Nitrat in Gemüse - Vergleich Bio / Konventionell A) Untersuchungen des BgVV: Saisonale und regionale Einflüsse auf den Nitratgehalt Im Heft 07/1997 hat das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) Untersuchungen im Jahr 1995 über "Einflussfaktoren auf die Belastung von Lebensmitteln mit Rückständen und Verunreinigungen" veröffentlicht. In dieser Veröffentlichung wurde der Versuch gemacht, saisonale und regionale Auswirkungen auf verschiedene Parameter in verschiedenen Lebensmitteln zu erfassen. Dazu wurde bei einigen pflanzlichen Lebensmitteln unter anderem der Nitratgehalt untersucht. Die Proben wurden nach einem festgelegten Probenplan bundesweit gezogen. Leider konnten nicht alle Nitratuntersuchungen die Fragen nach den Einflussfaktoren beantworten. Die Verteilung der Proben über die Quartale und über die Herkunftsländer war häufig so mangelhaft, dass die Daten nicht für die statistische Verarbeitung geeignet waren. Feldsalatproben konnten beispielsweise nur im 4. Quartal genommen werden. Im dritten Quartal stammten die Endivienproben nur aus Deutschland. Trotzdem möchten wir im Folgenden einige Ergebnisse zur Nitratbelastung der untersuchten Proben vorstellen: Endiviensalat Von den 106 Proben stammten 34% aus dem 3. Quartal und 62% aus dem 4. Quartal. Regionale Unterschiede zwischen Italien und Deutschland konnten nur mit Proben aus dem 4. Quartal erfasst werden. Im 4. Quartal wurden 27 deutsche und 31 italienische Proben untersucht. | Endiviensalat | | Herkunft | Mittelwert mg/kg | höchster Gehalt mg/kg | Quartal (Herkunft) | Mittelwert mg/kg | höchster Gehalt mg/kg | | Deutschland | 1117 | 2740 | 3/95 (D) | 1120 | 2313 | | Italien | 599 | 2880 | 4/95 (D,I) | 864 | 2740 | Saisonale Einflüsse wurden durch regionale Unterschiede verzerrt, weil im 3. Quartal nur deutsche aber keine italienischen Proben genommen wurden. Dies erklärt den hohen mittleren Nitratgehalt im 3. Quartal. Eisbergsalat Insgesamt wurden 288 Proben, die vorwiegend im 2., 3. und 4. Quartal gekauft wurden, untersucht. Bei der Untersuchung der regionalen Unterschiede zeigte sich, dass nur leichte saisonale und regionale Unterschiede ausgemacht werden konnten. | Eisbergsalat | Herkunft Apr. - Dez. | Mittelwert mg/kg | höchster Gehalt mg/kg | Quartal (Herkunft) | Mittelwert mg/kg | höchster Gehalt mg/kg | | Deutschland | 930 | 5400 | 1/95 (Sp) | 759 | 1120 | | Niederlande | 781 | 1773 | 2/95 (Sp,D,N) | 809 | 5400 | | Spanien | 753 | 1606 | 3/95 (D, N) | 843 | 3547 | | | 4/95 (Sp,D,N) | 898 | 2224 | Feldsalat 181 Feldsalatproben wurden zu 94,5% im vierten Quartal genommen. Demzufolge konnten bei dieser Salatsorte keine Betrachtung der saisonalen Einflüsse auf den Nitratgehalt erfolgen. Nur ein Vergleich der Nitratgehalte zwischen 93 deutschen und 55 französischen Proben aus dem 4. Quartal konnte gezogen werden. | Feldsalat | Herkunft Okt. - Dez. | Mittelwert mg/kg | höchster Gehalt mg/kg | | Deutschland | 2124 | 4647 | | Frankreich | 2579 | 4906 | Lollo rosso Bei Lollo rosso-Proben wurden die Unterschiede im Nitratgehalt zwischen Deutschland und Italien ermittelt. Die starke ungleichmäßige Verteilung der Probenzahlen zwischen Herkunftsland und Quartal lassen aber keine statistisch abgesicherte Aussage über mögliche Einflüsse zu. (112 deutsche, 24 italienische Proben). Die Proben wurden vorwiegend im 2. und 3. Quartal genommen. | Lollo rosso | Herkunft Apr. - Dez. | Mittelwert