Genzucker stoppen!
Freisetzung genmanipulierter herbizidresistenter
Zuckerrüben
2011 - 2013
1. Zusammenfassung
Ein US-Gericht hat bereits im September 2010 den Anbau der gentechnisch
manipulierten Monsanto-Zuckerrüben vorerst verboten. Deren
Zulassung der US-Landwirtschaftsbehörde USDA ist damit
aufgehoben, da für die Roundup-Ready-Rüben keine
Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt
wurde und sie somit nicht korrekt bewertet wurden. Das Gericht fordert
umfassendere Studien zu den Umweltfolgen. Die geforderte
Risikoabschätzung soll frühestens 2012 vorliegen.
Darüber hinaus hat das kalifornische Gericht die Vernichtung
von Stecklingen, die zur Saatgutgewinnung ausgebracht wurden,
angeordnet.
Obwohl in den USA der Anbau genmanipulierter Zuckerrüben
verboten wurde, sollen in Deutschland wieder genmanipulierte
Zuckerrüben im Rahmen eines Freilandversuchs angebaut werden.
Die Monsanto Agrar Deutschland GmbH plant, von 2011 bis 2013
genmanipulierte, herbizidresistente Zuckerrüben in
Nienburg/Saale in Sachsen-Anhalt auszubringen.
Die Freisetzung wurde im so genannten vereinfachten Verfahren
beantragt: Im Fall einer Genehmigung könnte in den Folgejahren
eine beliebige Anzahl weiterer Gen-Äcker hinzukommen. Die
manipulierten Rüben wurden von der KWS gemeinsam mit dem
Gentechnik-Konzern Monsanto entwickelt. Da ein Antrag auf kommerziellen
Anbau in der EU von der KWS und Monsanto schon vor mehreren Jahren
eingereicht wurde1, ist klar: Ziel der
Freisetzung ist es, den kommerziellen Anbau genmanipulierter
Zuckerrüben in Deutschland und Europa zu ermöglichen.
Die Rüben enthalten unter anderem ein Resistenzgen gegen
Totalherbizide mit dem Wirkstoff Glyphosat. Diese werden von Monsanto
unter dem Namen Roundup vertrieben.
Der Anbau genmanipulierter Zuckerrüben ist aufgrund der
Biologie der Pflanze hochriskant und würde gentechnischer
Verunreinigung über einen langen Zeitraum und groß
Distanzen Tür und Tor öffnen.
2. Antrag auf Freisetzung herbizidresistenter
Zuckerrüben 2011 - 2013
Der aktuelle Antrag
Die Monsanto Agrar Deutschland GmbH hat die Freisetzung
genmanipulierter Zuckerrüben am Standort Nienburg / Saale
beantragt (RKI Nr. 6786-01-0211). Die Größe der
Versuchsfläche soll 5000 m2 betragen. Zweck des Versuches soll
die Erfassung der agronomischen Eigenschaften und
phänotypischen Merkmale sein, sowie die Datenerhebung zur
Expression des integrierten Proteins und zu verschiedenen
Inhaltsstoffen, Ertragsleistung und Verarbeitungsqualität. Es
sollen zulassungsrelevante Daten und Anwendungsempfehlungen zum Einsatz
Glyphosat-haltiger Pestizide für die Anwendung in
Glyphosat-toleranten Zuckerrüben erarbeitet werden. Ferner
sollen Daten zu möglichen Wirkungen der
Zuckerrübenlinie gegenüber Nicht-Zielorganismen
erhoben werden.
Vereinfachtes Verfahren
Offenbar plant Monsanto nach dem Anbaujahr 2011 eine erhebliche
Ausdehnung der Versuche. Die möglichen zusätzlichen
Standorte sollen dann im Rahmen des so genannten vereinfachten
Verfahrens nachgemeldet werden. Monsanto könnte dadurch, ohne
nochmalige Anträge, beliebig viele weitere
Versuchsflächen im gesamten Bundesgebiet mit den
Gen-Rüben bepflanzen. Dies hat die heutige Bundesregierung im
Rahmen der letzten Novelle des Gentechnikgesetzes bei vereinfachten
Verfahren und nachgemeldeten Standorten ermöglicht.
