Gentechnik
GENTECHNIK
- manipuliertes
Leben |
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Schon seit jeher
wird mit Nahrungsmitteln Politik gemacht.
Heute jedoch
droht die gesamte landwirtschaftliche Erzeugung in die Hände
weniger
Großkonzerne zu geraten. Kontrolle beginnt beim ersten und
wichtigsten
Teil: dem Saatgut. Hier beherrscht der weltgrößte
Gentechnikkonzern, die
Firma Monsanto, fast 25 Prozent des gesamten Weltmarktes.
Ernährungssouveränität
und demokratische Selbstbestimmung sind zunehmend gefährdet
angesichts der aggressiven Einführung genmanipulierter
Pflanzen
und der Macht, die Patente auf transgene Pflanzen verleihen.
Gentechnik ist ein weiterer Schritt der agroindustriellen
Landwirtschaft. Sie
breitet sich in einigen Gebieten der Welt stark aus und hat sich zum
Beispiel
in Nord- und Südamerika bei einigen Pflanzenarten soweit
durchgesetzt,
dass es dort de facto keinen konventionellen Anbau mehr gibt.
| ZEITLEISTE |
1983 |
erster
Gentransfer bei
Pflanzen (mit Agrobacterium)
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1987 |
erste
Freisetzungen in
den USA (Tabak,
Tomate)
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1987 |
Gentransfer
mit
Gen-
Kanone
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1991 |
erste
Freisetzung in
Deutschland (Petunien)
|
1994 |
transgene
Anti-Matsch-
Tomate auf dem Markt
|
1996/
1997 |
erster
Anbau
von Gen-
Soja, -Mais, -Raps und
-Baumwolle in Nordamerika
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1998 |
EU:
Moratorium
für Gen-
Pflanzen
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2004 |
EU:
Wiederaufnahme
von Zulassungen
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2008 |
Gentechnikanbau
in
Europa fast ausschließlich
in Spanien
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2009 |
Erstmaliger
Rückgang
des Gentechnikanbaus
in Europa durch Anbauverbot
von MON810
in Deutschland
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2010 |
Neuzulassung
der
BASF-Kartoffel Amflora
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Pollen oder Samen, vom Wind verweht, lassen sich nicht in einer
„Rückholaktion“
wieder einsammeln, wenn sich schädliche Auswirkungen der
Agro-Gentechnik zeigen. Gentechnische Verschmutzung ist bereits heute
ein globales Problem, das gentechnikfrei wirtschaftende Bauern in ihrer
Existenz bedroht. Bedroht ist auch die Wahlfreiheit der Verbraucher.
Dabei
lehnen 70 Prozent der europäischen Bauern und Verbraucher
Gentechnik in
Lebensmitteln ab. Sie wollen keine Landwirtschaft, die gegen statt mit
der
Natur arbeitet und Bauern in die Abhängigkeit der
Agrarkonzerne bringt.
Was
ist Gentechnik
Zwanzig Jahre nach der Entdeckung
der DNA-Struktur durch James Watson
und Francis Crick gelang es Wissenschaftlern
in den USA im Jahr 1973
erstmals, fremde Erbsubstanz in Bakterien
einzuschleusen. Diese Entdeckung
erschien führenden Forschern als so
gravierend, dass sie eine Konferenz in
Asilomar/Kalifornien einberiefen. Dort
wurde über ein freiwilliges Moratorium
für die Anwendung der Gentechnik
beraten. Es sollte gelten, bis die möglichen
Folgen erforscht wären. Doch
die skeptischen Forscher konnten sich
nicht durchsetzen.
Gentechnische Methoden umfassen
die Analyse von Erbanlagen, besonders
aber deren Übertragung und Veränderung
über Artgrenzen hinweg. Drastische
Beispiele für diesen Eingriff sind
Kartoffeln mit dem Giftgen von Skorpionen,
Erdbeeren mit Frostschutzgenen
von arktischen Fischen oder Salat mit
Rattengenen zur Erhöhung des Vitamin
C-Gehalts. Die Artgrenzen, die sich im
Laufe der Evolution zwischen Mikroorganismen,
Pflanzen, Tieren und Menschen
gebildet haben, werden durch
die Gentechnologie bewusst durchbrochen.
Ein gentechnischer Eingriff hat daher
nichts mit herkömmlicher Züchtung
zu tun, wie oft behauptet wird: Bei traditionellen
Methoden werden Pflanzen
oder Tiere, die zu gleichen oder nah
verwandten Arten gehören, nach den
natürlichen Vererbungsregeln gekreuzt.
Das Gentechnikgesetz unterscheidet
daher klar zwischen Gentechnik und
Züchtung. Ein gentechnisch veränderter
Organismus (GVO) wird dort
definiert als „ein Organismus, dessen
genetisches Material in einer Weise
verändert worden ist, wie sie unter natürlichen
Bedingungen durch Kreuzen
oder natürliche Rekombination nicht
vorkommt“.
Bei der Manipulation am Erbgut werden
fundamentale Steuerprozesse des
Lebens verändert. Doch das wissenschaftliche
Modell, auf dem die Gentechnik
basiert, ist inzwischen überholt.
Der Ansatz, nach dem das Genom
eine Art Legobaukasten ist, in das man
nach Belieben neue Gene einfügen
kann, weicht der Gewissheit, dass die
DNA als hochkomplexes Netzwerk
funktioniert. Gene werden von einem
zellspezifischen Informationssystem
gesteuert, das ihnen sagt, wann und
wie sie aktiv werden sollen. Selbst
Wissenschaftler geben zu: Wir verstehen
dieses System nicht gut. Gentechnische
Eingriffe an Pflanzen sind daher
ein Lotteriespiel mit unvorhersehbarem
Ausgang.
Stand: Juni 2010
Fotos: Julian Schmidt [M], BASF, Fotolia
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