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Interview mit Ansuman Das:
Lokale Landwirtschaft statt Gentechnik
Anshuman Das ist Geschäftsführer und Leiter der indischen NGO Development
Research Communication & Services Centre (DRCSC) mit Sitz in Kalkutta. Ziel
der Organisation ist es, durch eine gemeinschaftliche und nachhaltige Landnutzung
die Lebensbedingungen der armen Landbevölkerung zu verbessern. Die Ernährungssicherung
durch ökologischen Landbau steht im Zentrum der Aktivitäten von DRCSC.
Anshuman Das besuchte das Umweltinstitut München im Rahmen einer Reise
auf Einladung der Indienhilfe e.V. Herrsching. Ziel des Treffens war der Austausch
über aktuelle Entwicklungen und Aktivitäten im Umwelt- und Klimaschutz.
Umweltinstitut München e.V. (UIM):
Sie setzen sich für die Ernährungssicherung der armen ländlichen Bevölkerung Indiens ein. Wie viele Menschen müssen in Ihrem Land hungern? Anshuman Das:
Trotz einer Reihe von staatlichen Programmen sinkt die Zahl der unterernährten
Menschen in Indien nicht. Es ist schwer, die genaue Zahl der Menschen mit unsicherer
Lebensmittelversorgung zu ermitteln. Aber wir können sagen, dass in Indien,
dem zweitbevölkerungsreichsten Land der Welt, seit Mitte der 1990er Jahre
30 Millionen Menschen Hunger leiden und 46 Prozent der Kinder untergewichtig sind.
Laut einer FAO-Studie aus dem Jahr 2008 beträgt die Zahl der Menschen mit
ungesicherter Lebensmittelversorgung in Indien 200 Millionen. Obwohl wir mehr
als 100.000 Millionäre haben und sogar zwei Personen zu den zehn
reichsten Menschen der Welt gehören, gibt es gleichzeitig mehr als 300
Millionen Menschen, deren monatliches Einkommen weniger als 300 Rupien (4,54
Euro) beträgt.
Wer ist der Arme und wer gehört zur Elite? Das ist
das Thema einer feurigen Auseinandersetzung in Indien. Nach der Planungskommission
leben 27 Prozent der indischen Bevölkerung in Armut. Laut dem Suresh Tendulkar
Committee sind es sogar 38 Prozent und Arjun Sevender schätzt die Zahl
der Bedürftigen auf 77 Prozent. Der Pro-Kopf-Verzehr von Lebensmitteln
lag im Jahr 1983 bei 2309 Kcal, 1998 sank er auf 2011 Kcal. In Staaten wie Orissa,
Madhya Pradesh, Karnataka, Rajastan & West Bengal liegt der durchschnittliche
Pro-Kopf-Verzehr von Lebensmitteln heute nur noch bei 1890 Kcal. Von 1897 bis
1902, in der britischen Periode, lag die Nahrungsaufnahme pro Kopf bei 199 kg
im Jahr. Seit 2002/03 ist unser Land zum Exporteur von Getreide geworden, aber
der Pro-Kopf-Verbrauch liegt nur noch bei 142 kg.
UIM: Was sind die Ursachen der schlechten Nahrungsmittelversorgung?
Das:
Die Nahrungsmittelproduktion in Indien war nie wirklich schlecht. Doch ist
dies eine umstrittene Aussage, da die Definition von Lebensmitteln rein auf
Reis und Weizen reduziert wird. Aber Inder haben viele Arten nicht herkömmlicher
Lebensmittel genutzt - die langsam durch westliche, intensiv angebaute Monokulturen
ausgerottet werden. Mit der Grünen Revolution in den späten 60er-Jahren
stieg die Produktion von Reis und Weizen, aber auf Kosten der "Lebensmittel"
der Armen und Kleinbauern.
Der Einsatz von Pestiziden stieg von 600 Millionen Tonnen (2005) auf 800 Millionen
Tonnen ( 2008). Über 30 Zentimeter der oberen Bodenschicht werden so ohne zusätzliche Dügergaben unbrauchbar
für die Landwirtschaft. Die rücksichtslose Grüne Revolution hat
unsere abwechslungsreiche Ernährungsweise und unsere reichlichen und vielfältigen
traditionellen Feldfrüchte verdrängt.
Die Grüne Revolution führt zu hohen Ernteerträgen durch fruchtbare
Böden und Bewässerungsanlagen. Allerdings sehen die Produktionsbedingungen
in Indien anders aus:
Die meisten Anbauflächen in Indien sind Regenfeldbau.
