(3) Ökologische Landwirtschaft und Lebensmittel
Vieles spricht für den hohen gesundheitlichen
Wert von Öko-
Lebensmitteln: Aus Verbrauchersicht
ist entscheidend, dass
Öko-Produkte weitaus weniger mit
Rückständen belastet sind, weil sie
ohne chemisch-synthetische Pestizide
und leichtlöslichen Mineraldünger
auskommen. Auch der Nährstoffgehalt
ökologischer Produkte ist in
vielen Fällen den konventionellen
Erzeugnissen überlegen. Nicht
umsonst sind führende Hersteller
von Babynahrung auf Bio umgestiegen.
Die ökologische Landwirtschaft
garantiert höchste Standards in
Produktion und Verarbeitung von
Lebensmitteln und eine Kontrolle
dieser Standards vom Feld über den
Stall bis zum Ladenregal. Produktions-
und Verarbeitungsrichtlinien
sind von den Verbänden und seit
1991 von der EU Öko-Verordnung
2092/91 detailliert vorgeschrieben.
Was ist eigentlich
ökologischer Landbau?
Die Grundlagen des ökologischen
Landbaus entstanden zu Beginn des
20. Jahrhunderts. Auf der Basis
dieser Ansätze wurden Regeln für
Tierhaltung und Pflanzenbau abgeleitet,
die heute international gültig
sind. Der zentrale Gedanke ist, die
natürlichen Ressourcen des Betriebes
möglichst effizient zu nutzen
und die betrieblichen Kreisläufe zu
schließen. Möglichst wenig Nährstoffe
sollen verloren gehen,
möglichst wenige zugekauft werden.
Biologische Landwirtschaft ist
Kreislaufwirtschaft. Die Umweltbelastung
wird dadurch so gering wie
möglich gehalten.
Im Jahr 2005 wurden weltweit
bereits 26 Millionen Hektar ökologisch
bewirtschaftet. In den vergangenen
Jahren stieg diese Fläche um
jährlich zehn Prozent. Ende 2004
wurden in Deutschland 767.891
Hektar landwirtschaftliche Fläche
von 16.603 Betrieben ökologisch
bewirtschaftet. Das sind etwa vier
Prozent der landwirtschaftlichen
Nutzfläche der BRD.
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Zwei Langzeitversuche weisen präzise die
Vorteile des Biologischen Landbaus nach
In der Schweiz wurden über 21 Jahre konventionelle und biologische
Methoden verglichen: Der Einsatz von Düngemitteln und
Energie war um 34 bis 53 Prozent, der von Pestiziden um 97
Prozent geringer. Die Erträge sanken um lediglich 20 Prozent.
In den USA wurden in einem Versuch über 20 Jahre noch bessere
Resultate erzielt. Geringere Erträge des Ökolandbaus in den ersten
Jahren wurden durch höhere Erträge in den späteren ausgeglichen.
Die für die Produktion nötige Energiemenge sank um 30
Prozent.
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Keine Pestizide
Lebensmittel aus Ökolandbau enthalten
so gut wie keine gesundheitsschädlichen
Agrargifte. So fand
die Lebensmittelüberwachungsbehörde
des Landes Baden-Württemberg
2004 bei konventionellem Obst
und Gemüse 0,4 - 0,5 Milligramm
Pestizidrückstand pro Kilogramm. In
Öko-Erzeugnissen war es im Durchschnitt
hundertmal weniger! Die
meisten Restpestizide in Bioware
sind auf windbedingte Drift von
konventionellen Flächen zurückzuführen.
Auch allgemeine Umweltverschmutzung
führt zu Rückständen.
Klimaschutz und
saubere Luft
Der Ernährungsbereich beansprucht
etwa 20 Prozent der in Deutschland
genutzten Primärenergie (vor allem
fossile Brennstoffe wie Erdöl, Erdgas,
Steinkohle) und ist damit
erheblich am Ausstoß von Treibhausgasen
beteiligt. Auch hier ist der
Ökolandbau zukunftsweisend. Denn
besonders der Verzicht auf Agrarchemikalien,
die in der Herstellung
sehr energieintensiv sind, führt zu
einer besseren Energiebilanz. Weil
Biobauern vorwiegend hofeigene
Futtermittel verwenden und kaum
welche importieren, verbraucht der
konventionell arbeitende Landwirt
auch für den Transport von Futtermittel
deutlich mehr Energie. Auch
die Emission klimarelevanter Gase
ist zum Beispiel durch flächengebundene
Tierhaltung viel geringer.
Für die Erzeugung von einem Kilogramm
Fleisch bedeutet Ökolandbau
konkret: 25 Prozent weniger Energie,
75 Prozent weniger Stickstoffbelastung,
75 Prozent weniger
Treibhausbelastung, 100 Gramm
weniger Mineraldünger, 1,5 Gramm
weniger Pestizide.
Unbelastete Böden
Grundlage des ökologischen Wirtschaftens
ist ein weitgehend geschlossener
Betriebskreislauf, bei
dem die Bodenfruchtbarkeit erhalten
und die Ressourcen geschont
werden. Dabei setzt man auf bewährte
Methoden, wie ausgeglichene
Fruchtfolge und standortangepasste
Sorten. Zugleich bedient sich
der Ökolandbau modernster Technik
und mechanischer Unkrautbearbeitungsgeräte,
die den Einsatz von
chemischen Unkrautvernichtungsmitteln
ersetzen. Vielfältige Fruchtfolgen
behindern selbsttätig das
Auftreten vieler Krankheiten und
Schädlinge. Im ökologischen Landbau
darf neben dem selbst erzeugten
Dünger ausschließlich Naturdünger
verwendet werden. Im Boden
einer Biofläche findet man daher
durchschnittlich 50 bis 80 Prozent
mehr Regenwürmer als auf konventionellen
Flächen. Das Ergebnis ist ein
höherer Humusgehalt, der den
Boden saugfähig macht. Das verhindert
Erosion und schützt vor Hochwasserschäden.
