
Genmanipulierte
Tiere
Vom Lebewesen
zum Produkt
Traurige
Realität
Haarlose Mäuse mit programmiertem Krebsgeschwür,
Schweine als Organ-Ersatzteillager, Kaninchen, die als
„Bioreaktoren“ Medikamente produzieren –
solche Wesen
entstammen keinem Zukunftsroman, sondern Genlabors
von heute. Genmanipulierte Tiere sind in der medizinischen
Forschung traurige und weitverbreitete Realität. In
der Landwirtschaft dagegen werden transgene Rinder,
Schweine oder Hühner noch nicht genutzt. Als zu groß
erweisen
sich bislang die Ablehnung der Verbraucher, aber
auch die technischen Limitierungen der Gentechnik
selbst. Denn die Erfolgsquoten bei der Genmanipulation
von Tieren sind gering, und das veränderte Genkonstrukt
wird zudem meist nicht vererbt, oder es wird abgeschaltet.
Deswegen forschen Wissenschaftler zusätzlich intensiv
an Klontechniken, mit denen die transgenen Tiere
vervielfältigt werden sollen.
Schweine mit Wurmgenen
Viele unserer Nutztiere sind bereits hoffnungslos
überzüchtet.
Dennoch versuchen Wissenschaft und Industrie,
ihre Produktivität mit Hilfe der Gentechnik weiter zu
steigern. Manipulierte Designertiere sollen so für die
Zustände
in der Massentierhaltung „optimiert“ oder
Verbraucherwünschen
angepasst werden.1
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Auch Industrierohstoffe sollen
künftig in Gen-Tieren produziert
werden. So versuchen Forscher, aus der Milch genmanipulierter
Ziegen ein spinnfadenähnliches Material zu
extrahieren, das als reißfeste Faser genutzt werden soll.
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Auch Gesundheits- und
Umweltprobleme will man durch Genmanipulationen in den
Griff bekommen. So entwickelten Forscher transgene
Schweine, die Omega-3-Fettsäuren produzieren sollen.2
Mit
solchen Tieren wollen die Wissenschaftler die massiven
ernährungsbedingten
Gesundheitsprobleme in den Industriestaaten
in den Griff bekommen. Ob die Konsumenten begeistert
wären, wenn sie wüssten, dass den Schweinen zu
diesem Zweck Gene eines Fadenwurms eingebaut wurden?
Forschungsprojekte beschäftigen sich zudem mit der Herstellung
von Kühen, deren Milch sich besser zu Käse
verarbeiten
lässt3 oder die resistent gegen
Euterentzündung sein
sollen4. Andere Wissenschaftler arbeiten an
vogelgripperesistentem
Geflügel5 und an Schweinen, die bei
gleichbleibend
schlechten Haltungsbedingungen weniger umweltbelastende
Stoffe produzieren – so genannte
„Enviropigs“6.
Produkte für die
Forschung
Im Jahr 2007 wurden in Deutschland 2,6 Millionen Tiere in
Tierversuchen verwendet. 524.000 davon waren gentechnisch
verändert.7 Der Anteil genmanipulierter
Tiere, die für
die Forschung hergestellt werden, steigt seit Jahren kontinuierlich.
Oft sind diese Tiere so programmiert, dass sie
leicht an Krebs erkranken oder haarlos auf die Welt kommen.
Bei 95 Prozent der manipulierten Tiere handelte es
sich um Mäuse, aber auch transgene Ratten, Kaninchen,
Schweine, Amphibien und Fische wurden benutzt.
Seit Jahren wollen Unternehmen genmanipulierte Forellen,
Karpfen oder Lachse auf den Markt bringen.8
Wachstum,
Futterverwertung, Kältetoleranz oder Krankheitsresistenz
sollen gentechnisch gesteigert werden. Doch genmanipulierte
Lachse, die um ein Vielfaches schneller wachsen als
normale Zuchtlachse, könnten in freier Natur
Ökosysteme
nachhaltig stören. Denn die Gen-Fische haben ein erweitertes
Nahrungsspektrum und sind durchsetzungsstärker. Eine
Verschiebung der Artenzusammensetzung und die Vernichtung
ganzer Arten könnten die Folgen sein. Dennoch ist die
Zulassung von Gen-Lachsen in den USA bereits beantragt.
