Genmanipulierte Bäume
Schweigen im Walde
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| Foto: Carol Mc Sweeney |
Still und heimlich
Seit vielen Jahren versucht die Gentechnik-Industrie,
genmanipulierte Bäume auf dem Markt zu etablieren. Der
erste Freisetzungsversuch mit Gen-Bäumen fand 1988
statt, inzwischen sind es mehrere Hundert in über 20
Staaten. Kanada, Brasilien, Chile, Neuseeland, Südafrika
gehören dazu, und auch in Deutschland gab es vier Freilandversuche
mit manipulierten Pappeln. Zum kommerziellen
Anbau zugelassen sind bislang jedoch nur Gen-Pappeln
in China und Gen-Papaya in den USA.
Im Gegensatz zu der intensiven Diskussion um die Gentechnik
in der Landwirtschaft hat es die Industrie bislang
geschafft, Gentechnikbäume ohne großes Aufsehen in die
Natur einzuschleusen. Doch eine breite Debatte über den
Anbau transgener Bäume ist angesichts der hohen Risiken
dringend notwendig. Auf internationaler Ebene ist man
bereits alarmiert: Im Jahr 2006 kamen die Mitgliedsstaaten
der UN-Konvention über biologische Vielfalt überein,
dass von einem Anbau von Gen-Bäumen erhebliche soziale
und ökologische Risiken ausgehen.
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Der Anbau genmanipulierter Pflaumen, die resistent gegen
einen Pflanzenvirus sind, könnte in den USA schon
bald Realität sein. Weil die Bäume von Insekten bestäubt
werden, wäre eine weitreichende Kontamination ökologischer
oder konventioneller Pflaumen vorprogrammiert. (Foto: Erin Silversmith)
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Gen-Tannenbaum & Co.
Seit 20 Jahren versuchen Forscher und Industrie, Bäume
durch genetische Manipulationen einer Bewirtschaftung in
großen Monokulturen anzupassen. Schon an mindestens 24
verschiedenen Baumarten wurden Gen-Versuche durchgeführt.
Zum Beispiel bei schnell wachsenden Nutzhölzern wie
Pappeln und Eukalyptus, die von der Papier- und Zellstoffindustrie
verbraucht werden. Oder bei Forstbäumen wie Kiefern
und Fichten, mit denen in Kanada im Freiland experimentiert
wird, um sie durch eingebaute Insektizide für den
industriellen Massenanbau zu "optimieren". Auch Obstgehölze
wie Apfel- oder Pflaumenbäume sollen gentechnisch
"fit" gemacht werden für den umweltschädigenden Intensivanbau
– etwa indem sie ihr eigenes Insektengift produzieren.
Zugelassen – und verschollen
China ist das erste Land, in dem großflächig Gen-Bäume
angebaut werden. Mehr als 1,4 Millionen Pappeln sollen seit
2004 gepflanzt worden sein, die durch genetische Manipulationen
den für Insekten giftigen Wirkstoff des Bacillus thuringiensis
(Bt) produzieren. Da die Bäume ohne jegliche
Überwachung angebaut wurden, kann jedoch niemand mehr
sagen, wo sie sich befinden. Eine Kontrolle ist damit nicht
mehr möglich.
Gen-Plantagen in
Entwicklungsländern?
Um den globalen Anbau von Gen-Bäumen durchzusetzen,
hat sich die Industrie eine besonders perfide Strategie
ausgedacht. Laut Kioto-Protokoll ist es Industrieländern
gestattet, im Rahmen des Emissionshandels Aufforstungsprojekte
in Entwicklungsländern durchzuführen – so genannte
Senken-Projekte. 2003 wurde auf UN-Ebene durchgesetzt,
dass diese auch mit genmanipulierten Bäumen
durchgeführt werden könnten – ohne die Einwilligung des
betroffenen Staates.
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Bäume können ihre Pollen oder Samen mehrere tausend
Kilometer weit verbreiten. Entsprechend hoch ist
das Risiko einer Kontamination durch Gen-Bäume. (Foto: www.sxc.hu)
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Seit einigen Jahren werden auf Hawaii genmanipulierte Papaya-
Bäume kultiviert, die gegen eine Viruserkrankung resistent
gemacht wurden. Zahlreiche konventionelle und
ökologisch wirtschaftende Bauern mussten inzwischen
den Papaya-Anbau aufgeben, da ihre Ernte regelmäßig
durch Gen-Papayas kontaminiert und dadurch unverkäuflich
wurde.
