Umweltinstitut München e.V.
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(2) Hauptsache billig? Hauptsache satt?


Die Landwirtschaft steht unter einem gewaltigen Globalisierungsdruck. Die Folge ist ein rapider Preisverfall. Viele Landwirte steigern ihre Produktion, um die fallenden Preise auszugleichen. Die falsche Strategie. Denn die Folgen zum Beispiel der quälerischen Massentierhaltung gefährden die Gesundheit der Verbraucher und schädigen die Umwelt. Machen wir uns nichts vor: Die derzeitige konventionelle Landwirtschaft ist größtenteils umweltfeindlich. Nitrat- und Pestizidbelastung des Grundwassers, Bodenzerstörung, Verschmutzung von Gewässern, Stickstoffbelastung der Luft, hohe Kohlendioxid-Emissionen, der Entzug der Lebensgrundlage für viele Pflanzen und Tierarten sind die bekannten Umweltfolgen der agroindustriellen Produktion. Qualitativ hochwertige Lebensmittel aus ökologischem Landbau sind dagegen der Weg der Zukunft. Sie sichern den Landwirten durch höhere Preise das Überleben. Regionale Erzeugung trägt zu einer Verringerung der Transportkosten und damit zu einer weiteren Verbesserung der Ökobilanz der Produkte bei. Gerade in den Ländern des Südens bietet der ökologische Landbau zudem einen Ausweg aus der Verschuldungsfalle, die durch hohe Kosten für Saatgut, Pestizide und Kunstdünger entsteht.

Wein aus ökologischem Landbau gibt es in großer Auswahl

Krankmacher im Essen

Geschmacksverstärker, Aroma- und Konservierungsstoffe haben die deutschen Teller fest im Griff. Und die meisten wissen nicht einmal, was sich in ihrer Nahrung verbirgt. Denn eine klare Kennzeichnung fehlt. Beim Naturprodukt Wein zum Beispiel setzen US-Winzer seit Jahren Kunstaromen zu, verwenden Hilfsstoffe wie etwa Enzyme und geben Wasser bei. Weine werden im Labor hergestellt. Was er kauft, bleibt auch für den europäischen Verbraucher vollkommen unklar.

Farbstoffe & Co.

Farbstoffe, künstliche und naturidentische Aromen, Stabilisatoren, synthetische Süßstoffe, radioaktive Bestrahlung, Zusatz- und Hilfsstoffe. Das alles kann, vor allem in Wechselwirkung miteinander, den menschlichen Organismus schädigen, Neurodermitis, Allergien und andere Krankheiten auslösen. Allein in der EU sind derzeit rund 300 Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen. Bei vielen sind die gesundheitlichen Folgen nicht untersucht. Aus der landwirtschaftlichen Produktion gesellen sich dazu noch gesundheitsschädigende Stoffe aus Tiermedikamenten, Wachstumsförderern, Kunstdüngern und Pestiziden.

Zusatzstoffe führen den Geschmackssinn vor allem von Kindern in die Irre. Je früher sie mit den Laborerzeugnissen in Berührung kommen, desto stärker die Konditionierung und desto schwieriger ist es später für sie, natürlichen Geschmack von künstlichem zu unterscheiden. Versuche ergaben, dass Menschen, die in früher Kindheit Babymilch mit dem künstlichen Stoff Vanillin bekommen hatten, diesen später nicht mehr in Lebensmitteln erkennen konnten. Schlechter Geschmack wird gelernt.

Mehr als 350 Pestizide dürfen in Europa verspritzt werden

Pestizide

Statistische Erhebungen der EU für das Jahr 2000 zeigen, dass in 35 Prozent der in den Mitgliedsstaaten vorgenommenen Lebensmittelproben aus Obst, Gemüse und Getreide Pestizidrückstände gefunden wurden. In 4,3 Prozent der Proben wurden sogar die zulässigen Grenzwerte überschritten. Und viele Pestizide enthalten neben dem eigentlichen Wirkstoff noch gesundheitsschädigende Zusatzstoffe wie etwa Synergisten, die den Abbau der Gifte auch im menschlichen Körper hemmen und die schädlichen Wirkungen so noch verstärken. Diese Synergisten werden jedoch bei Lebensmitteluntersuchungen so gut wie nie erfasst.