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Genmanipulierte Omega-3-Schweine
und ihr „Schöpfer“
Randall Prather von der University of Missouri.
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Ersatzteillager
Tier
Als lukrativer Markt der Zukunft gilt die Nutzung von transgenen
Tieren als lebende „Organ-Fabriken“. Vor allem die
Organe genmanipulierter Schweine sollen in Zukunft transplantiert
werden.
Beim „Gene Pharming“ will die Industrie
pharmazeutisch
wirksame Substanzen in Blut, Milch oder Eiern9
transgener Tiere herstellen. Ein Blutgerinnungsmittel
aus der Milch genmanipulierter Ziegen wurde in der EU
bereits zugelassen und ist seit 2008 auch in Deutschland
auf dem Markt.10 Ein Medikament zur Behandlung
von Ödemen, das aus der Milch transgener Kaninchen
gewonnen wird, soll folgen.11
Gentechnisches Krabbeln
Auch die Insektenwelt bleibt nicht von den Phantasien
der Gentechnik-Forscher verschont. Firmen wollen zum
Beispiel gentechnisch steril gemachte Insekten erschaffen,
die Populationen von Schadinsekten ausrotten sollen.12
In verschiedenen Ländern gab es schon Freilandversuche
mit transgenen Insekten.
Selbst vor Haustieren machen die Gentechniker nicht
Halt. In den USA wurden Katzen so manipuliert, dass
sie beim Menschen keine Allergien mehr auslösen sollen.
Buntes Treiben im Aquarium verspricht der in den
USA bereits zugelassene Glofish – ein genmanipulierter
Zebrafisch, der in verschiedenen Farben angeboten
wird.13 In der EU sind die Gen-Fische verboten.
Patente als Anreiz
Ökonomische Anreize für die Entwicklung transgener
Tiere schafft unter anderem das Patentrecht, das solche
Lebewesen technischen Erfindungen gleichsetzt
und patentierbar macht. Als erstes Tier wurde 1992 die
so genannte Krebsmaus vom Europäischen Patentamt
in München patentiert. Dieses Tier erkrankt gentechnisch
bedingt besonders leicht an Krebs. Mittlerweile
gibt es allein in der EU über 500 Patente auf genmanipulierte
Tiere, weltweit sind es mehr als 4000.14 So
wurde
bereits ein Patent auf transgene Kühe erteilt, die
besonders viel Milch geben.15 Mittlerweile
versuchen Unternehmen
wie Monsanto sogar, konventionell gezüchtete
Tiere zu patentieren. Neben Patentanträgen auf
Gene und Zuchttechniken bei Schweinen, die der Konzern
mittlerweile an ein anderes Unternehmen abgetreten
hat, will sich Monsanto jetzt die Kontrolle über
260.000 natürlich vorkommende DNA-Abschnitte bei
Rindern exklusiv zusprechen lassen.
Keine Kontrolle
Bis heute haben die Wissenschaftler die Herstellung
von Gen-Tieren nicht im Griff. Geringe Erfolgsquoten,
Missbildungen und hohe Todesraten sind die nüchternen
Ergebnisse. Schon bei den ersten Mäusen mit menschlichen
Wachstumsgenen wurde deutlich, dass diese massiven
Eingriffe in den komplexen Stoffwechsel eines
Lebewesens nicht ohne negative Folgen bleiben können.
Krankhafte Veränderungen der inneren Organe
verkürzten das Leben der Versuchstiere. Ähnliche
Phänomene
wurden auch bei Gen-Fischen und manipulierten
Säugetieren festgestellt. Gen-Schweine litten unter
anderem an Magengeschwüren, Gelenkentzündungen
sowie Herz-, Haut- und Nierenerkrankungen. Auch aus
Gründen des Tierschutzes sollte daher die ethisch bedenkliche
Entwicklung von genmanipulierten Tieren
verboten werden.