70 Prozent sind Kleinbauern, die 30 Prozent Land besitzen, auf der anderen
Seite sind 70 Prozent der Landflächen im Besitz von 30 Prozent Großbauern.
Die meisten Bauern haben ihre eigene Nahrung produziert. Eine beträchtliche
Anzahl von Menschen beziehen ihre Nahrung aus der Natur.
Es gibt eine große regionale Lebensmittelvielfalt in Indien. Traditionell
sind nicht nur der Reisanbau, sondern auch das Vieh, Ente, Huhn, Bäume
und Fische in das Produktionssystem eines Kleinbauern eingebunden. Allein
Reis und Weizen als die landwirtschaftliche Produktion zu betrachten, bildet
nur einen Teil der gesamten Agrarproduktion ab.
Es gibt eine große Vielfalt von Ernährungsgewohnheit in Indien.
Wenn nur Reis angebaut wird, verhindert dies die Produktion von anderen Getreiden
und Ölsaaten.
Die Grüne Revolution ist überhaupt nicht abgestimmt mit dem Produktionssystem
in Indien. Im westlichen Landwirtschaftssystem werden einzelne Getreide großflächig
angebaut und der Anbau ist hauptsächlich marktorientiert. Während
in der indischen Landwirtschaft der Anbau von Kulturpflanzen in erster Linie
die eigene Familie ernähren soll. Wir sind jedoch vom traditionellen System
in Richtung Kreditvergabe und Subventionierung landwirtschaftlicher Systeme
abgewichen. Kurz gesagt, können Zuschüsse nicht an 75 Prozent des
indischen Volkes vergeben werden.
Wenn die natürlichen Ressourcen durch chemische Verunreinigungen beeinträchtigt
werden, sind alle natürlichen Ressourcen wie etwa Hochland, Feuchtgebiete
und Wald entweder verseucht oder nehmen durch den Druck der wachsenden Bevölkerung
sehr schnell ab. Dennoch bewegen wir uns auf die nächste grüne Revolution
mittels Bio-Technologie zu. Diese ist jedoch nicht kompatibel mit der lokalen
(Land-)Wirtschaft, lokal verfügbarem Saatgut und Kleinbauern. Lernen wir
aus unseren alten Fehlern oder machen wir einfach Neue!
Aber wir haben auch Probleme mit der Lagerung. In den letzten Jahren hätten
von dem Geld, das für Matten/Unterlagen zur Getreidelagerung im Freien
ausgegeben wurde, 130 Lagerhallen gebaut werden können! 1 Million Tonnen
Getreide hätte in den 130 Nahrungsmittellagern aufbewahrt werden können.
Es ist auch wichtig zu erwähnen, , dass in den Jahren 2000 und 2001 verfaultes
Getreide weggeworfen wurde, während zur selben Zeit die Menschen in Rajastan
und Orissa an Hunger starben
Wir haben auch Probleme mit der Verteilung: Wir haben Essen, aber die Leute
haben kein Geld, um Essen zu kaufen. Die Regierung hat viele Programme, um Essen
zu sehr günstigen Preisen zu vertreiben, aber das heißt nicht, dass
es die Menschen erreicht, weil Schwarzmarkt und Korruption dazwischen stehen.
Diese Probleme gibt es nicht nur in Indien, sondern in allen Ländern der
Dritten Welt. Von den 149 Ländern der Dritten Welt müssen 105 ihr
Nahrungsgetreide importieren, wodurch zusätzlich die Arbeitslosigkeit steigt.
UIM:
Wie kann eine Verbesserung der Produktion von Nahrungsmitteln und der Lebensgrundlagen
aus Ihrer Sicht realisiert werden? Das:
Bei der dieser Frage möchte ich den Fokus auf den ländlichen Raum
und die Kleinbauern legen.
Zur Verbesserung der Lebensverhältnisse ist eine breit angelegte Strategie
nötig. Wir brauchen eine Dezentralisierung von Produktion und Vertrieb
sowie die Stärkung der lokalen Wirtschaft. Konkrete Strategien wären
zum Beispiel:
- Das Sammeln von Regenwasser durch bauliche Maßnahmen, pflanzliche
Barrieren und Bodenbearbeitung. Denn Wasserknappheit wird ein riesiges Problem
werden.