mg/kg | höchster Gehalt mg/kg | Quartal | Mittelwert mg/kg | höchster Gehalt mg/kg | | Deutschland | 1783 | 4545 | 2/95 | 1707 | 4677 | | Italien | 1414 | 4588 | 3/95 | 1813 | 4545 | Rettich Die 146 Rettichproben stammten vorwiegend aus Deutschland und Italien, die Proben wurden vor allem im 3. und 4. Quartal gekauft. Zwischen den deutschen und den italienischen Proben wurden keine Unterschiede bei der Nitratbelastung festgestellt. Die mittleren Nitratkonzentrationen variierten deutlich in den letzten drei Quartalen. | Rettich | Herkunft Juli - Dez. | Mittelwert mg/kg | höchster Gehalt mg/kg | Quartal | Mittelwert mg/kg | höchster Gehalt mg/kg | | Deutschland | 1414 | 4545 | 2/95 | 559 | 3864 | | Italien | 1436 | 4588 | 3/95 | 1169 | 3516 | | | 4/95 | 1794 | 3864 | Zusammenfassung Die Verteilung der Proben nach Herkunft und Quartal war häufig ausgesprochen ungünstig, so dass nur in einigen Fällen eine statistisch abgesicherte Aussage gemacht werden konnte. Der größte saisonale Einfluss auf den Nitratgehalt wurde beim Rettich festgestellt. In der Zeit November-Dezember war der mittlere Nitratgehalt drei mal so hoch wie in den Monaten April-Juni. Es gab jedoch keine Unterschiede beim Nitratgehalt in Rettichen aus Italien und Deutschland. Von den untersuchten Salaten hatten Endiviensalat und Eisbergsalat den niedrigsten Nitratgehalt, Feldsalat den höchsten. Feldsalat ist eine Salatsorte, die viel Nitrat speichert. Feldsalate aus Frankreich oder Deutschland waren im 4. Quartal gleichermaßen mit Nitrat belastet. Im 4. Quartal waren deutsche Endiviensalate deutlich höher mit Nitrat belastet als die italienischen Proben. Auffällig waren die geringen saisonalen und regionalen Einflüsse auf die Nitratkonzentration in Eisbergsalat. B) Nitratuntersuchungen des Umweltinstitut München e.V.: Einfluss von Saison und Anbauverfahren Im Umweltinstitut München e.V. wurde der saisonale Einfluss auf den Nitratgehalt in Salat untersucht, wobei ein Vergleich zwischen biologischem und konventionellem Anbau gezogen wurde. Die Ergebnisse: | Nitrat in Salaten von Ende Mai bis Anfang Juli | | Sorte | Konventionell | Biologisch | | | gekauft bei | mg/kg | gekauft bei | mg/kg | | Kopfsalat | Tengelmann | 2140 | Ab Hof | 1020 | | Kopfsalat | Tengelmann | 1265 | Basic Naturkost | 350 | | Kopfsalat | Penny | 1100 | | | | Eisbergsalat | Tengelmann | 1240 | Direktvermarkter | 93 | | Eisbergsalat | Penny | 700 | Basic Naturkost | 410 | | Eisbergsalat | Wochenmarkt | 490 | Wochenmarkt | 195 | | Eisbergsalat | Penny | 130 | Grüner Markt | 860 | | Eichblatt (rot) | Tengelmann | 855 | Direktvermarkter | 333 | | Eichblatt (rot) | Wochenmarkt | 495 | Direktvermarkter | 695 | | Eichblatt (rot) | Penny | 1425 | Basic Naturkost | 1010 | | Eichblatt (rot) | | | Wochenmarkt | 260 | | Batavia | | | Grüner Markt | 220 | | Mittelwert | | 984 mg/kg | | 495 mg/kg | | Nitrat in Salaten und Gemüse von Mitte Oktober bis Anfang November | | Sorte | Konventionell | Biologisch | | | gekauft bei | mg/kg | gekauft bei | mg/kg | | Eisbergsalat | Tengelmann | 1420 | Tagwerk/Ökokiste | 625 | | Eisbergsalat | Tengelmann (SP) | 890 | Bio-logisch | 390 | | Kopfsalat | Tengelmann | 2370 | Naturland | 1980 | | Kopfsalat | Penny | 1535 | Basic Naturkost | 1740 | | Kopfsalat | Tengelmann | 2660 | | | | Kopfsalat | Tengelmann (F) | 2440 | Basic Naturkost | 2795 | | Feldsalat | Tengelmann | 3970 | Tagwerk/Ökokiste | 3140 | | Batavia | Fruchtmarkt | 1035 | Basic Naturkost | 2400 | | Endivien | Tengelmann | 1570 | Tagwerk/Ökokiste | 270 | | Endivien | Tengelmann | 1290 | Basic Naturkost | 935 | | Endivien | | | Bio-logisch | 1210 | | Kohlrabi | Tengelmann | 1025 | Tagwerk/Ökokiste | 1242 | | Rettich | Fruchtmarkt | 3140 | Tagwerk/Ökokiste | 1175 | | Mittelwert | | 1918 mg/kg | | 1548 mg/kg | | Außer drei Proben stammen alle Gemüse/Salatsorten laut Angaben aus Deutschland.; F = Herkunftsland Frankreich, Sp = Spanien | | Proben, die in einer Zeile dargestellt sind, stammten überwiegend vom gleichen Tag, das Kaufdatum variierte maximal zwei Tage. | Im 2. und 4. Quartal 2000 wurden insgesamt 41 Stichproben verschiedener Salatsorten aus konventionellem und biologischem Anbau in Münchner Geschäften gekauft. Die "Sommersalate" wurden im Mai/Juni 2000 eingekauft und stammen laut Angaben alle aus Deutschland. Die herbstlichen Salatproben wurden im Oktober/November eingekauft und stammen mit drei Ausnahmen aus Deutschland. Außerdem wurde der Nitratgehalt von Rettich und Kohlrabi untersucht. Die Nitratgehalte wurden per Ionenchromatographie gemessen. Bewertung Im Schnitt waren die biologischen Waren deutlich geringer mit Nitrat belastet als die konventionellen. Auffällig ist der hohe Nitratgehalt des konventionell und des biologisch angebauten Feldsalats. Der Richtwert für Feldsalat von 2500 mg/kg wurde von der biologischen und von der konventionellen Probe überschritten. Bekanntlich ist auch in biologischen Gärtnereien der Anbau von Feldsalat (sowie Rucola) mit niedrigem Nitratgehalt schwierig. Die konventionell angebaute Rettichprobe konnte ebenso den Richtwert von 3000 mg/kg nicht einhalten. Der für Salat hohe Winter-Grenzwert von 4500 mg/kg wurde von den betroffenen Salatsorten eingehalten. Mit Hinblick auf die Ausreißer bei biologischem Kopfsalat- und Bataviasalat sollte auch der biologische Landwirt möglichst sparsam mit organischem Dünger umgehen. Im Vergleich zu den deutschen Salaten aus den Monaten Mai und Juni enthalten die Proben aus den Monaten Oktober - November deutlich mehr Nitrat. Diese Feststellung kann auch ohne Einbeziehung von Feldsalat aufrecht erhalten werden. Der durchschnittliche Nitratgehalt der konventionellen Salate betrug im Sommer 984 mg/kg und im Herbst 1918 mg/kg. Die biologischen Salate enthielten im Sommer im Schnitt 495 mg/kg und im Herbst 1548 mg/kg Nitrat. Saisonaler Einfluss auf den Nitratgehalt bei Kopfsalat Aus unseren Nitratmessergebnissen von Kopfsalaten aus den Jahren 1994 bis 2000 haben wir eine Grafik der Quartalsmittelwerte erstellt, die Aufschluss über den saisonalen Einfluss und Auswirkungen des Anbauverfahrens gibt. Für eine statistisch gesicherte Aussage ist die Anzahl der Proben allerdings zu gering. Es wurde nicht nach Herkunftsländern unterschieden. In den Monaten November bis Mai sind vorwiegend ausländische, im Juni bis Oktober vorwiegend einheimische Kopfsalate auf dem Markt. Aus unseren Untersuchungsergebnissen ist die Schlussfolgerung zu ziehen, dass: - Kopfsalate im Sommer deutlich weniger mit Nitrat belastet sind als im Winter,
- Kopfsalate aus biologischem Anbau im Schnitt deutlich weniger mit Nitrat belastet sind als konventionell angebaute.
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aus unserer Mitgliederzeitschrift Umweltnachrichten Ausgabe: 90/2000
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