Freilandversuch mit der Gen-Rübe H7-1 von 1999 -
2006 und 2008 - 2011
Schon 1999 war ein Versuch mit der herbizidresitenten Gen-Rübe
H7-1 genehmigt worden. Damals wurde der Versuch vom Monsanto-Konzern
durchgeführt (RKI Nr. 6786-01-0094)2. Dieses
Freilandexperiment sollte ursprünglich bis 2006
fortgeführt werden. Das offizielle Standortregister weist
jedoch schon im dem Jahr 2005 keine der beantragten Flächen
mehr aus.
Durchgeführt wurde die Freisetzung auf 30 Standorten, die
Größe der Freisetzungsfläche betrug jeweils
10 Hektar.
Ziel des Feldversuchs war laut Antrag die "Durchführung
von Prüfungen im Rahmen des Zulassungsverfahrens für
das Herbizid Roundup&Mac226; Ultra zur Anwendung in diesen
gentechnisch veränderten Zuckerrüben und von
notwendigen Untersuchungen für die Sortenzulassung sowie die
Feststellung agronomischer Merkmale."3
Im laufenden Versuch wurden 2008 an sechs Standorten sowie jeweils an
zwei Standorten 2009 und 2010 von der Planta GmbH, einer Tochter des
deutschen Saatgutkonzerns KWS genmanipulierte Zuckerrüben
freigesetzt.
In dem Freisetzungsvorhaben sollen auch noch 2011 die Nachkommen der
gentechnisch veränderten Zuckerrübenlinie H7-1 zu
agronomischen und phänotypischen Eigenschaften untersucht
sowie die Inhaltsstoffe analysiert werden. Ferner sollen die
Auswirkungen der Zuckerrüben auf Nicht-Zielorganismen erfasst
und bewertet werden.
3. Freisetzungsversuche mit genmanipulierten
Zuckerrüben in Deutschland
Nach Kartoffeln, Raps und Mais sind Zuckerrüben die
Pflanzen, mit denen in Deutschland die meisten gentechnischen
Freisetzungsversuche durchgeführt wurden. Der aktuell
beantragte Versuch von Monsanto wäre bereits der 26. dieser
Art. Nach Agrevo/Bayer (sieben Versuche) hat die KWS/Planta mit bislang
sechs Anträgen die meisten Freilandexperimente dieser Art
durchgeführt. Der Monsanto-Konzern führte bislang
vier Versuche durch. Der größte Anteil der
Freisetzungen fand in den 1990er Jahren statt. Der Monsanto-Konzern
hatte letztmals im Jahr 2002 einen Antrag auf Freisetzung
genmanipulierter Zuckerrüben eingereicht.
Insgesamt wurden seit 1993 17 Anträge für den Anbau
herbizidresistenter Rüben bewilligt, sieben für
transgene Rüben mit einer Resistenz gegen die Viruskrankheit
Rizomania. In einem weiteren Versuch wurde Zuckerrüben ein
Bakterienresistenz-Gen eingepflanzt.
Der Schwerpunkt der Versuche mit virusresistenten Zuckerrüben
war Anfang bis Mitte der 1990er Jahre. Die Gen-Rüben waren
oftmals gleichzeitig mit der Resistenz gegen Totalherbizide
ausgestattet. Von Firmen wie der KWS wurden die Herbizidresistenz-Gene
anfangs als reine "Markergene" dargestellt. Damit sollten schon damals
geäußerte Bedenken ausgeräumt werden, die
Agro-Konzerne wollten mit den entsprechenden Gen-Pflanzen
Verkaufsförderung für umweltbelastende Pestizide
betreiben.
4. Risiken
Herbizid-Resistenz:
Die genmanipulierten Rüben von Monsanto besitzen eine
Resistenz gegen das Totalherbizid Roundup. Wissenschaftliche Ergebnisse
zeigen deutlich, dass dieses, entgegen langjähriger Meinung,
massive Schäden verursacht und auch auf den Menschen
gravierende Auswirkungen hat. Die Effekte können sowohl durch
den Wirkstoff Glyphosat als auch durch weitere in dem Pestizid
enthaltene Stoffe wie Netzmittel oder Synergisten verursacht werden.