Die Rekultivierung degradierter Flächen mit Agroforstsystemen und integrierten
Anbaumethoden durch kommunales und gemeinschaftliches Management
Die Wiedereinführung von Mischkulturen, die auf einheimischen Pflanzen
basieren (Hirse, Hülsenfrüchte, Ölsaaten, usw.) sowie die Nutzung
traditioneller und moderner Methoden des Boden- und Wasserschutzes
Der Anbau von Leguminosen, Bäumen, Kletterpflanzen und anderen schnell
wachsenden und trockenheitsresistenten Pflanzen, die die Verfügbarkeit
von Biomasse deutlich erhöhen.
Gewährleistung der Versorgung mit hochwertigem Tierfutter und die Verbesserung
der Tierhaltung insgesamt vor allem der Kleinst-Viehwirtschaft (einschließlich
seltener Tiere, Vögel und Insekten etc. mit Fokus auf Züchtung einheimischer
Arten).
Mischkultur von Getreide, Hülsenfrüchten, Ölsaaten, Knollen,
Gemüse und Kräutern, um die regenwassergestützte Anbauperiode
auf sieben bis acht Monate zu verlängern
Reaktivierung des Bodenlebens durch den Einsatz organischen Düngers,
Gründüngung und die Kompostierung der Ernterückstände.
Integration unterschiedlicher landwirtschaftlicher Systeme (saisonale Kulturen,
Dauerkulturen, Pflanzenbau, Viehhaltung, Geflügelhaltung, Futtermittelanbau,
Aquakultur, Biogas), um durch Diversifizierung die Einkommens- und Ernährungssicherung
zu verbessern.
Ausbildung der Bauern durch Demonstrationsprojekte, Feldversuche, Praktika
und "Learning by Doing"
In den letzten 25 Jahren war es die wichtigste Aufgabe der DRCSC, die
Biomasseproduktion durch diversifizierte Landwirtschaft und nachhaltige Bewirtschaftung
der natürlichen Ressourcen zu erhöhen. Eine größere Anzahl
von Farmen, die eine bio-diversifizierte Landwirtschaft betreiben und das ganze
Jahr über eine Vielzahl unterschiedlicher Produkte erzeugen, wurde die
Landwirtschaft wieder eine gangbare Option für Kleinbauern in den unterschiedlichen
agro-ökologischen Zonen WestBengalens. Dies hat landwirtschaftlichen Kleinstunternehmern
neue Spielräume eröffnet.
UIM: Welche Rolle spielt dabei der ökologische Landbau?
Das:
Der ökologische Landbau wird immer mehr zu einer Lizenz zum Gelddrucken,
mit dem Hauptziel Export.
Dieses System der Landwirtschaft ist langfristig nicht sinnvoll, weil die Anwendung
von organischem Dünger anstelle von chemischen Düngemitteln zwar keine
Gifte freisetzt, aber das allein ist nicht genug.
Das aktuelle landwirtschaftliche System kann nur unter Berücksichtigung
der Stoffeinträge ins System sowie der Technik und des Anbausystems Stück
für Stück geändert werden.
Mischfruchtanbau, Mehrfachnutzung, Etagenanbau, saisonal angepasster Anbau,
Nutzung lokalen Saatguts, Regenwassergewinnung für die Bewässerung,
ganzheitliche Landwirtschaft und das allmähliche Anreicherung von organischer
Substanz im Boden - all diese Techniken sollten angewendet werden. Auch Frage
drei gibt dazu Empfehlungen. Zwar sind diese Techniken nicht neu, aber sie müssen
von den Bauern erlernt werden.
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| Anshuman Das mit dem Vorstand des Umweltinstitut München |
UIM: Werden Ihre Ideen und Strategien von der Regierung unterstützt?
Das:
Nicht die gesamte Strategie, aber Teile davon. Nach dem Scheitern der Grünen
Revolution in der Spannungsgebieten Indiens, legte die Regierung neue Programme
zur Unterstützung von Nahrungsmittelproduktion und -verteilung auf. Aber
ich denke, alle Aktivitäten müssen ganzheitlich geplant werden, auf
lokalem Wissen basieren und dezentral durch die lokalen Gemeinschaften umgesetzt
werden. Unsere Organisation wird von vielen staatlichen Stellen unterstützt
- langsam wird unsere Strategie anerkannt.