Kontamination unvermeidbar
Im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Kulturen wie zum
Beispiel Getreide haben genmanipulierte Bäume eine
Lebensdauer von Jahrzehnten. In dieser Zeit können
sie ihr Erbgut über sehr weite Distanzen verbreiten.
Pollen oder Samen verschiedener Baumarten wurden
von Forschern in bis zu 3000 km Entfernung von ihrer
Quelle gefunden. Die Gefahr einer gentechnischen Verunreinigung
steigt daher, im Vergleich zu transgenen
Ackerpflanzen, um ein Vielfaches. Zudem sind die
meisten Baumarten wenig domestiziert, können so in
der Natur leicht überleben und haben zahlreiche wilde
Verwandte, mit denen sie sich leicht kreuzen können.
Bäume produzieren darüber hinaus meist gewaltige
Mengen an Samen – Pappeln beispielsweise bis zu 50
Millionen pro Jahr. Die genetische Verunreinigung traditioneller
Wälder oder Obstbäume ist daher unvermeidbar.
Grüne Wüsten
Bäume sind meist die dominanten Arten in ihren Ökosystemen
und bieten Nahrung und Lebensraum für verschiedenste
Pflanzenarten, Insekten, Vögel und andere
Tiere. Gerade der Anbau herbizidresistenter Bäume
würde daher zu ökologischen Schäden führen, die
schon aus dem Anbau genmanipulierter Nutzpflanzen
bekannt sind. In solchen Monokulturen würde außer
Gen-Bäumen nichts mehr wachsen – folglich auch kein
tierisches Leben mehr existieren. "Grüne Wüsten"
wären die Folge. Insektengiftige Bäume können auch
Nützlinge schädigen, und durch den dauernden Kontakt
mit dem Gift gäbe es zudem binnen kurzem Resistenzbildungen
bei Schadinsekten. Aufgrund der langen Lebensdauer
von Bäumen kommt es oft zu Instabilitäten
des gentechnischen Konstrukts und zu unvorhergesehenen
Effekten wie veränderten Blattformen oder neuen
Anfälligkeiten.
Vermeintlich sterile Bäume
Zur Lösung der Problematik einer unkontrollierten Verbreitung
von Gen-Bäumen schlagen einige Forscher die
gentechnische Sterilisierung von Pollen oder Früchten
vor. Doch die mangelnde Stabilität der Gen-Konstrukte
macht auch diesen hilflosen Eingriff zunichte: Regelmäßig
brachten vermeintlich sterile Gen-Bäume nach
wenigen Jahren doch befruchtungsfähige Pollen hervor,
da das künstliche Gen von den Pflanzen "stillgelegt"
worden war. Daher kommen selbst prominente Verfechter
genmanipulierter Bäume nicht umhin zuzugeben,
dass auch der Einsatz von "Gentechnik gegen die Folgen
von Gentechnik" keine Sicherheit vor der Verunreinigung
von kommerziellen und natürlichen Baumbeständen
in weitem Umkreis bietet. Allein ein weltweites
Verbot von Gen-Gehölzen könnte dafür sorgen, deren
unkontrollierte Ausbreitung sowie Risiken speziell
für das ökologische Gleichgewicht dauerhaft auszuschließen.
Das Umweltinstitut München e.V. fordert:
- Ein sofortiges internationales Verbot von Freisetzungen
und kommerziellem Anbau genmanipulierter
Bäume
Für diese Ziele setzt sich das Umweltinstitut München e.V. ein:
- Keine Gentechnik in der Landwirtschaft und in Lebensmitteln
- Verbot genmanipulierter Tiere und Pflanzen
- Keine Patente auf Leben
- Freisetzungsstopp für genmanipulierte Organismen
- Förderung einer nachhaltigen, gerechten und zukunftsfähigen
Landwirtschaft, insbesondere des ökologischen Landbaus
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