Gentechnik-Info (2): Gentechnik bei Pflanzen Mit der Manipulation am Erbgut versucht die Industrie, Eigenschaften aus anderen Organismen auf Pflanzen zu übertragen. Geforscht und gearbeitet wird mittlerweile an allen Nutzpflanzen von A wie Ananas und Apfel bis Z wie Zitrone, Zucchini oder Zuckerrohr. Mit einem Gen des Bakteriums Bacillus thuringiensis (Bt) ausgerüstet, produzieren Mais- und Baumwollpflanzen ein Gift, das den Darmtrakt bestimmter Insekten zersetzt. Genmanipulierte Soja und Gen-Raps der Firma Monsanto sind durch die eingefügte Erbanlage eines anderen Bakteriums unempfindlich gegen das Pflanzenvernichtungsmittel Round-Up (Herbizidtoleranz). Beim Spritzen vernichtet dieses Totalherbizid alles pflanzliche Leben. Nur die genmanipulierten Sorten überleben. Methoden | Zeittafel | | 1983: | erste Übertragung von bakterieller Erbinformation in Pflanzen-DNA durch das Agrobacterium tumefaciens | | 1986 | erster Freisetzungsversuch in den USA (Tabak) | | 1987 | Gen-Kanone | | 1991 | erster Freisetzungsversuch in Deutschland (Petunien) | | 1994 | transgene Anti-Matsch- Tomate auf dem Markt | | 1996 | Beginn des großflächigen Anbaus von Gensoja in den USA | | 1998 | Zulassungs- und Anbaustopp von GVO in der EU | | 2004 | Neuzulassungen durch die EU-Kommission | | Trotz des großen technischen Aufwands beruhen die Ergebnisse der Gentechnik vor allem auf Zufall. Im Wesentlichen werden zwei Methoden der Gen-Übertragung angewendet: Agrobacterium tumefaciens: Dabei wird ein Bodenbakterium, das bei Pflanzen Tumore erzeugt, als "Gen-Taxi" genutzt. Das Bakterium besitzt ein zusätzliches, ringförmiges DNA-Molekül (Plasmid), in das Gene für die gewünschte Eigenschaft eingefügt werden. Bei der Infektion der Pflanzenzelle durch das Bakterium wird die fremde Eigenschaft in die Erbinformation der Pflanzenzelle eingebaut. Gen-Kanone: Das Fremd-Gen wird in zahlreichen Kopien auf Metallpartikel aufgetragen. Diese werden im Schrotschussverfahren auf das Pflanzengewebe geschossen. Erfolgreich ist diese Methode, wenn ein Metallpartikel zufällig in einen Zellkern eindringt und das Gen in die DNA der Pflanzenzelle eingebaut wird. | | Mit Genen aus Pflanzen, Tieren und Menschen basteln Forscher neue Lebewesen. Die Natur wird zum Baukasten reduziert. | Beiden Verfahren ist gemeinsam, dass das fremde Gen nur in seltensten Fällen in die Erbinformation der Pflanze übernommen wird. Kein Forscher kann zudem vorhersagen, an welcher Stelle und wie oft das neue Gen im Genom der Pflanze eingebaut wird und was es dort bewirkt. Oft kommt es zu einer instabilen Genexpression: Die eingebaute Eigenschaft verliert sich; z.T. werden völlig neue DNA-Abschnitte gebildet, die in der Pflanzenart überhaupt nicht angelegt sind. Anbau von Gen-Pflanzen Weltweit wurden nach Angaben der Gentechnikindustrie im Jahr 2004 auf rund 81 Millionen Hektar genmanipulierte Pflanzen angebaut. Das entspricht mehr als der doppelten Fläche Deutschlands. Der Anbau konzentriert sich auf die vier Pflanzenarten Raps, Mais, Soja und Baumwolle. Genmanipulierte Baumwolle wird überwiegend zu Kleidung verarbeitet, Raps, Mais und Soja hauptsächlich zu Tierfutter. In Deutschland werden seit 1991 Freisetzungsversuche mit transgenen Pflanzen durchgeführt, die heftig umstritten sind. | | 96 Prozent der Anbauflächen befinden sich in nur fünf Staaten: den USA, Argentinien, Kanada, Brasilien und China. Quelle: www.isaaa.de | Seit 2005 findet kommerzieller Anbau auch hierzulande in geringem Umfang statt. 72 Prozent aller angebauten Gen-Pflanzen weisen eine Herbizidtoleranz, 20 Prozent eine Insektenresistenz und 8 Prozent eine Kombination von beidem auf. Der Markt mit Gentechnik-Pflanzen wird fast vollständig von einer Hand voll Firmen beherrscht: Monsanto, Syngenta, Bayer, Dow und DuPont. Diese kontrollieren auch den globalen Pestizidmarkt. Damit bescheren die Gen-Pflanzen den Firmen doppelte Gewinne: mit dem Verkauf von genmanipuliertem Saatgut und dem entsprechenden Pestizid im Doppelpack. In den nächsten Jahren wollen die Konzerne weitere Gen-Pflanzen auf den Markt bringen: - Pharma-Pflanzen, die Medikamente, Impfstoffe oder industrielle Werkstoffe produzieren,
- genmanipulierte Bäume,
- „Terminator“-Pflanzen, die durch ein "Selbstmord"-Gen nicht vermehrungsfähig sind und dadurch die Patentansprüche ihrer "Eigentümer" sichern, und
- Pflanzen mit veränderter Zusammensetzung der Inhaltsstoffe und angeblich gesundheitlichem Zusatznutzen ("Functional Food").
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