-
Roundup wirkt in hohem Maße
tödlich auf Amphibien wie z.B. Frösche:
Forscher der Universität Pittsburgh wiesen nach, dass die
Chemikalie innerhalb von drei Wochen 98 Prozent aller Kaulquappen, die
mit dem Pestizid in der von Monsanto vorgeschlagenen Dosis behandelt
wurden, tötet. Innerhalb eines einzigen Tages starben auch 79
Prozent aller Frösche.4 Neben
Amphibien, die direkt auf den Feldern mit Roundup in Berührung
kommen, können auch Kaulquappen oder Frösche
betroffen sein, die in Oberflächengewässern leben.
-
Roundup wirkt sich negativ auf die
menschliche Plazenta aus:
selbst in Konzentrationen, die weit unterhalb der landwirtschaftlich
üblichen Dosis liegen.6 Die
Überlebensrate von Plazentazellen wurde bereits bei einer
zehnmal geringeren Dosis herabgesetzt. Dies könnte die
erhöhte Rate von Schwangerschaftsaborten und
Frühgeburten in ländlichen Gebieten
erklären, die eine US-Studie bereits 1997 ermittelt hatte. Der
Einsatz von Pestiziden, auch von Glyphosat, stand bereits damals unter
Verdacht, Hauptverursacher dieser Effekte zu sein.7
-
Roundup schädigt Organe, Nachkommen
und Stoffwechsel von Säugetieren:
In verschiedenen Studien wurden die Auswirkungen des Pestizids auf
Versuchstiere wie Ratten getestet. Jüngere
Veröffentlichungen weisen dabei deutlich auf gravierende
Effekte auf Stoffwechsel, innere Organe und die Reproduktion bei
Säugetieren hin.8
-
Glyphosat kann beim Menschen gentoxisch
wirken:
Eine Studie kolumbianischer Wissenschaftler ergab, dass das Pestizid
auch die menschliche DNA schädigt.9
-
Roundup gefährdet das Grundwasser:
Die dänische Regierung verbot im Jahr 2003 den Einsatz von
Roundup in Teilen des Landes, nachdem nachgewiesen worden war, dass
sowohl Roundup als auch der Metabolit AMPA des Pestizids ins
Grundwasser eingetragen werden. Die Studie folgerte daraus, dass
Risiken für Ökosysteme in Gewässern bestehen
könnten.10
Freisetzungsversuche mit Gen-Pflanzen, die den bedenkenlosen Einsatz
von Glyphosat ermöglichen, sind unverantwortlich.
Gen-Pflanzen, die gegen Glyphosat resistent sind, dürfen keine
Anbau-Zulassung erhalten.
5. Ökologische Risiken
Hohes Auskreuzungsrisiko
Die Zuckerrübe ist eine zweijährige Pflanze.
Blüten- und Samenbildung findet daher üblicherweise
erst im zweiten Vegetationsjahr statt. Da Rüben zur Nahrungs-
und Futtermittelerzeugung im ersten Jahr geerntet werden, kommen die
Pflanzen beim Anbau in der Regel nicht zur Blüte und es wird
kein Pollen gebildet. Typischerweise blüht aber ein Teil der
Pflanzen schon im ersten Jahr als so genannte Schosser.
Zuckerüben werden hauptsächlich durch den Wind, aber
auch durch Insekten bestäubt (Vigouroux et al, 1999).11
Wie die meisten Windbestäuber produzieren Zuckerrüben
gewaltige Mengen an Pollen (ca. eine Milliarde pro Pflanze). Die Pollen
der Zuckerrübe werden zudem zu einem hohen Prozentsatz
über weite Entfernungen verfrachtet: In einer Distanz von 700
Metern fanden Wissenschaftler noch zwei Prozent, einer anderen Studie
zufolge in 800 Metern Entfernung sogar sechs Prozent der
ursprünglichen Pollenmenge (Treu & Emberlin 2000).
