Gentechnik-Pläne der EU-Kommission werden konkreter
Die neue EU-Kommission fördert seit ihrem Amtsantritt im
Februar 2010 intensiv die Einführung der Gentechnik in der
europäischen Landwirtschaft. Weil
EU-Kommissionspräsident Barroso die Zuständigkeit
für alle Fragen der Gentechnik in der Generaldirektion
Gesundheit und Verbraucherschutz gebündelt hat, hat der
EU-Kommissar John Dalli praktisch freie Hand. Gleich im März
hat Dalli mit der genmanipulierten Stärkekartoffel Amflora des
Agro-Chemie-Konzerns BASF eine neue Gen-Pflanze in der EU zum Anbau
zugelassen – die zweite Anbauzulassung in der EU seit dem
Gen-Mais MON810 im Jahr 1998.
Künftig will die EU-Kommission den Umgang mit
Gentechnik-Pflanzen insgesamt deutlich erleichtern. Seine neuen
Gentechnik-Pläne will Dalli bereits im Juli vorstellen, und die
EU-Umweltminister könnten schon in den nächsten
Wochen mit der Beratung beginnen. Die Kommission plant, die Zulassung
von Gentechnik-Pflanzen in der EU zu vereinfachen. Im Gegenzug soll es
den Mitgliedsländern erleichtert werden, einzelne Anbauverbote
auszusprechen.
Derzeit muss der Anbau von genmanipulierten Pflanzen auf
europäischer Ebene beschlossen werden. Die Genehmigung ist
dann für alle Staaten verbindlich. Einem Verbot in einzelnen
Ländern muss die Kommission zustimmen. Das soll sich nun
ändern. Die einzelnen Regierungen sollen dann landesweite oder
regional beschränkte Anbauverbote für eine oder
mehrere Genpflanzen verhängen können, obwohl sie auf
europäischer Ebene zugelassen wurden. Auch sollen sie
individuell regeln können, wie die Felder konventionell und
ökologisch arbeitender Landwirte vor den Genpollen
geschützt werden sollen – etwa durch Vorschriften
für einen größeren Abstand zwischen den
Feldern.
Damit versucht Dalli, die Bürgerinnen und Bürger
für dumm zu verkaufen. Denn schon heute ist es den
EU-Staaten möglich, wirksame Regeln zu erlassen. Andere
Länder wie Österreich und Bulgarien haben es
vorgemacht, wie einzelne Mitgliedsstaaten sich bereits jetzt durch
strenge Gesetze vor Gentechnik schützen können. Durch
die von Dalli geplante Ausschaltung des Ministerrates aus dem
Genehmigungsverfahren wird der Brüsseler Gentech-Lobby
Tür und Tor geöffnet. Und eine weitere Option
für nationale Anbauverbote ist nicht viel wert, wie die
neueste Gen-Kontamination von ungarischem Maissaatgut zeigt.
Gen-Kontaminationen machen an nationalen Grenzen nicht halt. Es fehlen
immer noch Haftungsregeln, die konventionell und biologisch
wirtschaftende Landwirte gegen Gen-Kontaminationen ihrer Ernten durch
Pollenflug absichern. Innerhalb kürzester Zeit wird es in
Ländern wie Tschechien, Spanien und den Niederlanden wegen
unzureichender gesetzlicher Regelungen zur Kontamination
gentechnikfreier Lebensmittel kommen. Auch eine EU-weite gentechnische
Kontamination von Saatgut, Futter- und Lebensmitteln ist absehbar.
Eine Koexistenz von Land- und Lebensmittelwirtschaft mit und ohne
Gentechnik ist nicht möglich. Daher ist es an der Zeit, den
deutschen und europäischen Entscheidungsträgern
deutlich zu machen, dass Verbraucher und Landwirte keine gentechnisch
veränderten Lebensmittel auf ihren Tellern haben wollen und
den Anbau von Gen-Pflanzen nicht tolerieren.
Der Ministerrat hatte bereits 2008 eindeutige Anforderungen gestellt;
keine davon ist bisher umgesetzt worden.
Die Risikobewertung durch die europäische
Lebensmittelbehörde EFSA ist nach wie vor fehlerhaft und
ausschließlich an den Standards der Industrie ausgerichtet
Ein Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft vor
Gen-Kontamination existiert praktisch nicht
In die Sicherheitsbewertung werden keine
sozioökonomischen Kriterien einbezogen
Bei den sozioökonomischen Gesichtspunkten und Fragestellungen
zur Bewertung des gesellschaftlichen Nutzens und der Nachteile von
gentechnisch veränderten Pflanzen geht es u.a. um die
betriebliche und gesamtgesellschaftliche Wirtschaftlichkeit, den
volkswirtschaftlichen Nutzen und die Kosten, Auswirkungen auf die Ziele
der Nachhaltigkeit, die Interessen der Bürger und Verbraucher
sowie um ethische Aspekte in den Bewertungs- und
Entscheidungsprozessen, die gleichwertig in die Beurteilung mit
einfließen müssen.
Weltweit gäbe es keinen Anbau von genmanipulierten Pflanzen,
wenn Fragen berücksichtigt würden wie zum Beispiel:
Werden bestimmte Kulturarten aus einer Region
verdrängt?
Welche Auswirkungen hat der Anbau für das Image
einer Region?
Leistet das Produkt einen Beitrag zur Schaffung neuer
Beschäftigungsmöglichkeiten, z.B. in den
ländlichen Räumen?
Welche Folgekosten entstehen durch die Nutzung von
gentechnisch veränderten Pflanzen?
Welchen Einfluss hat der Anbau eines GVO auf das soziale
Gefüge in den ländlichen Räumen?
Das Umweltinstitut München e.V. protestiert gegen die
verantwortungslosen Pläne und fordert die Bundesregierung und
den EU-Agrarausschuss auf, endlich zur Kenntnis zu nehmen, dass
Gen-Pflanzen in Deutschland nicht gewollt sind und nicht gebraucht
werden. Das Umweltinstitut fordert weiter, dass die Pläne
für die Vereinfachung im Umgang mit Gentechnikpflanzen
aufgegeben werden und stattdessen ein sofortiger Zulassungs- und
Anbaustopp von Gen-Pflanzen beschlossen wird.
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