UIM: Das Thema Landwirtschaft in Indien wird in den deutschen Medien oft in Zusammenhang
mit der Agrogentechnik genannt. Werden Genpflanzen angebaut und wenn ja, welche?
Das: Bisher werden keine gentechnisch veränderten Nahrungspflanzen angebaut.
Aber Versuche mit gentechnisch manipulierten Pflanzen sind in Planung. Es gibt
einen hochrangigen Ausschuss genannt Gentechnischer Genehmigungsausschuss
(GEAC)', an den die Anträge auf Gentechanbau gestellt werden und der seine
Bewertung und Zustimmung gibt. GEAC wollte den kommerziellen Anbau von BT-Auberginen
genehmigen, aber aufgrund des riesigen Protests der Zivilgesellschaft wurde
die Genehmigung zurückgezogen. Bisher wird nur Baumwolle angebaut, einige
offizielle und inoffizielle Versuche laufen auch, aber kommerzieller Anbau wird
nicht praktiziert.
UIM: Wie sind die Meinungen seitens der Menschen und der Politik zum Thema Gentechnik?
Gibt es Vorbehalte ähnlich wie in Deutschland?
Das: Dies kann man gut anhand der BT-Aubergine erklären: Am 14. Oktober 2009
genehmigte das Gentechnik Approval Committee (GEAC) des indischen Umweltministeriums
die Freisetzung einer gentechnisch veränderten BT-Aubergine, die ein bakterielles
Gift produziert, das Bacillus thuringiensis (Bt)-Toxin . Dies ist giftig für
bestimmte Schädlinge. Die Studien zur biologischen Sicherheit kamen von
Monsanto, dem Entwickler der BT-Aubergine! Trotzdem wurde die Genehmigung erteilt.
Die Art und Weise wie der gesamte Prozess der Genehmigung durch die GEAC vor
sich ging, wirft ernste Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Entscheidung
auf.
Dies führte sofort im ganzen Land zu enormen Protesten in Medien und Öffentlichkeit,
auch viele verantwortungsbewusste, etablierte Wissenschaftler außerhalb
Indiens meldeten sich zu Wort. Das Umweltministerium musste die Entscheidung
für die Freisetzung verschieben. Der Minister erklärte, er würde
eine öffentliche Konsultation durchführen. Nach den Stellungnahmen,
die der Minister daraufhin erhielt und den Ergebnissen sieben weiterer nationaler
Konsultationen im Januar und Februar 2010, bei denen Stellungnahmen von über
6.000 Landwirten, Wissenschaftlern und Zivilisten, Regierungsvertretern und
Nichtregierungsorganisationen eingingen, setzte der Minister ein unbefristetes
Moratorium für die Freisetzung von gentechnisch BT-Aubergine auf 9. Februar
2010 fest. Dadurch machte er indirekt klar, dass Indien nicht an ein multinationales
Unternehmen oder ein bestimmtes Land gebunden ist.
Schon jetzt gibt es eine starke Opposition gegen GV-Pflanzen-Versuche und Freisetzungen.
Es gibt ein Netzwerk von Organisation namens gmfreeindia, darin bin ich auch
aktiv. Ich wurde sogar vom indischen Parlament eingeladen, meine Ansichten über
GM-Pflanzen zu äußern.
UIM: Welche Konsequenzen hätte eine Ausweitung des Anbaus von Gen-Pflanzen
für Ihr Land?
Das: Es gibt viele Bedenken, ich möchte in diesem Zusammenhang die Probleme
der Bauern hier erörtern.
-
Die Sicherheitstests und -studien wurden nie sorgfältig und immer
sehr schnell durchgeführt. Es gibt eine Reihe von wissenschaftliche Arbeiten
aus der ganzen Welt, welche die negativen gesundheitlichen Auswirkungen von
GMO beweisen. Alle Tests werden von Mahyco und anderen Pro-GM-Organisationen
gemacht.
Es ist eine Falschaussage, dass der Frucht- und Sprossenbohrer (FSB) 70
Prozent der Auberginen-Ernte zerstört. Wenn es so wäre, würden
wir keine Auberginen anbauen. Es gibt mindestens fünf bis sechs weitere
Schädlinge, die auch schwere Schäden verursachen. Gemäß
unserer Erfahrung, werden diese innerhalb von zwei bis drei Jahren durch den
Anbau von BT-Auberginen zu einer großen Plage. Das führt dann zu
vermehrtem Pestizideinsatz. Pestizide werden die Schädlinge die ersten
zwei bis drei Jahre reduzieren. Bis dahin wird der FSB dagegen resistent werden.