Pollen von Zuckerrüben lassen sich jedoch noch in weit
größeren Entfernungen vom Ausgangsfeld nachweisen.
Älteren Studien zufolge wurde Zuckerrüben-Pollen noch
in 5 km Entfernung von der Quelle nachgewiesen (Smith 1980),12
und es existierten Schätzungen, dass Pollen mindestens acht
Kilometer weit transportiert werden kann. Neuere Forschungsergebnisse
weisen jedoch darauf hin, dass selbst diese Auskreuzungsdistanzen noch
untertrieben sind: Einer aktuellen Studie zufolge konnten
Auskreuzungsereignisse sogar noch in einer Entfernung von 9,6
Kilometern nachgewiesen werden. Die Wissenschaftler konnten zudem
zeigen, dass das Verbreitungsrisiko von Zuckerrüben
über Samen viel höher ist als bisher angenommen.13
Ein wichtiger Faktor ist überdies, wie ein Dokument der OECD
belegt, dass vor allem Honigbienen, aber auch andere Insekten wie
Tripse und Wildbienen an der Bestäubung von
Zuckerrüben beteiligt sind.14
Transgenes Material würde daher auch im Honig benachbarter
Imker auftauchen. Insgesamt fanden Wissenschaftler 129 verschiedene
Insektenarten, die Zuckerrübenblüten besuchen (Free
et al., 1975).15
Zuckerrüben kreuzen in eine Vielzahl anderer
Pflanzenarten aus
Die Gattung Beta (zu denen die Zuckerrübe gehört)
wird in vier Unterarten aufgeteilt: Corolinnae, Procumbentes,
Chenopodiaceae und Nanae. Zuckerrüben können mit
nahezu allen Unterarten hybridisieren.16
Bei Zuckerrüben kann zudem eine Einkreuzung in andere
Nutzpflanzen der selben Art erfolgen, zum Beispiel in Spinat, Mangold,
Rote Beete, Gelbe Beete und Futterrüben.17
Diese Kreuzungen können befruchtungsfähige Nachkommen
hervorbringen.
Zusätzlich gibt es in hiesigen Breiten zahlreiche Wildarten
der Beta-Rüben. Dass Einkreuzungen von Zuckerrüben in
Wildrübenbestände auftreten können, wurde
bereits 1999 nachgewiesen (Bartsch et al. 1999). Auch die Nachkommen
solcher Kreuzungen sind in der Regel fertil.
Zuckerrübe als Unkraut
Wurzel und Krone der Zuckerrübe können, wenn sie nach
der Ernte auf dem Feld verbleiben, erneut auskeimen. Wenn sie den
folgenden Pestizidanwendungen entgehen, kommen diese so genannten
Durchwuchspflanzen auch zur Blüte und produzieren Samen, der
wiederum die transgene Eigenschaft verbreiten kann. Bei
Folgefrüchten wie Erbsen oder Kartoffeln können
Unkraut-Zuckerrüben gut gedeihen, da in diesem Fall keine
"passenden" Pestizide zur Verfügung stehen.
Zuckerrübensamen können bis zu 10 Jahren
keimfähig im Boden ruhen. Nach Højland und Pedersen
(1994)18 finden sich in 25 Prozent aller
britischen Äcker Samen solcher Unkraut-Zuckerrüben.
In manchen Gebieten besteht nach Eastham und Sweet (2000)19
eine nahezu flächendeckende Verbreitung. Die Kontrolle solcher
Bestände bereitet nach Angabe der Autoren große
Mühe.
Auch können sich an Feldrändern, entlang der
Transportwege etc. ruderale Bestände von Rüben- und
Wildpopulationen bilden, die über Jahre hinweg Pollen und
Samen produzieren. In Anbaugebieten der USA konnten sich verwilderte
Zuckerrüben-Pflanzen bereits vollständig in der Natur
etablieren. Verwilderte Kreuzungen von Zuckerrüben mit anderen
Nutzpflanzenarten oder wilden Verwandten können daher als
Genpool für transgenes Material dienen. Über solche
genetischen Brücken könnten transgene Rüben
über einen sehr langen Zeitraum in der Natur verbleiben.
