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Patentierung/Biopiraterie


Patente auf Pflanzen und Tiere

  

Wer hat´s erfunden?


Leben ist keine Erfindung

BASF, Bayer, Monsanto, Syngenta und Co. machen mit Patenten auf Pflanzen und Tiere fette Geschäfte. Mit ihren Lizenzen wollen sie die gesamte Lebensmittelkette kontrollieren. Verbraucher, Landwirte, Züchter und Lebensmittelhersteller sollen die Zeche zahlen.

Patente sollen neue technische Erfindungen schützen. Die Inhaber erhalten damit das Exklusivrecht an der kommerziellen Nutzung ihrer Erfindung und können kräftig abkassieren. Mit Patenten auf Pflanzen und Tiere werden Lebewesen und deren Erbgut zu Ware degradiert. Ethische Aspekte spielen bei der Antragsprüfung keine Rolle. Kein Wunder: das Europäische Patentamt (EPA) in München verdient an jedem Patent mit.

Mit den Patenten bemächtigen sich einige wenige Agrarkonzerne der züchterischen Arbeit, die Landwirte auf der ganzen Welt seit Jahrtausenden leisten. Die Kontrolle über die gesamte Lebens- und Futtermittelerzeugung liegt zunehmend in der Hand der Agrar-Multis.

Die Folgen sind: steigende Preise vom Saatgut bis zum Lebensmittel, Marktkonzentration im Saatgutbereich durch Aufkauf mittelständischer Züchter und Verdrängung regionaler und traditioneller Sorten. Eine Katastrophe für die Ernährungssicherheit. Immer mehr Menschen können sich zukünftig keine Lebensmittel mehr leisten.


Kontrolle der Welternährung
Patente auf Leben haben weitreichende Folgen für die globale Lebensmittelsicherheit und Vielfalt in der Landwirtschaft:

  • Lebewesen und deren Erbgut werden als Erfindungen deklariert und zum Eigentum einiger weniger Großkonzerne.

  • Die gesamten Lebensmittelproduktion wird durch die Industrie kontrolliert. Sie entscheidet, was, wo und wie viel ange- baut wird.

  • Die Preise von Saatgut und Lebensmit- teln steigen an. Vom Acker bis zum Teller wird abkassiert.

  • Gift-Hersteller erhalten eine Schlüssel stellung. Patentrecht ist auf diese Bran- che zugeschnitten.

  • Die Bäuerinnen und Bauern geraten in die Abhängigkeit weniger Großkonzerne.

  • Patente verschärfen die Hungerkrise – zusätzliche Patentgebühren machen Lebensmittel für viele Menschen unbe- zahlbar.

  • Die Monopolisierung des Saatgutmarktes verdrängt regionale Sorten.

  • Der Artenverlust wird beschleunigt. Seit dem 20. Jahrhundert sind rund 75 Pro- zent des weltweiten Reichtums an Nutz- pflanzen und -tieren verloren gegangen.



Ausverkauf des Lebens
In den USA wurde erstmals 1980 ein gentechnisch manipuliertes Bakterium patentiert. Damit wurden Patente auf Lebewesen erst möglich. Das erste Tier-Patent in Europa erfolgte 1992 mit der so genannten Krebsmaus. Seitdem hat sich viel getan. Mittlerweile gibt es nicht nur Patente auf gentechnisch manipulierte Konstrukte, sondern auch auf konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere bis hin zu menschlichen Genen, Eizellen und Organen.



Ob Paprika, Gurken oder Getreide: Meist beteffen die Patente nicht nur die Pflanze selbst. Inzwischen erheben die Konzerne auch Anspruch auf deren Saatgut, einzelne Gene und die aus den Pflanzen gewonnenen Produkte. So erstrecken sich Patente inzwischen nicht nur auf Pflanzen, sondern auch auf Tiere, die damit gefüttert wurden, bis hin zu deren Fleisch, Milch oder Eiern.

Die Zahl der Patentanträge nimmt immer schneller zu. Allein 2010 wurden über dreihundert Patente am EPA angemeldet. Vor allem alarmierend: Der Anteil der konventionell gezüchteter Tiere und Pflanzen berträgt mittlerweile über 30 Prozent, Tendenz steigend. Eine besonders hinterlistige Strategie der Agro-Konzerne ist der Versuch, still und heimlich traditionelle Nutzpflanzen aus Afrika, Asien und Mittelamerika patentieren zu lassen.



Patente ohne Gewissen
Das Sonnenblumen-Patent (EP 1185161)
erstreckt sich über die gesamte Kette der Lebensmittelproduktion: Von Samen über die Pflanze bis zur Verwendung des Öls. Der Verbraucher zahlt die Zeche.

Das Turbo-Kuh-Patent (EP 1330552)
patentiert eine natürliche Gen-Sequenz, die eine erhöhte Milchleistung bewirken soll. Wird diese in das Erbgut der Kuh eingebaut, gilt das ganze Tier als patentiert.

Das Melonen-Patent (EP 1962578)
Mit dem Patent ist Monsanto Besitzer einer herkömmlich gezüchteten Melone, die resistent gegenüber einem Virus ist. Solche Melonen wurden ursprünglich in Indien entdeckt – in Europa gelten sie nun als Erfindung von Monsanto.

Das Brokkoli-Patent (EP 1069819)
Die britische Firma Plant Bioscience Ltd. brachte kürzlich einen Brokkoli unter dem Namen „Beneforte“ auf den Markt. Die Firma ließ sich nicht nur den Brokkoli, sondern auch das Saatgut patentieren und kassiert kräftig ab.

Das Schweine-Patent (EP 1651777)
patentierte nicht nur ein natürliches Fettleibigkeitsgen, sondern das ganze Schwein. Umweltschutzorganisationen erhoben erfolgreich Einspruch, das Patent wurde zurückgezogen.



Das Umweltinstitut München e.V. fordert:

  • Ein sofortiges Verbot der Patentierung von Pflanzen, Tieren, deren Genen, Zuchtmaterial und Verfahren zur Züchtung sowie Lebens- und Futtermitteln.




Werden Sie aktiv gegen Patente auf Leben und verteilen Sie unsere Informationsmaterialien:

  • Hier können Sie den Flyer "Patente auf Pflanzen & Tiere" bestellen.

  • Hier geht´s zur Gen-Info-Kampagne mit Flyern und Broschüren rund um die Gentechnik.



Fotos: ©www.fotolia.com; ©qay/www.pixelio.de; ©wrw/www.pixelio.de