Terminator-Technologie
Sterilisierte Natur
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| Foto: C. Ynouye/CIP |
Saatgut im Fokus der Konzerne
Die Struktur der Landwirtschaft wandelt sich in rasendem
Tempo: Geprägt ist sie von zunehmender Machtkonzentration
bei Pflanzenzüchtung, Agrochemie, Saatgut- und
Getreidehandel sowie Lebensmittelproduktion. Großkonzerne
wie Monsanto, Syngenta oder Bayer kontrollieren
mittlerweile weite Teile der globalen Agrarwirtschaft. In
den Fokus gerät dabei zunehmend der erste und wichtigste
Teil der Erzeugung von Nahrung: das Saatgut. Noch
sind 80 Prozent des weltweiten Saatgutmarktes nicht
kommerzialisiert, Bauern legen sich für die nächste Aussaat
einen Teil ihrer Ernte zurück. Selbst in Deutschland
werden noch etwa fünfzig Prozent des Getreides von den
Landwirten nachgebaut. Mit patentiertem Gentechnik-
Saatgut versuchen die Agrokonzerne, diesen Nachbau auf
dem Rechtsweg zu verhindern. Doch Patente erlöschen,
und die Kontrolle der Bauern kostet Geld. Noch einfacher,
so der Gedanke der Industrie, wäre es daher, wenn ein
Nachbau genmanipulierter Pflanzen von vornherein ausgeschlossen
wäre – zum Beispiel durch Terminator-Saatgut.
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Das Samenkorn ist für viele Kulturen eines der zentralen
Symbole des Lebens. Konzerne forschen jedoch an gentechnischen
Methoden, um dem Korn dieses Leben zu nehmen. (Foto: www.oekolandbau.de / Copyright BLE / Thomas Stephan)
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Was ist Terminator-Technologie?
Terminator-Technologie ist eine Methode der gentechnischen
Manipulation, die sich noch im Entwicklungsstadium
befindet. Sie bewirkt, dass Pflanzen keine keimfähigen Samen
mehr hervorbringen. Den Pflanzen wird dazu ein Programm
eingebaut, das den Embryo im ausgereiften Korn
abtötet oder stark schädigt. Das gekaufte Saatgut keimt
aus, die Pflanzen wachsen, doch die geernteten Samen sind
steril. Die Technologie wurde zunächst vom Saatgutkonzern
Delta & Pine Land in Zusammenarbeit mit der US-Regierung
entwickelt, um die "Wettbewerbsfähigkeit" der US-Landwirtschaft
zu sichern und, so die US-Regierung, "neue
Märkte in Ländern der Zweiten und Dritten Welt zu erobern".
Vor allem sollte der Nachbau von genmanipulierten
Pflanzen verhindert werden. Terminator-Saatgut ist bislang
nicht im Freiland getestet oder zugelassen.
Widerstand
Auf die Veröffentlichung der Pläne zur Entwicklung von Terminator-
Saatgut folgten weltweite Proteste vor allem der
Länder des Südens sowie von Bauern- und Umweltorganisationen.
Die Ethikkommission der UN-Welternährungsorganisation
FAO erklärte, es sei "unakzeptabel, Saatgut zu verkaufen,
dessen Erntegut die Bauern nicht wiederverwenden
können". Aufgrund des Drucks gaben Konzerne wie Monsanto
oder Syngenta 1999 bekannt, keine Vermarktung von
Terminator-Pflanzen anzustreben. Auch die Vertragsstaaten
der UN-Konvention über die biologische Vielfalt beschlossen
im Jahre 2000 ein Moratorium für die kommerzielle Nutzung
gentechnisch sterilisierter Pflanzen. Staaten wie Indien
oder Brasilien erließen zusätzlich nationale Verbote.