Dass sich das Erbmaterial genmanipulierter Pflanzen über lange
Zeit hinweg in der Natur etablieren kann, wurde erst unlängst
wieder in einer kanadischen Studie gezeigt.20
Auch die EU-Kommission problematisiert daher den Anbau
herbizidresistenter Zuckerrüben. In der Verteidigungsschrift
im WTO-Streitfall stellt sie fest:
"Außerdem haben Kulturpflanzen wie Raps und
Rüben wild wachsende Artgenossen, mit denen sie hybridisieren
können. Damit führt die Gegenwart dieser verwandten
Arten zur Hybridbildung und zur Einbringung der Gene in diese
Wildarten. Die wild wachsende Population kann dann als potenzielles
räumliches oder zeitliches Reservoir für Transgene
dienen, oder zu einem Unkraut zwischen HT-Kulturpflanzen werden."
21
Die genannten Eigenschaften machen Zuckerrüben zu einer
Pflanze mit einem vergleichbar hohen Verbreitungsrisiko wie Raps. Von
Freisetzungsversuchen oder gar kommerziellem Anbau genmanipulierter
Zuckerrüben sollte daher unbedingt Abstand genommen werden.
Ökologische Folgen des Anbaus
herbizidresistenter Zuckerrüben
Im Rahmen der britischen "Farm Scale Evaluations" wurde bereits vor
einigen Jahren nachgewiesen, dass der Anbau herbizidresistenter
gv-Zuckerrüben negative Auswirkungen auf das
Ökosystem hat.22 Bei den Untersuchungen
zeigten sich negative Effekte auf die Vielfalt von
Ackerkräutern und in der Folge auf die davon
abhängige Fauna - selbst im Vergleich zum konventionellen
pestizidbasierten Anbau schnitt der Anbau herbizidresistenter
Gen-Rüben schlecht ab.
So wurden auf Feldern mit herbizidresistenten Zuckerrüben bei
Ackerwildkräutern 34 Prozent weniger Blüten und 39
Prozent weniger Samen gezählt. Auch Wanzen, Schmetterlinge und
Bienen traten in Feldern mit Gen-Rüben in deutlich geringerem
Umfang auf. Zuckerrübenfelder sind jedoch z.B. als
ökologische Nischen für Wanzen wichtig. Wanzen sind
wiederum eine wichtige Nahrungsquelle für andere Tiere,
insbesondere Vögel. Schon im Jahr 2000 hatten Wissenschaftler
bei der Untersuchung von herbizidresistentem Mais Schäden an
der Insektenpopulation festgestellt, insbesondere bei bestimmten
Spinnenarten und Motten.23 Verschwinden diese
Arten von den Feldern, fallen sie vom Speiseplan höherer
Glieder der Nahrungskette. Solche Nahrungsketteneffekte
könnten sich zu massiven Auswirkungen auf die biologische
Vielfalt summieren.
Selbst die EU-Kommission ist sich dieses Problems bewusst:
"...die Einführung einer Resistenz gegenüber
wichtigen Herbiziden bei bestimmten Arten kann auf jeden Fall zu einer
starken Verbreitung und erheblichen Auswirkungen führen."24
Abschließend stellt sie fest:
"[…] Es kann ohne weiteres als
selbstverständlich gelten, dass der groß angelegte
Einsatz eines Breitbandherbizids im Bereich von Ackerland eine
großflächige und schwerwiegende Störung der
Strukturen und Nahrungsketten zur Folge hätte, da die
Nahrungsgrundlage aller Arten, die sich von etwas anderem als der
Kulturpflanze ernähren, eliminiert würde - zumindest
vorübergehend und örtlich begrenzt. […]"
Im Zuge des Schutzes der Biodiversität, zu dem sich
Deutschland im Rahmen der Konvention über die Biologische
Vielfalt verpflichtet hat, sollte daher nachhaltig vom Anbau
herbizidresistenter Gen-Pflanzen abgesehen werden.25
Schädigung von Böden
Der Einsatz herbizidtoleranter Pflanzen in Verbindung mit dem
entsprechenden Herbizid Glyphosat beeinflusst nach Aussage
verschiedener Wissenschaftler die Mikroflora und -fauna im Boden.
