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Schnitzel

Gensoja in Fleisch und Milch

Verbraucher im Dunkeln



Gentechnik durch die Hintertür

Lebensmittel müssen gekennzeichnet werden, wenn sie genmanipulierte Bestandteile von mehr als 0,9 Prozent enthalten. Da der Großteil der europäischen Verbraucher Gen- Food ablehnt, finden sich im Handel bislang nur wenige Importartikel mit kennzeichnungspflichtigen Mengen an Gen-Soja, -Mais oder -Zucker. Um Gen-Pflanzen dennoch auf den Markt zu schleusen, nutzt die Industrie eine entscheidende Lücke im EU-Recht. Denn für Lebensmittel von Tieren, die mit genmanipulierten Pflanzen gefüttert wurden, besteht keine Kennzeichnungspflicht – also für Fleisch, Wurst, Eier, Milch und Milchprodukte. Welche Konsequenzen Gentechnik-Pflanzen für die Gesundheit haben, ist mangels Langzeitstudien ungewiss. Bei Menschen befürchtet man vor allem neue Allergien und Antibiotikaresistenzen. Bei Tieren lässt sich schon heute eine Zunahme der Krankheiten beobachten. Zudem muss man davon ausgehen, dass gentechnisch manipuliertes Erbgut über den Verzehr von Fleisch- und Milchprodukten auch in den menschlichen Organismus gelangt. Eine 2010 veröffentlichte italienische Studie hat belegt, dass durch Gen-Futter für Mutterziegen genetische Veränderungen beim Nachwuchs auftraten. Teile des Gen-Futters gelangten in die Organe der Tiere.


Auch in deutschen Ställen

Weil die Verbraucher die Agro-Gentechnik ablehnen, werden Gen-Pflanzen überwiegend als Tierfutter verwendet. Agro-Gentechnik ist daher eine Futtermitteltechnologie:


  • 80 Prozent aller Gen-Pflanzen (Raps, Soja und Mais) landen in den Mägen von Schweinen, Rindern oder Hühnern

  • Die EU importiert ca. 36 Millionen Tonnen Soja jährlich, meist aus Argentinien und Brasilien

  • Davon werden etwa 5 Millionen Tonnen Soja an Tiere in Deutschland verfüttert

  • Allein für deutsche Tiere wird Soja auf einer Fläche von etwa 2,5 Millionen Hektar angebaut

  • 99 Prozent der argentinischen und 70 Prozent der brasilianischen Sojabohnen sind genmanipuliert

Die Agrarindustrie will Landwirten nach wie vor die Möglichkeit nehmen, Futtermittel ohne Gentechnik zu kaufen: Sie bietet diese entweder gar nicht oder nur zu überteuerten Preisen an. Mit der falschen Behauptung, es gäbe keine gentechnikfreie Ware mehr auf dem Weltmarkt, will die Gen-Lobby gezielt Ohnmacht bei Bauern und Verbrauchern erzeugt werden. Dabei kö allein Brasilien schon heute den gesamten Bedarf Deutschlands an gentechnikfreiem Soja decken.


Desaster Gen-Soja

In den Hauptanbauländern Argentinien und Brasilien hat der Soja-Anbau drastische soziale und ökologische Folgen. Regenwälder und andere bedeutende Ökosysteme fallen den Monokulturen zum Opfer. Allein wegen der Bedeutung des Amazonas-Regenwaldes ist das eine Katastrophe für das Weltklima.

Auch die Folgen der mit Flugzeugen versprühten Ackergifte sind verheerend. Jährlich regnen 200 Millionen Liter Roundup allein auf Argentinien nieder. Viele Böden sind nahezu unfruchtbar geworden, Unkräuter durch die wiederholte Giftdusche resistent gegen das eingesetzte Pestizid. Auch neue Pflanzenkrankheiten entwickeln sich rasch. Weil Flugzeuge die Gifte flächendeckend und unpräzise ausbringen, werden auch Äcker von Kleinbauern getroffen und deren Ernte vernichtet. Immer häufiger treten auch gesundheitliche Schäden bei Menschen auf: Angefangen von Atemwegs- und Hauterkrankungen bis hin zu Krebs, Fehlgeburten und Fehlbildungen. Befürchtet werden auch Schädigungen des Immun- und Nervensystems sowie des Erbguts. Auch die sozialen Folgen sind dramatisch. Tausende Kleinbauern mussten bereits den Monokulturen der Soja-Barone weichen und wurden so in Hunger und Armut getrieben.

Soja-Monokulturen
"Ohne Gentechnik"

Die Lebensmittelindustrie reagierte bereits auf den Verbraucherwunsch nach Produkten ohne Gentechnik. So werden in der Schweiz seit Jahren fast ausschließlich gentechnikfreie Futtermittel importiert. In Österreich bieten ebenfalls zahlreiche Molkereien Produkte an, die ohne Gentechnikfutter hergestellt wurden. Auch deutsche Lebensmittelproduzenten können ihre Produkte auf freiwilliger Basis mit einem „Ohne Gentechnik“-Label bewerben. Diese Kennzeichnung soll Kunden auch jenseits von Bio-Läden garantieren, dass sie gentechnikfreie Lebensmittel kaufen. Immer mehr Hersteller, vor allem Molkereien, Händler und Gastronomen nutzen diese Möglichkeit inzwischen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen: Es ist möglich, Fleisch, Wurst, Eier, Milch und Milchprodukte herzustellen, ohne Tiere mit Gen-Soja zu füttern. Doch auch wenn das erfreulich ist: Die Kennzeichnungsregelung in Europa muss dringend überarbeitet werden. Produkte von Tieren, die Gen-Futter bekommen haben, müssen für den Verbraucher klar erkennbar sein. Erst dann haben die Konsumenten eine wirkliche Wahlfreiheit. Endgültiges Ziel muss es jedoch sein, genmanipuliertes Tierfutter generell zu verbieten.

Das Umweltinstitut München e.V. fordert:

  • Ein Verbot von genmanipuliertem Tierfutter

  • Bis zu einem Verbot: lückenlose Kennzeichnung von Fleisch, Wurst, Eiern, Milch und Milchprodukten von Tieren, die genmanipuliertes Futter bekommen haben



Für diese Ziele setzt sich das Umweltinstitut München e.V. ein:
  • Keine Gentechnik in der Landwirtschaft und in Lebensmitteln

  • Verbot genmanipulierter Tiere und Pflanzen

  • Keine Patente auf Leben

  • Freisetzungsstopp für genmanipulierte Organismen

  • Förderung einer nachhaltigen, gerechten und zukunftsfähigen Landwirtschaft, insbesondere des biologischen Landbaus


Fotos: Fotolia, Pixelio/@Harleqin, BLEBonn/Thomas Stephan, USDA, BLW Bonn/Dominic Menzler, scx.hu