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Proteste beim Treffen der Biodiversitätskonvention in
Brasilien 2007. Kanada, Australien und Neuseeland
versuchten hier, Terminator-Pflanzen als Methode zum
Schutz der biologischen Vielfalt durchzusetzen. (Foto: www.banterminator.org)
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Der Terminator wird grün
Doch Gentechnikfirmen führen gegen alle Widerstände die
Entwicklung von sterilisierten Gen-Pflanzen weiter. Nur die
Strategie der Industrie hat sich gewandelt. Argumentierte
sie noch vor wenigen Jahren mit der Absicht, den Nachbau
genmanipulierter Pflanzen kontrollieren zu wollen, muss
nun der Umweltschutz als Rechtfertigung für die Notwendigkeit
von Terminator-Samen herhalten. Denn sterilisiertes
Erntegut, so die Agro-Konzerne, könnte die mittlerweile
weltweit auftretenden Verunreinigungen von Äckern und Lebensmitteln
durch transgene Pflanzen stoppen. Ein hausgemachtes
Problem dient der Gentechnik-Industrie nun also
als Vorwand, Terminator-Saatgut als die Lösung ebendieses
Problems zu bewerben.
So forschen, ungeachtet des Versprechens der Gentechnikkonzerne
aus dem Jahr 1999 und des Anbaumoratoriums,
Unternehmen wie Delta & Pine Land weiter
an Terminator-Samen. Der Vorstand des Unternehmens
versicherte: "Wir haben die Arbeit an unserem
Technologieschutz-System unbeirrt weitergeführt. Wir
haben das Ziel im Auge und schreiten voran in Richtung
Kommerzialisierung." Für weltweites Aufsehen
und Misstrauen sorgte es daher, als ausgerechnet der
Monsanto-Konzern 2006 ankündigte, Delta & Pine Land
übernehmen zu wollen. Auch die Patenterteilung für
gentechnisch sterilisierte Pflanzen geht trotz internationaler
Kritik weiter. Zudem versuchen Staaten wie
Neuseeland, Australien, Kanada und die USA seit einigen
Jahren mit allen Mitteln, das internationale Anbauverbot
für Selbstmord-Saatgut zu kippen. Und auch
das deutsche Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
forscht in Zusammenarbeit mit
europäischen Instituten und Saatgutfirmen mit EU-Geldern
an der Entwicklung solcher Pflanzen.
Bauernfängerei
Terminator-Saatgut bietet, entgegen der Industrie-Propaganda,
keinen Schutz vor der Auskreuzung genmanipulierter
Pflanzen. Zum einen ist der genetische Mechanismus
dieser Technologie komplex und störanfällig.
Zum anderen wäre der Pollen von Terminator-Pflanzen
nach wie vor fruchtbar und könnte Nachbarfelder
verunreinigen. Eine Auskreuzung könnte sogar dazu
führen, dass Nachbarlandwirte kein Saatgut mehr aus
ihrer Ernte gewinnen können. Terminator-Pflanzen als
Auskreuzungsschutz sind also nichts als ein weiteres
trojanisches Pferd der Gentechnik-Konzerne, mit dem
der Weltöffentlichkeit eine im hohen Maß unethische
und gefährliche Technologie schmackhaft gemacht
werden soll.
Angriff auf Grundrechte
1,4 Milliarden Kleinbauern auf der ganzen Welt könnte
durch Terminator-Saatgut die Möglichkeit genommen
werden, einen Teil der Ernte im Folgejahr erneut als
Saatgut zu verwenden. Dieser gentechnische Angriff
auf diese Bauernrechte setzt die Ernährungssicherheit
der Menschen, deren Kultur sowie über Jahrtausende
entwickelte traditionelle Sorten aufs Spiel. Sterilisiertes
Saatgut ist ein Angriff auf das Menschenrecht auf
Nahrung und die Würde der Natur.
Die Auseinandersetzung um die Terminator-Technologie
ist noch lange nicht vorüber. So wird das internationale
Anbaumoratorium bereits im Sommer 2008 erneut
auf dem Prüfstand stehen. Nur eine völkerrechtlich
verbindliche Ächtung aller Technologien zur gentechnischen
Sterilisierung von Pflanzen kann einen
Schutz von Bauern und Umwelt vor den Plänen der
Agro-Konzerne gewährleisten.
Das Umweltinstitut München e.V. fordert:
- Die internationale Ächtung der genetischen
Sterilisierung von Pflanzen
Für diese Ziele setzt sich das Umweltinstitut München e.V. ein:
- Keine Gentechnik in der Landwirtschaft und in Lebensmitteln
- Verbot genmanipulierter Tiere und Pflanzen
- Keine Patente auf Leben
- Freisetzungsstopp für genmanipulierte Organismen
- Förderung einer nachhaltigen, gerechten und zukunftsfähigen
Landwirtschaft, insbesondere des ökologischen Landbaus
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