Offenbar werden zum Beispiel Pilze gegenüber Bakterien
begünstigt. So stellten Forscher fest, dass in Böden,
die wiederholt mit Glyphosat behandelt wurden und auf denen
glyphosatresistente Sojapflanzen angebaut wurden, verstärkt
Fusarienpilze auftreten.26
Laut EU-Kommission wäre es sogar "recht
bemerkenswert, wenn eine solch intensive Nutzung eines chemischen
Stoffes NICHT zu Veränderungen der mikrobiellen Gemeinschaften
führte."27
Steigerung des Pestizideinsatzes bei herbizidresistenten
Pflanzen
Der US-Agrarwissenschaftler Charles Benbrook wies auf der Basis von
Daten des US-Landwirtschaftsministeriums nach, dass in den USA auf
Äckern, auf denen herbizidresistente Gen-Pflanzen wie Mais
oder Soja wachsen, nach wenigen Jahren deutlich mehr Pestizide
eingesetzt werden als auf vergleichbaren konventionellen
Äckern.28 Hauptgrund ist die Zunahme
und schnelle Evolution von Ackerkräutern, die ebenfalls gegen
Totalherbizide resistent werden.
Ähnlich stellt sich die Lage auch in Argentinien dar. Der
Pestizideinsatz im Soja-Anbau schnellt seit der Einführung von
Monsantos Roundup-resistenter Soja nach oben.29
Das Konzept, mittels solcher transgener Pflanzen den Einsatz von
Pestiziden zu reduzieren, kann daher als gescheitert angesehen werden.
6. Monsanto Agrar Deutschland GmbH
Die Monsanto Agrar Deutschland GmbH mit Sitz in
Düsseldorf ist eine der 61 Niederlassungen des Monsanto
Konzerns aus St. Louis. Die Kerngeschäfte des Unternehmens
sind Saatgutherstellung und Herbizidherstellung. Seit dem Einstieg in
die Genmanipulation in den 1990er Jahren, hat sich Monsanto –
auch durch zahlreiche Firmenaufkäufe - zum
Marktführer entwickelt. Dennoch musste Monsanto im
Geschäftsjahr 2010 bei einem Umsatz von 10,502 Milliarden
US-Dollar (-10,4 %) einen Nettogewinn von 1,109 Milliarden
US-Dollar (-47,4 %) schwere Verluste hinnehmen. Die Ausgaben
für weitere Forschung betrugen 1,205 Milliarden US-Dollar.
Die Saatgutherstellung (Seeds and Genomics)
machte 2010 bereits 72 % des Umsatzes aus. Außer
genmanipuliertem Saatgut für Mais, Baumwolle, Soja und Raps
wird weltweit auch konventionelles Saatgut vertrieben. Die
Herbizidherstellung (Agricultural Productivity) mit
dem bekannten Roundup ist mit 28 % des Umsatzes der kleinere
Konzernbereich.
Weltweit machte der 1901 gegründete ursprüngliche
Süßstoffhersteller wegen seiner Produkte, wie
PCB’s, „Agent Orange“ und Posilac sowie
seiner umstrittenen Geschäftspraktiken negative Schlagzeilen.
Die genmanipulierte Zuckerrübe H7-1, die gemeinsam mit
Monsanto entwickelt wurde, wurde 2007 zunächst
kleinräumig in den USA angebaut. Die Anbaufläche der
Gen-Rübe stieg innerhalb kürzester Zeit rasant an. In
den USA sind etwa 95 Prozent aller Zuckerrüben
genmanipuliert. Nach Schätzungen wurde die
Gentech-Rübe 2010 in den USA auf rund 470.000 Hektar angebaut.
