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Ökologischer Landbau und gesunde Lebensmittel

Ziel des ökologischen Landbaus ist es, Umweltschäden gar nicht erst entstehen zu lassen. Die Nutzung der Natur und deren Schutz befinden sich im Einklang. Die Wirtschaftsweise ist naturnah unter Einhaltung der ökologischen Belastungsgrenzen. Leitbild im Ökolandbau ist ein geschlossener Betriebskreislauf.

Möglichst wenig Nährstoffe sollen verloren gehen, möglichst wenige hinzu gekauft werden. Ackerbau und Viehhaltung sind aneinander gekoppelt. Auf der Ackerfläche werden Lebensmittel und Futterpflanzen erzeugt. Die pflanzlichen Abfälle und der tierische Dung werden auf dem Acker ausgebracht. Daher muss pro Tier eine bestimmte Feldfläche vorhanden sein. Die Grundlagen des ökologischen Landbaus entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Aus diesen wurden die heute international gültigen Regeln für Tierhaltung und Pflanzenbau abgeleitet. Im Jahr 2009 wurden weltweit bereits über 37 Millionen Hektar ökologisch bewirtschaftet. In den vergangenen Jahren wuchs diese Fläche kontinuierlich. Im Jahr 2010 gab es in Deutschland 22.174 Öko-Betriebe mit einer Fläche von über einer Million Hektar. Dies entspricht knapp sechs Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche des Landes.


Unbelastete Böden

Der hohe Düngemittel- und Pestizideinsatz, schwere Landwirtschaftsmaschinen und der Verzicht auf biologisch sinnvolle Fruchtfolgen belasten unsere Böden. Auf intensiv bewirtschafteten Äckern hat die Bodendegradation mittlerweile katastrophale Ausmaße angenommen. In der ökologischen Landwirtschaft wird der Boden als lebendige Grundlage betrachtet. Zu dessen Schutz und zum Aufbau der Bodenfruchtbarkeit muss eine ausgeglichene Fruchtfolge eingehalten werden. Der Ökolandbau nutzt modernste Technik und mechanische Unkrautbearbeitungsgeräte, die den Einsatz chemischer Unkrautvernichtungsmittel ersetzen und Nützlinge fördern Auf Bioböden leben bis zu doppelt so viele Laufkäfer und Spinnen, die sich hauptsächlich von Schädlingen ernähren. Vielfältige Fruchtfolgen behindern zudem selbsttätig viele Krankheiten und Schädlinge. Im ökologischen Landbau darf neben selbst erzeugtem Dünger ausschließlich Naturdünger verwendet werden. Im Boden einer Biofläche findet man daher durchschnittlich 50 Prozent mehr Regenwürmer als auf konventionellen Flächen. Das Ergebnis ist ein höherer Humusgehalt, der den Bodenr und Nährstoffe speichern. Die Pflanzen werden besser versorgt, Erosion und Hochwasserschäden verhindert.

 

Reines Wasser

Pestizide und Düngemittel in der Landwirtschaft gelten als größte Grundwasserverschmutzer. Erhöhte Nitratwerte beeinträchtigen die Trinkwasserqualität und wirken sich negativ auf die Gesundheit aus. Besonders in Gebieten, in denen viel Massentierhaltung betrieben wird, können Trinkwasserbrunnen wegen der hohen Belastung oft nicht mehr genutzt werden. Der ökologische Landbau dagegen sorgt nicht nur für gesunde Lebensmittel. Er hält auch unser Hauptnahrungsmittel sauber: das Wasser.

Im Ökolandbau wird überwiegend mit Mist und Gülle sowie Pflanzenkompost gedüngt. Gründüngung und der Anbau von Leguminosen wird ergänzend eingesetzt. Auf ökologischen Ackerflächen darf generell weniger Dünger ausgebracht werden. In Kombination mit einer vielfältigen Fruchtfolge bei möglichst ganzjähriger Bodenbedeckung wird auf ökologisch bewirtschafteten Flächen bis zu 64 Prozent weniger Nitrat ausgewaschen als auf konventionellen Höfen. Zudem gelangen keine Pestizide ins Grundwasser, da auf ihren Einsatz verzichtet wird. Auf diese Weise bleiben Flüsse und Seen sauber.


