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Hauptsache billig?

Einen Liter Milch gibt es schon für 48 Cent, das Pfund Hackfleisch macht 99 Cent. Die Landwirtschaft steht unter einem gewaltigen Druck. Industrialisierung und Überschussproduktion auf dem Weltmarkt haben einen rapiden Preisverfall ausgelöst. Viele Landwirte steigern ihre Produktion, um die fallenden Preise auszugleichen. Doch das ist die falsche Strategie!

Dass solche Dumpingpreise nicht durch eine naturverträgliche Erzeugung zu Stande kommen, liegt auf der Hand. Denn die Folgen, etwa der quälerischen Massentierhaltung, gefährden die Gesundheit der Verbraucher und schädigen die Umwelt. Machen wir uns nichts vor: Die derzeitige Landwirtschaft ist größtenteils umweltfeindlich. Nitrat und Pestizidbelastung des Grundwassers, Bodenzerstörung, Verschmutzung von Gewässern, Stickstoffbelastung der Luft, hohe Kohlendioxid-Emissionen, der Entzug der Lebensgrundlage für viele Pflanzen und Tierarten sind die bekannten Umweltfolgen der agroindustriellen Produktion.

Die Macht des Marktes und die Vielzahl zugelassener billiger Hilfsstoffe ergeben zusammen ein gefährliches Gemisch. Geiz und Billigpreise sind Gift für gesunde Lebensmittel und volkswirtschaftlich verheerend.

Müssten Bauern für ökologische Schäden bezahlen, die sie verursachen, gäbe es Intensivlandwirtschaft und Pestizide schon längst nicht mehr. Das Bundesministerium für Umwelt schätzt – konservativ gerechnet – , dass die landwirtschaftlich bedingten Umweltschäden allein in Deutschland jährlich Kosten von rund 5,1 Milliarden Euro verursachen. Weitere Schäden in Milliardenhöhe, die durch den Verlust des Regenwaldes für Futtermittelimporte entstehen, sind dabei noch nicht einmal berücksichtigt. Eine solche Landwirtschaft ist nicht nur mit Blick auf zukünftige Generationen, sondern schon jetzt untragbar.

 

Dünger und Pestizide

Der Einsatz von Pflanzengiften steht in der konventionellen Landwirtschaft auf der Tagesordnung. In über 80 Prozent der untersuchten Lebensmittelproben aus Obst und Gemüse werden immer wieder Pestizidrückstände gefunden. Sogar Mehrfachbelastungen mit Pestiziden sind bei 77 Prozent der Obstproben und 63 Prozent der Gemüseproben keine Ausnahmefälle. Und viele Pestizide enthalten neben dem eigentlichen Wirkstoff gesundheitsschädigende Zusatzstoffe. Bei Lebensmitteluntersuchungen werden diese jedoch nicht alle erfasst.

Deutsche Landwirte kaufen jährlich fast 40.000 Tonnen Pestizide und versprühen diese auf Äckern und in Gewächshäusern. Äußerst bedenklich ist dabei der Einsatz von Insektiziden. Diese Nervengifte haben oft erbgutverändernde Eigenschaften und sind besonders schädlich für Säuglinge und Kinder. Pestizide können außerdem Krebs auslösen und den Hormonhaushalt stören.

Wenig Appetit macht auch die Anzahl der zugelassenen Pestizide: Weltweit sind es über 1400, etwa 500 davon allein in Europa, wovon wiederum ein Drittel als besonders gesundheitsschädigend eingestuft wird. Monokulturen, enge Fruchtfolgen, fehlende Bodenbedeckung und Tiefpflügen lassen die Fruchtbarkeit der Ackerböden kontinuierlich zurückgehen. Um die Erträge dennoch konstant zu halten, ist der Einsatz von großen Mengen Dünger notwendig. In Deutschland werden jährlich etwa 1,6 Millionen Tonnen synthetischer Stickstoff und 235.000 Tonnen synthetisches Phosphat in der Landwirtschaft eingesetzt. Durchschnittlich können die Pflanzen jedoch nur zwei Drittel dieser Nährstoffe aufnehmen. Der Rest wird mit dem Regen ausgewaschen und belastet Seen, Flüsse und das Grundwasser. Außerdem ist die Herstellung von chemischem Dünger, genauso wie die von Pestiziden, energetisch sehr aufwändig und damit klimabelastend.


