Gentechnik
Wir wissen nicht was
wir tun ...
.. aber wir fangen
schon mal an
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„Je
mehr wir über die Vererbung wissen,
desto mehr Fragen tun sich auf.“
Eric
Lander, Leiter des Human Genome-Projektes
Genmanipulierte Pflanzen wachsen mittlerweile weltweit
auf rund 125 Millionen Hektar, etwa 90 Prozent des Anbaus
konzentrieren sich in Nord- und Südamerika. Die
kommerzielle Verbreitung der Agro-Gentechnik steht jedoch
in deutlichem Missverhältnis zum Stand des Wissens.
Denn die Gentechnik manipuliert an den grundlegenden
Bausteinen des Lebens, ohne deren Funktion und
Zusammenwirken genau zu kennen. Immer wieder ergeben
sich deshalb nicht vorhersagbare, oft viel später auftretende
Folgen. Das sind jedoch keine zufälligen oder
vermeidbaren Fehler. Die zahlreichen Pannen resultieren
aus einer systematischen Verkennung der Komplexität
der Vererbung sowie den außerordentlich unpräzisen
Methoden
dieser Risikotechnologie.
Lange Zeit ging die Wissenschaft davon aus, dass Gene
die zentralen Einheiten der Vererbung sind. Das Genom
von Pflanzen und Tieren wurde als Baukasten betrachtet,
bei dem einfach neue Teile eingefügt werden können.
Neue Erkenntnisse zeigen jedoch, dass es hochkomplexe
Vorgänge jenseits der Gene gibt.1 Ohne
diese wäre die
DNA kein Buch des Lebens, sondern wenig mehr als eine
zufällige Anordnung von Worten. Erst durch die Existenz
einer ordnenden Struktur bekommen die Worte Sinn. Das
Problem laut Genetikprofessor Richard Strohmann: Wir
verstehen dieses System nicht gut.
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Negative Effekte menschlicher Eingriffe in die Natur werden
oftmals erst Jahre später erkannt. Das zeigt das Beispiel
DDT (im Bild eine Werbung aus den 1950er
Jahren). Die völlig neue Dimension der Agro-Gentechnik
besteht darin, dass ihre riskanten Erzeugnisse vielfach
nicht mehr rückholbar sind.
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Eine gewagte Lotterie
Schon lange ist allerdings bekannt, dass die gentechnischen
Methoden selbst zu Problemen führen können. So ist
nicht
abzusehen, an welcher Stelle des Genoms sich die Fremdgene
in der DNA verankern. Diese Wissenslücke hat erhebliche
Konsequenzen: Denn je nach Ort, an dem das künstliche
Fremdgen eingebaut wird, kann zum Beispiel die Funktion
anderer Gene beeinflusst werden. Auch ein verstärktes
Auftreten von Mutationen und eine Veränderung der fremden
Gen-Konstrukte selbst sind dokumentiert. Bislang entdeckte
Auswirkungen reichen von veränderten Nährstoffoder
Toxingehalten über geringere Erträge bis zu
veränderter
Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und
Schädlingen.2
Die nicht vorhersehbaren Effekte treten zudem umso öfter
auf, je stärker die Gentechnik den Stoffwechsel der Pflanze
verändern will. Auch aus mangelndem Grundlagenwissen
heraus werden solche Folgen in Zulassungsverfahren für
genmanipulierte Pflanzen nur ungenügend erfasst und auf
ihre Konsequenzen für die Gesundheit von Mensch und Umwelt
geprüft. Genmanipulation an Pflanzen ist daher eine
gewagte Lotterie, der Anbau von Gen-Pflanzen ein riskantes
Spiel auf Kosten von Mensch und Natur.
Zahlreiche Beispiele belegen die unvorhersehbaren Folgen
der Genmanipulation an Pflanzen oder Tieren:
Gen-Mais: späte
Veränderungen
Erst nachdem Monsantos Gen-Mais MON810 schon viele
Jahre auf den Feldern stand, fanden Wissenschaftler heraus,
dass sich das ursprünglich in den Mais eingebaute
Gen-Konstrukt verändert hatte.3 Das
giftbildende Bt-Gen
war rund 25 Prozent kürzer, ein Teil der eingebauten Gen-
Sequenz fand sich an ganz anderer Stelle in den Erbanlagen
der Pflanzen wieder. An der Stelle, an der das neuartige
Gen-Konstrukt eingebaut wurde, werden zudem neue Stoffwechselprodukte
(Aminosäuren) produziert, deren Auswirkungen
noch nie untersucht wurden.4 Eine
Eiweißanalyse ergab,
dass durch den gentechnischen Eingriff rund 50 Proteine im MON810 in
veränderter Menge hergestellt werden.
