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Hirntumor
Hirntumor (von oben gesehen). Foto: Forschungszentrum Jülich

Handy und Krebs: Keine Entwarnung


Immer wieder werden Meldungen zum Abschluss des deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms präsentiert wie: „Handy-Strahlung löst keinen Krebs aus“, „Entwarnung für Gesundheits-Risiken“. Die Pressemitteilung des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), welches das über sechs Jahre laufende Programm umgesetzt und koordiniert hat, liest sich bereits im Titel ganz anders: „Forschungsbedarf bei Kindern und Langzeitnutzern. Nicht alle Fragen abschließend geklärt“.


Weiterhin Forschungsbedarf gibt es nach Meinung des BfS vor allem in Hinblick auf die Fragen möglicher Langzeitrisiken für Handynutzungszeiten von mehr als zehn Jahren. Außerdem sei weiterhin unklar, ob Kinder empfindlicher auf Handystrahlung reagierten als Erwachsene. Das BfS rate deshalb weiterhin, auf eine vorsorgliche Verringerung der Strahlenbelastung zu achten.

Verständlich, wenn man weiß, dass Hirntumore und andere Tumore im Kopfbereich nicht von heute auf morgen entstehen. Typische Latenzzeiten betragen mindestens 10 Jahre, das Maximum wird nach 20 bis 30 Jahren erwartet, wie Untersuchungen an Patienten nach therapeutischer Bestrahlung zeigen.

In den Jahren 2000 bis 2004 wurden in 13 Ländern die Daten für die weltweit umfangreichste epidemiologische Studie zu Tumoren im Kopfbereich gestartet. Mehrere Teilstudien der sog. Interphone-Gruppe deuten auf Langzeitrisiken bei Handy-Nutzungszeiten von mehr als 10 Jahren hin. Wegen mehrjährig geführter Streitigkeiten innerhalb des Forscherteams, ob die Zusammenschau der einzelnen Länderergebnisse nun auf gesundheitliche Effekte hinweist oder nicht, konnte der Endbericht erst 2010 erscheinen. Nach heftigem Ringen wurde in die Zusammenfassung ein Warnhinweis aufgenommen.  Elisabeth Cardis, Leiterin der Interphone-Studie im Mai 2010: „Die obersten zehn Prozent unserer Studiengruppe scheinen tatsächlich ein erhöhtes Risiko zu haben, ein Gliom zu entwickeln. (...) Wo immer möglich, sollte man die Wirkung des Handys auf das Gehirn reduzieren.“

Im Mai 2011 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Handystrahlung als „möglicherweise krebserregend“ (Gruppe 2B) eingestuft und warnt Vieltelefonierer.

Vor dem Hintergrund, dass der Anteil der langjährigen Mobilfunk-Power-User seit dem Erhebungszeitraum wesentlich ansteigt, sind die Informationen alarmierend. Konsequente Vorsorge und Minimierung der Strahlenbelastung tut not.

Hans Ulrich-Raithel


Zur Pressemitteilung des Bundesamts für Strahlenschutz „Forschungsbedarf bei Kindern und Langzeitnutzern: Nicht alle Fragen abschließend geklärt“

Stand: November 2011