Tierfabriken

Immer mehr – immer schneller – immer billiger. Nutztiere werden nicht mehr alsL ebewesen, sondern als Lieferanten von Fleisch, Milch oder Eiern angesehen. Während in Deutschland Hunde und Katzen mit auserlesenen Leckerbissen verwöhnt werden, vegetieren Millionen von Schweinen und Hühnern in viel zu engen Ställen ohne Tageslicht und frischer Luft vor sich hin. In Rekordzeit werden die Tiere auf ihr Schlachtgewicht gemästet und bereits im Kindesalter geschlachtet, Masthähnchen üblicherweise nach vier bis fünf Wochen. Unter natürlichen Bedingungen könnten sie ein Alter von bis zu 15 Jahren erreichen. Schweine werden nach 5 Monaten geschlachtet. Ihre natürliche Lebenserwartung liegt bei 21 Jahren. Lebewesen werden zur Wegwerfware degradiert. Die Tiere sind großem körperlichen und psychischen Stress ausgesetzt.

Die rein auf schnellen Ertrag gezüchteten Rassen sind wenig robust und anfällig für Krankheiten. Krankheitserreger finden in Massentierhaltungen optimale Bedingungen vor. Um eine Ausbreitung der Erreger zu verhindern, werden große Mengen an Antibiotika eingesetzt. Damit trägt die industrielle Tierhaltung maßgeblich zur Bildung und Verbreitung von resistenten Erregern bei, die für den Menschen lebensgefährlich sein können.

Auch die Tiertransporte nehmen zu. Die Aufzucht, Mast und Schlachtung findet in der Regel in hochspezialisierten, voneinander abgekoppelten Betrieben statt.

So werden die Tiere quer durchs Land und auch über Ländergrenzen hinweg gekarrt. Deutschland importiert jährlich über 10 Millionen Ferkel und Schweine zur Aufzucht und Schlachtung. Gleichzeitig exportieren wir über zwei Millionen Ferkel und Schweine in andere Länder.Für die Tiere selbst ist dieser Handel eine reine Tortur.


Gentechnik

Neben Pestiziden und Chemikalien kommt ein weiteres Risiko auf den Verbraucher zu: genmanipulierte Pflanzen. Mit Genmanipulationen können heute artfremde Gene in Pflanzen übertragen werden, etwa aus Bakterien oder Viren, aber auch aus Tieren und Menschen. In Deutschland wurde deren Anbau im Jahr 2005 mit der Zulassung der Genmaissorte MON810 erstmals offiziell erlaubt. Seit 2009 ist der Anbau des genmanipulierten Mais verboten.

Nach Industrieangaben wurden im Jahr 2010 genmanipulierte Pflanzen weltweit auf einer Fläche von rund 148 Millionen Hektar angebaut. Soja, Mais, Baumwolle und Raps sind dabei die Favoriten. Nur ein verschwindend geringer Teil der angebauten Genpflanzen wird direkt als Lebensmittel genutzt. Bisher landen Gen-Soja, -Mais und -Raps zu 80 Prozent in den Mastfabriken und Ställen der Industrieländer. Doch zahlreiche genmanipulierte Pflanzen sind auch für den menschlichen Verzehr zugelassen. Weitere Genehmigungen sind beantragt.

Die Risiken für unsere Gesundheit und die unserer Tiere sind bis heute wenig erforscht. Nach über 25 Jahren Forschung und fünfzehn Jahre nach der Kommerzialisierung der Agro-Gentechnik in Nordamerika gibt es weltweit fast ausschließlich Studien, die abhängig
von der Industrie durchgeführt wurden.Die wenigen unabhängigen sowie die ans Licht der Öffentlichkeit geratenen Studien der Gentechnik-Konzerne sind erschreckend: Genmanipulierte Nahrungsmittel sind ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko.

