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Gentechnik-Info (1): Manipuliertes Leben

Genlabor

Schon seit jeher wird mit Nahrungsmitteln Politik gemacht. Heute jedoch droht die gesamte landwirtschaftliche Erzeugung in die Hände weniger Großkonzerne zu geraten. Kontrolle beginnt beim ersten und wichtigsten Teil: dem Saatgut. Hier beherrscht der weltgrößte Gentechnikkonzern, die Firma Monsanto, fast 25 Prozent des gesamten Weltmarktes. Ernährungssouveränität und demokratische Selbstbestimmung sind zunehmend gefährdet angesichts der aggressiven Einführung genmanipulierter Pflanzen und der Macht, die Patente auf transgene Pflanzen verleihen.

Gentechnik ist ein weiterer Schritt der agroindustriellen Landwirtschaft. Sie breitet sich in einigen Gebieten der Welt stark aus und hat sich zum Beispiel in Nord- und Südamerika bei einigen Pflanzenarten soweit durchgesetzt, dass es dort de facto keinen konventionellen Anbau mehr gibt. Schon heute zeigen sich in Südamerika drastische negative Auswirkungen auf die bäuerliche Kultur und die Umwelt.

Pollen oder Samen, vom Wind verweht, lassen sich nicht in einer „Rückholaktion“ wieder einsammeln, wenn sich schädliche Auswirkungen der Agro-Gentechnik zeigen. Gentechnische Verschmutzung ist bereits heute ein globales Problem, das gentechnikfrei wirtschaftende Bauern in ihrer Existenz bedroht. Bedroht ist auch die Wahlfreiheit der Verbraucher. Dabei lehnen 70 Prozent der europäischen Bauern und Verbraucher Gentechnik in Lebensmitteln ab. Sie wollen keine Landwirtschaft, die gegen statt mit der Natur arbeitet und Bauern in die Abhängigkeit der Agrarkonzerne bringt.

Was ist Gentechnik?

Zwanzig Jahre nach der Entdeckung der DNA-Struktur durch James Watson und Francis Crick gelang es Wissenschaftlern in den USA im Jahr 1973 erstmals, fremde Erbsubstanz in Bakterien einzuschleusen. Diese Entdeckung erschien führenden Forschern als so gravierend, dass sie eine Konferenz in Asilomar/Kalifornien einberiefen. Dort wurde über ein freiwilliges Moratorium für die Anwendung der Gentechnik beraten. Es sollte gelten, bis die möglichen Folgen erforscht wären. Doch die skeptischen Forscher konnten sich nicht durchsetzen.

Zeittafel
1983 erster Gentransfer bei
Pflanzen (mit Agrobacterium)
1987 erste Freisetzungen in den
USA (Tabak, Tomate)
1987 Gentransfer mit Gen-Kanone
1991 erste Freisetzung in
Deutschland (Petunien)
1994 transgene Anti-Matsch-
Tomate auf dem Markt
1996/97  erster Anbau von Gen-Soja,
-Mais, -Raps und -Baumwolle
in Nordamerika
1998 EU: Moratorium für Gen-
Pflanzen
2004 EU: Wiederaufnahme von
Zulassungen
2008 Gentechnikanbau in Europa
fast ausschließlich in Spanien


Gentechnische Methoden umfassen die Analyse von Erbanlagen, besonders aber deren Übertragung und Veränderung über Artgrenzen hinweg. Drastische Beispiele für diesen Eingriff sind Kartoffeln mit dem Giftgen von Skorpionen, Erdbeeren mit Frostschutzgenen von arktischen Fischen oder Salat mit Rattengenen zur Erhöhung des Vitamin C-Gehalts. Die Artgrenzen, die sich im Laufe der Evolution zwischen Mikroorganismen, Pflanzen, Tieren und Menschen gebildet haben, werden durch die Gentechnologie bewusst durchbrochen.

genmanipulierte Maus
Genmanipulierte Nacktmaus für die Forschung. Die Tiere leiden an Hautkrankheiten und sterben früh.


Ein gentechnischer Eingriff hat daher nichts mit herkömmlicher Züchtung zu tun, wie oft behauptet wird: Bei traditionellen Methoden werden Pflanzen oder Tiere, die zu gleichen oder nah verwandten Arten gehören, nach den natürlichen Vererbungsregeln gekreuzt. Das Gentechnikgesetz unterscheidet daher klar zwischen Gentechnik und Züchtung. Ein gentechnisch veränderter Organismus (GVO) wird dort definiert als „ein Organismus, dessen genetisches Material in einer Weise verändert worden ist, wie sie unter natürlichen Bedingungen durch Kreuzen oder natürliche Rekombination nicht vorkommt“.





Fotos: C. Ynouye/CIP, immuneweb.com
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