Wir haben viele einheimische Sorten und eine große Zahl an Techniken
zur Schädlingsbekämpfung, die die Umwelt nicht schädigen.
Indien hat viele kleine und kleinste Bauernhöfe, ein Sicherheitsabstand
von nur 30 Metern ist da absurd.
Wir haben viele wichtige medizinische Kräuter und Kulturpflanzen.
Was passiert, wenn diese kontaminiert werden?
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GV-Saatgut ist teuer. Indische Bauern nutzen seit 2000 Jahren ihr eigenes
Saatgut, das an unsere Agro-Ökologie angepasst ist. In Indien haben wir
viele ökologisch angepasste Arten entwickelt und ebenso viele landwirtschaftliche
Techniken. Die grüne Revolution hat bereits viele davon zerstört,
wir sollten nicht noch mehr Schaden anrichten.
-
Es gibt viele Sorten mit offener Bestäubung (45 Prozent Fremdbestäubung),
wie schützen wir das Recht eines Bauern, der keine GMO haben möchte?
Und wie schützen wir die Verbraucherrechte?
-
Keine GV-Pflanze der Welt steigert die Erträge. Unsere Anbaumethoden
sind ökologisch sinnvoll und wir sind zufrieden mit der Ausbeute. Zum
Beispiel soll der Ertrag von BT-Sorten 300 bis 600 Quintal/ha (1 Quintal (Q)
= 100 kg = 1 dz = 1 dt) betragen. Unsere durchschnittliche einheimische Aubergine
gibt uns 600 bis 700 Q/ha. Ein rein organisch bewirtschaftetes Feld kann bis
zu 1000 Q/ha in einer Saison produzieren. Wir haben Auberginen, die bis zu
2 kg wiegen.
Wird es irgendeine rechtliche Konsequenz für den Nutzer von GM-Saatgut
haben, wenn unsere Pflanzen kontaminiert werden?
Wegen des Hybrid-Saatguts, haben wir bereits etliche Reissorten verloren.
GV-Pflanzen werden unsere traditionellen Sorten durch Marktkonzentrationen
und Kontamination verdrängen. GMO können einen irreversiblen Verlust
für unsere Vielfalt bedeuten.
UIM: Freuen sich indische Bauern über den neuen Reichtum durch den Anbau
der Gen-Baumwolle von Monsanto oder nicht?
Das:
BT-Baumwolle wurde in Indien mit dem Versprechen der Reduzierung der Verwendung
von Pestiziden angepriesen. Die Zahlen aus den verschiedenen Staaten und Institutionen
zeigen aber, dass es einen Anstieg in der Verwendung von Pestiziden gibt.
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Veränderung der Schädlinge: Das Auftreten/Vorkommen von Helicoverpa
ist zwar reduziert, aber dafür hat sich der Befall mit anderen saugenden
Schädlinge wie Wollläusen, Weiße Fliegen, Jassiden erhöht.
Und zur Bekämpfung dieser Schädlinge müssen wieder Pestizide
eingesetzt werden. Mit der Veränderung der Schädlinge geht eine
Verschiebung der Pestiziden einher.
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Resistente Schädlinge: Es gibt eine deutliche Erhöhung der Schädlingsresistenz,
besonders beim Pink bollworm, zeigen die Berichte des Unternehmens. Dies ist
ein Anlass zu großer Sorge, denn der einseitige Schädlingsbefall
(Insektenfraß nur auf einer Pflanze) wie Pink bollworm entwickelt seine
Resistenz in nur fünf bis sechs Jahren. Daher ist zu erwarten, dass mit
der Sprossenbohrer resistenten Aubergine das Gleiche passieren wird sowie
mit dem Stammbohrer resistenten Reis.
Kann Anbau in großem Maßstab ein Maß für den Erfolg
sein: Die groß angelegte Verbreitung von BT-Baumwolle wird als Erfolg
der Technologie angepriesen. Die Gentechnologie hat bis heute zu keiner Ertragssteigerung
führen können. Die Qualität des Saatguts und die Verwendung
von mehr Düngemitteln und Wasser können sicherlich mehr Ertrag bringen.
Der Anbau in großem Maßstab ist kein Garant für Erfolg, weil
viele Faktoren hineinspielen. Pestizide werden auch in viel größerer
Menge eingesetzt. Es gibt Fälle von BT-Baumwollbauern, die wegen hoher
Schulden und schlechter Marktpreise Selbstmord begangen haben.