Sowohl genmanipulierte Soja als auch transgener Mais, Erbsen und Kartoffeln schädigten die Gesundheit der Versuchstiere. Störungen des Immunsystems, Unfruchtbarkeit, Veränderungen des Blutbilds und der Organe sind nur einige der dokumentierten Folgen. Weitere gravierende schädliche 10 Umweltinstitut München e.V.

Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt bringt der stark gestiegene Einsatz von Pflanzengiften mit sich. Allen voran das Herbizid Glyphosat, an das die Gen-Pflanzen angepasst sind. Trotz der alarmierenden Erkenntnisse, werden diese Fakten kaum weiter untersucht. Zu groß ist der Druck der Agrochemiekonzerne, die ihre Produkte gegen den Willen der europäischen Verbraucher und Landwirte schnell auf dem Markt haben wollen.
Weder die These, genmanipulierte Lebensmittel wären ausreichend getestet, noch die jahrelang verbreitete Behauptung, dass transgene Erbsubstanz im Magen zerlegt würde und daher kein Gesundheitsrisiko darstelle, halten einer wissenschaftlichen Betrachtung stand. Aktuelle, unabhängige Studien belegen viel mehr genau das Gegenteil.

Darüber hinaus ist vollkommen unklar, wie sich genmanipulierte Pflanzen und Tiere auf die heimische Flora und Fauna auswirken werden. Einmal in die Natur gelangt, sind genmanipulierte Pflanzen nicht mehr rückholbar. Besonders in den Ländern des Südens treiben die Gen-Konzerne die Einführung der Gentechnik mit aggressiven Methoden voran. Die Kosten für Hochertragssorten, Pestizide und Kunstdünger zur Ertragssteigerung sind teuer. Die Bauern geraten dadurch in eine Schuldenfalle. Viele Selbstmorde sind die Folge. Gentechnik bekämpft den Hunger nicht. Immer mehr Menschen hungern – trotz Genfood. Zudem trägt Gentechnik wesentlich zu zerstörten Böden, kaputten Ökosystemen und der Konzentration von Land und Macht in den Händen Weniger bei.


Krankmacher im Essen

Da eine vollständige Kennzeichnung auf Lebensmittelprodukten fehlt, wissen Verbraucher oft nicht, was sich in ihrer Nahrung verbirgt:

  • Geschmacksverstärker
  • Aromen
  • Farb- und Konservierungsstoffe
  • Stabilisatoren
  • synthetische Süßstoffe
  • radioaktive Bestrahlung
  • Zusatz- und Hilfsstoffe.

All das schädigt, gerade in Wechselwirkung miteinander, den menschlichen Organismus. Übergewicht, Zahnschäden Neurodermitis, Allergien bis hin zu Krebserkrankungen können die Folge sein. Allein in der EU sind derzeit über 350 Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen. Bei vielen wurden mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit nicht untersucht.

Zu den Zusatzstoffen gesellen sich Rückstände von Medikamenten, Wachstumsförderern und Hormonen in tierischen Produkten oder von Kunstdüngern und Pestiziden in Obst und Gemüse. Eine äußerst brisante Mischung, mit der das Essen zum Lotteriespiel werden kann. Zusatzstoffe haben unser Geschmacksempfinden und unsere Kaufbereitschaft bei Lebensmitteln fest im Griff. Möglichst bunt, süß oder würzig und alles andere als natürlich werden die Lebensmittel präsentiert.

Das gefällt vor allem Kindern und Jugendlichen. Schon der Babynahrung werden künstliche Aromastoffe, wie zum Beispiel Vanillin, zugesetzt. Auf diese Weise wird der Geschmackssinn bereits im Kleinkindalter konditioniert Je früher Kinder mit den Laborerzeugnissen in Berührung kommen, desto schwerer fällt es ihnen später, natürlichen Geschmack von künstlichem zu unterscheiden. Schlechter Geschmack ist folglich erlernbar.

 

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Fotos: USDA, PeTA Deutschland e.V., BASF, Fotolia, Sebastian Hühn