Dabei wird ausgerechnet ein allergener Stoff vermehrt
produziert.5 Das Schicksal der
nachträglichen
Veränderung
des Gen-Konstrukts teilt MON810 mit zahlreichen
genmanipulierten Pflanzen: Unstabile Fremd-Gene
fanden Forscher auch in den Maislinien Bt176, T25 und
GA21.6
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Unvorhergesehene Deformationen bei
genmanipulierten
Fischen: Wachstumsgene führten zum Beispiel zu
Tumoren, veränderten Flossen- und Wirbelformen,
Schädeldeformationen, abnormem Kiemenwachstum
oder fehlenden Körpersegmenten.14
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Gen-Soja: geplatzte
Stängel
Herbizidresistente Sojapflanzen der Firma Monsanto
reagierten unerwartet auf Temperaturänderungen: In
der Hitze riss der Stängel auf.7 Der
Grund: Aus
ungeklärter
Ursache führt die gentechnische Veränderung
offenbar dazu, dass die Stängel stärker verholzen,
die
Elastizität geht der Pflanze verloren. Gen-Soja weist
zudem veränderte Anteile einzelner Inhaltsstoffe auf.8
Gen-Soja: unbekanntes
Erbgut
Jahre nach der Zulassung entdeckten Wissenschaftler
2001 unbekannte Abschnitte im Erbgut von Monsantos
herbizidresistenter Gen-Soja. Sie stießen nicht nur auf
DNA-Stücke, die mit keiner bekannten Erbsubstanz von
Pflanzen übereinstimmen,9 sondern auch
auf zusätzliche
Bruchstücke des Herbizidresistenzgens, die sich offensichtlich
selbstständig dupliziert hatten. Einer deutschen
Studie zufolge könnten diese DNA-Abschnitte
völlig neuartige Stoffe produzieren.10
Gen-Erbse: hustende
Mäuse
Australische Wissenschaftler versuchten vor wenigen
Jahren, ein Bohnen-Gen in die Felderbse einzubauen.
Dieses sollte den an sich harmlosen Stoff Alpha-Amylase-
Inhibitor produzieren und Fraßschädlinge vom
Verspeisen
der Erbsen abhalten. Durch minimale Veränderungen
an dem Bohnen-Gen wurde der Stoff jedoch offenbar
zu einem starken Allergen, der bei Versuchsmäusen
Lungenentzündungen auslöste.11
Gen-Sonnenblume: mehr
Samen
Sonnenblumen, die ein Insektengift produzieren sollten,
lösten bei der Auskreuzung auf eine verwandte
Wildart überraschende Zusatzeffekte aus: Die Wildpflanzen
produzierten nach der Kreuzung mit der Gen-
Sonnenblume nicht nur das Gift, sondern auch 50 Prozent
mehr Samen als vorher.12 Solche
Selektionsvorteile
könnten zu einer Ausbreitung von Gen-Konstrukten in
der Umwelt führen.
Plastikpflanze: total
neben der Spur
Deutsche Gentechnikforscher wollen biologisch abbaubares
Plastik in genmanipulierten Pflanzen herstellen.
Doch offensichtlich führt dies zu massiven Folgen im
Stoffwechsel der Pflanzen. Vielfach kam es zu abnormen
Entwicklungen: Manipulierte Kartoffeln produzierten
erbsengroße Miniaturknollen, andere Pflanzen waren
anfälliger gegen Krankheiten, hatten deformierte
Blätter, bildeten weniger Samen, blühten
früher oder
hatten verdickte Zellwände.13
Das Umweltinstitut
München e.V. fordert:
Für diese
Ziele setzt sich das
Umweltinstitut München e.V. ein:
-
Keine Gentechnik in der Landwirtschaft und
in Lebensmitteln
-
Verbot genmanipulierter Tiere und Pflanzen
-
Keine Patente auf Leben
-
Freisetzungsstopp für genmanipulierte
Organismen
-
Förderung einer nachhaltigen, gerechten und
zukunftsfähigen Landwirtschaft, insbesondere
des biologischen Landbaus
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Quellen:
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Pflanzen: Auswirkungen auf die Risikobewertung. Bundesamt für
Naturschutz, Skript 187.
www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/service/Skript187_gesamt.pdf
Greenpeace (2005). Das unterschätzte Risiko. Interviews mit
neun WissenschaftlerInnen zum Thema gentechnisch veränderter
Pflanzen.
www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/gentechnik/greenpeace_genreader_deutsch.PDF
Moch, K. (2004). Diskussionspapier: Das überholte Paradigma
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www.gentechnik-freie-landwirtschaft.de/publik/paradigmawechsel.pdf
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http://edok01.tib.uni-hannover.de/edoks/e01fb08/557529247.pdf
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Stand: Mai 2009; Fotos: BASF,
www.whale.to, www.sxc.hu
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