In den letzten zehn Jahren hat sich der Verbrauch von Pestiziden in Deutschland kaum verändert. Rund 30.000 Tonnen werden jährlich auf Äckern und in Gewächshäusern versprüht, etwa die Hälfte davon sind Unkrautvertilgungsmittel (Herbizide). Äußerst bedenklich ist der Einsatz von Insektiziden. Diese Nervengifte sind oft erbgutverändernd und besonders für Säuglinge und Kinder schädlich. Und die Belastung von Nahrungsmitteln mit Pestizidrückständen nimmt laut World Wildlife Fund (WWF) zu. Mehrfachbelastungen mit Pestiziden, teilweise sogar mit verbotenen Stoffen, sind an der Tagesordnung. Tomaten, Trauben, Erdbeeren oder Paprika trifft es besonders häufig. Wenig Appetit macht auch die Anzahl der zugelassenen Pestizide. Mehr als 350 sind es allein in Europa – untersucht wird im Durchschnitt aber nur auf Rückstände von 150 "Pflanzenschutzmitteln". Zudem kommen unsere Lebensmittel aus aller Herren Ländern, mit einem unüberschaubaren Giftcocktail. Da wird das Essen zum Lotteriespiel.

Nachhaltig lecker: ökologische Würste


Dumpingpreise

Zehn Eier kosten 79 Cent, einen Liter Milch gibt’s für 49 Cent, das Pfund Hackfleisch macht 1,39 Euro: Dass solche Preise nicht durch eine naturverträgliche Erzeugung zu Stande kommen, liegt auf der Hand. Die Macht des Marktes und die Vielzahl zugelassener billiger Hilfsstoffe ergeben zusammen ein brisantes Gemisch. Geiz und Billigpreise sind Gift für gesunde Lebensmittel. Und volkswirtschaftlich verheerend. Müssten Bauern für ökologische Schäden bezahlen, die sie verursachen, gäbe es Intensivlandwirtschaft und Pestizide schon längst nicht mehr. Eine Studie von renommierten Wissenschaftlern aus England kam zu dem Schluss, dass die britische Landwirtschaft nach sehr konservativer Schätzung jedes Jahr Umweltschäden im Wert von insgesamt 2,4 Milliarden Euro oder 300 Euro pro Hektar verursacht. Rechnet man diese Zahl auf Deutschland um, kommt man auf 3,4 Milliarden Euro. Eine solche Landwirtschaft ist nicht nur mit Blick auf zukünftige Generationen untragbar.

Gentechnik

Neben Pestiziden und Chemikalien aus dem Labor kommt nun ein weiteres Risiko auf den Verbraucher zu: genmanipulierte Pflanzen. In Deutschland ist ihr Anbau seit 2006 offiziell erlaubt. Weltweit wurden nach Industrieangaben im Jahr 2005 solche Pflanzen auf einer Fläche von rund 90 Millionen Hektar angebaut. Soja, Mais, Baumwolle und Raps sind dabei die Favoriten der Gentech- Landwirte. Mit Genmanipulationen können heute artfremde Gene in Pflanzen übertragen werden, etwa aus Bakterien oder Viren, aber auch aus Tieren und Menschen. Zu 80 Prozent landen diese Pflanzen in den Mägen der Nutztiere in den Industrieländern. Doch zahlreiche genmanipulierte Pflanzen sind auch für den menschlichen Verzehr zugelassen. Die Risiken für unsere Gesundheit sind bis heute kaum erforscht. Niemand kann z.B. sagen, was unser Körper zu dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis sagt, das Gentechniker als Insektengift in eine Maissorte eingebaut haben. Nach 20 Jahren Forschung und zehn Jahre nach der Kommerzialisierung der Agro-Gentechnik in Nordamerika gibt es weltweit fast ausschließlich von der Industrie abhängige Studien. Die wenigen unabhängigen und die ans Licht der Öffentlichkeit geratenen Studien der Gentechnik- Konzerne selbst geben Anlass zu Sorge. Sowohl genmanipulierter Soja als auch transgener Mais, Erbsen und Kartoffeln schädigten die Gesundheit der Versuchstiere. Veränderungen des Blutbilds, der Organe und Entzündungen sind einige der dokumentierten Folgen. Doch weiter untersucht werden diese Fakten kaum. Zu stark ist der Druck der Agrochemiekonzerne, die ihre Produkte schnell auf dem Markt haben wollen.

Garantiert gentechnikfrei: Käse aus ökologischer Erzeugung

Weder die oft gehörte These, dass genmanipulierte Lebensmittel gut getestet wären, noch die jahrelang verbreitete Behauptung, dass transgene Erbsubstanz im Magen zerlegt würde und daher kein Gesundheitsrisiko darstelle, halten einer wissenschaftlichen Betrachtung stand. "Jeder Politiker und jeder Wissenschaftler, der behauptet, diese Produkte seien sicher, ist entweder dumm oder er lügt. Diese Untersuchungen wurden schlicht nicht durchgeführt", meint Professor David Suzuki von der Universität Vancouver dazu.

Darüber hinaus ist vollkommen unklar, wie sich genmanipulierte Pflanzen und Tiere auf die heimische Flora und Fauna auswirken werden. Trotzdem hält die Industrie stur an der Technik fest, und es wird ignoriert, dass weder europäische Verbraucher noch die Landwirte manipulierte Pflanzen wollen.





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