Sie liefern etwa die Hälfte des Zuckerbedarfs des Landes. Neben der Verarbeitung zu
Rübenzucker für den US-Markt werden auch
Zuckerrübenschnitzel als Futtermittel in die EU importiert. Am
24.10.07 hat die EU-Kommission die Zulassung für die
Vermarktung von Lebens- und Futtermitteln aus dieser
Zuckerrübe, nicht aber für den Anbau erteilt.
Aus den Augen, aus dem Sinn: Gen-Rüben
für den Tank
Die Vehemenz, mit der Monsanto nun versucht, herbizidresistente
Zuckerrüben auf den Markt zu bringen, verwundert
zunächst. Denn gentechnisch veränderte Lebensmittel
sind in Deutschland nicht verkäuflich. Das gilt auch
für aus Zuckerrüben gewonnene Produkte wie
Kristallzucker oder Zuckerrübensirup. Aufschluss über
die mögliche Nutzung kommerziell angebauter genmanipulierter
Zuckerrüben gibt jedoch das Engagement des
Partner-Unternehmens KWS im Bereich der Agro-Kraftstoffe bzw. bei der
Gewinnung von Biogas. Schon seit einiger Zeit macht sich die KWS
dafür stark, Zuckerrüben zur Produktion von Ethanol
anzubauen. "Unschlagbar stark - Zuckerrübe und Bioethanol!"
findet die KWS die Verbindung von Rübe und Benzin in ihrer
Firmenbroschüre "Bioethanol aus Zuckerrüben - Chancen
für den Zuckerrübenanbau."32
Zuckerrüben eignen sich aus Sicht des Konzerns besonders
aufgrund der hohen Biomasseerträge als Rohstoff für
die Ethanol-Erzeugung. Auch an der Gewinnung von Biogas aus
Zuckerrüben forscht die KWS intensiv.33
Umweltverbände befürchten bereits seit
längerer Zeit, dass eine Ausdehnung des Anbaus so genannter
Energiepflanzen zu einem Einfallstor für die Agro-Gentechnik
wird. Denn Zuckerrüben-Ethanol als Benzinersatz oder Biogas,
das mit genmanipulierten Zuckerrüben erzeugt wird,
wäre nicht kennzeichnungspflichtig. Wie im Bereich tierischer
Produkte könnte die Agro-Gentechnik auch bei einer solchen
Nutzung vor den Augen der kritischen Öffentlichkeit verborgen
werden.
1http://www.transgen.de/zulassung/gvo/19.doku.html
2http://apps2.bvl.bund.de/stareg_web/search.do
3s. o.
4Relyea, R (2005): The Impact of Insecticides
and Herbicides on the Biodiversity and Productivity of Aquatic
Communities. Ecological Applications, 15(2), 2005, pp. 618-627
6Benachour N. et al. (2007): Time- and
Dose-Dependent Effects of Roundup on Human Embryonic and Placental
Cells. Archives of Environmental Contamination and Toxicology, Volume
53, Number 1.
7David A. Savitz (2005): Male Pesticide Exposure
and Pregnancy Outcome. American Journal of Epidemiology Volume 146,
Number 12, pp. 1025-1036
8Siehe u.a.:
Beuret CJ, Zirulnik F, Giménez MS (2005): Effect of the
herbicide glyphosate on liver lipoperoxidation in pregnant rats and
their fetuses. Reprod Toxicol. 2005 Mar-Apr;19(4):501-4.
Benedetti AL, Vituri Cde L, Trentin AG, Domingues MA, Alvarez-Silva M.
(2004): The effects of sub-chronic exposure of Wistar rats to the
herbicide Glyphosate-Biocarb. Toxicol Lett. 2004 Nov 2;153(2):227-32.
Benedetti AL, Vituri Cde L, Trentin AG, Domingues MA, Alvarez-Silva M.
(2004): The effects of sub-chronic exposure of Wistar rats to the
herbicide Glyphosate-Biocarb. Toxicol Lett. 2004 Nov 2;153(2):227-32.
