Gentechnik-Info (3): Gentechnik bei Tieren Unsere landwirtschaftlichen Nutztiere sind bereits heute an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Dennoch versuchen Wissenschaft und Industrie, deren Produktivität mit Hilfe der Gentechnik weiter zu steigern. Zusätzlich erhofft man sich, die Probleme der industriellen Tierhaltung damit in den Griff zu bekommen. Gentechnisch manipulierte Designertiere wie Schweine, Rinder oder Fische sollen resistent gegen die Zustände in der Massentierhaltung sein. | | Bis zu achtmal größer werden genmanipulierte Lachse. Sie haben Vorteile bei Paarung und Nahrungssuche in freier Natur. | Mit minimalem Futtereinsatz sollen sie schnellstmöglich das optimale Schlachtgewicht oder das Vielfache ihrer natürlichen Körpergröße erreichen. Hühnern soll ihr Scharrtrieb gentechnisch entfernt, und Fleisch und Milch sollen Verbraucherwünschen, z.B. nach fettarmen Produkten, angepasst werden. Dafür setzt man beispielsweise Schweinen Spinat- Gene ein. Wegen "technischer" Probleme – meist wird das veränderte Genkonstrukt nicht vererbt – gibt es aber bis heute keine marktreifen transgenen Tiere. Transgene Fische Seit Jahren wollen Unternehmen genmanipulierte Forellen, Karpfen und Lachse auf den Markt bringen. Wie bei anderen landwirtschaftlich genutzten Tieren versucht man mit der Verpflanzung unterschiedlichster Gene aus Mensch, Schwein, Rind oder Ratte Wachstum, Futterverwertung, Kältetoleranz oder Krankheitsresistenz zu steigern. Genmanipulierte Lachse werden bis zu achtmal schwerer als normale Zuchtlachse. Das unvermeidbare Entkommen dieser transgenen Fische ins offene Meer hat dramatische Folgen: Die riesigen Fische haben ein erweitertes Nahrungsspektrum, das zu einer Verschiebung der Artenzusammensetzung und zur Vernichtung ganzer Arten führen kann. Entkommene Zuchtlachse aus Fischfarmen verdrängen bereits in Norwegen zunehmend den wilden pazifischen Lachs. Medizinische und industrielle Verwertung | | Genmanipulierte Nacktmaus für die Forschung. Die Tiere leiden an Hautkrankheiten und sterben früh. | Als lukrativer Markt der Zukunft gilt die Nutzung von Tieren als lebende Organ-Ersatzteillager: Menschliche Gene in Schweineorganen, die zur Transplantation verwendet werden, sollen Abstoßungsreaktionen verringern. Beim "Gene Pharming" will die Industrie pharmazeutisch wirksame Substanzen im Blut oder in der Milch transgener Tiere herstellen. Auch industrielle Werkstoffe sollen zukünftig von Tieren produziert werden. Beispielsweise versuchen Forscher aus der Milch genmanipulierter Ziegen ein spinnenfadenähnliches Material zu extrahieren, das als reißfeste Faser in der Industrie genutzt werden soll. Das Leiden der Tiere Auch nach 20 Jahren Forschung haben die Wissenschaftler die Schwierigkeiten nicht im Griff. Geringe Erfolgsquoten mit vielen Missbildungen und hohen Todesraten sind die nüchternen Ergebnisse. Dennoch geht die Forschung weiter. Anreize, transgene Tiere zu entwickeln, werden durch das Patentrecht geschaffen, das Lebewesen technischen Erfindungen gleichsetzt und patentierbar macht - ihre Entwicklung wird mit der Aussicht auf künftige Nutzungsrechte ökonomisch belohnt. Das Leid der Tiere wird dabei stillschweigend in Kauf genommen. Schon bei den ersten Mäusen mit menschlichen Wachstumsgenen wurde deutlich, dass diese massiven Eingriffe in den komplexen Stoffwechsel eines Lebewesens nicht ohne negative Folgen bleiben. Krankhafte Veränderungen der inneren Organe verkürzten das Leben der Versuchstiere. Schlimmer noch erging es transgenen Schweinen mit menschlichen Wachstumsgenen: Sie litten an Magengeschwüren, Arthritis, Nieren und Hautkrankheiten. Zum Ärger der Gentechniker schalten sich die fremden Gene zudem aus noch nicht vollständig geklärten Gründen wieder ab oder werden nicht vererbt.
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