Klimaschutz und saubere Luft

Der Ernährungssektor inklusive Landwirtschaft, Verarbeitung und Transporte verursacht rund 20 Prozent aller Treibhausgasemissionen in Deutschland - etwa genauso viel wie der Straßenverkehr. Humusverlust, Bodenerosion, das Trockenlegen von Mooren, Grünlandumbruch und der Einsatz mineralischer Stickstoffdünger verursachen die meisten Emissionen in der Landwirtschaft. Auch beim Klimaschutz ist der Ökolandbau zukunftsweisend und kann die landwirtschaftliche Klimabilanz deutlich verbessern.

Öko-Betriebe emittieren pro Hektar bis zu 50 Prozent weniger klimaschädliches CO2 als konventionelle. Besonders der Verzicht von Agrarchemikalien, die in der Herstellung sehr energieintensiv sind, führt zu einer besseren Energiebilanz. Weil Biobauern vorwiegend hofeigene Futtermittel verwenden, verbrauchen sie auch für den Transport von Futtermittel deutlich weniger Energie. Außerdem können ökologisch bewirtschaftete Flächen durch ihren höheren Humusgehalt mehr CO2 binden und tragen so zur Stabilisierung des Klimas bei.


Schutz der Artenvielfalt

Die Landwirtschaft gilt als Verursacherin Nummer eins für das weltweite Artensterben. Vor allem die industrielle Landwirtschaft ist verantwortlich für die großflächige Zerstörung von Lebensräumen. Die Abholzung der tropischen Regenwälder für den Sojaanbau in Brasilien ist nur eins von vielen Beispielen.

Gefährliche Pestizide, die sich zum Teil sehr langsam abbauen, sind nicht nur schädlich für die menschliche Gesundheit. Sie töten auch Insekten, Amphibien und Fische. Der Ökolandbau bietet einen sinnvollen Ausweg: Wo ökologisch gewirtschaftet wurde, fanden Wissenschaftler in England 85 Prozent mehr Pflanzenarten, ein Drittel mehr Fledermäuse, 17 Prozent mehr Spinnen und fünf Prozent mehr Vögel.

Dies liegt nicht nur am Verzicht auf Chemikalien. Die schonende Bodenbearbeitung erhält die Vielfalt der Bodenorganismen. Der Lebensraum für Pflanzen und Tiere wird auch durch mehr Grünflächen und Hecken vergrößert. Außerdem fördern Bio-Bauern heimische, an die lokalen Umweltbedingungen angepasste Tierrassen und Pflanzensorten. So wirken sie dem ausschließlich auf Höchstleistung getrimmten Einheitsbrei in der konventionellen Landwirtschaft entgegen.


Artgerechte Tierhaltung

Die etwa 3,5 Millionen Rinder, 56 Millionen Schweine, 1,4 Milliarden Hühner, Enten, Gänse und Truthühner, die jährlich in Deutschland geschlachtet werden, stammen überwiegend aus industrieller Tierhaltung: Tausende Tiere dicht gedrangt in klimatisierten Stallen ohne Tageslicht, abgekniffene Schwanze und Zahne bei Schweinen, gestutzte Schnabel bei Huhnern und Puten, lange Transportwege zum Schlachthof, regelmasige Antibiotikagaben, billiges Futter, darunter genmanipulierte Soja aus aller Welt - Tierqualerei im Rahmen der Gesetze.

Im Ökolandbau hingegen wird Tierschutz groß geschrieben: Erstens aus Achtung vor dem Mitgeschopf Tier und zweitens, weil nur artgerechte Haltung und Futterung gesunde und langlebige Tiere hervorbringen. Der Zusatz von Leistungsforderern in Futtermitteln ist untersagt. Ökobetriebe halten nur so viele Tiere, wie sie mit den Ertragen ihrer Acker- und Weideflachen futtern konnen. Der Zukauf von Futtermitteln ist begrenzt. Anfallende naturliche Dunger werden im Betriebskreislauf eingesetzt. Die Tiere kommen taglich an die frische Luft und haben auch im Stall ausreichend Platz zur Bewegung. Deswegen können Schwanze, Zahne und Schnabel dranbleiben. Öko-Tiere fuhlen sich wohl und das reduziert Krankheiten. Bei Bedarf kommen naturliche und homoopathische Mittel zum Einsatz, Antibiotika werden nur selten gebraucht. Der letzte Weg der Tiere zum Schlachthof erfolgt so schonend wie möglich.


Fotos: Marlies Graf, Kathrin Brechbühler/pixelio, Roland Bollinger/pixelio, Péronne vd Hamm/pixelio, Bernd Lang/pixelio, AngelaL/pixelio