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Ökologisch angebautes Obst und Gemüse ist zu 92,7 Prozent frei von Pestizidrückständen,
hingegen sind über 80 Prozent der Proben aus konventionellem Anbau belastet.
Quelle: www.untersuchungsaemter-bw.de
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Tierhaltung
In Deutschland werden immer mehr
Tiere auf immer weniger Raum
immer schneller produziert. Die
Lebensdauer von Masthähnchen
beträgt gerade einmal 35 Tage, eine
durchschnittliche Milchkuh bringt
nur noch zwei Kälber zur Welt,
bevor sie geschlachtet wird. Noch
vor wenigen Jahrzehnten waren
zehn Kälber und mehr die Regel.
Lebewesen werden durch "moderne"
Haltungsbedingungen zur Wegwerfware.
Die Verfütterung von
Tierkadavern an Pflanzenfresser und
Milchersatz auf der Basis tierischer
Fette als Kälbernahrung sind die
Auswüchse der agroindustriellen
Produktion. Unser hoher Fleischkonsum
geht auf Kosten der "Dritten
Welt" – denn viele Futtermittel
werden von dort zugekauft. Die
Flächen, auf denen sie angebaut
werden, könnten besser dazu
genutzt werden, den Hunger der
Menschen vor Ort zu stillen. Über
ein Drittel der Weltgetreideproduktion
verschwindet in den Mägen
unserer Nutztiere. Und: Für eine
Kalorie im Fleisch bedarf es im
Durchschnitt sieben pflanzlicher
Kalorien, die erst einmal produziert
werden müssen. Eine gigantische
Verschwendung von wichtigen
Nahrungsmitteln.
Im Ökolandbau wird Tierschutz groß
geschrieben: aus Achtung vor dem
Mitgeschöpf Tier und weil nur
artgerechte Haltung und Fütterung
gesunde und langlebige Tiere hervorbringen.
Der Zusatz von Leistungsförderern
in Futtermitteln ist
untersagt. Ökobetriebe halten nur
so viele Tiere, wie sie auch von
ihren Acker- und Weideflächen
füttern können. Der Zukauf von
Futtermitteln ist streng begrenzt.
Anfallende natürliche Dünger werden
im Betriebskreislauf eingesetzt.
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Hinterwälder Rinder, gehalten nach den
Richtlinien des ökologischen Landbaus
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Schutz der
biologischen Vielfalt
Die Landwirtschaft ist Verursacherin
Nummer eins für das weltweite
Artensterben. Vor allem die
industrielle Landwirtschaft ist
verantwortlich für die großflächige
Zerstörung von Lebensräumen,
beispielsweise durch die Abholzung
der tropischen Regenwälder für den
Sojaanbau in Brasilien. Gefährliche
Pestizide, die sich zum Teil langsam
abbauen, sind nicht nur schädlich
für die menschliche Gesundheit.
Sie töten auch Insekten, Amphibien
und Fische.
Einen Ausweg bietet der Ökolandbau:
Wo ökologisch gewirtschaftet
wurde, fanden Wissenschaftler in
England 85 Prozent mehr Pflanzenarten,
ein Drittel mehr Fledermäuse,
17 Prozent mehr Spinnen und fünf
Prozent mehr Vögel. Dies liegt nicht
nur am Verzicht auf Chemikalien.
Der Lebensraum für mehr Pflanzen
und Tiere wird auch durch mehr
Grünflächen und Hecken gefördert.
Reines Wasser
Der ökologische Landbau sorgt nicht
nur für gesunde Lebensmittel. Er
hält auch unser Hauptnahrungsmittel
sauber: das Wasser. Denn Dünger
und Pestizide sickern ins Grundwasser
und landen irgendwann im
Trinkwasser. Aus diesem Grund
haben die Stadtwerke München
rund 30 Prozent des engeren Einzugsgebiets
aufgekauft – und ein
einzigartiges Projekt in Zusammenarbeit
mit den Ökoanbau-Verbänden
ins Leben gerufen: Mit 2500 Hektar
ist im Wasserschutzgebiet Mangfalltal
die größte zusammenhängende
ökologisch bewirtschaftete Fläche
Deutschlands zu finden. Deshalb ist
das Münchner Wasser besser als
manches teure Mineralwasser und
auch zur Herstellung von Säuglingsnahrung
geeignet.
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Lebensmitteln sieht man später nicht an, ob sie fremde Gene enthalten.
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Keine Gentechnik
Der ökologische Landbau hat mit
Gentechnologie nichts am Hut.
Genmanipuliertes Saatgut und
Futtermittel sowie Gentechnik in
der Verarbeitung von Öko-Lebensmitteln
sind verboten. Dennoch ist
die Bedrohung für die ökologische
Landwirtschaft groß. Sie muss vor
der Verunreinigung mit genmanipulierten
Organismen geschützt werden,
damit deren Pollen nicht auf
ökologisch angebaute Flächen
geraten. Die Stadt München hat
sich 1999 zur gentechnikfreien Zone
erklärt, um ökologische Lebensmittel
vor Kontamination mit genmanipuliertem
Material zu schützen.
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