Umweltinstitut München e.V.
  change to english
[ arrow Umweltinstitut.org arrow Naturschutz arrow 5 Jahre Amphibienschutz ]

5 Jahre Amphibienschutz

im Münchner Osten - eine Bilanz

Es ist ziemlich genau 5 Jahre her, als ich am 1. Mai 1993 mit einigen Mithelfern aus der Nachbarschaft in einem Feuchtbiotop im Münchner Osten ein Laichgewässer für die in Bayern vom Aussterben bedrohte Wechselkröte (Bufo viridis) anlegte. Niemand von uns ahnte damals auch nur im geringsten, dass dieser Einsatz am Beginn eines mehrere Jahre dauernden Naturschutzprojektes stehen sollte.

Die Anfänge

Zum einen war der große Erfolg dieser 1-Tages-Aktion ausschlaggebend: Während sich die Wechselkröte nämlich zuvor nicht mehr erfolgreich fortpflanzen konnte, da alle Gewässer beinahe völlig verlandet bzw. zugewachsen waren und diese Art auf vegetationsfreie oder zumindest -arme, pfützenähnliche Gewässer angewiesen ist, verlief die Reproduktion in dem von uns neu geschaffenen Gewässer überdurchschnittlich erfolgreich, was zu einer förmlichen Überschwemmung der gesamten Biotopfläche mit kleinen Hüpferlingen im Spätsommer 1993 führte. So wurde der bis dahin anhaltende Abwärtstrend in der Populationsentwicklung gerade noch rechtzeitig gestoppt.

Teichfrosch Zum anderen faszinierte die nicht nur für eine städtische Umgebung außergewöhnliche Artenvielfalt an Amphibien: Neben der Wechselkröte nutzten damals noch Erdkröte, Grasfrosch, Teichmolch, Wasserfrosch und Seefrosch - überwiegend noch relativ häufige Arten - dieses Biotop als Laichplatz und Lebensraum. Doch auch sie waren im Rückzug begriffen, da meist alle Gewässer im Sommer trockenfielen und so die Larven ihre Metamorphose nicht erfolgreich abschließen konnten. So galt es, auch für diese Arten Maßnahmen zu ihrem Schutz zu ergreifen.

Bis Juli 1993 erarbeitete ich also ein umfassendes Konzept, das zunächst vor allem auf der Wiederherstellung geeigneter Laichgewässer beruhte. Die Stadt München, Eigentümer der 1 Hektar großen Fläche, genehmigte die geplanten Maßnahmen und unterstützte sie in der Folgezeit auch durch den Einsatz von Maschinen. Noch im selben Jahr übernahm das Umweltinstitut München e.V. die Schirmherrschaft über die Restaurierung des gesamten Biotops. Seitdem beteiligen sich unsere Zivildienstleistenden regelmäßig an den Maßnahmen und haben einen nicht wegzudenkenden Beitrag zur Realisierung des Projektes geleistet.

Was aber haben wir in den vergangenen 5 Jahren erreicht - und vor allem: Wie soll die Zukunft aussehen? Da wir in den Umweltnachrichten schon des öfteren ausführlich von Erfolgen unserer Naturschutzmaßnahmen berichten konnten, sollen an dieser Stelle ausnahmsweise einmal nackte Zahlen und Daten verdeutlichen, was konsequentes Engagement zu leisten in der Lage ist:

Anzahl an... im Jahr
19931998
Amphibienarten gesamt69
Amphibienarten der Roten Liste13
Reptilienarten13
Brutvogelarten511
Säugetierarten48
Blütenpflanzen und Gräser44313
Strauch- und Baumarten819
Gewässer (nicht vollständig verlandet)235
Magerrasenflächen03
(Halb-)trockenrasenflächen03
Feuchtwiesenflächen02
Ruderalflurflächen04
Gehölzbereiche610
feuchte Hochstaudenfluren04
Kleinstrukturen (z.B. Reisighaufen, Lesesteinhaufen etc.)746

Aus den vielen, vielleicht verwirrenden Zahlen lässt sich zumindest ein Trend deutlich ablesen: Praktisch alle Tiergruppen (Insekten, Reptilien, Vögel, Säuger...) konnten in teils erheblichem Maße von unseren Eingriffen profitieren, wenngleich das eigentliche Schutzkonzept vor allem auf Amphibien ausgerichtet war. Dennoch wurde von Beginn an der Versuch unternommen, nicht ausschließlich einige wenige, besonders gefährdete Arten zu fördern. Vielmehr war die Entwicklung einer artenreichen, vielfältigen Flora und - darauf basierend - Fauna oberstes Ziel.

Erdkröte Nach 5 Jahren teils sehr intensiver Arbeit vor Ort sind wir nun an einem Punkt angelangt, an dem ein Teilziel allmählich in greifbare Nähe rückt: Der Abschluss der Gestaltungsmaßnahmen. Dieses Ziel soll noch bis Ende 1998 erreicht werden - schließlich bedeutet jeder Eingriff neben all den positiven Auswirkungen, die er mit sich bringen kann, auch eine drastische Störung der Tier- und Pflanzenwelt.

Derartige Störungen wollen wir jedoch in Zukunft vermeiden, indem wir unsere Tätigkeit ab 1999 auf Pflegemaßnahmen umstellen werden. Dazu gehören neben eventuellen Teichfolien-Reparaturen bzw. Nachverdichtung von Lehmteichen vor allem die Mahd der Wiesenflächen, das Offenhalten von Magerrasenbereichen, die Entfernung von übermäßig wucherndem Röhricht bzw. zu üppig gedeihender Unterwasser-Vegetation usw. - kurzum soll der artenreiche "Status Quo" im wesentlichen erhalten werden. Würden derartige regulierende Eingriffe unterbleiben, würde die natürliche Sukzession im Laufe weniger Jahre zu einer fortschreitenden Verbuschung der terrestrischen bzw. Verlandung der aquatischen Flächen führen, was erneut eine drastische Abnahme der Artenvielfalt mitsamt der Rote-Liste-Amphibienarten zur Folge hätte.

Doch bis der letzte Teich gegraben, die letzte Feuchtwiese angelegt, der letzte Magerrasen angesät, der letzte Sandhügel aufgeschüttet, der letzte Reisighaufen errichtet und der letzte Strauch gepflanzt ist, werden noch ganz erhebliche Anstrengungen erforderlich sein. Diese Anstrengungen sind leider mit einem sehr hohen finanziellen Aufwand verbunden - insgesamt müssen in diesem Jahr nochmals ca. 8000. - DM aufgebracht werden, um die Biotoprestaurierung erfolgreich abschließen zu können. Zu dieser hohen Summe tragen vor allem die Anschaffung von Teichfolien (die Folienkosten für einen 200 m2 großen und 70 cm tiefen Teich liegen bereits zwischen 3000.- und 4000.- DM!) sowie der Kauf von Substraten wie Kies, Sand, Humus etc. in großen Mengen bei.

Deshalb möchten wir Sie an dieser Stelle ganz herzlich bitten, uns mit einer Spende zu unterstützen, damit wir unsere Naturschutzarbeit noch in diesem Jahr erfolgreich zum Ziel führen können.

Stefan Freiberger
aus unserer Mitgliederzeitschrift Umweltnachrichten Ausgabe: 79/98