Umweltinstitut München e.V.
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ExmoorPonies im Donaumoos

Fortsetzung unseres Berichtes (Heft 80/98)

Im Dezember-Heft '98 berichteteten wir unter dem Titel 'Ponies ins Moos' über ein Landschaftspflegeprojekt mit einer Gruppe Exmoorponies. Noch im Dezember bezogen unsere Urponies das ihnen zur Verfügung gestellte Areal im Donaumoos. Ohne große Probleme bestiegen die vier den großen Viehwagen und fuhren dann von Günzburg nach Norden über die Donau ins Moos, eine flache Verlandungslandschaft im Urstromtal der Donau. Die Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos, die weite Teile dieser Landschaft betreut und in einen naturnäheren Zustand versetzen will, hat eine Fläche ausgewählt, in der unsere Ponies die Landschaft und die Vegetation durch Verbiss und Tritt gestalten dürfen.

Unseren Ponies gefällt es gut und sie kommen auch mit den naturgemäßen Unbilden - Schneestürme im Winter, Vernässungen im Frühjahr und Bremsen und andere Plagegeister im Sommer - gut aus. Im Frühjahr ’99, als die großen Regenfälle in manchen Teilen Bayern zu gewaltigen Überschwemmungen führten, stieg auch der Wasserstand im Donaumoos. Aber unsere Ponies fanden in ihrem Areal immer genügend trockene Plätze. Die erfreulichste Meldung: Am 7. und 8. Juni kamen innerhalb weniger Stunden zwei Fohlen zur Welt. Wilma und Jamaika sind die stolzen Mütter. Mit der Geburt der Kleinen änderte sich das Verhalten unserer Exmoors deutlich. Sie standen zwar immer noch beisammen. Aber die Mütter bewachten ihre Fohlen und hielten dabei eine paar Meter Distanz zueinander. Wenn die Kleinen müde wurden - das passiert zu Beginn des Pferdelebens recht oft - dann ließen sie sich ins hohe Gras fallen und schliefen an Ort und Stelle ein. Die Mütter grasten in unmittelbarer Nähe. Nicht aber, wenn die Sonne stark vom Himmel brannte. Dann stellten sich beide Stuten so hin, dass ihre Fohlen im Schatten ihrer Körper lagen. Mit offenen Mäulern und geduldig dösend ertrugen sie selbst die Hitze. Hengst Moritz hatte in den ersten Tagen schlechte Karten, wollte er seine Sprösslinge aus der Nähe besichtigen. Die jungen Mütter hielten davon gar nichts. So musste der stolze Papa mit mindestens 10 Metern Abstand vorlieb nehmen. Dieses besorgte Verhalten der Stuten ist nicht untypisch. Sie achten ganz genau darauf, ob das eigene oder ein anderes Fohlen die Nähe sucht oder sich an der körpereigenen Milchbar laben will. Da kann es schon mal passieren, dass ein Fohlen aus dem Schlaf erwacht und sich schnurstracks der falschen Mutter zuwendet. Ruppig wird es zurechtgewiesen: keine Milch für fremde Kinder! Mit den Wochen des Heranwachsens der Fohlen nimmt diese besonders enge Mutter-Kind-Beziehung stetig ab. Auch andere Familienmitglieder und vorallem der Hengst werden zu Bezugspersonen im Rudel.

Am 28. August besuchten wir im Rahmen der Exkursionsreihe des Umweltinstituts München unsere Pony-Familie. Sogar das Fernsehen war dabei. Für die Sendung "Aus Schwaben und Altbayern" im 3.Programm wurde Bildmaterial für einen Kurzbericht gesammelt.

Fohlen
Wolke
aufgenommen 10/1999
Alter: 3 Monate

Die beiden Fohlen sind in den knapp 3 Monaten sehr gewachsen. Und das ist gut so, denn zu klein in den Winter kommen, ist natürlich ein Risiko. Sich erfolgreich fortzupflanzen heißt in der Natur natürlich auch, zur rechten Zeit im Jahr den Nachwuchs zu bekommen. Dies gilt besonders für junge Huftiere. Kommt man als junges Pferd zu früh zur Welt, kann es im Frühjahr noch frostig sein, auch tiefer Schnee wäre für ein Neugeborenes ungünstig - geschweige denn, dass die Flucht vor Raubtieren erheblich erschwert würde. Die Vorzugszeit für Geburtstermine liegt für unsere Ponies im Mai mit einer breiten Toleranz von Mitte April bis Anfang Juli. Aber nicht überall sind die Klimabedingungen so tolerant wie in Mitteleuropa. In den Steppen der Mongolei und Turkestans (Sinkiangs) sind die Klimabedingungen derart hart, dass die Fohlen der Przewalski-Urwildpferde innerhalb weniger definierter Tage zur Welt kommen müssen, um erfolgreich den ersten Winter zu überstehen.

Auf unserer Exkursion am 28. August '99 besuchten wir natürlich nicht nur die Ponies. Unter Leitung eines Mitarbeiters der ArGe Donaumoos wanderten wir durch den Donau-Auwald. Einst verlegte die Donau immer wieder ihren Lauf im weiten Tal ihres Urstrombeckens, schuf dabei Altwasserschleifen, die sich zu Teichen und Tümpeln entwickelten, dazwischen vielfältige Landbiotope. Aufgrund der Grundwassernähe und der immer wiederkehrenden Überflutungen entwickelten sich auch ausgedehnte Feuchtflächen und Niedermoore. Besonders die Hochwasser führten immer wieder zu veränderter Landschaft. Kiesbänke, auch Brennen genannt, entstanden. Sie boten besonders solchen Arten Lebensraum, die es auch trocken und warm mögen, etwa die Zauneidechse, viele Heuschrecken- oder auch die Sandlaufkäfer. Solche Hochwasser gibt es heute kaum mehr, in Folge dessen auch kaum mehr neue vom Fluss geschaffene Kiesflächen und Brennen.