Dies ist
ein Anlass zu großer Sorge, denn der einseitige Schädlingsbefall
(Insektenfraß nur auf einer Pflanze) wie Pink bollworm entwickelt seine
Resistenz in nur fünf bis sechs Jahren. Daher ist zu erwarten, dass mit
der Sprossenbohrer resistenten Aubergine das Gleiche passieren wird sowie mit
dem Stammbohrer resistenten Reis.
o Kann Anbau in großem Maßstab ein Maß für den Erfolg
sein: Die groß angelegte Verbreitung von BT-Baumwolle wird als Erfolg
der Technologie angepriesen. Die Gentechnologie hat bis heute zu keiner Ertragssteigerung
führen können. Die Qualität des Saatguts und die Verwendung von
mehr Düngemitteln und Wasser können sicherlich mehr Ertrag bringen.
Der Anbau in großem Maßstab ist kein Garant für Erfolg, weil
viele Faktoren hineinspielen. Pestizide werden auch in viel größerer
Menge eingesetzt. Es gibt Fälle von BT-Baumwollbauern, die wegen hoher
Schulden und schlechter Marktpreise Selbstmord begangen haben.
UIM: Ein Schwerpunkt Ihrer Tätigkeiten ist die Bildung für eine nachhaltige
Entwicklung. Welche Projekte setzten Sie um?
Das: Bei meiner Arbeit mit Kindern richte ich den Fokus auf die Schulung des Umweltbewusstseins.
Sie sollen die Fähigkeiten erlernen, soziale und ökologische Probleme
zu erkennen und etwas dagegen zu unternehmen. Das tue ich mit Schulkindern und
Kindergruppen in den Dörfern. Ich versuche die Kinder, die vorzeitig aus
der Schule ausgetreten sind, wieder zur Schule zurück zu bringen oder ich
binde sie in eine Ausbildung oder Lebenstraining ein, dass sie oder er ihren/seinen
Lebensunterhalt in Würde verdienen kann. Die Indienhilfe in Herrsching
unterstützt einen Teil meiner Arbeit. Einen größeren Bereich
nimmt die Schulung von Bauern und jungen Sozialarbeitern ein.
UIM: Sind in Indien bereits Auswirkungen des Klimawandels zu beobachten? Inwiefern
ist die Landwirtschaft davon betroffen und welche Gegenmaßnahmen kann
DRCSC ergreifen?
Das: Dies ist eine sehr weitreichende Frage. Indien ist von seinen natürlichen
Ressourcen abhängig. Denn 80 Prozent unserer ländlichen Bevölkerung
verdienen ihren Lebensunterhalt durch Landwirtschaft, Fischerei, Forstwirtschaft
oder mit der Landwirtschaft verbundenen Bereichen. Indien ist ein riesiges Land
mit vielen agro-ökologischen und meteorologischen Zonen. Es ist ein sehr
vielfältiges Land. Allein die Naturkatastrophen sind vielfältig und
deren Auswirkungen sehr groß. Die klimatischen Veränderungen haben
in den verschiedenen Teilen Indiens andere Auswirkungen. Die Häufigkeit
und Intensität von Stürmen, längeren Trockenzeiten, Überschwemmungen,
Sturzfluten, Zyklone, Erdrutsche etc. hat in letzten 25 Jahren stark zugenommen.
Und wir haben eine große Zahl von armen Menschen. So ist Indien schon
jetzt und wird zunehmend eines der am stärksten von den klimatischen Änderungen
betroffene Land der Welt sein.
Ich habe bereits einige Gegenmaßnahmen in Bezug auf die Anpassung erwähnt,
aber ich möchte die Wichtigkeit von Mikroklima-Trendanalysen und -Planungen
betonen. Ein Land mit einer solchen Vielfalt und Weite kann den Klimawandel
nicht als Ganzes, nicht aus Sicht eines einzigen Landes mit einer große
Politik angehen.
UIM: Was sind Ihre Ziele - kurzfristig und langfristig?
Das: Ich möchte lernen - mehr und mehr, das ist die treibende Kraft in meinem
Leben. Auf lange Sicht will ich vielleicht eine Schule für benachteiligte
Kinder und Jugendliche gründen. Sie können dann dort lernen, besser
für sich selbst zu sorgen und sich um andere zu kümmern.
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