Kontamination
Gen-Pflanzen
außer Kontrolle
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| Foto: www.sxc.hu |
Seit Jahren versichern Gentechnikkonzerne wie Monsanto,
Syngenta und Bayer, ein Nebeneinander von gentechnikfreier
Landwirtschaft und dem Anbau transgener
Pflanzen sei problemlos möglich. Dagegen zeigen Dutzende
von Fällen, dass Kontamination durch transgene Konstrukte
mittlerweile weltweit Realität ist. Diese Verunreinigung
entsteht nicht nur durch Pollenflug, sondern auch
durch Insektenbestäubung, Deklarationsfehler, verunreinigte
Maschinen, Vertauschen von Saatgut, beim Transport
und nicht zuletzt durch "Nahrungsmittelhilfe" der
USA in die Dritte Welt. Zudem breiten sich die transgenen
Konstrukte und damit deren Eigenschaften auch in
verwandten Wildpflanzen aus: Verändertes Erbmaterial
aus herbizidresistentem Gen-Raps wurde z.B. in Ackersenf,
einem Unkraut, gefunden. Durch solche Auskreuzungen
entstehen so genannte "Superunkräuter". In den
USA wurden auch Eigenschaften aus genmanipuliertem
Reis in rotem Reis, einem Ackerunkraut, nachgewiesen.
Doch nicht nur zugelassene Genpflanzen und großflächiger
Anbau verunreinigen die Natur und gentechnikfreie
Äcker und Produkte. Nicht einmal im Labor oder in Freisetzungsversuchen
gelingt es der Gentechnikindustrie,
die Kontrolle über ihre Pflanzen zu behalten, wie einige
der beschriebenen Fälle zeigen.
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Bei repräsentativen Proben von Raps, Mais und Soja
wurde nachgewiesen, dass bereits 50 Prozent des Mais und
Soja- sowie 83 Prozent des Raps-Saatgutes in den
USA gentechnisch kontaminiert sind. (Foto: www.sxc.hu)
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Aus den bisherigen Erfahrungen mit dem Anbau genveränderter
Pflanzen lassen sich klare Schlüsse ziehen:
Gentechnisch veränderte Pflanzen vermischen sich
bereits seit Jahren mit nicht transgenen Pflanzen und
Kulturen.
Die Idee einer so genannten "Koexistenz" zwischen
manipulierten und nicht manipulierten Pflanzen ist
nicht praktikabel.
Selbst in Ländern, in denen keine Gen-Pflanzen angebaut
werden, häufen sich die Kontaminationen.
Die Agro-Gentechnik ist längst außer Kontrolle geraten.
Dieser Prozess ist von den Gentechnik-Konzernen
beabsichtigt: "Die Industrie hofft darauf, dass der
Markt im Laufe der Zeit so überschwemmt wird, dass
man nichts mehr dagegen tun kann. Man kapituliert
einfach." (Don Westfall, Berater zahlreicher Gentechnik-
Konzerne).
Beispiele von Kontaminationen |
Thailand: Gen-Papaya breiten sich aus
2004 brachten Recherchen ans Licht, dass ein staatliches
thailändisches Forschungsinstitut illegal genmanipuliertes
Papaya-Saatgut an Bauern verteilt hatte. Zudem kam es
zu Auskreuzungen durch die Freisetzungsversuche des Instituts.
Obwohl alle verdächtigen Papaya-Bäume zerstört
worden waren, enthält nach einer aktuellen Studie nach
wie vor jeder dritte Papaya-Baum im untersuchten Gebiet
das transgene Konstrukt. Auch in Hawaii kommt es zu
Kontaminationen durch (zugelassene) Gen-Papaya.
USA: Reis durch Bayer-Konstrukt LL601 kontaminiert
Im August 2006 wurde bekannt, dass ein Großteil der US-Reisernte,
offenbar seit Jahren, mit einer illegalen, herbizidresistenten
Genreis-Linie des Bayer-Konzerns verunreinigt
ist. Sie ist resistent gegen ein Totalherbizid des
Konzerns und war bis 2001 in wenigen Freilandversuchen
in den USA angebaut worden. Offenbar kam es dabei zur
Kontamination von Flächen, auf denen konventionelles
Saatgut produziert wurde. Die ökonomischen Folgen für
die Reisbauern sind verheerend. Nach dem Wegbrechen
wichtiger Märkte werden allein für 2006 Schäden in Höhe
von 150 Mio. US-Dollar prognostiziert. Bayer ließ sich die
Linie nachträglich von der US-Regierung genehmigen, um
Klagen zu entgehen.
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In Thailand und auf Hawaii breiten
sich genmanipulierte Papaya-
Bäume unkontrolliert aus. (Foto: www.sxc.hu)
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Deutschland: Landwirten Gen-Mais untergeschoben
2005 gelangte gentechnisch kontaminiertes Maissaatgut
der Firma Pioneer in eine Reihe deutscher Bundesländer.