Die Grenze von Württemberg und dem bayer. Regierungsbezirk Schwaben verläuft hier, in der Nähe von Günzburg, durch den Donaugrund. Die Landschaft ist flach. Den Untergrund bilden Kiese und andere Schwemm-Materialien, die von der Donau in ihrem breiten Urstromtal transportiert wurden.

Die feuchten offenen Flächen sind bedeutende Rast- und Brutplätze seltener Vogelarten. Sogar die weißen Silberreiher lassen sich hier zuweilen aus sicherer Entfernung beobachten. Vorsorglich haben wir unsere Exkursion in den Spätsommer gelegt. Die Wiesenbrüter haben jetzt nämlich ihr Brutgeschäft erledigt. Wir können uns daher nun auch in die sensibleren Areale der Schutzgebiete vorwagen, ohne die Tiere unnötig aufzustöbern und ohne so ein schlechtes Beispiel für andere zu werden.

Im Auwald bestaunten wir die landschaftspflegerischen Maßnahmen eines Baumfällers: des Bibers (Castor fiber). In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat sich dieser größte einheimische Nager im Einzugsgebiet der Donau und ihrer Nebenflüsse wieder ausgebreitet, nachdem er in den Jahrhunderten zuvor in Mitteleuropa fast zur Gänze ausgerottet wurde. Lediglich an der Elbe und der Rhone überlebten mitteleuropäische Biber. Die erfolgreiche Wiedereinbürgerung in vielen Flusssystemen Europas geht auf gezielte, von Naturschutz-Verbänden und -Behörden geförderte Auswilderungen der Art zurück. Die Tiere selbst zu beobachten, am helllichten Tag und noch dazu im Rahmen einer Exkursion - das ist kaum möglich. Zu aufmerksam sind die heimlichen Gesellen, die uns Menschen in aller Regel eher bemerken als wir sie. Was man eher mal sieht, ist eine Biberspur im Gras oder im Unterholz, der Abdruck eines Fußes im Schlamm oder abgenagte Stämme und Bäumchen. Aber auch wenn wir keinen leibhaftig gesehen haben, es scheint inzwischen schon so viele Biber zu geben, dass ab und zu welche mit behördlicher Genehmigung eingefangen werden können, um sie dann in neuem Biberland, etwa in Belgien, auszuwildern.

Im Gegensatz zu den Hochmooren, den Filzen, werden im süddeutschen Sprachgebrauch die Niedermoore als Moose bezeichnet. Das Niedermoor ist reicher an Arten. Überschwemmungen oder steigende Grundwasserstände versorgen das Moos mit Mineralien und Nährstoffen. An Bäumen finden wir vor allem solche, die gerne mal einen nassen Fuß haben: die Erlen (Gattung Alnus) und Weiden (Gattung Salix). Noch vor 3 Jahrhunderten wurden derartige Überschwemmungslandschaften im Umgriff von Flüssen und Seen lediglich zur Jagd oder für die Waldweide genutzt. Später aber wurden die Flüsse begradigt, mit Dämmen und Deichen in einen festen Lauf gezwungen, ihr Umland wurde mit Gräben entwässert und mit Dämmen vor Überflutungen geschützt. Heute will man hier im Schwäbischen Donaumoos die Entwicklung wieder zurückdrehen. Zuständig für Schutz- und Renaturierungsmaßnahmen ist die Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos e.V.

Die offenen Flächen sollen sich natürlich entwickeln und dabei nicht verbuschen und verwalden. Offene, lichte Landschaften wären von Natur her vorgesehen. Aber die natürlichen Faktoren, derartige Landschaften offen zu erhalten, fehlen heute zunehmend: Beweidung durch Großtiere, Stürme, Feuer und Hochwasser. In der freien Landschaft grasende Pferde und Rinder - in deutschen Landen ein heute kaum mehr vorstellbares Bild, ist doch unsere "Kultur"-Landschaft streng eingeteilt in Nutzungsformen: Feld, Weide (Wiese), Forst, Verkehrsräume, Siedlungs- und Gewerbeflächen. Kaum mehr vorstellbar: Einst weidete das Vieh frei in der Landschaft, Wald und Weideflächen waren eins.

Für die Erhaltung von Landschaft und Lebensräumen eine besonders wertvolle ursprüngliche Pferderasse einzusetzen - ist eine Idealkombination. Freilandhaltung unter halbwilden Bedingungen ist optimal für die Tiere und diese spielen zugleich einen wichtigen Part im Naturhaushalt. Das Umweltinstitut München e.V. unterstützt und betreut dieses Projekt, dessen Ziel es ist, Erfahrungen für die Pflege von Offenlandschaften zu sammeln.

Das für das Projekt ausgewählte ExmoorPony wird zuweilen auch als KeltenPony bezeichnet. Es handelt sich um die urigste und seit der Eiszeit wildlebende und unveränderte europäische Pferderasse. Im Stockmaß (Widerrist) erreichen diese Pferde zwischen 114 und 129 cm. Die Färbung spielt zwischen hellbraun und fast schwarz. Dabei können goldbraune Tönungen hereinspielen. Kennzeichnend sind das helle "Mehl"-Maul, Aufhellungen um die Augen und an den Flanken. Wer sich für ExmoorPonies interessiert, wende sich an den Autor dieses Textbeitrages.

Detlef Schilling
aus unserer Mitgliederzeitschrift Umweltnachrichten Ausgabe: 84/98