Umweltinstitut München e.V.
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Gentechnik im Tierfutter

Verbraucher im Dunkeln


Foto: www.sxc.hu

Kennzeichnungsverordnung irreführend

Aufgrund des Verbraucherdrucks gibt es in Europa seit April 2004 neue Kennzeichnungsregeln für Lebensmittel, die gentechnisch veränderte Organismen (GVO) oder deren Bestandteile enthalten. Da die Verbraucher Gentechnik- Lebensmittel mit großer Mehrheit ablehnen, findet sich bislang kaum eines dieser Produkte im Handel. Lediglich einige Importprodukte aus den USA und Asien wie Sojasaucen oder Schokoriegel enthalten kennzeichnungspflichtige Mengen an genmanipuliertem Mais oder Gen-Soja.

Die einzige Möglichkeit für die Industrie, ihre genveränderten Konstrukte auf den Markt zu bekommen ist es daher, eine entscheidende Lücke im EU-Recht zu nutzen. Demnach müssen Produkte von Tieren, die mit genmanipulierten Pflanzen gefüttert wurden, nicht gekennzeichnet werden. Gentechnik kommt damit durch die Hintertür in Form von Fleisch, Eiern, Milch und Milchprodukten auf den Teller. Dieser Betrug am Verbraucher muss beendet werden: Eine erweiterte Kennzeichnungsregelung in Europa muss dafür sorgen, dass auch Produkte von Tieren, die Gen-Futter bekommen haben, für den Verbraucher klar erkennbar sind.

Zeichnung: Ricarda Hessel / UIM

Kennzeichnung mit großen Lücken

Produkte, die "mit Hilfe von" gentechnisch veränderten Organismen produziert werden, müssen in Europa nicht deklariert werden. Nach Ansicht der EU-Bürokraten werden z.B. Milch oder Schweinekoteletts – durch die Fütterung der Tiere mit Gen-Pflanzen – "mit Hilfe" von Gentechnik erzeugt. Diese Produkte entgehen dadurch dem Boykott von Gentechnik-Lebensmitteln durch die Verbraucher.

Produkte mit gentechnisch veränderten Zutaten müssen bislang nur dann deklariert werden, wenn sie "zufällige oder technisch unvermeidbare" GVO-Spuren von mehr als 0,9 Prozent pro Inhaltsstoff enthalten. Werden GVO bewusst eingesetzt, muss der Hersteller auch unterhalb dieser Schwelle kennzeichnen. Gekennzeichnet werden bisher:

  • Produkte, die selbst GVO sind (z.B. Maiskolben, Tomaten, Schweine)

  • Produkte, die aus GVO hergestellt sind, unabhängig davon, ob dies im Endprodukt nachweisbar ist (z.B. Öl aus genmanipuliertem Raps oder Stärke aus transgenem Mais)

  • Produkte, die GVO enthalten, wie Joghurt, der genmanipulierte Bakterien, oder Bier, das genmanipulierte Hefen enthält

Gen-Pflanzen für Profitmaximierung

Nutztiere kommen vor allem mit genmanipulierter Soja, aber auch mit Gen-Mais oder -Raps in Berührung. 20 Mio. Tonnen Futtermittel werden jährlich für die deutsche Landwirtschaft importiert, um Mast- oder Milchleistung zu erhöhen. Ein Großteil davon kommt aus den USA, Argentinien und Brasilien. Der Anteil transgener Pflanzen in diesen Ländern ist jedoch sehr hoch. Rund 99 Prozent der argentinischen und 89 Prozent aller US-Sojabohnen sind bereits genmanipuliert, auf rund 60 Prozent der USMaisflächen wachsen transgene Sorten. Garantiert gentechnikfreie Soja aus Übersee kann derzeit nur aus Brasilien geliefert werden.

80 Prozent aller Genpflanzen (Raps, Soja und Mais) landen in den Mägen von Schweinen, Rindern oder Hühnern. Von weltweit 90 Millionen Hektar, auf denen 2005 genmanipulierte Pflanzen angebaut wurden, sind 72 Millionen für die Intensivtierhaltung bestimmt.