Dallegrave E, Mantese FD, Coelho RS, Pereira JD, Dalsenter PR, Langeloh
A. (2003): The teratogenic potential of the herbicide
glyphosate-Roundup in Wistar rats. Toxicol Lett. 2003 Apr
30;142(1-2):45-52.
9Paz-y-Miño, C. et al. (2007).
Evaluation of DNA damage in an Ecuadorian population exposed to
glyphosate. Genetics and Molecular Biology 30, 456
10Leaching of Glyphosate and
Amino-Methylphosphonic Acid from Danish Agricultural Field Sites
Kjæra J. et al. (2005): J. Environ. Qual. 34:608-620.
11Vigouroux, Y., Darmency, H., Gestat de
Garambe, T. & Richard-Molard, M. (1999). Gene flow between
sugar beet and weed beet. In: Gene Flow and Agriculture: Relevance for
Transgenic Crops. Lutman, P. (ed). BCPC Symposium Proceedings No. 72.
12Smith GA (1980): Hybridization of crop plants.
Soc. Agron. Crop Sci. Soc. America : 601-616.
13Fénart, S., Austerlitz, F., Cuguen,
J., Arnaud, J.-F. (2007): Long distance pollen-mediated gene flow at a
landscape level: the weed beet as a case study. Molecular Ecology.
Volume 16 Issue 18 Page 3801-3813, September 2007.
14OECD (2001): Consensus document on the biology
of Beta vulgaris L. (Sugar beet). http://www.olis.oecd.org/olis/2001doc.nsf/LinkTo/env-jm-mono(2001)11
15Free J.B., Williams I.H., Longden P.C. and
Johnson M.G. 1975. Insect pollination of sugar beet (Beta vulgaris)
seed crops. Annals of Applied Biology, 81: 127-134.
16http://www.agbios.com/dbase.php?action=ShowProd&data=T120-7
17http://www.oeko.de/oekodoc/225/2004-018-de.pdf
18Højland J.G. and Pedersen S. 1994.
Sugar beet, Beetroot and Fodder Beet (Beta vulgaris L. subsp.
vulgaris): Dispersal, establishment and interactions with the
environment. The National Forest and
Nature Agency, Copenhagen, Denmark. 73p.
19Eastham K., Sweet, J. (2002): Genetically
modified organisms (GMOs): The significance of gene flow through pollen
transfer. Environmental Issue Report 28
20I. WARWICK, A. LEGERE, M.-J. SIMARD, T. JAMES
(2007). Do escaped transgenes persist in nature? The case of an
herbicide resistance transgene in a weedy Brassica rapa population.
Molecular Ecology 2007.
21"Verheimlichte Risiken - Was die
Europäische Kommission wirklich über Gen-Pflanzen
denkt." http://www.greenpeace.de/fileadmin/...greenpeace_verheimlichte_risiken.pdf
22www.defra.gov.uk/environment/gm/fse/
23Oellrich et al 2000, zitiert in: www.efsa.europa.eu/EFSA/PRAPER_Conclusion/praper_ej27_conclusion_glufosinate_en1.pdf
24Verheimlichte Risiken - Was die
Europäische Kommission wirklich über Gen-Pflanzen
denkt.
25ebd.
26Kremer, R.J. et al (2000): Herbicide Impact on
Fusarium spp. and Soybean Cyst Nematode in Glyphosate-Tolerant Soybean.
27s.o., (Absatz 246)
28Benbrook, CM (2004, 2009): Genetically
Engineered Crops and Pesticide Use in the United States: The First Nine
Years. http://www.biotech-info.net/technicalpaper7.html
29Benbrook, C.M. (2005) Rust, Resistance, Run
Down Soils,. and Rising Costs - Problems Facing Soybean Producers in.
Argentinia, Technical Paper Number 8. http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/gentechnik/Benbrook-StudieEngl.pdf
30www.kws-saat.de/aw/KWS...Ausfuehrungen_von_Philip_von_dem_Bussche_6891728/
31www.kws.de/go/id/cipm/
32www.kws.de/global/show_document.....
33www.kws.de/global/show_document.....
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