung von Glyphosat vorliegen. Deutsche
Behörden sollen von Studien über Missbildungen der Föten
von Ratten und Kaninchen gewusst haben. Auch, dass diese dramatischen
Folgen schon bei geringen Dosierungen beobachtet wurden, war wohl
bekannt. Doch diese Risiken wurden einfach heruntergespielt.
Der Vorwurf gilt den deutschen Behörden! Denn Deutschland ist als
Berichterstatter ("rapporteur" member state) für den
Zulassungsprozess von Glyphosat verantwortlich. Das zuständige
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)
vermittelt zwischen der Pestizidindustrie und der EU Kommission, wertet
die Industriestudien aus und erstellt die Prüfberichte.
Obwohl die Hinweise auf Gesundheitsgefahren durch Glyphosat seit
Jahrzehnten vorliegen und trotz immer neuer Studien, die auf die hohe
Gefährlichkeit hinweisen, wurde die für 2012 anstehende
Neuzulassung von Glyphosat von den EU-Behörden auf 2015
verschoben. Dafür wurde Ende 2010 extra eine neue EU-Richtlinie
erlassen. Eigentlich wurde Glyphosat 2002 nur für zehn Jahre
zugelassen. Die Zulassung wäre also 2011/2012 ausgelaufen.
Ursprünglich basiert die Zulassung von Glyphosat auf
Untersuchungen von 1987 bis 1994, also aus Zeiten vor der
Einführung der genmanipulierten Sojabohnen.
Offenbar werden hier alleine die Lobbyinteressen berücksichtigt.
Diese Vorgehensweise ist unverantwortlich für Menschen und Umwelt!
Gift für die Umwelt
Der Anbau genmanipulierter glyphosatresistenter Pflanzen führt zu großen Umweltbelastungen.
Man schätzt, dass weltweit jährlich 2,5 Millionen Tonnen
Pflanzengifte gespritzt werden. Nur 0,3 Prozent davon kommen mit den
Zielorganismen in Kontakt. 99,7 Prozent gelangen ungefiltert in die
Umwelt, den Boden und die Gewässer.
Glyphosat dringt direkt oder über Pflanzenmaterial bzw.
Wurzelausscheidung in den Boden ein, oder wird durch Regen von Pflanzen
abgewaschen. Glyphosat schädigt das Bodenleben, fördert
krankheitserregende Pilze, beeinträchtigt die Aufnahme von
Mikronährstoffen sowie die Krankheitsabwehr der Pflanzen und
mindert den Ertrag. Pflanzenkrankheiten, die bislang als beherrschbar
galten, treten verstärkt auf. Besonders giftig ist Glyphosat
für Insekten, Amphibien und Fische. Sterblichkeitsraten von 53 bis
100 Prozent sind bei Insekten keine Ausnahme.
Glyphosat und das wesentlich stabilere AMPA reichern sich im Boden an.
Glyphosat hat eine Halbwertzeit (die Zeitdauer, bis die Hälfte
seiner biologischen Aktivität verloren geht) von 3 bis 240 Tagen,
die Halbwertzeit von AMPA beträgt 78 bis maximal 875 Tage.
Durch Auswaschung und Oberflächenabfluss gelangt Glyphosat in
Grund- und Oberflächenwasser. In den USA wurden in Teichen
Glyphosat-Spitzenwerte von 1700 Mikrogramm pro Liter gemessen. Der
EU-Trinkwassergrenzwert beträgt 0,1 Mikrogramm pro Liter.
Das Totalherbizid reduziert die pflanzliche Artenvielfalt auf dem
Acker. Dadurch fehlt Insekten und Vögeln Nahrung und Lebensraum.
Durch die dramatische Ausbreitung lebensfeindlicher Soja-Monokulturen
in Lateinamerika werden artenreiche Lebensräume wie
Regenwälder und Savannen vernichtet.
Explosion der Super-Unkräuter
Glyphosat verursacht eine starke Zunahme resistenter Unkräuter.
Im Jahr 2000 - nach nur dreijährigem Gensojaanbau - wurden in den
USA die ersten resistenten Unkräuter gefunden. Inzwischen haben
sich 21 glyphosatresistente Arten auf Millionen Hektar,
überwiegend in Anbaugebieten der genmanipulierten Pflanzen,
ausgebreitet. Ihre Zahl steigt stetig an. Besonders hartnäckige
Arten werden bis zu 2,5 m hoch und mindern massiv die Erträge.
Die Folge: Noch mehr Pflanzengifte.
Glyphosat wird immer öfter gespritzt, die Dosierung erhöht
und mehr und mehr zusätzliche Pflanzengifte ausgebracht.
Inzwischen kommen auf einen Hektar Ackerfläche circa zehn Liter
Gift. In den USA und in Lateinamerika steigt der Herbizidverbrauch
jährlich rapide weiter an. Den Bauern entstehen dadurch
Zusatzkosten von bis zu 44 Dollar pro Hektar. Von 2001 bis 2007
verdoppelte sich der Glyphosat-Einsatz in den USA auf über 80
Millionen Kilogramm pro Jahr. Die Veröffentlichung der Zahlen
wurde daraufhin eingestellt. In Lateinamerika wurden nach Berechnungen
allein 2008/2009 ca. 350 Millionen Liter Glyphosat gespritzt. Aber auch
die rasche Ausweitung der RR-Sojaflächen um das 183-fache von 0,4
Millionen Hektar im Jahr 1996/97 auf 73 Millionen Hektar 2011 hat zu
einem starken Anstieg des Glyphosat-Verbrauchs geführt. Im Wechsel
mit Glyphosat werden wieder "alte", extrem giftige Herbizide
eingesetzt, unter anderem Paraquat, 2,4-D und Dicamba. Dabei ist
Paraquat höchst umstritten und auf Grund seiner hohen
Humantoxizität seit 2007 in der EU verboten.
Daher entwickelt die Industrie so genannte "stacked events",
Gen-Pflanzen, die nicht nur Glyphosat, sondern auch weitere Herbizide
überleben, die zusätzlich oder als Gemisch mit Glyphosat
gespritzt werden. Doch die Unkräuter sind schneller: Einige sind
bereits jetzt gegen mehrere Herbizide resistent.
Selbst Monsanto empfiehlt inzwischen den Einsatz zusätzlicher
Herbizide und traditionelle Regulierungsmethoden. Weil die resistenten
Unkräuter nicht mehr zu beherrschen sind, geben die ersten
Landwirte bereits ihre Höfe auf.
Das Umweltinstitut München e.V. fordert:
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Verkaufsstopp glyphosathaltiger Pflanzengifte an Privatpersonen
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Stopp des Einsatzes glyphosathaltiger Pflanzengifte in der Landwirtschaft
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Importstopp genmanipulierter Lebens- und Futtermittel
Weitere Informationen zum Thema:
Hier können Sie aktiv werden: www.umweltinstitut.org/roundup_verbieten
Stand: September 2011
Fotos: Chayar Comunicación
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