Monokultur in Südamerika: Der Anbau von Gen-Soja für die industrielle Tierhaltung führt zu schweren Umweltschäden, zerstörten Böden, dramatisch steigendem Pestizideinsatz und der Rodung wichtiger Urwälder. (Foto: www.graonorte.com.br)

Risiken für Mensch und Tier

Das Gesundheitsrisiko für Tier und Mensch durch den Verzehr von gentechnisch veränderten Pflanzen ist weitgehend ungeklärt. Fütterungsversuche über einen längeren Zeitraum wurden bisher nicht durchgeführt. Doch bereits Versuche über wenige Wochen zeigten vielfach (z.B. bei den zugelassenen Maissorten Bt11 und Mon863) krankhafte Veränderungen der Organe und des Blutbilds von Laborratten. Konsumenten könnten daher Produkte von kranken Rindern, Schweinen oder Hühnern konsumieren. Wissenschaftler vermuten zudem, dass das gentechnisch veränderte Erbgut über Fleisch oder Milch in den menschlichen Organismus gelangen und dort nicht bekannte Effekte auslösen kann. Aufgrund dieser Risiken ist es zwingend erforderlich, Produkte von Tieren zu kennzeichnen, die mit Gen-Pflanzen gefüttert wurden.

Wahlfreiheit?

72 Prozent der Deutschen lehnten 2003 laut einer emnid- Umfrage Gentechnik im Essen auch dann ab, wenn sie über den Umweg des Tierfutters in Fleisch, Eiern und Milch auf den Tisch kommt. Darüber hinaus fordern 90 Prozent der deutschen Bürger die Kennzeichnung von tierischen Lebensmitteln, und über 70 Prozent der Bauern wollen ihren Tieren kein genmanipuliertes Futter geben. Doch die mächtige Agrar- und Futtermittelindustrie versucht, den Landwirten die Möglichkeit zu nehmen, Futtermittel ohne Gentechnik zu kaufen, indem sie diese nicht oder nur zu völlig überteuerten Preisen anbietet. Mit dem falschen Argument, es gäbe praktisch keine gentechnikfreie Ware mehr auf dem Weltmarkt, soll gezielt Ohnmacht bei Bauern und Verbrauchern erzeugt werden. Zusätzlich wird systematisch Falschkennzeichnung betrieben und auch gentechnikfreie Ware als GVO-haltig deklariert. Damit haben Landwirte wenig Chancen, garantiert gentechnikfreie Ware zu erzeugen. Und ebenso wenig haben dadurch Verbraucher die Möglichkeit, den Kauf von Gen-Nahrungsmitteln zu boykottieren.

Gentechnikfrei ist möglich

Tierische Produkte ohne den Einsatz von Gentechnik zu erzeugen, ist trotz allem keine Unmöglichkeit. Die deutsche Landwirtschaft ist nicht auf Soja aus Übersee angewiesen. Landwirte können auch hierzulande Sojasorten anbauen, die gute Erträge bringen, oder alternative Eiweißpflanzen verwenden. Etliche Molkereien können dadurch bereits heute gentechnikfreie Milch anbieten. Österreich und die Schweiz machen es vor: Hier produziert bereits die Mehrzahl aller Molkereien gentechnikfreie Ware. Und auch der Druck der deutschen Bauern und Verbraucher wirkt: Mittlerweile bieten zahlreiche Futtermittelhersteller garantiert gentechnikfreie Produkte an. Der sicherste Weg zur Vermeidung von Gentechnik auf dem Teller ist jedoch der Kauf von Produkten aus ökologischer Landwirtschaft, die prinzipiell ohne Gentechnik arbeitet. Mit dem Kauf von Bioprodukten sind Sie immer auf der sicheren Seite.

Das Umweltinstitut München e.V. fordert:

  • Lückenlose Kennzeichnung von Eiern, Fleisch und Molkereiprodukten von Tieren, die genmanipuliertes Futter bekommen haben
  • Stopp der Falschkennzeichnung von Tierfutter

Für diese Ziele setzt sich das Umweltinstitut München e.V. ein:

  • Keine Gentechnik in der Landwirtschaft und in Lebensmitteln
  • Verbot genmanipulierter Tiere und Pflanzen
  • Keine Patente auf Leben
  • Freisetzungsstopp für genmanipulierte Organismen
  • Förderung einer nachhaltigen, gerechten und zukunftsfähigen Landwirtschaft, insbesondere des ökologischen Landbaus