Bei dem Genkonstrukt
handelte es sich um
den wegen seiner negativen
Auswirkungen
auf Insekten umstrittenen
Mon 810 des US-Konzerns
Monsanto.
Die Bauern waren erst
nach der Aussaat von
der Verunreinigung informiert
worden. In
Bayern waren 150
Hektar Maisäcker betroffen.
Mexiko: Heimat des
Mais kontaminiert
Der bislang größte Fall
gentechnischer Verunreinigung
wurde 2001
bekannt. US-Wissenschaftler
hatten massive
Einkreuzungen transgener Maislinien in mexikanische
Landsorten gefunden. In Mexiko, dem Herkunftsland
der Maispflanze, wachsen noch mehrere tausend, für
die zukünftige Züchtung unerlässliche Maissorten. Die Ursache
der Kontamination war (und ist) transgener Mais
aus den USA, der von der nicht informierten Landbevölkerung
als Saatgut statt als Lebensmittel verwendet
wird. Die Gentechnikindustrie sorgte dafür, dass der Autor
der Studie, Ignazio Chapela, 2002 seinen Lehrstuhl
verlor.
USA: Bt11/ Bt10
Im Frühjahr 2005 informierte der Gentechnik-Konzern
Syngenta die Weltöffentlichkeit darüber, dass dem Unternehmen
in den USA seit 2001 ein gravierender Fehler unterlaufen
war. Statt der in einigen Ländern zugelassenen
Genmais-Sorte Bt11 wurde das in keinem Land der Welt
zugelassene Konstrukt Bt10 als Saatgut an Bauern verkauft
und auf insgesamt 150 km2 angebaut. Rund
190.000 Tonnen nicht zugelassener Gen-Mais gelangten
dadurch in die Nahrungskette. Auch nach Europa, Japan,
Südkorea und andere Länder wurde der Gen-Mais exportiert.
Bt10 enthält ein Resistenzgen gegen das Antibiotikum
Ampicillin.
China: nicht zugelassener Gen-Reis auf dem Markt
In China wurde 2005 die großflächige Kontamination der
Reisernte mit nicht zugelassenem, transgenem Bt-Reis
festgestellt. Der manipulierte Reis enthält ein Toxin-Gen
aus dem Bakterium Bacillus thuringiensis. Bis heute existiert
keine Untersuchung zur Lebensmittelsicherheit von
Bt-Reis. Wahrscheinlich haben beteiligte Wissenschaftler
das nicht zugelassene Produkt unter der Hand in den
Handel gebracht. Ein Teil der Ernte ist auch nach Europa
gelangt. Greenpeace fand die illegalen Gene 2006 in fast
20 Prozent der untersuchten chinesischen Reisprodukte.
USA: manipulierte Tomaten manipulieren?
Wie weit die Kontamination selbst stark kontrollierter
Pflanzenbestände fortgeschritten ist, zeigt wiederum das
Beispiel USA. Ein Wissenschaftler, der Tomaten gentechnisch
verändern wollte, wunderte sich, dass seine Bemühungen
scheiterten. Eine Analyse des Erbguts zeigte,
dass die Samen, die er aus einer Saatgutbank erhalten
hatte, mit transgenen Konstrukten kontaminiert waren.
Kanada: Gen-Raps überall
Seit dem großflächigen Anbau von genmanipuliertem
Raps kann in Kanada kein gentechnikfreier Raps mehr
angebaut werden. Raps kreuzt über extrem weite Distanzen
aus, Untersuchungen wiesen Pollen noch in 26 km
Entfernung nach. Angesichts von fünf Millionen Hektar
Gen-Raps ist auch die Produktion von gentechnikfreiem
Rapshonig unmöglich geworden. Bauern und Imker haben
ihre Wahlfreiheit verloren.
USA: illegaler Gen-Mais in Chips
Der wegen Allergiegefahr nur als Futtermittel zugelassene
Bt-Mais "StarLink" kontaminierte im Jahr 2000 durch
Pollenflug und Nacherntevermischung weite Teile der US-Lebensmittelkette
sowie konventionelles Saatgut. Obwohl
"StarLink" lediglich auf vier Prozent der Maisanbaufläche
der USA angebaut worden war, wurde ein Großteil
der Saatgut-Bestände in den USA kontaminiert. Die Kosten
für Lebensmittel-Rückrufaktionen belaufen sich
mittlerweile auf über eine Milliarde US-Dollar.
Das Umweltinstitut München e.V. fordert:
- Zulassungs- und Anbaustopp für genmanipulierte
Pflanzen
Für diese Ziele setzt sich das Umweltinstitut München e.V. ein:
- Keine Gentechnik in der Landwirtschaft und in Lebensmitteln
- Verbot genmanipulierter Tiere und Pflanzen
- Keine Patente auf Leben
- Freisetzungsstopp für genmanipulierte Organismen
- Förderung einer nachhaltigen, gerechten und zukunftsfähigen
Landwirtschaft, insbesondere des ökologischen Landbaus
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