Genmanipulierte Tiere
Vom Lebewesen zum Produkt
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| Foto: glofish.com |
Traurige Realität
Haarlose Mäuse mit programmiertem Krebsgeschwür,
Schweine als Ersatzteillager für die Organtransplantation,
Kaninchen, die als "Bioreaktoren" Medikamente produzieren
– solche Wesen entstammen keinem Zukunftsroman,
sondern Genlabors von heute. Genmanipulierte Tiere sind
in der medizinischen Forschung traurige und weitverbreitete
Realität. Transgene Nutztiere wie Rinder, Schweine
oder Hühner finden sich hingegen noch nicht auf dem
Markt. Als zu groß erweisen sich bislang die Ablehnung der
Verbraucher, aber auch die technischen Limitierungen der
Gentechnik selbst. Denn die Erfolgsquoten bei der Genmanipulation
von Tieren sind gering, meist wird zudem
das veränderte Genkonstrukt nicht vererbt oder abgeschaltet.
Deswegen wird zusätzlich intensiv an Klon-Techniken
geforscht, mit denen die wenigen transgenen Tiere
multipliziert werden sollen.
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| Auch solche Tiere sollen bald als lebende Arzneimittelfabriken
dienen. Kurz vor der Zulassung in Europa steht
ein Medikament gegen Blutgerinnsel, das aus der Milch
genmanipulierter Ziegen gewonnen wird. (Foto: www.oekolandbau.de / Copyright BLE / Dominic Menzler) |
Schweine mit Spulwurmgenen
Viele unserer Nutztiere sind bereits hoffnungslos überzüchtet.
Dennoch versuchen Wissenschaft und Industrie,
ihre Produktivität mit Hilfe der Gentechnik weiter zu steigern.
Manipulierte Designertiere sollen so für die Zustände
in der Massentierhaltung "optimiert" oder Verbraucherwünschen
angepasst werden. Auch durch industrielle Tierhaltung
entstehende Gesundheits- und Umweltprobleme will
man durch Genmanipulation in den Griff bekommen.
So entwickelten Forscher genmanipulierte Schweine, die
Omega-3-Fettsäuren produzieren sollen. Mit solchen Tieren
könnten, glaubt man den Wissenschaftlern, die massiven
Gesundheitsprobleme gentechnisch abgemildert werden,
die in den Industriestaaten durch Fehlernährung entstehen.
Ob die Konsumenten begeistert wären, wenn sie wüssten,
dass den Schweinen zu diesem Zweck Gene des parasitisch
lebenden Spulwurms eingebaut wurden?
Forschungsprojekte aus jüngerer Zeit beschäftigen sich
zudem mit der Herstellung von Kühen, deren Milch sich besser
zu Käse verarbeiten lässt oder die resistent gegen Euterentzündung
sein sollen. Die Wissenschaftler arbeiten
auch an vogelgripperesistentem Geflügel und Schweinen,
die bei gleichbleibend schlechten Haltungsbedingungen weniger
umweltbelastende Stoffe produzieren – so genannte
Enviropigs®.
Produkte für den Forschungsstandort
Im Jahr 2005 wurden in Deutschland knapp 2,5 Millionen
Tiere bei Tierversuchen getötet, darunter gut 360.000
transgene Tiere. Mäuse bilden mit 96 Prozent den weitaus
größten Anteil. Aber auch transgene Ratten, Kaninchen,
Schweine, Amphibien und Fische werden verwendet. Grundsätzlich
steigt der Anteil genmanipulierter Tiere, die für die
Forschung hergestellt werden, seit Jahren kontinuierlich.
Oft sind diese Tiere so programmiert, dass sie leicht an
Krebs erkranken oder haarlos auf die Welt kommen.
Transgene Fische
Seit Jahren wollen Unternehmen genmanipulierte Forellen,
Karpfen oder Lachse auf den Markt bringen. Wachstum,
Futterverwertung, Kältetoleranz oder Krankheitsresistenz
sollen gentechnisch gesteigert werden. Doch genmanipulierte
Lachse, die um ein Vielfaches schneller wachsen als
normale Zuchtlachse, könnten in freier Natur Ökosysteme
nachhaltig stören. Denn die Gen-Fische haben ein erweitertes
Nahrungsspektrum und sind durchsetzungsstärker. Eine
Verschiebung der Artenzusammensetzung und die Vernichtung
ganzer Arten könnten die Folgen sein. In den USA werden
Gen-Lachse womöglich schon 2009 zugelassen.