Das Umweltinstitut
München e.V. fordert:
Für diese
Ziele setzt sich das
Umweltinstitut München e.V. ein:
-
Keine Gentechnik in der Landwirtschaft und
in Lebensmitteln
-
Verbot genmanipulierter Tiere und Pflanzen
-
Keine Patente auf Leben
-
Freisetzungsstopp für genmanipulierte
Organismen
-
Förderung einer nachhaltigen, gerechten und
zukunftsfähigen Landwirtschaft, insbesondere
des biologischen Landbaus
|
Quellen:
Überblick z.B. in :
- Niemann H., Kues W., Carnwath J.W. (2005). Transgenic farm
animals: present and future.
Rev Sci Tech. (1):285-98.
www.oie.int/boutique/extrait/25niemann285298.pdf
- Lai L, Kang JX, Li R, Wang J, Witt WT, Yong HY, Hao Y, Wax
DM, Murphy CN, Rieke A, Samuel M, Linville ML, Korte SW, Evans RW,
Starzl TE, Prather RS, Dai Y. (2006). Generation of cloned transgenic
pigs rich in omega-3 fatty acids. Nature Biotechnology 24, 435
– 436.
http://pmbcii.psy.cmu.edu/evans/2006_Lia.pdf
- Brophy B., Smolenski G., Wheeler T., Wells D.,
L’Huillier P. & Laible G. (2003). Cloned transgenic
cattle produce milk with higher levels of β-casein and
κ-casein. Nature Biotechnol., 21 (2), 157-162.
www.gmofree-euregions.net:8080/docs/ajax/ogm/nbt783 GMO cow.pdf
- Wall R.J., Powell A., Paape M.J., Kerr D.E., Bannermann
D.D., Pursel V.G., Wells K.D., Talbot N. & Hawk H. (2005).
Genetically enhanced cows resist intramammary Staphylococcus aureus
infection. Nat. Biotechnol. 23 (4), 445-451.
http://dels.nas.edu/banr/gates1/docs/mtg5docs/bgdocs/genetically_enhanced.pdf
- Wise T.G., Schafer D.S., Lowenthal J.W., Doran T.J. (2008).
The use of RNAi and transgenics to develop viral disease resistant
livestock. Dev Biol;132:377-82.
- Golovan S.P., Meidinger R.G., Ajakaiye A., Cottrill M.,
Wiederkehr M.Z., Barney D.J., Plante C., Pollard J.W., Fan M.Z., Hayes
M.A., Laursen J., Hjorth J.P., Hacker R.R., Phillips J.P. &
Forsberg C.W. (2001). Pigs expressing salivary phytase produce
low-phosphorus manure. Nature Biotechnol., 19 (8), 741-745.
- www.bmelv.de/cln_045/nn_752314/DE/07-SchutzderTiere/Tierschutz/Tierversuchszahlen2007.html
- Z.B. das nordamerikanische Unternehmen Aquabounty:
www.aquabounty.com
- Lillico SG, Sherman A, McGrew MJ, Robertson CD, Smith J,
Haslam C, Barnard P, Radcliffe PA, Mitrophanous KA, Elliot EA, Sang HM
(2007). Oviduct-specific expression of two therapeutic proteins in
transgenic hens. Proc Natl Acad Sci USA. 2007 Feb 6;104(6):1739-40.
www.pnas.org/content/104/6/1771.full.pdf+html
- www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/0516/wissenschaft/0007/index.html
- www.pharming.com
- Siehe z.B. Angriff der Unfruchtbaren (Handelsblatt vom
28.6.2007)
www.handelsblatt.com/technologie/forschung/angriff-der-unfruchtbaren;1287007
- www.glofish.com
- www.keinpatent.de
- Greenpeace (2009). Neue Runde im Tier-Monopoly: Patente auf
Kuh, Schwein,
Milch und Schnitzel? Greenpeace-Recherche zu aktuellen
Patentanträgen am Europäischen Patentamt.
www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/patente_auf_leben/Report_Tier-Patente_FINAL.pdf
Stand: Mai 2009; Fotos: www.glofish.com,
www.oekolandbau.de / Copyright BLE /
Dominic Menzler, Steve Morse photo /
University of Missouri Extension and
Agricultural Information
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