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Die Gentechnik macht Schweine zu Ersatzteillagern für
menschliche Organe. Das geht nur mit Versuchen:
Mehr als 360.000 transgene Tiere wurden im Jahr
2005 dabei getötet. (Foto: www.oekolandbau.de / Copyright BLE / Dominic Menzler)
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Ersatzteillager Tier
Als lukrativer Markt der Zukunft gilt die Nutzung von
Tieren als lebende "Organ-Fabriken". Menschliche
Gene in genmanipulierten Schweinen sollen Abstoßungsreaktionen
nach einer Organtransplantation
verringern.
Beim "Gene Pharming" will die Industrie pharmazeutisch
wirksame Substanzen in Blut, Milch oder Eiern
transgener Tiere herstellen. Auch Industrierohstoffe
sollen zukünftig von Tieren produziert werden.
Beispielsweise versuchen Forscher, aus der Milch genmanipulierter
Ziegen ein spinnenfadenähnliches Material
zu extrahieren, das als reißfeste Faser in der Industrie
genutzt werden soll. Tiere werden durch solche
Forschungsansätze auf den Status von Ersatzteillagern
reduziert.
Genetisch Kuscheln
Auch vor Haustieren machen die Gentechniker nicht
Halt. In den USA wurden Katzen so manipuliert, dass
sie beim Menschen keine Allergien mehr auslösen sollen.
Buntes Treiben im Aquarium verspricht der bereits
in den USA zugelassene Glofish® – ein genmanipulierter
Zebrafisch, der in verschiedenen Farben angeboten
wird. In der EU sind die Gen-Fische verboten.
Patente als Anreiz
Die ökonomischen Anreize für die Entwicklung transgener
Tiere schafft das Patentrecht, das Lebewesen
technischen Erfindungen gleichsetzt und patentierbar
macht. Als erstes Tier in Europa wurde 1992 die so genannte
Krebsmaus vom Europäischen Patentamt in
München patentiert. Dieses Tier erkrankt gentechnisch
bedingt besonders leicht an Krebs. Besonders dreist
bei der Patentierung von Tieren tritt wieder einmal der
Agrar-Multi Monsanto auf. Schweine, die sich der Gentechnik-
Konzern patentieren lassen will, sind nicht
einmal gentechnisch verändert. Dennoch will sich der
US-Konzern bestimmte Gene und Zuchttechniken exklusiv
zusprechen lassen.
Nichts unter Kontrolle
Bis heute haben die Wissenschaftler die Herstellung
von Gen-Tieren nicht im Griff. Geringe Erfolgsquoten,
Missbildungen und hohe Todesraten sind die nüchternen
Ergebnisse. Schon bei den ersten Mäusen mit
menschlichen Wachstumsgenen wurde deutlich, dass
diese massiven Eingriffe in den komplexen Stoffwechsel
eines Lebewesens nicht ohne negative Folgen bleiben
können. Krankhafte Veränderungen der inneren
Organe verkürzten das Leben der Versuchstiere. Ähnliche
Phänomene wurden auch bei Gen-Fischen und manipulierten
Säugetieren festgestellt. Gen-Schweine litten
unter anderem an Magengeschwüren, Gelenkentzündungen
sowie Herz-, Haut- und Nierenerkrankungen.
Auch aus Gründen des Tierschutzes sollte daher
die ethisch bedenkliche Entwicklung von genmanipulierten
Tieren untersagt werden.
Das Umweltinstitut München e.V. fordert:
- Ein sofortiges internationales Verbot der
Herstellung und Patentierung genmanipulierter
Tiere
- Stopp der Falschkennzeichnung von Tierfutter
Für diese Ziele setzt sich das Umweltinstitut München e.V. ein:
- Keine Gentechnik in der Landwirtschaft und in Lebensmitteln
- Verbot genmanipulierter Tiere und Pflanzen
- Keine Patente auf Leben
- Freisetzungsstopp für genmanipulierte Organismen
- Förderung einer nachhaltigen, gerechten und zukunftsfähigen
Landwirtschaft, insbesondere des ökologischen Landbaus
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